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Mobilität

Fahrverbote

Seehofer fordert Kaufprämie für Euro-6-Dieselautos

Weil ältere Diesel-Pkw hohe Mengen giftiger Abgase ausstoßen, drohen ihnen in Städten Fahrverbote. Bayerns Ministerpräsident Seehofer will das verhindern - und finanzielle Anreize zum Kauf neuer Modelle schaffen.

DPA

Horst Seehofer

Von und
Samstag, 20.05.2017   09:53 Uhr

Dieselautos verbrauchen zwar weniger Kraftstoff als Benzin-Pkw, gelten aber trotzdem als die größeren Dreckschleudern: Denn die Selbstzünder stoßen viel giftiges Stickoxid (NOx) aus. Trotzdem sieht ausgerechnet ein "Maßnahmenpaket zur Luftreinhaltung", das Beamte der Staatskanzlei von Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) derzeit mit den zuständigen Ministerien in München abstimmen, eine Förderung von Dieselfahrzeugen vor. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Nach Informationen des SPIEGEL will Seehofer mit einer Kaufprämie der Absatz von Modellen fördern, die mit modernen Euro-6-Motoren ausgestattet sind. Sie erfüllen strengere Grenzwertauflagen als Autos mit Euro-5-Aggregate. Zumindest auf dem Papier - denn laut einer Studie des Umweltbundesamts stoßen auch die neuen Motoren viel mehr Stickoxide als erlaubt aus.

Laut dem Plan aus München soll es "starke Anreize zur Flottenerneuerung von Dieselfahrzeugen" geben. So fordert Bayern auch, dass nur Autos mit Schadstoffklasse 6 auf bestimmten öffentlichen Parkplätzen halten dürfen. Auf diese Weise will Seehofer generelle Fahrverbote für Dieselautos in den Innenstädten verhindern.

Außerdem soll eine Nachrüstung von älteren Dieselautos mit Schadstoffklasse Euro 5 "geprüft" werden. Es gebe ein "Optimierungspotenzial von 45 bis 60 Prozent", heißt es . Die Kosten dafür sollten allerdings die Hersteller tragen.

Seehofer setzt Dobrindt unter Druck

Seehofer bringt mit diesen Vorschlägen seinen Parteifreund Alexander Dobrindt in Zugzwang: Der Bundesverkehrsminister hat bislang nicht entschieden, ob er die Nachrüstung alter Dieselfahrzeuge oder andere Maßnahmen zur Luftreinhaltung in den Städten genehmigt.

Die Autoindustrie wendet sich gegen Dobrindts Blockadehaltung. Ihr Verband VDA bot der grün-schwarzen Landesregierung in Baden-Württemberg an, mit einem Software-Update den Stickoxidausstoß von rund zwei Drittel der sechs Millionen Euro-5-Diesel zu reduzieren: Sie sollen nur noch die Hälfte ausstoßen. Das baden-württembergische Staatsministerium von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält eine Dieselnachrüstung für möglich und möchte dadurch ebenfalls Fahrverbote verhindern.

Kommt jetzt also neben der Kaufprämie für Elektromobile also auch eine staatliche Subventionierung von Dieselautos? Die Autoindustrie ist jedenfalls auf die Selbstzünder angewiesen: Weil diese weniger Kohlendioxid ausstoßen als Benziner, benötigen die Hersteller sie dringend, um die von der EU verordneten CO2-Grenzwerte einzuhalten. Gerade eine mögliche Umrüstung der Euro-5-Motoren bringt aber weitere Risiken für die Unternehmen mit sich: Wie hoch die Kosten dafür wirklich ausfallen würden, kann derzeit kaum jemand beziffern.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 135 Beiträge
Leser161 20.05.2017
1. Nachtigall
Erst sollen die uralten* Stinker mit Fahrverboten belegt werden, jetzt mal wieder eine Kaufprämie für neue Autos. Hab ich was verpasst? Wenn die Autoindustrie nicht mehr so brummt müssten wir halt in Zukunftsbranchen gehen [...]
Erst sollen die uralten* Stinker mit Fahrverboten belegt werden, jetzt mal wieder eine Kaufprämie für neue Autos. Hab ich was verpasst? Wenn die Autoindustrie nicht mehr so brummt müssten wir halt in Zukunftsbranchen gehen statt die Autoindustrie mit Bürger- und Steuergeld künstlich zu puschen. *3 Jahre
marthaimschnee 20.05.2017
2. eine super Idee
Die deutsche Wirtschaft wird sich freuen, auf der einen Seite die Autohersteller, die um ihre Diesel nicht bangen müssen. Auf der anderen Seite alle anderen Unternehmen, die ihre Firmenwagen (und der Löwenanteil an Neuwagen in [...]
Die deutsche Wirtschaft wird sich freuen, auf der einen Seite die Autohersteller, die um ihre Diesel nicht bangen müssen. Auf der anderen Seite alle anderen Unternehmen, die ihre Firmenwagen (und der Löwenanteil an Neuwagen in Deutschland sind eben nur noch Firmen- und gewerblich genutzte Auto) dann noch mehr als ohnehin schon gefördert werden. Hauptsache man kann im Gegenzug wieder irgendwo Sozialleistungen kürzen.
thequickeningishappening 20.05.2017
3. Warum nicht umgekehrt
Und Kaufanreize für Hybrid? 5000/Auto! Genau so guenstig wie Diesel und viel sauberer!
Und Kaufanreize für Hybrid? 5000/Auto! Genau so guenstig wie Diesel und viel sauberer!
robien 20.05.2017
4. Es stinkt zum Himmel
Aus dem Artikel: "Kommt jetzt also neben der Kaufprämie für Elektromobile also auch eine staatliche Subventionierung von Dieselautos? Die Autoindustrie ist jedenfalls auf die Selbstzünder angewiesen: Weil diese weniger [...]
Aus dem Artikel: "Kommt jetzt also neben der Kaufprämie für Elektromobile also auch eine staatliche Subventionierung von Dieselautos? Die Autoindustrie ist jedenfalls auf die Selbstzünder angewiesen: Weil diese weniger Kohlendioxid ausstoßen als Benziner, benötigen die Hersteller sie dringend, um die von der EU verordneten CO2-Grenzwerte einzuhalten. " Das nächste Auto könnte ja auch mal 'ne Nummer kleiner sein. Müssen es denn unbedingt 250 PS sein? Reichen nicht auch 125 oder 75 PS? Und weshalb eine Doppelsubventionierung für E-Autos und Diesel? Eine Antwort ist nicht erforderlich, ich kenne sie 'eh schon. Mal wieder sollen Lobbyisteninteressen bedient werden.
Kosmopolit08 20.05.2017
5. Das ist Seehofer und die CSU
... statt e-Mobilität will man weiter ein obsoletes Konzept fördern. Klar BMW und Audi sind ja in Bayern. Kein Deut besser als die SPD mit ihrer Kohlesubvention. Wann gründet die CDU endlich einen Ableger in Bayern um diesem [...]
... statt e-Mobilität will man weiter ein obsoletes Konzept fördern. Klar BMW und Audi sind ja in Bayern. Kein Deut besser als die SPD mit ihrer Kohlesubvention. Wann gründet die CDU endlich einen Ableger in Bayern um diesem Verein aus dem 20. Jahrhundert abzulösen?
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