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Mobilität

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Genf will laute Autoposer mit Lärmblitzern bekämpfen

In Genf könnten künftig nicht nur Raser geblitzt werden, sondern auch Autos, die zu laut sind. Dafür will der Schweizer Kanton nun ein neuartiges "Lärmradar" entwickeln.

DPA

Symbolbild

Donnerstag, 18.04.2019   17:02 Uhr

Das Genfer Parlament diskutiert derzeit über Möglichkeiten, die Fahrer von zu lauten Autos zu bestrafen. Dafür soll jetzt ein Gerät entwickelt werden, das die Lautstärke der Fahrzeuge im Vorbeifahren messen kann - eine Art Lärmblitzer.

Verkehrslärm sei die zweitstärkste Form der Umweltbelästigung nach der Luftverschmutzung, begründete das Parlament den Antrag. 60 Prozent der Genfer Einwohner litten unter Lärm, und das könne Herzkrankheiten und Diabetes verschlimmern. Die Einwohner hätten laut Verfassung des Kantons Genf ein Anrecht auf eine gesunde Umwelt.

Das Parlament beauftragte die Regierung deshalb, einen Apparat entwickeln zu lassen, der die Lautstärke vorbeifahrender Autos erfasst und das Fahrzeug bei Überschreitung eines Grenzwerts blitzen kann. Die Polizei solle so dröhnende Autos aus dem Verkehr ziehen können. Im Fall einer Überschreitung eines noch festzulegenden Grenzwerts soll sie dann Strafen verhängen, heißt es in dem Antrag.

Entwicklung dauert zwei bis vier Jahre

"Die Herstellung eines Geräuschradars ist technisch machbar und grundsätzlich nicht teurer als ein Geschwindigkeitsradar", sagte Delphine Klopfenstein Broggini, Abgeordnete der Grünen, gegenüber der Zeitung "Zwanzig Minuten".

Allerdings ist die Entwicklung nicht ganz einfach. Das Lärmradar muss beispielsweise erkennen, von welchem Fahrzeug die erhöhte Lärmemission ausgeht. Auch muss es zwischen Fahrzeugen wie von Haus aus lauteren Traktoren und normalen Pkw unterscheiden können. Eine entsprechende Entwicklung könnte dadurch erst in zwei bis vier Jahren realisiert werden.

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Radarfalle: 60 Jahre mobiler Blitzer

Laut einer Erhebung des Bundes ist am Tag jeder siebte und in der Nacht jeder achte Schweizer an seinem Wohnort von Straßenverkehrslärm betroffen. Ein besonderes Problem seien Autofahrer, die vorsätzlich mit quietschenden Reifen anführen. Die Lärmliga Schweiz, ein Verein, der sich für eine ruhigere Umwelt starkmacht, fordert daher einen Grenzwert von 80 Dezibel für Sportwagen und Motorräder.

Im Video: Prollen, lärmen, posen - Die Jagd auf PS-Protze

Foto: SPIEGEL TV

cfr/dpa

insgesamt 78 Beiträge
hinz.und.kunz 18.04.2019
1.
Gut so.
Gut so.
buchholz.63 18.04.2019
2. Sehr gut!
Endlich mal eine sinnvolle Innovation. Sollte in DE dringend etabliert werden. Die zu lauten Fahrzeuge sollten dann konfisziert und umweltfreundlich entsorgt werden. Inkl. Führerschein des Fahrers. Die können sich dann ja zur [...]
Endlich mal eine sinnvolle Innovation. Sollte in DE dringend etabliert werden. Die zu lauten Fahrzeuge sollten dann konfisziert und umweltfreundlich entsorgt werden. Inkl. Führerschein des Fahrers. Die können sich dann ja zur Freizeitgestaltung laute Motorengeräusche via Kopfhörer anhören.
112211 18.04.2019
3. Pkw oder Traktor?
Pkw oder Traktor? Das lässt sich durch die nachträgliche Begutachtung durch Amtspersonen recht einfach lösen.
Pkw oder Traktor? Das lässt sich durch die nachträgliche Begutachtung durch Amtspersonen recht einfach lösen.
rolandknopf 18.04.2019
4. Lärmschutzradar gute Idee
Ich wohne in der Nürnberger Innenstadt. In den letzten fünf Jahren nahm die Anzahl der getunten Fahrzeuge die mit offensichtlich manipulierten Auspuffanlagen die durch unser Viertel kreisen, stetig zu. Fünf Mal hintereinander [...]
Ich wohne in der Nürnberger Innenstadt. In den letzten fünf Jahren nahm die Anzahl der getunten Fahrzeuge die mit offensichtlich manipulierten Auspuffanlagen die durch unser Viertel kreisen, stetig zu. Fünf Mal hintereinander durch die gleiche Straße im ersten Gang nachts um zwei Uhr röhren ist wirklich Körperverletzung. Leider greift die Polizei zu wenig gegen die geistig tiefliegenden Auto-Angeber durch.
lesespo 18.04.2019
5. Geräuschmessung im fliesenden Verkehr wünschenswert
Endlich greift mal jemand das Thema auf. Lärm stört und ist häufig unnötig. Es ist zu wünschen, das jemand dabei auch die Zertifizierung Bedingungen überprüft und die überflüssige Erweiterung bekannt als Lex Ferrari [...]
Endlich greift mal jemand das Thema auf. Lärm stört und ist häufig unnötig. Es ist zu wünschen, das jemand dabei auch die Zertifizierung Bedingungen überprüft und die überflüssige Erweiterung bekannt als Lex Ferrari ersatzlos streicht. Diese Prüfbedingung gestattet es infolge hoher Motorisierung die Prüfstrecke besonders schnell zu durchfahren und dabei lauteres Geräusch zu emittieren. Irgendwie absurd, infolgedessen dürfen leistungsstarke Pkw uns mit mehr Geräusch belästigen, ganz legal. Was unsere Politiker so alles beschließen.
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