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Mobilität

Mercedes W124

Germanys next Top-Oldtimer

Der Mercedes W124 prägt auch 20 Jahre nach Produktionsende das deutsche Straßenbild. Der "letzte echte Benz", wie Liebhaber ihn nennen, könnte sogar den VW Käfer als populärsten Klassiker im Land ablösen.

Magic Car Pics/ REX/ Shutterstock
Von Haiko Prengel
Montag, 11.03.2019   06:34 Uhr

Wenn Mercedes-Liebhaber vom Modell W124 sprechen, kommen sie leicht ins Schwärmen. "Der letzte echte Benz" heißt es dann oft über das zwischen 1984 und 1996 gebaute Auto, den Vorläufer der E-Klasse. Die schnörkellose Limousine prägte über Jahrzehnte das deutsche Straßenbild, der Kombi erfreute Familien, Coupé und Cabrio zielten auf Kunden mit weniger Sachzwängen.

Aber warum begeistert das in allen Varianten schon schmerzhaft schlichte Auto derart? Fragt man die Schwärmer, führen sie die überragende Verarbeitungsqualität und die Langlebigkeit von Motoren und Technik an. Bei Kennern der Marke gilt der 124er als der letzte Mercedes, bei dem noch die Ingenieure das Sagen hatten, nicht die Controlling- und Marketingabteilung. Das könnte der Modellreihe jetzt noch mal zu einer zweiten Blüte verhelfen.

Auf dem Weg zur Nummer eins

Tatsächlich ist die Baureihe W124 von einer beispiellosen Solidität. Die Folge: Bis heute sind immer noch Zehntausende Fahrzeuge unterwegs, allein für Deutschland listet das Kraftfahrtbundesamt mehr als 80.000 zugelassene Fahrzeuge. Zwar liefen über die gesamte Bauzeit auch 2,5 Millionen Exemplare vom Band. Aber während Konkurrenten jener Zeit wie Opel Senator B oder Ford Scorpio längst aus dem Straßenbild verschwunden sind, sieht man den W124 noch überall.

In der Oldie-Szene macht daher eine steile These die Runde: "Der Mercedes W124 wird den VW Käfer in einigen Jahren als populärster Oldtimer in Deutschland ablösen", prognostiziert Frank Weise von der Kabelbaumschule in Möckern in Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen flickt marode Motorkabelbäume von Youngtimer-Mercedes wieder zusammen.

Dabei führt der Krabbler aus Wolfsburg die Top Ten der populärsten Oldtimer in Deutschland seit Jahren souverän an. Er war das erste Auto in Deutschland, das die Massen mobilisierte. Mit mehr als 21 Millionen produzierten Exemplaren war er lange Zeit das meistgebaute Auto der Welt. Exakt 36.258 VW Käfer mit H-Kennzeichen registrierte das KBA Anfang 2018. Hinzu kommen zahlreiche Exemplare ohne das Sonderkennzeichen, das freie Fahrt in die Umweltzonen gestattet.

Die Zeit spielt für den W124

Insgesamt liegt der Bestand an historischen Käfern bundesweit bei mehr als 50.000 Fahrzeugen. Andere Oldtimer in den Top Ten rangieren weit abgeschlagen dahinter, darunter Porsche 911, VW Bulli oder Opel Kadett. Aktuell schafft es der Mercedes W124 nicht einmal in die Top Ten, gegenwärtig parkt er auf Platz 14. Wie also kommen Fans zu der Annahme, ihr Liebling werde mittelfristig den VW Käfer vom Thron stoßen?

Weil die meisten 124er noch gar keine 30 Jahre alt sind und schlicht noch warten müssen, bis sie ins H-Kennzeichen-Alter kommen. Lediglich Modelle der ersten vier Jahrgänge 1984 bis 1988 sind bereits in den erlesenen Kreis aufgenommen. Knapp 3000 Fahrzeuge vom Typ W124 hatten 2018 ein H-Kennzeichen, insgesamt zählte das KBA aber schon 8.556 Fahrzeuge "Ü30". Tendenz steigend.

Youngtimer-Experte Frank Weise sieht das als klares Indiz dafür, dass der W124 bereits auf dem Weg an die Spitze ist. "Bereits jetzt, nach vier Jahrgängen, sind schon 8500 gelistet. Und die Jahrgänge mit den vielen gut erhaltenen Fahrzeugen kommen erst noch", sagt Weise, der selbst 124er fährt - ein E 320 Cabriolet in Brillantsilber, Baujahr 1993.

"Die Isolierungen waren der Motorhitze nicht mehr gewachsen"

Ob Limousine, Kombi, Coupé oder Cabriolet: Viele schätzen das Wohnzimmergefühl im W124. Gegner finden dagegen, dass das Auto total verklärt wird. Vor allem Rost hat vielen Fahrzeugen zugesetzt. Exemplare ab 1993 sind besonders anfällig, weil Daimler damals auf wasserlösliche, offenbar korrosionsfördernde Lacke umstellte. Hinzu kamen Probleme mit den Motorkabelbäumen. Aus Umweltschutzgründen reduzierte der Hersteller bei den Verkabelungen den Lösemittelanteil. Das führte bereits nach moderaten Laufleistungen zu bröckelnden PVC-Ummantelungen. "Die Isolierungen waren der Motorhitze nicht mehr gewachsen", erklärt Frank Weise. Die Folge: unrunder Motorlauf, Kurzschlüsse, im schlimmsten Fall ein Fahrzeugbrand.

Immerhin hat Mercedes-Benz auch mehr als 20 Jahre nach Produktionsende noch massig Ersatzteile auf Lager. Es ist einer der größten Pluspunkte beim Mercedes W124, dass im Prinzip noch alle Ersatzteile erhältlich sind. Bei vielen Klassikern anderer Hersteller sieht es anders aus: Für Zeitgenossen wie Audi 200, Opel Omega oder Ford Scorpio gibt es oft kaum noch Versorgung vom Hersteller.

Für den W124 spricht weiter, dass die Motoren ausgesprochen langlebig sind. Laufleistungen von bis zu 400.000 Kilometern sind eher die Regel als eine Seltenheit. Das erinnert beinahe an den VW Käfer, von dem man ja sagt, dass er läuft und läuft und läuft. Der große Vorteil des Mercedes W124 ist seine deutlich höhere Alltagstauglichkeit, der Wagen bietet wesentlich mehr Komfort und Sicherheit. Die Pendelachse eines VW Käfers und die Raumlenkerachse eines E-Klasse-Mercedes der Baureihe 124 trennen Welten.

"Die Runtergerittenen werden entsorgt, weil sich eine Restaurierung nicht lohnt"

Insbesondere die T-Modelle des W124 sind wegen ihrer riesigen Ladefläche beliebt, die Kombis haben in den vergangenen Jahren einen enormen Preissprung hingelegt:

Der Mercedes W124 als kommender Oldtimer Nummer 1 - das sei dennoch eine gewagte These, sagt Classic-Data-Geschäftsleiter Marius Brune. Für seine beiden Söhne, 20 und 17 Jahre alt, seien das nur spießige Gebrauchswagen, "echt uncool", sagt Brune.

Die Generation 30 Plus aber sehe das anders, bei dieser Zielgruppe sei das Modell W124 sehr beliebt. Brunes Prognose: "Die Runtergerittenen werden entsorgt, weil sich eine Restaurierung nicht lohnt. Die guten Fahrzeuge werden weiter im Preis steigen." Classic Data hat sich selbst schon einmal eingedeckt und gleich drei Autos der Baureihe W124 für den kleinen Firmenfuhrpark in Bochum angeschafft, wie Marius Brune verrät: Es sind ein 230er Coupé, ein 230 TE und eine 230er Limousine.

Alte Autos werden ja nicht schlecht.

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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insgesamt 76 Beiträge
elCaputo 11.03.2019
1. Wieso Vorläufer der E-Klasse?
Ich war vor Jahren selber Besitzer eines W124, genauer eines E230. Ein wirklich formidables Auto. So ruhig, sämig und erhaben. Ach, schön war's. Aber ich bin der Meinung, ihn damals schon als E-Klasse gefahren zu haben. Das W124 [...]
Ich war vor Jahren selber Besitzer eines W124, genauer eines E230. Ein wirklich formidables Auto. So ruhig, sämig und erhaben. Ach, schön war's. Aber ich bin der Meinung, ihn damals schon als E-Klasse gefahren zu haben. Das W124 war doch nur die interne Typenbezeichnung.
hersp58 11.03.2019
2. im Prinzip so richtig
Als langjähriger Fahrer eines E200 D, Bj. 1995 kann ich den Artikel so bestätigen. Nur mit den Ersatzteilen ist es leider nicht immer so gut bestellte wie beschrieben. Mercedes pflegt seine Automobile Tradition nicht mehr so [...]
Als langjähriger Fahrer eines E200 D, Bj. 1995 kann ich den Artikel so bestätigen. Nur mit den Ersatzteilen ist es leider nicht immer so gut bestellte wie beschrieben. Mercedes pflegt seine Automobile Tradition nicht mehr so für die Mittelklasse wie früher und wenn, dann zu hohen Preisen.
Dr. Clix 11.03.2019
3. Ich bin schon beim 10ten
Allein 6 T-Modelle hatte ich unter mir. Meistens als ausgediente Taxe angeschafft und für Reisen genutzt. Bei Laufzeiten muss man die lohnenden Wartungen sehen. Ein in der Großstadt laufendes Taxi macht pro Jahr 500.000Km und [...]
Allein 6 T-Modelle hatte ich unter mir. Meistens als ausgediente Taxe angeschafft und für Reisen genutzt. Bei Laufzeiten muss man die lohnenden Wartungen sehen. Ein in der Großstadt laufendes Taxi macht pro Jahr 500.000Km und wird nach Jahren als Privatwagen abgestoßen oder seinen Weg als Taxe Gen Süden antreten. Meine hier in P gekauften habe alle (Alle) um die 3 Millionen Km runter brauchen immer noch 5L/100 (4 Zylinder) und 6,5 als 5 Zylinder. War halt nicht der einzige der in Wartungen investiert.
AlexZatelli 11.03.2019
4.
Dazu muss es aber 13 Monate lang 24/7 mit 50 km/h nonstop unterwegs sein.
Zitat von Dr. ClixAllein 6 T-Modelle hatte ich unter mir. Meistens als ausgediente Taxe angeschafft und für Reisen genutzt. Bei Laufzeiten muss man die lohnenden Wartungen sehen. Ein in der Großstadt laufendes Taxi macht pro Jahr 500.000Km und wird nach Jahren als Privatwagen abgestoßen oder seinen Weg als Taxe Gen Süden antreten. Meine hier in P gekauften habe alle (Alle) um die 3 Millionen Km runter brauchen immer noch 5L/100 (4 Zylinder) und 6,5 als 5 Zylinder. War halt nicht der einzige der in Wartungen investiert.
Dazu muss es aber 13 Monate lang 24/7 mit 50 km/h nonstop unterwegs sein.
Leser_01 11.03.2019
5.
230 E Bj. 1992 kann ich nur sehr empfehlen. Meiner läuft jedenfalls wie eine Eins.
230 E Bj. 1992 kann ich nur sehr empfehlen. Meiner läuft jedenfalls wie eine Eins.

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