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Mobilität

Jaguar C-X75

Dem Kätzchen geht die Düse

Pünktlich zum 75. Geburtstag zeigt Jaguar auf der Pariser Motorshow eine aufsehenerregende Studie: Strom bekommt das Elektroauto nicht via Steckdose oder Benzingenerator. Stattdessen geben mehrere Miniatur-Gasturbinen dem C-X75 den notwendigen Schub.

Aus Paris berichtet
Montag, 04.10.2010   14:14 Uhr

Der Weg in die Zukunft von ist flüsterleise. Als im Garten des Pariser Musée Rodin die Lichter ausgehen und von weit hinten ein paar gleißende Scheinwerfer durch die Nacht strahlen, hört man weder einen Trommelwirbel, noch das Röhren von acht oder gar zwölf Zylindern. Was da geistergleich über den Laufsteg surrt, ist das erste Elektroauto von Jaguar - ein Geschenk, dass sich die britische Sportwagenmarke zu ihrem 75. Geburtstag der Einfachheit halber selbst gemacht hat.

"Seit 75 Jahren baut Jaguar beautiful fast cars", sagt Carl-Peter Forster, der als Autochef des indischen Tata-Konzerns auch der britischen Nobelmarke vorsteht. Autos wie der Jaguar SS 100, der E-Type oder der Rennwagen-Prototyp XJ13," sind darunter. und auch die Studie C-X75 ist ein Hingucker.

Chefdesigner Ian Callum hat die traditionelle Jaguar-Linie in die Zukunft fortgeschrieben. Flach und breit wie der legendäre XJ220 und dabei so wohl proportioniert wie der XJ13, der vor dem Museum parkt, duckt sich die Studie ins Rampenlicht: 4,65 Meter lang, 2,02 Meter breit aber nur 1,20 Meter hoch, ist sie glasklar gezeichnet und inszeniert sich mit nur einer handvoll fein gewählter Linien. Die Fronthaube kurz, das Dach flach, die Flanken schlank und das Heck so breit und prägnant, Dass darauf wahrscheinlich ein Hubschrauber landen könnte.

Wo außen zumindest noch ein paar Designelemente in die Vergangenheit weisen, fühlt man sich im Innenraum wie Captain Future. Einzig das dunkle Leder erinnert noch an die Gegenwart. Ansonsten blickt man auf viel poliertes Metall, bläuliches Ambientlicht glimmt aus Türen und Konsolen. Instrumente sucht man vergebens: Was es anzuzeigen gibt, flirrt fein animiert über einen der zwei großen Monitore.

Die Turbinen klingen wie ein Düsenjäger beim Start

Aber nicht nur die Schönheit haben die Briten in die Zukunft gerettet, sondern auch das Tempo: "Immerhin schafft der C-X75 den Sprint von 0 auf 100 in kaum mehr als drei Sekunden und fährt 330 km/h schnell", sagt Markenchef Mike O'Driscoll. Und Angst vor dem Ende der Reichweite muss man dabei anders als bei den meisten Elektroautos nicht haben, verspricht er: "Die Studie braucht 900 Kilometer bis zum nächsten Tankstopp."

Möglich macht das ein so genannter Range Extender, der wie im Chevrolet Volt während der Fahrt den Strom für die vier jeweils 195 PS starken Elektromotoren an den Rädern produziert. Wo Chevy allerdings auf einen Verbrenner als Stromgenerator setzt, baut Jaguar zwei miniaturisierte Jet-Turbinen ein. Die sehen unter der gläsernen Abdeckung hinter den Sitzen nicht nur besser aus, sondern sie sind auch sehr viel effektiver.

Kaum größer als eine Champagnerflasche und je 35 Kilogramm leicht, pressen sie pro Minute 35.000 Liter Luft durch die Schaufeln, die mit 80.000 Touren laufen und auf eine Leistung von jeweils 70 kW kommen. Die Turbinen, die laut Forster klingen wie ein Düsenjäger beim Start, speisen einen 19,6 kWh großen Lithium-Ionen-Akku vorn unter der Haube, der genug Strom für 100 Kilometer liefert. Damit könnte der Prototyp dreimal um den Pariser Péripherique fahren.

So sehr schon der erste Auftritt des C-X75 die Begehrlichkeit weckt: "Dieses Auto ist eine reine Designstudie. Es bleibt ein Einzelstück, das definitiv nie in Serie produziert wird", sagt Tony Haper, der bei Jaguar für Zukunftstechnologien zuständige Manager.

Doch so futuristisch der Wagen auch aussieht und so weit die Entwickler vorausgedacht haben: Manche Details sind näher an der Serie, als man denken mag. Die Karosse aus größtenteils recyceltem Aluminium zum Beispiel, die das Gewicht auf 1350 Kilo drückt, könnte Vorbild für die nächste Generation von XJ und XF sein. Und auch das Infotainment- und Anzeigekonzept der Studie ließe sich sicher vergleichsweise schnell übernehmen, sagt Haper.

Und selbst die Mikro-Turbinen für den Range Extender sind kein Hirngespinst aus der Abteilung Daniel Düsentrieb. "Daran arbeiten wir schon ein paar Jahre und halten mittlerweile sehr viel von dieser Technologie," sagt Harper. "Das werden wir sicherlich irgendwann einmal in Serie sehen." Wann genau, das lässt er sich nicht entlocken. "Doch noch einmal 75 Jahre wird es sicher nicht mehr dauern."

insgesamt 9 Beiträge
heinrichv. 04.10.2010
1. .
...also häßlich ist anders....
...also häßlich ist anders....
hypermental 04.10.2010
2. Spritsorten
Interessant wäre es gewesen, wenn der Autor in seinem Artikel auch etwas zum Sprit für die Jaguar-Turbinen erzählt hätte: Denn diese kommen mit verschiedenen Treibstoffen klar, neben herkömmlichen Diesel können sie auch [...]
Interessant wäre es gewesen, wenn der Autor in seinem Artikel auch etwas zum Sprit für die Jaguar-Turbinen erzählt hätte: Denn diese kommen mit verschiedenen Treibstoffen klar, neben herkömmlichen Diesel können sie auch Bio-Ethanol, Flüssiggas, Erdgas und Bio-Diesel verbrennen und sind damit umweltfreundlicher als herkömmliche Benziner... Demnächst bitte mehr Fakten wie diese in SPON-Autoartikeln!
e_n_2009 04.10.2010
3. Diesel
Die Turbinen laufen soweit ich weiss mit Diesel.
Zitat von hypermentalInteressant wäre es gewesen, wenn der Autor in seinem Artikel auch etwas zum Sprit für die Jaguar-Turbinen erzählt hätte: Denn diese kommen mit verschiedenen Treibstoffen klar, neben herkömmlichen Diesel können sie auch Bio-Ethanol, Flüssiggas, Erdgas und Bio-Diesel verbrennen und sind damit umweltfreundlicher als herkömmliche Benziner... Demnächst bitte mehr Fakten wie diese in SPON-Autoartikeln!
Die Turbinen laufen soweit ich weiss mit Diesel.
Machine 04.10.2010
4. Titel:
Was verbraucht denn so eine Turbine im idealen Lastbereich in der Stunde? Fahrbar waren die ja nie, aber als Energielieferant für Elektromotoren klingt das ganze ja gar nicht so doof. Ich weiss ja, wie das klingt, aber mein [...]
Was verbraucht denn so eine Turbine im idealen Lastbereich in der Stunde? Fahrbar waren die ja nie, aber als Energielieferant für Elektromotoren klingt das ganze ja gar nicht so doof. Ich weiss ja, wie das klingt, aber mein Traum wäre es ja, wenn man meinen alten Espace (der genausoviel wie der Jaguar wiegt) auf Elektroantrieb umrüsten könnte. Einige haben das ja bereits gemacht. Platz genug bieten Motorraum und Unterboden genug. 70 kW würden lange reichen. Schätze, dass man einen Akku als Puffer benötigt, aber der sollte aus Umweltschutz- und Kostengründen (noch) recht klein sein. Ausreichend vielleicht für 50km Stadtfahrten? Egal, das bleibt ein Traum. Solange wir nicht über eine umweltschonende und billige Akkutechnologie verfügen, bleiben Elektroautos Spielereien für Leute mit zuviel Geld. So ein Akku kostet ja auch ca. 15.000,- EUR alle zwei, drei jahre.
DerJanuskopf 04.10.2010
5. kann das sein?!
also laut Spezifikationen auf der Jaguar-Seite soll der nur 28 g/km CO2 produzieren. Was natürlich phänomenal wäre.
also laut Spezifikationen auf der Jaguar-Seite soll der nur 28 g/km CO2 produzieren. Was natürlich phänomenal wäre.
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