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Mobilität

Nissan E-Power

Strom aus der Zapfsäule

Kaum ein anderer Autohersteller hat so viel Erfahrung mit Elektroautos wie Nissan. Jetzt jedoch stellt das Unternehmen - quasi nachträglich - ein Hybridmodell vor. Es soll die Elektro-Ängste der Kunden dämpfen.

Nissan
Von
Mittwoch, 28.12.2016   05:55 Uhr

Nissan gehört zu den Pionieren der Elektromobilität. Die japanische Firma baute Mitte der Neunzigerjahre das erste Elektroauto mit Lithium-Ionen-Akku. Das vor sieben Jahren vorgestellte Modell Leaf ist mit mehr als 250.000 verkauften Exemplaren das aktuell erfolgreichste Elektroauto der Welt. Die Rollen schienen klar verteilt: Während etwa Toyota auf Hybridantriebe setzt, prescht Nissan beim Elektroantrieb voran. Doch das ändert sich gerade: Mit dem Kleinwagen Note E-Power stellte Nissan kürzlich ein Fahrzeug vor, das mit einer neuen Hybridtechnik aufwartet.

Der Wagen sei "ein Meilenstein in der Elektrifizierungsstrategie", und das neue Antriebssystem biete "alle Vorzüge eines Elektroautos", schwärmt Nissan. Der Begriff Hybrid wird möglichst vermieden, doch tatsächlich ist das neue Auto genau das: ein Hybridmodell.

Es gibt nämlich einen Elektromotor, der die Räder antreibt, und es gibt einen Benzinmotor, der mittels eines Generators Strom produziert. Fachleute sprechen von einem seriellen Hybridantrieb, denn der Benzinmotor ist in dieser Konfiguration nicht mit den Rädern verbunden, sondern ausschließlich für die Stromproduktion zuständig. "E-Power" nennt Nissan dieses System.

130 Extrakilo an elektrischen Antriebskomponenten

Aber lohnt sich das überhaupt, ein Elektromotor und ein Benzinmotor in einem Kleinwagen? Nissan sagt: ja. Die E-Maschine für den Note E-Power stammt aus dem Leaf, es handelt sich also um einen Synchronmotor mit einer Leistung von 80 kW (109 PS). Der Akku jedoch ist wesentlich kleiner und damit billiger als im Elektroauto Leaf. Insgesamt wiegt der elektrische Part des Antriebs inklusive Akku rund 130 Kilogramm. Dazu kommt noch der 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner, der die Stromerzeugung sicherstellt.

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Nissan E-Power: Stromer mit Spritverbrauch

Dieser Verbrenner, der sonst solo im Nissan Note zum Einsatz kommt, läuft auch im elektrisch bewegten Auto immer. Allerdings wesentlich gleichmäßiger und damit effizienter. Nissan gibt als Durchschnittsverbrauch rund 2,7 Liter je 100 Kilometer an, was bei einem 35 Liter Tank einer Reichweite von rund 1300 Kilometern entspricht. So weit kann man also, optimale Bedingungen vorausgesetzt, mit den Note E-Power elektrisch fahren, "ohne sich um das Laden der Batterie Gedanken machen zu müssen", wie Nissan betont.

Ein vielversprechender Strategieschwenk?

Diese Art von "sorgloser Elektromobilität" ist für Tom Sieber, Auto-Fachmann beim Beratungsunternehmen Berylls Strategy Advisors, für das entscheidende Argument für den Hybrid-Schwenk von Nissan. "Die Hybridarchitektur mit direktem E-Antrieb adressiert zwei ganz zentrale Probleme der noch jungen Elektromobilität: Die Angst vor zu geringer Reichweite und die lückenhafte Ladeinfrastruktur." Insofern könne der Note E-Power zu einem wichtigen Wegbereiter der Elektromobilität in der Kompaktklasse werden.

Falls die Kunden mit einem derartigen Auto positive Erfahrungen machen und in einigen Jahren die Speicherkapazität der Akkus deutlich gestiegen ist, dann "könnte das Weglassen des Verbrenners zur Batterieladung ein leichterer Schritt sein und vom Kunden akzeptiert werden", sagt Sieber. Der Range Extender als Psychopharmakon gegen die Elektro-Angstzustände der Kunden, sozusagen.

Glaubt man Sieber, werden Hybridsysteme in den nächsten Jahren für alle Hersteller eine strategisch wichtige Brückentechnologie, denn einerseits würden dafür nach wie vor Verbrenner gebraucht, was die Motorenfabriken weiter auslaste, "und gleichzeitig sinken die Flottenverbräuche und -Emissionen signifikant." Sieber: "Zudem lässt sich die Abhängigkeit von externen Batterieherstellern und Zell-Giganten wie Samsung oder LG Chem begrenzen."

Elektrisch fahren - und dennoch CO2 ausstoßen

Ob das elektrische Fahrgefühl im Nissan Note E-Power die Nachteile wie das höhere Gewicht, den höheren Preis und den im Hintergrund stets brummelnden Benzinmotor - und vor allem dessen Abgasausstoß - aufwiegt, ist ohne konkrete Erfahrungen schwer zu sagen. Nissan jedenfalls sagt, die Technik arbeite "vor allem bei Pendlerfahrten rund um die Stadt mit einer deutlich besseren Kraftstoffeffizienz" als ein herkömmlicher Hybridantrieb.

Der Nissan Note mit dem E-Power-System wird in Japan bereits verkauft. Das Auto kostet dort umgerechnet rund 15.000 Euro und ist damit um etwa 3220 Euro teurer als das identische Modell mit normalem Benzinantrieb. Die E-Power-Technik sei mit Blick auf den japanischen Markt entwickelt worden und speziell auf die Kundenbedürfnisse in den Metropolregionen abgestimmt, heißt es beim Hersteller. Eine weiterer Einsatz der Technik in anderen Märkten oder Modellen sei "ausdrücklich nicht ausgeschlossen" - aber vorerst nicht geplant.

insgesamt 79 Beiträge
mazzmazz 28.12.2016
1. Wie üblich...
....kostet so etwas dann hier 25.000 Eur und wird somit unattraktiv. VW, Mercedes, BMW, Audi können diese Abzocknummer mit Mondpreisen für Privatkäufer vielleicht noch eine Zeit lang fahren. Die anderen nicht. Ein solches [...]
....kostet so etwas dann hier 25.000 Eur und wird somit unattraktiv. VW, Mercedes, BMW, Audi können diese Abzocknummer mit Mondpreisen für Privatkäufer vielleicht noch eine Zeit lang fahren. Die anderen nicht. Ein solches Spielzeug darf maximal 12.000 Eur kosten. 2.000 Eur Aufschlag für die Hybridtechnik sind hier eingerechnet. Sonst kann man für 8.000 Eur einen neuen Fiat Panda Benziner fahren, dessen Mehrverbrauch niemals in einem Kleinwagenleben vom Hybriden amortisiert werden könnte.
SammyDJ 28.12.2016
2. Setzt sich der Range-Extender jetzt endlich durch?
Opel bietet dieses Konzept im Ampera ja schoch seit 2012, allerdings für 45.000 Euro. Es wäre absolut wünschenswert, dass sich der Ansatz durchsetzt. Es ist absolut sinnvoll, einen Benzin-, oder noch besser Gasmotor bei [...]
Opel bietet dieses Konzept im Ampera ja schoch seit 2012, allerdings für 45.000 Euro. Es wäre absolut wünschenswert, dass sich der Ansatz durchsetzt. Es ist absolut sinnvoll, einen Benzin-, oder noch besser Gasmotor bei optimaler Drehzahl als Generator zu nutzen, um für lange Strecken gewappnet zu sein, auf kurzen Strecken aber nur mit der geladenen Batterie auszukommen. Da gehts lang VW. Den Nissan also bitte auch in Europa.
kanan 28.12.2016
3. Tolle Sache
in der Theorie. Sollten sie bei Erfolg auch hier und in anderen westlichen Ländern anbieten.
in der Theorie. Sollten sie bei Erfolg auch hier und in anderen westlichen Ländern anbieten.
teilzeitmutti 28.12.2016
4. Mogelpackung
Neben dem Umstand das die Verbrauchsangabe zu optimistisch ist, macht es den Eindruck als sei das Fahrzeug um die Testzyklen konstruiert worden. 2,7 Liter auf 100km sind genauso wenig glaubwürdig wie die 0,6 Liter pro 100km die [...]
Neben dem Umstand das die Verbrauchsangabe zu optimistisch ist, macht es den Eindruck als sei das Fahrzeug um die Testzyklen konstruiert worden. 2,7 Liter auf 100km sind genauso wenig glaubwürdig wie die 0,6 Liter pro 100km die BMW beim i3 mit Rex angibt. Eine "bessere" Effizienz als ein "herkömmlicher Hybridantrieb bei Pendlerfahrten rund um die Stadt" halte ich angesichts der Wandlungsverluste nicht für glaubwürdig. Bisher haben sich alle derartigen Fahrzeugkonzepte wie BMW i3 Rex oder auch der Opel Ampera im Benzinbetrieb als ziemliche "Säufer" entpuppt. Es gibt keinen Grund anzunehmen das es beim Nissan anders sein wird.
noalk 28.12.2016
5. klingt ncht unvernünftig
Auf diese Weise kann der Motor die meiste Zeit im Bereich des minimalen leistungbezogenen Verbrauchs, angegeben in Liter pro kW, betrieben werden. Warum dann aber klein kleinerer, noch verbrauchsärmerer Verbrennungsmotor [...]
Auf diese Weise kann der Motor die meiste Zeit im Bereich des minimalen leistungbezogenen Verbrauchs, angegeben in Liter pro kW, betrieben werden. Warum dann aber klein kleinerer, noch verbrauchsärmerer Verbrennungsmotor eingebaut wird als der 1,2-Liter-Typ, würde mich dann doch mal interessieren.
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