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Mobilität

Autogramm Mercedes GL 350 Bluetec

Daimlers Dicker

So groß und klobig wie der neue GL ist kaum ein anderes Auto von Mercedes. Mag der Geländewagen aber auch noch so protzig wirken: In seinem tiefsten Innern ist er ein Leisetreter.

Daimler
Von
Montag, 30.07.2012   09:31 Uhr

Der erste Eindruck: Voll fett, ey! Der neue GL ist Mercedes im Übermaß. Über fünf Meter lang, sieben Sitzplätze, bis zu 2300 Liter Kofferraumvolumen und rund 2,5 Tonnen Leergewicht machen den Wagen zum Sumo-SUV. Gleichzeitig wirkt er kantiger und charakterstärker als die deutlich kleinere M-Klasse.

Das sagt der Hersteller: "First Class unter allen Bedingungen" bietet der Mercedes GL laut Projektleiter Andreas Zygan, der auf Komfort, Sicherheit und Luxus des Dicken verweist. Den Durst habe das Auto auch besser in den Griff bekommen - trotz gestiegener Motorleistung seien die Verbrauchswerte je nach Typ um bis zu 20 Prozent gesenkt worden.

Der GL gilt vor allem in den USA, dem Mutterland der Geländegiganten, als große Nummer. Mit 27.000 Verkäufen im Jahr 2011 hängte er die lokale Konkurrenz ab und setzte sich vor den Lincoln Navigator und den Cadillac Escalade an die Spitze des Luxussegments. In seiner Heimat taucht er dagegen seltener auf: 1155 GL-Neuzulassungen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland gezählt.

Das ist uns aufgefallen: Wie komfortabel der GL über die Straßen gleitet. Mit serienmäßiger Luftfederung und aufpreispflichtiger Wankstabilisierung kann den großen Wagen praktisch nichts erschüttern. Und mit der elektrischen Servolenkung, einer 360-Grad-Kameraüberwachung und der Einparkautomatik lässt er sich auch in die passenden Lücken manövrieren. So fühlt man sich am Steuer unverletzbar und thront über der Straße.

Im Vergleich dazu muss sich das Volk auf den hinteren Reihen im Verzicht üben. Wer im Fond feudal fahren will, sitzt in einer Mercedes R-Klasse bequemer. Und spätestens wenn die dritte Sitzreihe genutzt wird, mangelt es an Beinfreiheit im Geländewagen.

Was das Fahrerische betrifft: Der Diesel ist wohl die vernünftigste, aber sicher nicht die vergnüglichste Motorisierung. Angesichts der Masse an Auto hält sich die Dynamik bei 258 PS in Grenzen, ein Zwischenspurt kann auch mal zäh werden und überholen am Berg geht nur mit Weitblick. Mit dem V6-Diesel ist man am besten bei gediegenem Tempo auf einer Langstreckenfahrt aufgehoben. Andererseits: Wer sich schon einen GL kauft, der sollte auch unter der Haube klotzen und den V8-Benziner wählen.

Das muss man wissen: Die zweite GL-Generation wird in Deutschland ab Ende November 2012 bei den Händlern stehen. Der von uns gefahrene GL 350 Bluetec ist das Einstiegsmodell und kostet 72.471 Euro - das sind etwa 13.000 Euro mehr als die vergleichbare M-Klasse. Daneben gibt es ab 94.605 Euro noch den GL 500 mit einem 4,7 Liter großen V8-Benziner und einer Leistung von 435 PS. Außerdem ist erstmals in der Baureihe auch eine AMG-Version verfügbar. Die heißt GL 63, hat 557 PS und steht mit 130.305 Euro in der Preisliste.

Wer die versprochene "First Class unter allen Bedingungen" wirklich genießen möchte, muss tief in die Tasche greifen und viele Extras bezahlen. Das Offorad-Paket zum Beispiel kostet 2261 Euro, kann aber nur mit großem Navi und aktiven Scheinwerfern bestellt werden, so dass am Ende gut 7000 Euro mehr auf der Rechnung stehen. Die Wankstabilisierung schlägt mit knapp 3700 Euro zu Buche, für die Online-Navigation verlangt Mercedes 3200 Euro, die 360-Grad-Kamera kostet 1700, die Einparkhilfe 900 und der beheizte oder gekühlte Getränkehalter 250 Euro. Dann noch ein paar schmucke 21-Zoll-Räder, etwas mehr Leder und eine flotte Lackfarbe - und rasch enteilt auch das Basismodell in Richtung sechsstellige Preisklasse.

Das werden wir nicht vergessen: Die Gelassenheit, die der Große ausstrahlt. An Bord herrscht eine fast schon gespenstische Ruhe - so gut gedämmt und isoliert ist dieser Geländewagen. Der GL 350 ähnelt in seiner Geräuschlosigkeit im Innern sogar beinahe einem Elektroauto. Dabei soll es, wenn überhaupt, eine Plug-in-Hybrid-Variante erst in den nächsten Jahren geben.

insgesamt 86 Beiträge
derflieger 30.07.2012
1. Lkw mit Überbiss
Hässlicher als sein Vorgänger, klobig und unelegant mit einem gewaltigenÜberbiss, dem nach vorn überhängenden LKW-Kühlergrill, werden die meisten dieser völlig überflüssigen Vehikel nie das Gelände sehen und stattdessen [...]
Hässlicher als sein Vorgänger, klobig und unelegant mit einem gewaltigenÜberbiss, dem nach vorn überhängenden LKW-Kühlergrill, werden die meisten dieser völlig überflüssigen Vehikel nie das Gelände sehen und stattdessen auf dicken Walzen viel zu viel Energie verbrauchen, damit wohlhabende Mamis ihren Nachwuchs "standesgemäss" von der Privatschule abholen können, oder um vom Biomarkt zur Wellness-Oase zu rollen.
CMH 30.07.2012
2. Mercedes
Mir persönlich gefällt Mercedes einfach nicht. Aber in den arabischen Staaten, in China und den USA wird das Ding wohl weggehen wie warme Semmeln. Dort laufen nicht so viele Öko-Hansel und Neidhammel herum wie in Deutschland.
Mir persönlich gefällt Mercedes einfach nicht. Aber in den arabischen Staaten, in China und den USA wird das Ding wohl weggehen wie warme Semmeln. Dort laufen nicht so viele Öko-Hansel und Neidhammel herum wie in Deutschland.
sappelkopp 30.07.2012
3. Ja, diese Spaßbremsen sind schlimm...
...gönnen es einem nicht, einen 130.000 Euro teuren 550 PS starken Geländewagen zu fahren. Und dass bei unseren miesen Straßen, Autobahnen voller Schlaglöcher, riesige undurchdringliche Wäder und Wüsten. Und dann [...]
Zitat von CMHMir persönlich gefällt Mercedes einfach nicht. Aber in den arabischen Staaten, in China und den USA wird das Ding wohl weggehen wie warme Semmeln. Dort laufen nicht so viele Öko-Hansel und Neidhammel herum wie in Deutschland.
...gönnen es einem nicht, einen 130.000 Euro teuren 550 PS starken Geländewagen zu fahren. Und dass bei unseren miesen Straßen, Autobahnen voller Schlaglöcher, riesige undurchdringliche Wäder und Wüsten. Und dann nöhlen sie noch drüber rum, dass der Wagen 18 Liter schluckt und mehr als 300 g/km Kohlendioxid ausstößt. Sollen ruhig ihre 40.000 Euro Karren mit 140 PS fahren, die brauchen ja eh nur lumpige 6 Liter Diesel und stoßen nur 159 Gramm aus.
brux 30.07.2012
4. Abgedroschen
Neidisch kann man ja nur sein, wenn man so etwas auch haben möchte. Und Ökologie ist keine Religion, sondern die Erkenntnis, dass die Ressourcen dieser Erde endlich sind. Mir tun Leute einfach leid, die sich mit so viel [...]
Zitat von CMHMir persönlich gefällt Mercedes einfach nicht. Aber in den arabischen Staaten, in China und den USA wird das Ding wohl weggehen wie warme Semmeln. Dort laufen nicht so viele Öko-Hansel und Neidhammel herum wie in Deutschland.
Neidisch kann man ja nur sein, wenn man so etwas auch haben möchte. Und Ökologie ist keine Religion, sondern die Erkenntnis, dass die Ressourcen dieser Erde endlich sind. Mir tun Leute einfach leid, die sich mit so viel Stahl zur Bestätigung ihres Egos umgeben müssen und denen die Moralität gegenüber der Natur und dem Rest der Gesellschaft offenbar abgeht. Sie können natürlich weiter Ihre Sympathie für solche asozialen Gernegrosse zum Ausdruck bringen.
fabian0680 30.07.2012
5. Na ja
Also mir persönlich gefällt das Ding nicht wirllich. Allerdings ist das Auto sehr "amerikanisch". Kann mir gut vorstellen, dass das Auto auf dem Zielmarkt sehr gut ankommt. Im Gegensatz zu einem Vorredner finde ich [...]
Also mir persönlich gefällt das Ding nicht wirllich. Allerdings ist das Auto sehr "amerikanisch". Kann mir gut vorstellen, dass das Auto auf dem Zielmarkt sehr gut ankommt. Im Gegensatz zu einem Vorredner finde ich es persönlich allerdings gut, dass es in Deutschland mehr "Öko-Hansel und Neidhammel" gibt und wir das Auto hier nicht so oft sehen werden - so einen protzigen Benzinfresser braucht Deutschland (und auch der Rest der Welt) eigentlich wirklich nicht...

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Fahrzeugschein

Hersteller: Mercedes
Typ: GL 350 Bluetec
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Commonrail-Diesel
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.987 ccm
Leistung: 258 PS (190 kW)
Drehmoment: 620 Nm
Von 0 auf 100: 7,9 s
Höchstgeschw.: 220 km/h
Verbrauch (ECE): 7,4 Liter
CO2-Ausstoß: 192 g/km
Kofferraum: 680 Liter
umgebaut: 2.300 Liter
Preis: 72.471 EUR

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