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Mobilität

Autogramm Audi A5

Linientreu

Die Audi-Mittelklasse ist derart auf Perfektion getrimmt, dass die Emotionen auf der Strecke bleiben. Selbst das neue A5 Coupé, eigentlich fürs große Gefühl zuständig, fällt der Strebsamkeit zum Opfer.

Audi
Von
Freitag, 28.10.2016   10:40 Uhr

Der erste Eindruck: Der A5 ist aus jeder Perspektive ein linientreues Auto. Das Karosseriedesign ist harmonisch-elegant - und zugleich gefangen im Korsett der immer gleichen Audi-Kanten.

Das sagt der Hersteller: In einem Auto wie dem A5 werde der Alltag zum Feiertag - wenn Audi-Chef Rupert Stadler über die Coupés der Marke spricht, trägt er ganz schön dick auf, und beim neuen A5 erst recht. Vom Vorgängermodell wurden 320.000 Exemplare verkauft, ein Erfolg, den Stadler folgendermaßen erklärt: "Komfortabel und praktisch wie eine Limousine, dynamisch und emotional wie ein Sportwagen und gleichzeitig elegant und einzigartig." Das klingt - ehrlich gesagt - nach einem einzigen Kompromiss.

Das ist uns aufgefallen: Kennst du einen, kennst du alle. So verführerisch das Coupé von außen aussieht, so sehr gleicht der Audi A5 innen dem Audi A4. Einziger Unterschied ist der Gurtbringer, der im neuen Coupé nach dem Einsteigen beim Anschnallen hilft, weil aufgrund der großen Türen der Gurt weit hinten angebracht ist.

Die Ähnlichkeit zum A4 ist nicht grundsätzlich schlecht, denn der Wagen setzt vor allem im Innenraum und besonders im Cockpit Maßstäbe. Kein anderer Hersteller in dieser Preis- und Fahrzeugklasse verbaut so schmucke Oberflächen, kein anderer verarbeitet sie so sauber und keiner hat ein derart ausgefuchstes Anzeige- und Bedienkonzept. Das "Virtual Cockpit" ist noch immer eine Wucht und die Klimazentrale mit den Displays in den Drehreglern und den Sensortasten darunter ist so gut gemacht, dass man kaum die Finger davon lassen will. Würde jetzt noch das Touchpad auf dem Mitteltunnel ausgemustert und käme stattdessen ein berührungsempfindlicher Bildschirm ins Auto - der Wagen wäre in punkto Bedienbarkeit perfekt.

Selbst der Fond, oft die Schwachstelle eines Coupés, ist besser gelungen als bei der Konkurrenz. Natürlich ist das Ein- und Aussteigen eine wenig geschmeidige Aktion, doch wenn man erst einmal auf der Rückbank sitzt, kann man es dort gut aushalten. Vor allem hat Audi die Seitenlinie so gestaltet, dass die Fondpassagiere sogar etwas von ihrer Umwelt mitkriegen und sich nicht wie in einer dunklen Höhle gefangen fühlen. Auch der Fahrer profitiert von dieser Gestaltung, denn der A5 ist eines der wenigen Coupés, das sich auch ohne Rückfahrkamera rangieren lässt.

Der Audi A5 im Video:

Foto: Tom Grünweg

Objektiv gibt es also nichts, was man am A5 aussetzen könnte. Doch subjektiv ist diese Perfektion das größte Problem des A5. Das Auto wirkt zu nüchtern und zu kalt, anders gesagt: Es hat ungefähr so viel Charme wie ein Computer. Ein Superhirn, aber leider ohne Charakter. Das ist schon bei einer Limousine wie dem A4 oder den Kombimodellen Avant schade. Bei einem Coupé jedoch ist das beinahe ein K.O.-Kriterium. Denn wer im Vergleich zu einer Limousine oder einem Kombi Einschränkungen in der Alltagstauglichkeit in Kauf nimmt, der will als Gegenleistung nicht nur ein schöneres, sondern auch ein sinnlicheres Auto.

An dieser Einschätzung ändert sich leider auch beim Fahren nichts. Der 2,0 Liter große TFSI-Motor mit 252 PS Leistung und 370 Nm Drehmoment mag der vielleicht beste Vierzylinder der Welt sein und jeden V6-Benziner überflüssig machen. Die Fahrleistungen sind exzellent, die Laufkultur des Triebwerks hat fast etwas von einem Elektromotor und dank Allradantrieb fährt sich der Wagen geradezu narrensicher. Doch selbst im Sportmodus übt der Motor eine derart vornehme Zurückhaltung, dass da einfach kein Funke überspringt.

Das muss man wissen: Das mindestens 40.100 Euro teure A5 Coupé ist die dritte Spielart der Audi-Mittelklassebaureihe. Auch der Zweitürer nutzt den modularen Längsbaukasten (MLB) und hat deshalb gegenüber dem Vorgängermodell einen längeren Radstand und knackigere Proportionen. Außerdem speckt er um bis zu 60 Kilo ab. Vergleicht man Coupé und Limousine, wirkt der Zweitürer kräftiger und kompakter. Das liegt unter anderem ein einer breiteren Spur unter weiter ausgestellten Kotflügen.

Unter der Haube gibt es zunächst je drei Benzin- und drei Dieselmotorisierungen. So bietet Audi den 2,0-Liter-Vierzylinder aus dem Testwagen auch mit 190 PS an und hat darüber noch einen 3,0-Liter-V6 mit 354 PS im Programm. Bei den Dieseln umfasst die Palette aktuell einen 2,0-Liter-Vierzylinder mit 190 PS sowie zwei V6-Aggregate mit 218 oder 286 PS.

Beim zweitürigen Coupé wird es allerdings nicht bleiben. Gerade hat Audi zum ersten Mal den viertürigen A5 Sportback gezeigt und im Frühjahr folgt dann ein Cabrio. Interessant ist das Studium der Preisliste: Im Testwagen zum Beispiel waren bei einem Grundpreis von 48.100 Euro noch einmal Extras für zusätzlich mehr als 20.000 Euro verbaut - so wird der A5 dann doch zum Pulsbeschleuniger.

Das werden wir nicht vergessen: Wenn etwas hängen bleibt vom neuen A5, dann sind es die sogenannten Blister über den hinteren Radläufen, mit denen Audi an die scharfen Schnitte des Ur-Quattro erinnern möchte. Ecken hat der A5 deshalb noch immer nicht, aber wenigstens ein paar neue Kanten.

Hersteller: Audi
Typ: A5 20.9 TFSI quattro
Karosserie: Coupé
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.984 ccm
Leistung: 252 PS (185 kW)
Drehmoment: 370 Nm
Von 0 auf 100: 5,8 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 5,9 Liter
CO2-Ausstoß: 136 g/km
Kofferraum: 465 Liter
Preis: 48.100 EUR
insgesamt 77 Beiträge
blabliblupp 28.10.2016
1. Extras für den halben Fahrzeugpreis
verbaut Audi gerne. In dem Grundpreis sind als Extras Bananenkartons als Sitze enthalten. Das ist doch ein schlechter Witz, dasss ein KFZ für knapp 50 kE erst mit weiteren 20 K Einsatz fahrbar wird.... Éin Test mit gepimpten [...]
verbaut Audi gerne. In dem Grundpreis sind als Extras Bananenkartons als Sitze enthalten. Das ist doch ein schlechter Witz, dasss ein KFZ für knapp 50 kE erst mit weiteren 20 K Einsatz fahrbar wird.... Éin Test mit gepimpten Wagen kann man eigentlich nicht ernst nehmen.
ffmfrankfurt 28.10.2016
2. Grauenhaft
Grauenhaft ist bei Audi, und insbesondere bei Audi, dass man ein Modell nicht mehr von dem anderen unterscheiden kann. Ob dort jetzt ein A4, ein A5 oder ein A6 steht, egal ob Limousine oder Kombi, Man kann ein Modell nicht mehr [...]
Grauenhaft ist bei Audi, und insbesondere bei Audi, dass man ein Modell nicht mehr von dem anderen unterscheiden kann. Ob dort jetzt ein A4, ein A5 oder ein A6 steht, egal ob Limousine oder Kombi, Man kann ein Modell nicht mehr von dem anderen unterscheiden.
monolithos 28.10.2016
3. Großes Gefühlskino
Für welches "große Gefühl zuständig" ist der A5 denn? Für das beklemmende Gefühl, viel Geld ausgegeben zu haben für etwas, was mit anderem Heck oder anderem Kühlergrill deutlich weniger gekostet hätte?
Für welches "große Gefühl zuständig" ist der A5 denn? Für das beklemmende Gefühl, viel Geld ausgegeben zu haben für etwas, was mit anderem Heck oder anderem Kühlergrill deutlich weniger gekostet hätte?
teilzeitmutti 28.10.2016
4. Mit einem Wort
Also die im Bericht genannten "schmucken Oberflächen" kann ich bei bestem Willen nicht entdecken: Das ist der "übliche" Kunststoff, etwas PU damit die Haptik stimmt, etwas Leder und etwas Metall. [...]
Also die im Bericht genannten "schmucken Oberflächen" kann ich bei bestem Willen nicht entdecken: Das ist der "übliche" Kunststoff, etwas PU damit die Haptik stimmt, etwas Leder und etwas Metall. "Schmuck" ist das nicht, sondern die "übliche" VW/Audi-Materialauswahl für den Innenraum wenn man etwas mehr Geld in die Hand nimmt. Das Innenraumkonzept an sich ist hochgradig albern: Der Startknopf, von dem man offensichtlich nicht wusste wohin damit, wanderte neben den Aschenbecher. Und wozu man neben dem Virtual-Cockpit noch einen gesonderten Bildschirm benötigt werden wohl nur die Audi-Leute erklären können. Sinn macht das nicht nicht und gut sieht es auch nicht aus. Der Rest der Fahrzeugs sieht dann auch nicht mehr nach "Neukonstruktion" sondern mehr nach "Facelift" aus.
lorn order 28.10.2016
5. sinnloser Artikel
Der Artikel strotzt vor lobenden Formulierungen, wie z.B. "Der 2,0 Liter große TFSI-Motor mit 252 PS Leistung und 370 Nm Drehmoment mag der vielleicht beste Vierzylinder der Welt sein", "Kein anderer Hersteller in [...]
Der Artikel strotzt vor lobenden Formulierungen, wie z.B. "Der 2,0 Liter große TFSI-Motor mit 252 PS Leistung und 370 Nm Drehmoment mag der vielleicht beste Vierzylinder der Welt sein", "Kein anderer Hersteller in dieser Preis- und Fahrzeugklasse verbaut so schmucke Oberflächen, kein anderer verarbeitet sie so sauber und keiner hat ein derart ausgefuchstes Anzeige- und Bedienkonzept." Die technischen Daten zeugen darüber hinaus auch von herausragenden Fahrleistungen, aber Herr Grünweg fällt ein schlechtes Urteil, weil das Auto zu perfekt sei. Es springe kein Funke über. Würde Ihnen das Auto besser gefallen, wenn es offensichtliche Mängel hätte?
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