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Mobilität

Ursache geklärt

VW Touran explodierte wegen rostigen Erdgas-Tanks

An einer Tankstelle in Niedersachsen zerbarst Mitte September der Tank eines Erdgasautos. Jetzt steht die Ursache fest.

DPA

Der zerstörte VW Touran an einer Tankstelle in Niedersachsen

Dienstag, 22.11.2016   13:19 Uhr

Ein Gutachten habe ergeben, dass der verrostete Erdgasbehälter des VW Touran dem Druck bei der Betankung nicht standgehalten habe, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen am Dienstag. Der Wagen war Mitte September an einer Aral-Tankstelle im südniedersächsischen Duderstadt explodiert.

Der Fahrer des Autos war von umherfliegenden Trümmerteilen verletzt worden und musste ins Krankenhaus, für viele weitere Besitzer von Erdgasfahrzeugen hatte der Vorfall ebenfalls Konsequenzen: Als Reaktion auf das Unglück hatten alle großen Tankstellen-Konzerne ihren Stationen und Pächtern empfohlen, vorübergehend kein Erdgas mehr zu verkaufen.

Fest steht laut Staatsanwaltschaft auch, dass der zehn Jahre alte VW Touran zu jenen Autos gehörte, die VW wegen möglicher Schäden an den Gastanks zurückgerufen hatte - der Besitzer sei der Aufforderung aber nicht nachgekommen. "Wir prüfen jetzt, ob es möglicherweise bei VW Verantwortliche gibt, die dafür hätten Sorge tragen müssen, dass das Fahrzeug stillgelegt wird", sagte Oberstaatsanwalt Andreas Buick. Geprüft werde aber auch eine mögliche Verantwortlichkeit des Fahrzeughalters.

Von der VW-Rückrufaktion zum vorsorglichen Tausch von Gasflaschen waren gut 35.000 Fahrzeuge der Modelle Caddy, Passat und Touran aus den Jahrgängen 2006 bis 2010 betroffen. Hintergrund war eine mögliche Korrosion der Gasbehälter.

cst/dpa

insgesamt 144 Beiträge
monolithos 22.11.2016
1.
Bei einer Korrosion hätte ich eher ein kleines Rostloch vermutet, aus dem langsam Gas entweicht. Allenfalls bei plötzlichem Druckanstieg (Betankung) einen Riss und ein Zischen, aber keine Explosion. Der Druckbehälter muss [...]
Bei einer Korrosion hätte ich eher ein kleines Rostloch vermutet, aus dem langsam Gas entweicht. Allenfalls bei plötzlichem Druckanstieg (Betankung) einen Riss und ein Zischen, aber keine Explosion. Der Druckbehälter muss schlagartig versagt haben. Dass so etwas bei Korrosion passieren kann, lässt Schlimmeres befürchten. Ich bin gespannt auf die Klärung der Schuldfrage und welche Auswirkungen das haben wird auf die Vorgehensweise von Herstellern und KBA gegen den Halter bei zukünftigen Rückrufen.
Thomas Schnitzer 22.11.2016
2.
"Fest steht [...] dass der zehn Jahre alte VW Touran zu jenen Autos gehörte, die VW wegen möglicher Schäden an den Gastanks zurückgerufen hatte - der Besitzer sei der Aufforderung aber nicht nachgekommen. "Wir [...]
"Fest steht [...] dass der zehn Jahre alte VW Touran zu jenen Autos gehörte, die VW wegen möglicher Schäden an den Gastanks zurückgerufen hatte - der Besitzer sei der Aufforderung aber nicht nachgekommen. "Wir prüfen jetzt, ob es möglicherweise bei VW Verantwortliche gibt, die dafür hätten Sorge tragen müssen, dass das Fahrzeug stillgelegt wird", sagte Oberstaatsanwalt Andreas Buick. Geprüft werde aber auch eine mögliche Verantwortlichkeit des Fahrzeughalters" Was genau gibt es denn da zu prüfen? Man kann den Hersteller für vieles verantwortlich machen, und das gilt insbesondere für VW. Aber wenn der Kunde glasklar aufgefordert wurde, das Fahrzeug zur Untersuchung zu bringen, aber dem nicht nachkam, dann ist er in vollem Umfang für die Schäden verantwortlich zu machen. Inklusive der strafrechtlichen Verfolgung der vorsätzlichen Gefährdung anderer durch den rostigen Tank. Schließlich gibt es so etwas wie Eigenverantwortlichkeit.
exil-teutone 22.11.2016
3. Da spuckt jemand aber dicke Töne...
Da gibt es eine Menge zu prüfen, und ich will ihnen auch sagen warum. ich war selbst von eine Rückrufaktion betroffen, und zwar für mein Motorrad, eine Yamaha XV1600. Die RA ging um das Getriebe, das ausgetauscht werden [...]
Zitat von Thomas Schnitzer"Fest steht [...] dass der zehn Jahre alte VW Touran zu jenen Autos gehörte, die VW wegen möglicher Schäden an den Gastanks zurückgerufen hatte - der Besitzer sei der Aufforderung aber nicht nachgekommen. "Wir prüfen jetzt, ob es möglicherweise bei VW Verantwortliche gibt, die dafür hätten Sorge tragen müssen, dass das Fahrzeug stillgelegt wird", sagte Oberstaatsanwalt Andreas Buick. Geprüft werde aber auch eine mögliche Verantwortlichkeit des Fahrzeughalters" Was genau gibt es denn da zu prüfen? Man kann den Hersteller für vieles verantwortlich machen, und das gilt insbesondere für VW. Aber wenn der Kunde glasklar aufgefordert wurde, das Fahrzeug zur Untersuchung zu bringen, aber dem nicht nachkam, dann ist er in vollem Umfang für die Schäden verantwortlich zu machen. Inklusive der strafrechtlichen Verfolgung der vorsätzlichen Gefährdung anderer durch den rostigen Tank. Schließlich gibt es so etwas wie Eigenverantwortlichkeit.
Da gibt es eine Menge zu prüfen, und ich will ihnen auch sagen warum. ich war selbst von eine Rückrufaktion betroffen, und zwar für mein Motorrad, eine Yamaha XV1600. Die RA ging um das Getriebe, das ausgetauscht werden musste. Ich selbst habe nur durch Zufall davon erfahren, und zwar von einem MA einer Hein-Gericke Filiale in Deutschland (meine Maschine war damals in den NL registriert), als ich mir neue Bekleidung kaufen wollte. Ich bin dann natürlich zu meiner Werkstatt gefahren, und habe das Getriebe wechseln lassen im Rahmen einer ohnehin fälligen Jahresinspektion. Jetzt stellen sich aber folgende Fragen: 1) Was wäre, wenn ich *nicht* von Hein-Gericke informiert worden wäre? 2) Wer ist primär verantwortlich dafür, Rückrufe an den Halter zu vermitteln? Der Halter selbst!? Daß ich nicht lache... 3) Wenn es über ein zentrales Register gehen sollte (z.B. KBA, RDW, DVLA in DE, NL und GB), wie sollte das dann aussehen? 4) Wie und in welchem Maße sind Werkstätten einzubeziehen? Vor allem, wenn man Markenwerkstätten und freie Werkstätten betrachtet? Sollen jetzt Kunden gezwungen werden, bei Markenwerkstätten Mondpreise zu bezahlen, nur damit sie eventuell mal eine Rückrufaktion mitbekommen? Eigenverantwortung schön und gut, aber die hat ihre Grenzen, wenn es um Produktionsfehler geht, denn die liegen zunächst klar in der Verantwortlichkeit der Hersteller, und nicht des Kunden. Ein Kunde kann erwarten, daß ein Produkt fehlerfrei ist, und wenn nicht, daß er/sie dann auch darüber angemessen und zeitnah informiert wird. Zu verlangen, daß sich jeder für alles und jedes, das man so benutzt, für selten auftretende Rückrufe zu informieren hat (vor allem, in welchen Intervallen? Jeden Monat? Für *alles*, was man so benutzt?), dann läppert sich der Zeitaufwand schnellstens zu einer Vollzeitbeschäftigung. Nein, die Kommunikationswege bei Rückrufaktionen müssen anders aussehen.
Hajojunge 22.11.2016
4. Erdgas ist für Fahrzeugantriebe ungeeignet
Es läßt sich bei Normaltemperatur nicht verflüssigen, egal, wie hoch man den Druck steigert. Da müssen es schon 200...300 bar sein, um einen nennenswerten Energieinhalt zu speichern. Autogas ist dagegen bei 8 bar flüssig, und [...]
Es läßt sich bei Normaltemperatur nicht verflüssigen, egal, wie hoch man den Druck steigert. Da müssen es schon 200...300 bar sein, um einen nennenswerten Energieinhalt zu speichern. Autogas ist dagegen bei 8 bar flüssig, und dadurch steigt der Energieinhalt pro Raumeinheit um das -zigfache an. Jeder kennt Gasfeuerzeug. Mit Erdgas würde das nicht funktionieren. Der Tank für das Autogas paßt in die Reserveradmulde und bietet trotzdem mehr Reichweite als die Riesentanks unter dem Fahrzeugboden. Erdgasautos sind daher eine totale Fehlentwicklung, und dazu noch im Alter gefährlich. Vom Kauf ist dringend abzuraten. Die Erdgaslobby hatte da wohl die Finger im Spiel. Überigens- Erdgastanker haben stets verflüssigtes Gas an Bord. Drucktanks mit Normaltemperatur lohnen den Transport nicht.
rathat 22.11.2016
5. @Thomas Schnitzer
Ein Hersteller hat im Vorfeld dafür Sorge zu tragen, dass seine Produkte sicher sind. Hier hat VW versagt. Ein Hersteller hat dafür Sorge zu tragen, dass, sobald technische Langzeitschäden bekannt werden, sämtliche Produkte [...]
Ein Hersteller hat im Vorfeld dafür Sorge zu tragen, dass seine Produkte sicher sind. Hier hat VW versagt. Ein Hersteller hat dafür Sorge zu tragen, dass, sobald technische Langzeitschäden bekannt werden, sämtliche Produkte der Baureihe unverzüglich zurückgerufen werden. Hier hat VW auch versagt, indem der Rückruf nicht zeitnah angeordnet wurde. Ein Hersteller sollte offen vor den entstehenden Gefahren warnen. Hier hat VW versagt, indem in dem Rückrufschreiben lediglich von einer Überprüfung die Rede war und nicht vom Austausch der Tanks, verbunden mit der Bitte (nicht der Aufforderung), den Gasmodus nicht mehr zu benutzen. Zudem wurden den Kunden keinerlei Ausgleichszahlungen angeboten, da sie ihren Wagen ja vorerst nur mit dem teureren Benzin tanken konnten, wovon der Motor auch noch mehr verbraucht und bei einer kleinen Reichweite im Benzinmodus entsprechend häufig nachgetankt werden muss. Wenn es sich bei dem Rückruf von Anfang an, also von Bekanntwerden der ersten Probleme, um einen verpflichtenden KBA Rückruf gehandelt hätte und nicht erst um einen freiwilligen, der noch dazu viel spät eingeleitet und dann noch später vom KBA verpflichtend gemacht wurde, dann wäre das Fahrzeug schon längst stillgelegt oder repariert. Wenn ein Kunde sein gutes Recht nutzt, so kann es ihm nicht zu dessen Nachteil ausgelegt werden. Ich jedenfalls wünsche dem Geschädigten jedenfalls eine fürstliche Wiedergutmachung.
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