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Mobilität

Autogramm Audi e-tron GT Concept

Der Flachblitz

Audi greift mit der elektrischen Sportlimousine e-tron GT das Model S von Tesla an - allerdings erst in zwei Jahren. Eine Ausfahrt mit dem Prototypen zeigt: Das Warten könnte sich lohnen.

Audi
Von
Dienstag, 18.12.2018   04:29 Uhr

Der erste Eindruck: Endlich mal wieder ein Audi, der auffällt, sich vom Rest der Modellpalette abhebt und trotzdem sofort als Audi zu erkennen ist.

Das sagt der Hersteller: Neue Flaggschiffautos müssen nicht immer SUVs sein - das ist die Botschaft, mit der Audi-Designchef Marc Lichte die Studie Ende November bei der Autoshow in Los Angeles auf die Bühne rollen ließ. Zwar ist Audis rein elektrischer Erstling e-tron (ohne Namenszusatz), der in Kürze in den Handel kommt, ein hochbeiniger und schwerfälliger Geländewagen. Dies auch, weil die Batteriepakete lange zu dick waren für ein richtig flaches Auto wie den GT. "Doch mit einer neuen Plattform ist es uns gelungen, die Akkus so flach zu bauen, dass wir auch eine niedrige Silhouette erreichen können", schwärmt Lichte. So solle der e-tron GT zum Verführer werden, zur Interpretation des Gran Turismo für das elektrische Zeitalter.

Das ist uns aufgefallen: Fast alles am e-tron GT wirkt echt und funktional. Bis zur Serienfertigung sind es ja auch nur noch knapp zwei Jahre. Einige Spielereien haben sich die Designer verkniffen, etwa Videokameras anstelle von Außenspiegeln, wie sie im e-tron-SUV in Serie gehen. Dafür gibt es andere Neckereien: So springen die rahmenlosen Türen auf, wenn man eine Sensortaste an der B-Säule berührt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Audi E-Tron GT - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das Cockpit ist eine Weiterentwicklung dessen, was schon von Q8 & Co. bekannt ist. Irritierend nur, dass der Wetterdienst auf der gestochen scharfen Infografik Sonne meldet, obwohl es am Testtag in Los Angeles gießt. Zwei große Bildschirme prägen das Armaturenbrett, alles ist clean und leer und es gibt noch weniger Schalter als bisher. Selbst den Vorwärts-rückwärts-Wählhebel haben die Bayern durch einen Schieber auf dem Mitteltunnel ersetzt.

Wenn man den auf "d" stellt, schreitet der GT kräftiger aus, als es den Polizisten lieb ist, die diese Testfahrt im Zentrum von Los Angeles begleiten. Während deren Harleys pöttern, summt der Audi nur. Doch weil Leistung nichts mit Lärm zu tun hat in der Elektroepoche, haben die Zweiräder keine Chance. 590 PS liefern die Motoren an den beiden Achsen, und wie bei E-Maschinen üblich, steht ihr maximales Drehmoment von der ersten Millisekunde an zur Verfügung. Obwohl der GT deutlich mehr als zwei Tonnen wiegt, könnte er deshalb in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Und während der elektrische SUV auf 200 km/h limitiert ist, lassen die Entwickler beim Gran Turismo bis 240 km/h zu.

Fotostrecke

Autogramm Audi E-Tron GT Concept: Elektrisch auf große Fahrt

Für eine Studie wirkt der GT solide und macht Lust auf eine längere Ausfahrt. Gute Voraussetzungen bieten die Akkus, die mehr als 90 kWh Strom bunkern. Das soll für mindestens 400 Kilometer Fahrt reichen. Zudem können sie dank 800-Volt-Technik in 20 Minuten Saft für 300 Kilometer ziehen.

Auch das Ambiente wirkt ausgereift. Bei knapp fünf Meter Länge und rund drei Meter Radstand bietet der GT hinten genügend Platz. Nur den Kopf müssen die meisten Erwachsenen etwas einziehen. Der Kofferraum passt ebenfalls zum Anspruch der Langstreckenlimousine - 450 Liter Volumen hinten und 100 Liter vorn sollten für die große Fahrt ausreichen.

Das muss man wissen: Der e-tron GT Concept hat mit dem elektrischen SUV aus Ingolstadt nicht viel mehr als einen Teil des Namens und den Kühlergrill gemein. Denn für den großen Gleiter teilen sich die Bayern eine Plattform mit der Konzernschwester Porsche, die darauf den Taycan als Serienfassung der Studie Mission E stellt. Während die schon Ende 2019 gegen das Tesla Model S ins Rennen geht, müssen sich die Audi-Kunden ein Jahr länger gedulden.

Anders als das e-tron SUV und der für Ende 2019 angekündigte Sportback mit etwas schnittigerer Karosserie wird der GT - wie bisher die besonders potenten RS-Modelle und der R9 - von der Tuning-Tochter Audi Sport verantwortet. Das spricht für kleinere Stückzahlen und höhere Preise. Zwar verrät Audi dazu noch nichts, doch für eine fünfstellige Summe wird der Wagen kaum zu haben sein.

Das werden wir nicht vergessen: Die vergebliche Suche nach Lack und Leder im Innenraum, mit denen sich Autos dieser Preisklasse sonst gerne schmücken. Luxus braucht laut Audi in einer neuen Zeit neue Materialien. Deshalb haben die Entwickler das erste vegane Interieur der Marke entwickelt.

Hersteller: Audi
Typ: E-Tron GT Concept
Karosserie: Limousine
Motor: zwei E-Maschinen
Getriebe: Eingang-Automatik
Antrieb: Allrad
Leistung (E-Motor): 590 PS (434 kW)
Von 0 auf 100: 3,5 s
Höchstgeschw.: 240 km/h
Kofferraum: 450 Liter
insgesamt 44 Beiträge
tirolerhof 18.12.2018
1. Groß, größer, am größten
Der Bericht zum Audi e-tron GT klingt super. Ich Frage mich nur, welcher Otto Normalbürger den Wagen bezahlen soll? Wird hier nur für die Reichen produziert? Wann werden die Autos mit alternativem Antrieb für die Empfänger [...]
Der Bericht zum Audi e-tron GT klingt super. Ich Frage mich nur, welcher Otto Normalbürger den Wagen bezahlen soll? Wird hier nur für die Reichen produziert? Wann werden die Autos mit alternativem Antrieb für die Empfänger kleiner bis mittlerer Einkommen gebaut?
eunegin 18.12.2018
2. normale Autos für normale Menschen für normale Fahrten?
Und wer baut die normalen Autos, die sich normale Menschen auch kaufen können? Mir scheint die deutsche Autoindustrie etwas entfremdet von den Realitäten und dem Querschnitt der Bevölkerung zu sein.
Und wer baut die normalen Autos, die sich normale Menschen auch kaufen können? Mir scheint die deutsche Autoindustrie etwas entfremdet von den Realitäten und dem Querschnitt der Bevölkerung zu sein.
luganorenz 18.12.2018
3. Die Konkurrenz ist nicht Tesla...
... sondern die eigenen Verbrenner. Oder glaubt noch irgend jemand, dass ein RS7 oder S6 unter die Leute zu bringen ist, wenn so ein Geschoss im Show-room steht? Tesla wird 2021 schon wieder weiter sein. Das aktuelle Model S ist [...]
... sondern die eigenen Verbrenner. Oder glaubt noch irgend jemand, dass ein RS7 oder S6 unter die Leute zu bringen ist, wenn so ein Geschoss im Show-room steht? Tesla wird 2021 schon wieder weiter sein. Das aktuelle Model S ist aus dem Jahr 2012. Wer den Technologiesprung zwischen Model S und Model 3 sieht, weiß, dass die deutschen Hersteller noch eine Schippe drauflegen müssen.
rgw_ch 18.12.2018
4. Reichweite?
Was ist die interessanteste Frage bei einem Elektroauto, vor allem, wenn es als Reisewagen konzipiert ist? Richtig: "Wie weit kommt er?". Irgendwie fehlt mir in diesem Artikel eine entsprechende Information.
Was ist die interessanteste Frage bei einem Elektroauto, vor allem, wenn es als Reisewagen konzipiert ist? Richtig: "Wie weit kommt er?". Irgendwie fehlt mir in diesem Artikel eine entsprechende Information.
salomohn 18.12.2018
5. Kein Tesla-Jäger
Die Formensprache, das Gewicht und die diversen Hilfefunktionen werden ein anderes Publikum ansprechen als ein Tesla. Von BMW und anderen Anbietern sind bis in zwei Jahren diverse andere Modelle auf dem Markt. Der Audi scheint mit [...]
Die Formensprache, das Gewicht und die diversen Hilfefunktionen werden ein anderes Publikum ansprechen als ein Tesla. Von BMW und anderen Anbietern sind bis in zwei Jahren diverse andere Modelle auf dem Markt. Der Audi scheint mit eher etwas für den arrivierten Unternehmer im ländlichen Bereich. Konnten die Journalisten die Reise terminlich verbinden? Oder hat dieses Auto durch die Einladung nach LA jetzt schon hunderte Tonnen CO2 auf dem Buckel?
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