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Mobilität

Vereinbarung auf Autogipfel

Neue Prämie für E-Autos bedroht Existenz von Kleinherstellern wie e.Go

Eigentlich müssten Hersteller über die erhöhte E-Auto-Prämie jubeln. e.Go, der Pkw-Ableger des erfolgreichen Streetscooter-Lieferwagens, sieht jedoch seine Existenz bedroht. Wie kann das sein?

Wolfgang Rattay/ REUTERS

Elektroautohersteller e.Go kritisiert neue E-Auto-Kaufprämie

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Sonntag, 10.11.2019   14:44 Uhr

Der Elektroautohersteller e.Go sieht in der neuen Elektroauto-Kaufprämie eine Bedrohung für kleine Hersteller. "Diese Regelung kann für uns existenzgefährdend werden", sagte Unternehmensgründer Günther Schuh, der auch den Elektro-Lieferwagen Streetscooter entwickelt hat, dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Bundesregierung und Autobranche hatten auf dem Autogipfel Anfang November vereinbart, dass die Kaufprämie für E-Fahrzeuge deutlich aufgestockt wird:

Die Hälfte der Prämie zahlt der Staat, den anderen Teil der Hersteller. Und genau dort liegt für e-Go-Chef Schuh das Problem. Sein extrem reduziertes und kostengünstiges Elektroauto bietet keinen Spielraum bei den Margen, um so eine Anschubfinanzierung stemmen zu können. "Um den Eigenanteil bezahlen zu können, müssten wir ihn auf den Preis unserer Autos schlagen", sagt Schuh auf Nachfrage des SPIEGEL. "e.Go kann das Geld nicht mit dem Verkauf von Verbrennerautos querfinanzieren, wie es die großen Hersteller machen", so Schuh. Konkret heißt das, e-Go müsste den Prämienanteil von 3000 Euro auf die Kunden abwälzen. Das 15.900 Euro teure Basismodell e.Go Life würde um rund 20 Prozent teurer. "Kleinserienhersteller und Start-ups haben bei der Prämie einen Nachteil", meint Schuh.

Das könnte auch andere Hersteller betreffen. Das Münchner Start-up Sono Motors beispielsweise will ab 2020 mit dem Sion ein E-Auto anbieten, das sich über Solarzellen teilweise selbst auflädt. "Junge Unternehmen, wie Sono Motors, haben keinerlei Einfluss auf die E-Auto-Prämie und wurden bei der Ausgestaltung schlicht ignoriert", sagt Laurin Hahn, Gründer von Sono Motors. "Wie Geschäftsmodelle, die sich für eine klimafreundliche Mobilität einsetzen, bei einer solchen Entscheidung nicht berücksichtigt werden können, ist für uns unverständlich." Das Auto hat einen Elektromotor mit 163 PS (120 kW), eine Reichweite von rund 250 Kilometern und soll bei Marktstart 16.000 Euro kosten. Jährlich will Sono Motors dann 43.000 Fahrzeuge produzieren.

"Für kleinere Hersteller ist die Prämie ein Problem", sagt auch Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). Große Hersteller könnten den vollen Rabatt durch die Gewinne aus anderen Teilen des Portfolios an die Kunden weitergeben. "E.Go lebt ja aber genau davon, die Fahrzeuge zu einem relativ günstigen Preis anzubieten", sagt Bratzel. Er schlägt vor, Hersteller, die Elektroautos unterhalb von 20.000 Euro anbieten, von dem Zuschuss zu befreien.

Der e.Go Life im Video:

Foto: e.GO Mobile

Schuh schlägt in dieselbe Kerbe: "Es würde die Bundesregierung nicht viel kosten, wenn sie den Eigenanteil bei uns aussetzen würde. Das wiederum würde unsere Aussichten, auf dem Markt zu überleben, deutlich erhöhen." Er fordert eine Ausnahme für reine Elektroautohersteller. Von denen gebe es in Deutschland sowieso nur e.Go. Könnte Schuh die volle Prämie an die Kunden weitergeben, würde das Basismodell nur noch 9990 Euro kosten.

In diesem Jahr hat e.Go mit der Auslieferung der ersten Fahrzeuge begonnen. Im ersten vollen Produktionsjahr 2020 sollen mindestens 15.000 E-Autos produziert werden. Verglichen mit VW, BMW oder Mercedes ist diese Zahl verschwindend gering - und damit ein weiteres Problem für Schuhs E-Auto-Fabrik. "Natürlich will man mit der Prämie die deutsche Industrie unterstützen, und da geht es vorrangig um die großen Hersteller", sagt Branchenexperte Bratzel. Gesamtwirtschaftlich spielten die kleinen Hersteller eben keine große Rolle.

Fotostrecke

Kalifornisches Start-up Canoo: Elektro-Bulli mit BMW-Genen

Das man sein Unternehmen vom Markt verdrängen will, glaubt Schuh allerdings nicht. "Entgegen der Intention der Regierung werden kleine Elektroautohersteller mit der derzeitigen Regelung allerdings benachteiligt", sagt Schuh. "Die Erhöhung der Prämie ist aber eine gute und richtige Entscheidung, um die Elektromobilität voranzubringen. „Er habe sich bereits an die zuständigen Bundesminister gewandt und hofft, dass reine Elektroautohersteller künftig von dem Eigenanteil befreit werden. "Alles andere ist ja nicht im Sinne des Erfinders", so Schuh.

Mit Material von dpa

insgesamt 101 Beiträge
karl_idstein 10.11.2019
1. Seltsame Rechnung mit 20 Prozent
Im Artikel heißt es "e-Go müsste den Prämien-Anteil von 3000 Euro auf die Kunden abwälzen. Das 15.900 Euro teure Basismodell e.Go Life würde um rund 20 Prozent teurer". Der herstellerseitige Prämienanteil beträgt doch [...]
Im Artikel heißt es "e-Go müsste den Prämien-Anteil von 3000 Euro auf die Kunden abwälzen. Das 15.900 Euro teure Basismodell e.Go Life würde um rund 20 Prozent teurer". Der herstellerseitige Prämienanteil beträgt doch jetzt auch schon 2000 Euro, damit kommt die Firma ja scheinbar bisher kalkulatorisch in der Marge klar. Künftig geht es also um 1000 Euro mehr. Klar ist das Geld, aber es macht doch nicht den dramatisch vorgerechneten Unterschied zum Ist-Zustand aus? Etwa 6 Prozent Unterschied sehe ich da.
vogelskipper 10.11.2019
2. Deutschland - das Wunderland für Start Ups
Da wird der Scheuer Andi von seinen großen Herstellern schon geflüstert bekommen haben, dass man die Kleinen doch bitte außen vor läßt, damit die nicht noch zur ernsthaften Konkurrenz heranwachsen könnten; das würde doch [...]
Da wird der Scheuer Andi von seinen großen Herstellern schon geflüstert bekommen haben, dass man die Kleinen doch bitte außen vor läßt, damit die nicht noch zur ernsthaften Konkurrenz heranwachsen könnten; das würde doch viele Arbeitsplätze bei den Großen gefährden. Innovation fördern geht wahrlich anders, aber auf dem Sektor haben es kleine Start Ups bei uns sowieso sehr schwer. Und BTW, welcher Durchschnittsdeutsche kauft sich ein neues Auto, das weit über 40.000 € kostet, um in diesen Genuß zu kommen? Aber gut, Minister Scholz will nun reine Männervereine anders besteuern, das ist zumindest echte Innovation made in Germany und wird sicherlich viel Geld in die Staatskasse bringen. Man kann sich echt nur noch wundern, wo diese Regierung Schwerpunkte setzt.
mwroer 10.11.2019
3.
"Könnte Schuh die volle Prämie an die Kunden weitergeben, würde das Basismodell nur noch 9.990 Euro kosten." Also 6.000 Euro weniger obwohl die Firma nur 3.000 Euro trägt - das würde bedeuten im Moment gibt [...]
Zitat von karl_idsteinIm Artikel heißt es "e-Go müsste den Prämien-Anteil von 3000 Euro auf die Kunden abwälzen. Das 15.900 Euro teure Basismodell e.Go Life würde um rund 20 Prozent teurer". Der herstellerseitige Prämienanteil beträgt doch jetzt auch schon 2000 Euro, damit kommt die Firma ja scheinbar bisher kalkulatorisch in der Marge klar. Künftig geht es also um 1000 Euro mehr. Klar ist das Geld, aber es macht doch nicht den dramatisch vorgerechneten Unterschied zum Ist-Zustand aus? Etwa 6 Prozent Unterschied sehe ich da.
"Könnte Schuh die volle Prämie an die Kunden weitergeben, würde das Basismodell nur noch 9.990 Euro kosten." Also 6.000 Euro weniger obwohl die Firma nur 3.000 Euro trägt - das würde bedeuten im Moment gibt es überhaupt keine Prämie wenn man einen e-Go kauft?
testtext 10.11.2019
4. Wo ist das Problem?
Er kann den Preis doch entsprechend anheben. Beim Wegfall des Herstelleranteils wäre es eine Benachteiligung der anderen Hersteller.
Er kann den Preis doch entsprechend anheben. Beim Wegfall des Herstelleranteils wäre es eine Benachteiligung der anderen Hersteller.
katzenklopfer 10.11.2019
5. Liebe kleine Hersteller
Habt ihr die kapitalistische Demokratie nicht verstanden? Es geht nicht um besseres oder sinnvolleres Wirtschaften zum Wohle Aller - es geht um die Vermehrung des Reichtums weniger. Es geht auch nicht um die Sicherung der [...]
Habt ihr die kapitalistische Demokratie nicht verstanden? Es geht nicht um besseres oder sinnvolleres Wirtschaften zum Wohle Aller - es geht um die Vermehrung des Reichtums weniger. Es geht auch nicht um die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Menschen und seiner Umwelt - es geht um Wachstum zum Wohle Weniger. Nur dicken Karpfen dürfen im Teich schwimmen, der Rest darf sich angeln lassen. Fare Well und GL.

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