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Mobilität

Autogramm Porsche Panamera Turbo

Aus Freude am Fummeln

Ja, er schafft die Nordschleife in Rekordzeit. Doch beim neuen Panamera sind es nicht unbedingt die Fahrleistungen, die begeistern - sondern sein zukunftsweisendes Bedienkonzept.

Right Light Media
Von
Dienstag, 23.08.2016   04:45 Uhr

Der erste Eindruck: Eine Schönheit ist der Panamera zwar noch immer nicht. Aber mit dem flacheren Dach, dem schnittigeren Heck und der Silhouette des Elfers passt er jetzt deutlich besser in die Porsche-Familie.

Das sagt der Hersteller: "Den Mutigen gehört die Welt", freut sich Porsche-Chef Oliver Blume. Für die Idee, Sportwagen und Limousine zu kreuzen, wurde Porsche bei der Premiere noch ausgelacht. Nachdem von der ersten Generation mehr als 150.000 Exemplare verkauft wurden, lacht heute niemand mehr.

Das ist uns aufgefallen: Wenn man sich zum ersten Mal hinter das Lenkrad des neuen Panamera setzt, ist Fahren das letzte, was einem in den Sinn kommt. Viel zu faszinierend flimmert das so genannte Porsche Advanced Cockpit. Die beiden Displays links und rechts des weiterhin analogen (danke!) Drehzahlmessers sind inzwischen fast Standard, so etwas kennt man auch aus dem Virtual Cockpit von Audi, aus dem BMW Siebener oder der Mercedes S-Klasse.

Doch der 12,3 Zoll große Touchscreen ist eine Offenbarung, auf den brillanten Grafiken kann man besser zoomen, wischen, scrollen oder durch die Menüs hüpfen als auf jedem Tablet-Computer. Natürlich ist es albern, wenn man den Spoiler im Heck per Bildschirm versenkt oder sich die Endrohre auf dem Display rot färben, nachdem man die Schallklappen im Auspuff öffnet. Doch in Zeiten, in denen man Smartphones nach ihrer Grafikleistung und nicht nach ihrer Sprachqualität aussucht, ist das eine wegweisende Spielerei.

Der Porsche Panamera Turbo im Video

Foto: Right Light Media

Und als wäre das noch nicht genug, ist auch die gesamte Mittelkonsole ein riesiges Sensorfeld. Beim Vorgänger noch als Blockade zwischen den Insassen gescholten, wird sie jetzt zur sensitiven Spielwiese für die Fingerkuppen und sendet dabei mit leisen Klicks und sanftem Nachgeben sogar ein haptisches und akustisches Feedback. Das macht die Bedienung selbst dann zum Vergnügen, wenn man den Blick von der Infotainment-Landschaft losgerissen hat und doch noch los gefahren ist.

Spätestens dann fühlt sich der Panamera auch wieder an, wie man es von einem Porsche erwartet: Er ist stark (beim Turbo stehen jetzt 550 PS und 770 Nm im Fahrzeugschein), er ist schnell (im besten Fall in 3,6 Sekunden von 0 auf 100 und maximal 306 km/h) und er lässt sich mit der Charakterregelung am Lenkrad und dem Sport Response Button aus dem Elfer messerscharf fahren (nicht umsonst schafft er die Nordschleife in 7:38 Minuten und liegt damit auf dem Niveau eines 911 GT3 aus der letzten Generation).

Push-Nachrichten personalisiert

Gleichzeitig hält im Panamera auch in den fahrerischen Disziplinen wieder mehr Elektronik und Intelligenz Einzug: So gibt es nun zum ersten Mal bei Porsche ein Nachtsichtsystem, die LED-Matrix-Scheinwerfer können ihre 84 Leuchtpunkte individuell den Verhältnissen anpassen und mit dem InnoDrive wird der Abstands-Tempomat zum intelligenten Co-Piloten, der aus den Navigationsdaten die nächsten drei Kilometer herausliest und damit die optimalen Beschleunigungs- und Bremswerte sowie Gang- und Segelvorgaben errechnet. Nur wenn es ums autonome Fahren geht, halten sich die Schwaben stärker zurück als die deutschen Konkurrenten.

Das muss man wissen: Wenn der Panamera im November in den Handel kommt, beginnt die Preisliste bei 113.027 Euro. Dafür gibt es einen neuen Biturbo-Sechszylinder mit 2,9 Litern Hubraum und 440 PS, der im besten Fall 289 km/h erreicht und auf dem Prüfstand mit 8,1 Litern zufrieden ist. Daneben startet Porsche mit einem 422 PS starken Achtzylinder im Panamera 4S Diesel, der mit einem Spitzentempo von 285 km/h zum schnellsten Selbstzünder unter den Serienautos wird, sowie dem V8-Turbo, der auch unseren Testwagen befeuert hat.

Aber dabei soll es nicht bleiben. Mit einem zweiten, etwas schwächeren V6-Motor soll der Preis unter 100.000 Euro sinken, es wird wieder einen V6-Diesel geben und natürlich noch ein paar weitere Ausbaustufen wie den Panamera GTS und den Turbo S. Außerdem haben die Schwaben diesmal gleich zwei Plug-in-Hybriden in Planung - einen besonders sparsamen und einen betont sportlichen.

Neu ist eine zusätzliche Karosserievariante. Neben der bekannten Langversion für den chinesischen und den US-Markt soll es diesmal auch einen Shooting Brake im Stil der Studie "Sport Turismo" geben, die den Panamera zum Praktiker macht. Dabei sticht schon das normale Modell die Konkurrenz beim Kofferraumvolumen aus. Weniger mit den 495 Litern bei voller Bestuhlung. Aber umklappbare Rücksitze und bis zu 1304 Liter Ladevolumen können S-Klasse & Co nicht bieten.

Das werden wir nicht vergessen: Das Faszinierendste am neuen Panamera ist sein neues Infotainmentsystem - das man im Fond sogar noch besser genießen kann. Nicht nur, weil man dort mehr Platz hat als früher, sondern weil man dort auch noch mehr Einfluss nehmen und sogar die Position der Lüftungslamellen mit dem Finger auf dem Bildschirm verstellen kann. Da die Ausströme unmittelbar darüber sitzen, ist das natürlich eine hoffnungslos überflüssige Spielerei. Aber eine, die so viel Spaß macht, dass man sich zum ersten Mal gerne nach hinten setzt und vorne ruhig jemand anderes die Knöllchen sammeln kann.

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insgesamt 190 Beiträge
warum_nicht? 23.08.2016
1.
Es gab eine Zeit, da haben - vor allem Sportwagenhersteller - mit Stolz ihre Motoren im Motorraum präsentiert. Heute verschwindet alles unter Plastikdeckeln. Ist wohl ein Vorbote auf die Elektromobilität.
Es gab eine Zeit, da haben - vor allem Sportwagenhersteller - mit Stolz ihre Motoren im Motorraum präsentiert. Heute verschwindet alles unter Plastikdeckeln. Ist wohl ein Vorbote auf die Elektromobilität.
friedelho 23.08.2016
2. Frechheit!
"Eine Schönheit ist er immer noch nicht" Was? In meinen Augen ist das eine der schönsten und gelungensten Limousinen der Welt.
"Eine Schönheit ist er immer noch nicht" Was? In meinen Augen ist das eine der schönsten und gelungensten Limousinen der Welt.
MichaelGoldberg 23.08.2016
3. Schönheit?
Wenn man den neuen Aston Martin DB11 daneben stellt ist wohl jedem klar was gelungenes Autodesign ist. Der permanente Versuch das Elfergesicht jedem anderen Porsche mit aller Gewalt aufzudrücken, egal ob SUV oder Limousine, mutet [...]
Wenn man den neuen Aston Martin DB11 daneben stellt ist wohl jedem klar was gelungenes Autodesign ist. Der permanente Versuch das Elfergesicht jedem anderen Porsche mit aller Gewalt aufzudrücken, egal ob SUV oder Limousine, mutet lächerlich an und zeigt das Gegenteil von Mut.
navysailor 23.08.2016
4.
Sehe das wie #2 - der Panamera ist eines der schönsten Autos in diesem Segment. Er ist wahnsinnig bullig und wirkt dadurch enorm sportlich. Ich verstehe solche Aussagen überhaupt nicht ...
Sehe das wie #2 - der Panamera ist eines der schönsten Autos in diesem Segment. Er ist wahnsinnig bullig und wirkt dadurch enorm sportlich. Ich verstehe solche Aussagen überhaupt nicht ...
Hans Blafoo 23.08.2016
5. Kein Titel
Okay, Sie vergleichen also eine Limousine wie den Panamera mit einem Sportwagen? Hmm, den Vergleich halte ich erstmal für fehlplatziert. Nichtsdestotrotz ist Design Geschmackssache und ich finde den neuen Panamera schöner [...]
Zitat von MichaelGoldbergWenn man den neuen Aston Martin DB11 daneben stellt ist wohl jedem klar was gelungenes Autodesign ist. Der permanente Versuch das Elfergesicht jedem anderen Porsche mit aller Gewalt aufzudrücken, egal ob SUV oder Limousine, mutet lächerlich an und zeigt das Gegenteil von Mut.
Okay, Sie vergleichen also eine Limousine wie den Panamera mit einem Sportwagen? Hmm, den Vergleich halte ich erstmal für fehlplatziert. Nichtsdestotrotz ist Design Geschmackssache und ich finde den neuen Panamera schöner als den DB11.
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Fahrzeugschein

Hersteller: Porsche
Typ: Panamera Turbo (2016)
Karosserie: Limousine
Motor: V8-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.996 ccm
Leistung: 550 PS (405 kW)
Drehmoment: 555 Nm
Von 0 auf 100: 3,6 s
Höchstgeschw.: 306 km/h
Verbrauch (ECE): 9,3 Liter
CO2-Ausstoß: 212 g/km
Kofferraum: 495 Liter
umgebaut: 1.304 Liter
Preis: 153.011 EUR

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