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Mobilität

Opel Meriva Meregio

Elektrisches Vorspiel

Der Opel Ampera fährt elektrisch, hat aber einen Benzinmotor als sogenannten Range Extender an Bord. Künftig wollen die Rüsselsheimer auf das Notstromaggregat verzichten. Erprobt werden derzeit drei zu Elektrofahrzeugen umgebaute Meriva-Modelle mit reinem Batteriebetrieb.

Thorsten Weigl
Von
Freitag, 08.04.2011   17:30 Uhr

Seit General Motors vor vier Jahren den Chevrolet Volt präsentierte, preisen die Verantwortlichen des US-Autokonzerns den Range Extender. Um Autofahrern beim Wechsel ins Zeitalter der Elektromobilität die Angst vor dem abrupten Ende der Reichweite zu nehmen, hat der prinzipiell elektrisch angetriebene Chevrolet Volt nämlich einen kleinen Benzinmotor an Bord. Er arbeitet wie ein Notstromaggregat und springt automatisch an, wenn der Strom in den Akkus unter ein bestimmtes Level fällt. "Man wird den Motor in den seltensten Fällen brauchen. Aber es ist ein gutes Gefühl, wenn er da ist", sagt GM-Veteran Bob Lutz. Die deutsche GM-Tochterfirma Opel fährt ebenfalls in dieser Spur - und zwar ab Ende dieses Jahres mit dem baugleichen Modell Ampera.

"Wir arbeiten am gesamten Spektrum von Elektrofahrzeugen", sagt Opel-Entwicklungschefin Rita Forst. Sie spricht von "elektromobiler Vielfalt" und meint damit neben dem Ampera und dem Einsatz von Brennstoffzellen auch Elektroautos, die den Strom ganz klassisch in der Batterie speichern. "Wenn sich die Autofahrer an den Umgang mit dem Ladekabel gewöhnt haben, wäre das vor allem für Kurzstrecken und den Stadtverkehr der nächste logische Schritt", sagt Opel-Sprecher Patrick Munsch. Die vorläufige Planung sieht so aus: Ein neuer Opel-Kleinstwagen wird zum Jahreswechsel 2012/2013 erwartet und ab 2014 könnte es dieses Modell auch als Elektroauto geben.

Die Entwicklung hat längst begonnen - mit drei umgebauten Opel Meriva, die beim Modellprojekt Meregiomobil in Stuttgart und Karlsruhe auf der Straße sind. Weil sich die Autobauer bei den Themen Akku und E-Maschine fit fühlen, liegt der Focus ihrer Forschungen in diesem Fall auf der intelligenten Vernetzung der Fahrzeuge mit der Infrastruktur. Wann wird das Auto geladen, mit welchem Strom und für welchen Preis? Das sind die Fragen, die Projektleiter Alexander von Kropff besonders interessieren.

Das Auto weiß, wann der Akku wieder voll sein muss

"Es bedeutet für den Fahrer und für das gesamte System einen Unterschied, ob man Tagstrom oder Nachtstrom tankt, Ökostrom oder Strom aus Kohle- oder Kernkraft." Leider lässt sich vor allem regenerativ erzeugter Strom nur schwer speichern. Wenn die Sonne scheint oder der Wind weht, kann jedoch grüner Strom vergleichsweise günstig angeboten werden - und umgekehrt. "Ein intelligentes, mit den Energieversorgern vernetztes Ladesystem könnte auf solche Spitzen und Täler in der Versorgung reagieren", ist von Kropff überzeugt. In den drei Testautos funktioniert das so, dass der Fahrer lediglich eingeben muss, wann der Akku spätestens wieder voll geladen sein muss. Alles andere steuert die Elektronik des Fahrzeugs und des Stromerzeugers.

Die Auswertung der Ergebnisse läuft noch, ebenso die Preisfindung. Projektleiter von Kropff rechnet mit deutlichen Schwankungen: Je nachdem, wann man den Akku lädt, kostet der Strom für 100 Kilometer Fahrt zwischen 3,50 und 4,50 Euro.

Damit die Akkus des Autos überhaupt spontaner und flexibler geladen werden können, hat Opel die Prototypen für die Schnellladung vorbereitet: Während der Ampera für die 16 kWh-Akkus mindestens viereinhalb Stunden ans Netz muss, sind die gleichen Akkus beim Elektro-Meriva - Zugang zu einem Starkstromanschluss vorausgesetzt - nach 90 Minuten wieder voll.

In der Vision der Entwickler ist der Meriva aber nicht nur ein intelligenter Verbraucher, sondern auch ein elektrischer Puffer, der überschüssige Energie speichern und bei Bedarf wieder abgeben kann. Beim Meregiomobil-Projekt probiert Opel das mit einer Wohngemeinschaft auf dem Campus der Universität Karlsruhe aus, die in einem sogenannten "Smart Home" zusammen lebt. Das Ding sieht von außen aus wie ein Wohncontainer, ist aber so intelligent verdrahtet, dass zum Beispiel die Waschmaschine nur dann läuft, wenn noch genügend Strom im Auto-Akku ist. Exakte Daten sind noch nicht ausgewertet, doch rein rechnerisch müsste der Strom aus dem Auto-Akku in einem Durchschnittshaushalt mit vier Personen für einen halben Tag reichen.

Das Fahrgefühl wirkt erfreulich ausgereift

Obwohl es bei dem Projekt vor allem um Ladestrategie und Infrastruktur geht, sind die Elektro-Merivas natürlich mehr als nur Akkus auf Rädern. Das Auto fährt auch sehr ordentlich. Die E-Maschine leistet 82 PS (kurzzeitig bis zu 110 PS) und beschleunigt den Minivan von null auf Tempo 100 in elf Sekunden. Und die rund 80 Kilo Zusatzgewicht der Akkus spürt man nicht. Selbst im Kofferraum fehlt nur das Staufach unter dem Ladeboden.

Wie man es von anderen Elektroautos gewohnt ist, fährt auch der E-Meriva sehr leise; und Schaltrucke kennt das einstufige Getriebe auch nicht. Deshalb schnurrt man mit dem Stromer flugs über das Testgelände und kann auf bis zu 130 km/h beschleunigen, ehe die Elektronik den Vortrieb in Schach hält. Irritierend ist einzig der Blick auf den Reichweitencomputer, der selbst bei vollen Akkus kaum mehr als 60 Kilometer anzeigt. Selbst wenn man weiß, dass Stadtbewohner an normalen Tagen nicht mehr als diese Distanz im Auto zurücklegen, ist das ein beklemmendes Gefühl. Aber deshalb gibt es ja zunächst einen Opel mit Range Extender.

insgesamt 14 Beiträge
Illya_Kuryakin 08.04.2011
1. Blitz
Ring frei zur 1.Runde im Opel bashing! Gong! Wenn da jetzt Toyota drauf stehen würde, wären alle wieder ganz verzückt. Aber mit dem Blitz vorne drauf, höre ich schon alle wieder maulen.
Ring frei zur 1.Runde im Opel bashing! Gong! Wenn da jetzt Toyota drauf stehen würde, wären alle wieder ganz verzückt. Aber mit dem Blitz vorne drauf, höre ich schon alle wieder maulen.
Flightkit 08.04.2011
2. Schade für Opel
Ein Fahrzeug aus der Vor-Fukuschimazeit, wo es noch Strom im Überfluss gab
Ein Fahrzeug aus der Vor-Fukuschimazeit, wo es noch Strom im Überfluss gab
gucky2009 08.04.2011
3. CO2-Bilanz?
So schnell sorgen ein paar Autos nicht für einen Blackout. Selbst mit 1 Mio. E-Autos ist der mehrverbrauch im Jahr fast irrelevant. Ökobilanztechnisch kommt es auf die kWh/100km und damit g CO2/km an. Und 16 kWh/60km hört [...]
Zitat von FlightkitEin Fahrzeug aus der Vor-Fukuschimazeit, wo es noch Strom im Überfluss gab
So schnell sorgen ein paar Autos nicht für einen Blackout. Selbst mit 1 Mio. E-Autos ist der mehrverbrauch im Jahr fast irrelevant. Ökobilanztechnisch kommt es auf die kWh/100km und damit g CO2/km an. Und 16 kWh/60km hört sich für mich für einen schlecht Wert an. D.h man kommt auf Grob 130 g C02/km bei aktuellen Deutschen Strommix raus. Da gibt es schon genügend "normale" Autos dieser Größenklasse die eine bessere C02-Bilanz haben.
Cephalotus 09.04.2011
4. lorem ipsum
Es gibt immer noch Strom im Überfluss. Gestern Mittag an der Strombörse z.B. für satte 0,7ct/kWh. Darüber hinaus ist der Mehrbedarf selbst von mehreren Millionen Elektroautos verschwindend gering so im einstelligen [...]
Zitat von FlightkitEin Fahrzeug aus der Vor-Fukuschimazeit, wo es noch Strom im Überfluss gab
Es gibt immer noch Strom im Überfluss. Gestern Mittag an der Strombörse z.B. für satte 0,7ct/kWh. Darüber hinaus ist der Mehrbedarf selbst von mehreren Millionen Elektroautos verschwindend gering so im einstelligen TWh/a Bereich.
zompel 09.04.2011
5. im Schnitt vieleicht
aber diese Autos würden zu 95% nachts zum Laden an die Steckdose. Das bringt nicht nur die Überlandleitungen zum glühen
Zitat von CephalotusEs gibt immer noch Strom im Überfluss. Gestern Mittag an der Strombörse z.B. für satte 0,7ct/kWh. Darüber hinaus ist der Mehrbedarf selbst von mehreren Millionen Elektroautos verschwindend gering so im einstelligen TWh/a Bereich.
aber diese Autos würden zu 95% nachts zum Laden an die Steckdose. Das bringt nicht nur die Überlandleitungen zum glühen

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