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Mobilität

Verkehrsklubs testen Schließtechnik

Autodiebe haben leichtes Spiel mit Keyless-Go

Der ADAC und sein österreichisches Pendant haben schlüssellose Zugangssysteme von 273 Autos überprüft - mit verheerendem Ergebnis: Fast alle ließen sich leicht überwinden.

ADAC

ÖAMTC-Test zeigt: Keyless-Schließsysteme sind leicht auszutricksen

Montag, 05.08.2019   18:15 Uhr

Schlüssellose Zugangssysteme, genannt Keyless-Go, sind inzwischen weitverbreitet. Das Auto öffnet sich bereits, wenn sich der Fahrer nähert - und die Schlüsselkarte in der Tasche oder im Portemonnaie trägt. Meist ist auch für das Starten kein Zündschlüssel mehr notwendig, ein Knopfdruck genügt.

Das ist komfortabel, aber oft auch unsicher: Die meisten dieser Systeme lassen sich ohne große Mühe austricksen, wie ein Test des ADAC und des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Clubs (ÖAMTC) zeigt.

"Mittlerweile wurden 273 Autos mit Keyless-Go getestet, und nur vier Modelle ließen sich nicht knacken", sagt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Darunter zwei Modelle von Jaguar (I-Pace und E-Pace) und zwei weitere von Land Rover (Discovery und Range Rover). "Die meisten Hersteller wollen oder können diese Sicherheitslücke scheinbar nicht schließen", so Kerbl.

Keine IT-Kenntnisse nötig

Fundierte Kenntnisse, etwa zum Hacken oder Entschlüsseln von Daten, sind laut ÖAMTC nicht notwendig, um ein mit Keyless-Go ausgestattetes Fahrzeug zu öffnen. Dafür genüge ein frei und legal erhältlicher Reichweitenverlängerer. "Im Test hat die Verlängerung des Signals sogar durch Türen und Mauerwerk funktioniert", sagt Kerbl.

Es genüge, den Empfänger mehrere Meter vom Schlüssel entfernt zu platzieren, um das Signal über Hunderte Meter zu verlängern. Dadurch könne ein Dieb das Auto öffnen und den Motor starten, obwohl der Besitzer den Schlüssel beispielsweise in der Hosentasche habe, während er in einem Café sitze.

Läuft der Motor einmal, bleibt er auch ohne Schlüssel so lange in Betrieb, bis er abgestellt wird oder der Sprit ausgeht. Theoretisch könne ein Dieb bei laufendem Motor nachtanken und das Auto problemlos über weite Strecken, auch bis ins Ausland, bringen, warnt der ÖAMTC-Techniker. Dort bauten Kriminelle oft ein neues Steuergerät in das Fahrzeug, sodass es sich wieder öffnen und schließen lässt.

Ein einfacher Trick hilft gegen Betrüger

Der österreichische Mobilitätsklub fordert die Hersteller auf, die Fahrzeugelektronik besser abzusichern. "Aktuell sind Autos mit Keyless-Go-System deutlich leichter zu stehlen als andere Fahrzeuge", sagt Kerbl. Zudem sollten die Besitzer die Funkfunktion ihrer Schlüssel deaktivieren können.

Wer bereits ein solches Auto hat, kann sich anders helfen: "Eine wirksame Methode sind spezielle Schlüsseletuis, die die Funkwellen blockieren und damit einen Diebstahl verhindern können", sagt Kerbl vom ÖAMTC. Diese gibt es schon für weniger als 20 Euro. Den Komfort eines schlüssellosen Zugangs zum Auto schränken die Etuis naturgemäß ein.

cfr

insgesamt 156 Beiträge
Jan P. 05.08.2019
1. Keine Wahl...
Mein neuer E-Zoe hat dieses System. Beim alten Audi mußte ich noch per Schlüssel abschliessen. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auf Keyless-Go aus Sicherheitsgründen gerne verzichten. Leider muß man es nehmen. Deshalb [...]
Mein neuer E-Zoe hat dieses System. Beim alten Audi mußte ich noch per Schlüssel abschliessen. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auf Keyless-Go aus Sicherheitsgründen gerne verzichten. Leider muß man es nehmen. Deshalb kommt nun die gute alte analoge Lenkrad /Pedal-Kralle zum Einsatz. Das beruhigt, und verhindert immerhin den "Sekunden-Klau" !
gonzotheold 05.08.2019
2. Versicherung?
Ich verstehe nicht warum die Versicherungen nicht die Prämien anpassen. Dann wäre das Problem doch schnell gelöst. Bewegen tun sich Hersteller nur wenn der Druck groß genug ist.
Ich verstehe nicht warum die Versicherungen nicht die Prämien anpassen. Dann wäre das Problem doch schnell gelöst. Bewegen tun sich Hersteller nur wenn der Druck groß genug ist.
dgbmdss 05.08.2019
3. Versicherungsprämien raufsetzen
warum muss die Allgemeinheit für die Bequemlichkeit einiger pseudoinnovativen Uneinsichtigen bezahlen? Diue deutsche Autoindustrie hat in den letzten 20 nicht nur keine Innovationen hervorgebracht, sondern das Autofahren teurer [...]
warum muss die Allgemeinheit für die Bequemlichkeit einiger pseudoinnovativen Uneinsichtigen bezahlen? Diue deutsche Autoindustrie hat in den letzten 20 nicht nur keine Innovationen hervorgebracht, sondern das Autofahren teurer und umweltschädlicher gemacht.
frankenbaer 05.08.2019
4. Ich verstehe es nicht!
Dieses System hat als einzigen Vorteil die Bequemlichkeit, oder sehe ich das falsch? Was um Himmels Willen ist denn an einer "normalen" Fernbedienung" unbequem? Gut, ich muss auf einen Knopf drücken um zu [...]
Dieses System hat als einzigen Vorteil die Bequemlichkeit, oder sehe ich das falsch? Was um Himmels Willen ist denn an einer "normalen" Fernbedienung" unbequem? Gut, ich muss auf einen Knopf drücken um zu entsperren und dann den Schlüssel ins Schloß stecken. Wem das zu viel Aufwand/Anstrengung ist, dem ist nicht zu helfen. Wenn sich genügend Kunden gegen diesen "Fortschritt" aussprechen müsste es doch möglich sein, die Hersteller zum Umdenken zu bewegen. Aber wenn meine Sichtweise zu altbacken und nicht fortschrittgläubig genug ist, ich lasse mich gerne belehren, aber bitte gesittet und sachbezogen.
burlei 05.08.2019
5. Keyless-Go hat einen Sinn
Einen ganz wunderbaren Sinn. Beim Mercedes GLC zahlt man für das Keyless-Go-Komfortpaket schlappe 1059 Euro. Das muss schon so viel kosten, denn der Einkaufspreis der Computer-Chips und der kleinen Platine ist ja auch nicht ohne. [...]
Einen ganz wunderbaren Sinn. Beim Mercedes GLC zahlt man für das Keyless-Go-Komfortpaket schlappe 1059 Euro. Das muss schon so viel kosten, denn der Einkaufspreis der Computer-Chips und der kleinen Platine ist ja auch nicht ohne. Zusammen mit Einbau, Verkabelung, Software aufspielen und Funktionskontrolle ist man da schon leicht mal bei 100 bis 150 Euro Kosten. Das ist eben so wie bei den Scheinwerfern. Ein Satz Xenon-Scheinwerfer für den VW Passat kostete beim Hersteller 179.- Euro. Bei VW zahlte der Kunde etwas über 700.- Euro.

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