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Mobilität

Anlässlich der IAA in Frankfurt am Main

Oberbürgermeister feuert Breitseite gegen Autoindustrie ab

Frankfurts Stadtoberhaupt Peter Feldmann ist bei der IAA-Eröffnung nicht zu Wort gekommen - offiziell aus Zeitgründen. Seine Rede veröffentlichte der Autoindustrie-Kritiker trotzdem.

Jan Huebner/ imago images

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann darf keine Eröffnungsrede auf der IAA halten

Donnerstag, 12.09.2019   16:00 Uhr

Seit vielen Jahren spricht außer der Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Frankfurts Oberbürgermeister am Eröffnungstag der IAA ein paar Worte. Vor ein paar Tagen jedoch informierte der Verband der Automobilindustrie (VDA), Ausrichter der Messe, den OB Peter Feldmann darüber, dass für ihn diese Jahr keine Redezeit vorgesehen sei. Die offizielle Begründung des Verbands: Zeitmangel.

Schon länger ist der Oberbürgermeister aber für seine kritische Haltung gegenüber der Autobranche und seinen Einsatz für eine nachhaltige Klimapolitik bekannt. Bereits vor zwei Jahren sprach Feldmann auf der IAA davon, dass man das Thema Auto "überdenken" müsse und sprach von einem drohenden Verkehrskollaps. "Über Jahrzehnte galten Paradigmen wie größer, schneller, komfortabler. Das muss sich zukünftig ändern" sagte er damals.

Aus dem Umkreis Feldmanns, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Frankfurt GmbH ist, hört man, dass es damals auf der IAA 2017 zum Eklat zwischen dem OB und den Ausrichtern der Messe kam.

VDA dementiert Einladung Feldmanns

Der VDA behauptet, Feldmann nie als Redner auf die diesjährige IAA eingeladen zu haben. Die Messe habe in diesem Jahr eine internationale Ausrichtung, weshalb die Rednerliste begrenzt werden musste.

Der Büroleiter des Oberbürgermeisters behauptet hingegen, dass es durchaus eine Einladung gegeben habe, die der VDA vor zehn Tagen plötzlich zurücknahm. Der VDA bat demnach um Verständnis, "dass wir beim geplanten neuen Konzept bleiben werden und ein zusätzliches Grußwort zeitlich leider nicht mehr darstellbar ist".

Damit ersparte sich der VDA offenbar tatsächlich einen Affront. Denn auch für die diesjährige IAA hatte Feldmann eine kritische Rede vorbereitet, die dem VDA zum Zeitpunkt der Absage allerdings noch nicht bekannt war. Darin kritisiert Feldmann erneut die Autoindustrie und findet sogar lobende Worte für Protestaktionen von Umweltaktivisten.

OB lobt Umweltaktivisten

In Bezug auf den Dieselskandal prescht Feldmann gleich zu Beginn seiner auf Facebook veröffentlichten Rede gegen die Hersteller vor. Es brauche "eine Automobilindustrie, die sich gesetzeskonform verhält", steht im Redemanuskript. Und weiter: " Beweisen wir, dass deutsche Innovationskraft nicht darin besteht, gesetzliche Vorgaben zu umgehen, sondern die umweltschonendsten und zukunftsfähigsten Produkte zu entwickeln."

Feldmann kritisiert auch die gerade stark diskutierten SUV und fordert die Branche zu einem Umdenken in der Mobilität auf. "Frankfurt braucht mehr Busse und Bahnen, aber nicht mehr SUV." Es könne nicht sein, dass immer mehr Parkhäuser gebaut würden, weil die Autos zunehmend zu groß für die bestehenden Stellplätze geworden seien. "Wir brauchen eine Mobilitätswende, um den Klimawandel aufzuhalten", fordert Feldmann weiter. Es brauche einen ökologischen Umbau der Industrie, bei dem niemand auf der Strecke bleibe, weder die Verbraucher, noch die Beschäftigten der Branche, aber auch nicht die Umwelt.

Fotostrecke

Die Neuheiten die IAA 2019: Fette SUV und süße Kleine

Zum Schluss bedankt sich Feldmann für die Demonstrationen auf der IAA: "Als Oberbürgermeister bin ich allen, die sich an Demonstrationen beteiligen, dankbar, weil es ihnen nicht vorrangig um das eigene Wohl, sondern um eine gute Zukunft für uns alle und den Kampf gegen den Klimawandel geht." Dieser Einsatz sei nicht naiv, sondern dringend notwendig. Man solle den Einsatz der vielen jungen Menschen gegen den Klimawandel nicht als Bedrohung, sondern als große Chance betrachten.

cfr

insgesamt 169 Beiträge
RioTokio 12.09.2019
1.
Feldmann ist Politologe und Mitglied der SPD - man darf keine wirtschaftliche Kompetenz erwarten. Es ist nur ein weiterer Politiker der am Grab unserer wichtigsten Industrie schaufelt. Geld kann man dann ja drucken und Jobs gibt [...]
Feldmann ist Politologe und Mitglied der SPD - man darf keine wirtschaftliche Kompetenz erwarten. Es ist nur ein weiterer Politiker der am Grab unserer wichtigsten Industrie schaufelt. Geld kann man dann ja drucken und Jobs gibt es in der Behörde.
paola48 12.09.2019
2. die Industrie ist der falsche Adressat
der Kunde, der die Autos kauft, ist der Schuldige. es gibt ja kleinere Autos. Niemand muss einen SUV kaufen. Aber so etwas zu sagen ist vielleicht zu riskant, wenn man wiedergewählt werden möchte. Da ist es billiger, auf die [...]
der Kunde, der die Autos kauft, ist der Schuldige. es gibt ja kleinere Autos. Niemand muss einen SUV kaufen. Aber so etwas zu sagen ist vielleicht zu riskant, wenn man wiedergewählt werden möchte. Da ist es billiger, auf die Industrie zu schimpfen.
realist19 12.09.2019
3. Unsere Autoindustrie ....
..sollte damit beginnen, ihre Sitze und Produktionsstätten in das Ausland zu verlegen , wo man noch die Arbeitsplätze zu schätzen weiß und nicht einem politischen Bashing im Namen des Klimaschutzes ausgesetzt wird . Lasst [...]
..sollte damit beginnen, ihre Sitze und Produktionsstätten in das Ausland zu verlegen , wo man noch die Arbeitsplätze zu schätzen weiß und nicht einem politischen Bashing im Namen des Klimaschutzes ausgesetzt wird . Lasst die Deutschen wieder mit Eselskarren durch die gegen fahren, das ist absolut CO 2 neutral
Lion 12.09.2019
4. Sensibelchen VDA
Ohoh, da hat doch jemand von offizieller Seite mal Kritik an der Autoindustrie gübt und erhält Redeverbot. Wäre schön gewesen, wenn die Autoindustrie beim massenhaften Abgasbetrug auch so sensibel reagiert hätte oder bei [...]
Ohoh, da hat doch jemand von offizieller Seite mal Kritik an der Autoindustrie gübt und erhält Redeverbot. Wäre schön gewesen, wenn die Autoindustrie beim massenhaften Abgasbetrug auch so sensibel reagiert hätte oder bei steigenden Ozon- und Feinstaubwerten in den Innenstädten. Mal abgesehen davon, dass der OB der Stadt sich an die eigene Nase fassen sollte, was eine absolut unökologische Verkehrspolitik in Frankfurt betrifft, der VDA aber sollte sich nicht so lächerlich machen. Das ist ein echtes Versagen der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit.
Tom Joad 12.09.2019
5.
Sehr amüsant. Den meisten Kritikern geht es allerdings überhaupt nicht darum, die deutsche Automobilindustrie abzuschaffen, sondern sie zukunftsfähig umzubauen.
Zitat von RioTokioFeldmann ist Politologe und Mitglied der SPD - man darf keine wirtschaftliche Kompetenz erwarten. Es ist nur ein weiterer Politiker der am Grab unserer wichtigsten Industrie schaufelt. Geld kann man dann ja drucken und Jobs gibt es in der Behörde.
Sehr amüsant. Den meisten Kritikern geht es allerdings überhaupt nicht darum, die deutsche Automobilindustrie abzuschaffen, sondern sie zukunftsfähig umzubauen.

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