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Mobilität

Autogramm BMW i3s

Spannungsspitze

Elektroautos stehen - mit Ausnahme von Tesla - eher für Vernunft. Die wirft BMW jetzt beim i3 über Bord und bietet ihn in einer frisierten Version i3s an.

BMW
Von
Freitag, 15.12.2017   04:21 Uhr

Der erste Eindruck: Volle Breitseite. Bislang sah der i3 mit den schmalen Rädern und der schlanken Statur so aus, als würde er beim leichtesten Luftzug umfallen. Dank vier Zentimeter mehr Spurweite, zwei Zentimeter breiteren Reifen und kleinen Plastikblenden an den Radläufen steht er jetzt satt auf der Straße.

Das sagt der Hersteller: Ein bisschen Spaß darf sein. Nachdem sich BMW beim Elektroauto i3 bislang vor allem von der Vernunft leiten ließ, will i-Chef Robert Irlinger mit dem i3s mehr Vergnügen bieten. Wenn er vom normalen i3 spricht, dann fallen Begriffe wie nachhaltig und emissionsfrei. Geht es jedoch um den i3s, würzt Irlinger die Terminologie mit Begriffen wie "Dynamik" und "Fahrspaß".

Auf der einen Seite ist das bedauerlich, weil sich der i3 damit am üblichen Wettrüsten beteiligt und so seine Unschuld verliert. Auf der anderen Seite ist es womöglich ein richtiger Schritt, weil so vielleicht mehr BMW-Fahrer die Fronten wechseln.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Das ist uns aufgefallen: Es braucht nur ein, zwei Kurven, dann hat man den Sinn und Zweck des i3s verstanden. Es sind nicht die 14 PS mehr Leistung und die zusätzlichen 20 Nm Drehmoment im Vergleich zum normalen i3, die den Unterschied machen. Auch die bessere Beschleunigung von 6,9 statt, wie bisher, 7,3 Sekunden von Null auf Hundert ist unerheblich. Ebenso das neu einprogrammierte Tempolimit von 160 statt 150 km/h. Es sind die um zwei Zentimeter breiteren Reifen und die um vier Zentimeter breitere Spur, die zusammen mit der etwas strafferen Lenkung und der um einen Zentimeter abgesenkten Karosserie ein neues Fahrgefühl erzeugen.

Hat man sich im i3 bislang immer ein bisschen gefühlt wie auf rohen Eiern, fuhr entsprechend zurückhaltend und musste erst mühsam Vertrauen gewinnen, fühlt sich der Wagen jetzt viel solider an. Die spontane Beschleunigung eines Elektroautos, diesen Instant-Kick an der Ampel, beim Überholen oder nach dem Abbiegen, wenn sofort das maximale Drehmoment zur Verfügung steht, den kann man im i3s viel sorgenfreier genießen und entsprechend besser auskosten. Man fühlt sich nicht mehr wie auf einem Fahrrad mit wackeligen Stützrädern. Ob es den "Sport"-Modus auf dem Fahrerlebnisschalter gebraucht hätte, sei allerdings dahingestellt.

Den zweiten großen Unterschied zum normalen i3 merkt man erst, wenn man den elektrischen Kleinwagen in ungewohnte Gefilde führt und über Land fährt. Das war im i3 bislang kein ganz so großes Vergnügen, weil die Beschleunigung - wie bei allen Stromern abgesehen von Tesla - jenseits des Ortschildes deutlich zäher wird und sich der Sprint von 50 auf 100 km/h oft gezogen hat wie Kaugummi. Jetzt allerdings hat BMW die Drehmomentkurve durch neue Leichtlauflager und eine geänderte Steuerung der E-Maschine spürbar verschoben. Bei maximaler Motordrehzahl entwickelt der i3s bis zu 40 Prozent mehr Anzugskraft.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des BMW i3s - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Der i3s steht - flankiert von einem Update für den normalen i3 mit neuer Software für Infotainment und Assistenzsysteme, einer neuen Frontschürze für einen bulligeren Look und serienmäßigen LED-Scheinwerfern - seit November bei den BMW-Händlern. Für die stärkere Variante zahlt man einen Aufpreis von 3600 Euro, so dass der Preis des i3 von 37.550 auf 41.150 Euro für den i3s klettert. Weil beide Autos dieselbe 33 kWh-Batterie nutzen, ist die Reichweite beim stärkeren Modell um zehn Kilometer geringer und liegt im Normzyklus bei 280 Kilometern.

Als einziger Elektroauto-Hersteller bieten die Bayern beim i3 für beide Varianten gegen 4600 Euro Aufpreis zudem einen Range-Extender an. Ist der an Bord, treibt er nicht die Räder, sondern nur den Generator an, um so Strom zu erzeugen für einige weitere hundert Kilometer elektrischer Fahrt.

Das werden wir nicht vergessen: Warum muss ausgerechnet das modernste BMW-Modell trotz eines neuen Infotainment-Systems noch ohne Touchscreen auskommen? Bei BMW kann einem das keiner so recht erklären. Es wirkt fast, als hätte da jemand Berührungsangst in Sachen Elektromobilität.

Hersteller: BMW
Typ: i3S
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Elektromotor
Getriebe: Einganggetriebe
Antrieb: Heck
Leistung (E-Motor): 184 PS (135 kW)
Drehmoment (E-Motor): 270 Nm
Von 0 auf 100: 6,9 s
Höchstgeschw.: 160 km/h
Kofferraum: 260 Liter
umgebaut: 1.100 Liter
Preis: 41.150 EUR
insgesamt 148 Beiträge
starboy 15.12.2017
1. Reichweite?!
Die Reichweite ist doch schon gelogen. Setzt euch Mal selber 2 Monate in das Auto und jetzt wo draußen 0-3°C herrschen kommt man garantiert nicht Mal 200 km weit. Was hat BMW nur für eine beschissene Forschungsabteilung. [...]
Die Reichweite ist doch schon gelogen. Setzt euch Mal selber 2 Monate in das Auto und jetzt wo draußen 0-3°C herrschen kommt man garantiert nicht Mal 200 km weit. Was hat BMW nur für eine beschissene Forschungsabteilung. Jeder Pendler der täglich 50-100 km unterwegs ist muss das Auto nahezu täglich an die Steckdose anschließen. Wenn man es, warum auch immer vergisst, kann man sich schonmal ein Taxi rufen. Dieser I3 ist doch nur ein halbes Auto. Baut die Karre größer und packt mehr Akkus rein und schon kann man 400, 500 oder 600 km fahren. Wieviele Ladezyklen überleben die Akkus bzw wann müssen die getauscht werden. Nach 3 Jahren sind ca. 1000 Ladezyklen und die Reichweite ist sicherlich nochmals 20% geringer. Zudem empfinde ich den Preis als Zumutung. Soviel Geld für so wenig Auto.
karlnapf10 15.12.2017
2. Touchscreen im Auto?
Knöpfe und Hebel kann ich bedienen ohne hin zu sehen. Bei einem Touchscreen muss ich jedes mal die Augen "von der Strasse" nehmen, weil das haptische feedback fehlt. BMW macht das schon richtig.
Knöpfe und Hebel kann ich bedienen ohne hin zu sehen. Bei einem Touchscreen muss ich jedes mal die Augen "von der Strasse" nehmen, weil das haptische feedback fehlt. BMW macht das schon richtig.
kuhndi 15.12.2017
3. Fahrspass?
Den gibt es nur in der Werbung! Auf der Strasse siehr das anders aus. Ich höre jeden Tag die endlosen Staumeldungen im Radio: Sie verlieren aktuell eine Stunde. Wäre da Fahrspass müsste es heissen: Sie gewinnen aktuelle eine [...]
Den gibt es nur in der Werbung! Auf der Strasse siehr das anders aus. Ich höre jeden Tag die endlosen Staumeldungen im Radio: Sie verlieren aktuell eine Stunde. Wäre da Fahrspass müsste es heissen: Sie gewinnen aktuelle eine Stunde! Genissen Sie die Zeit in ihrem Auto, geniessen sie den Spass. In Wirklichkeit herrscht Stress und Krieg auf den Strassen.
wexelweler 15.12.2017
4. Spitzen
Was soll das ewige Tesla Bashing? Deutsche Autos ab € 30'000 - Benziner und Diesel - stehen ebenfalls viel zu selten für Vernunft. Von aufgemotzten Serien schon gar nicht zu sprechen. Dadurch wird der deutsche e-Autoschrott [...]
Was soll das ewige Tesla Bashing? Deutsche Autos ab € 30'000 - Benziner und Diesel - stehen ebenfalls viel zu selten für Vernunft. Von aufgemotzten Serien schon gar nicht zu sprechen. Dadurch wird der deutsche e-Autoschrott auch nicht besser.
wolle0601 15.12.2017
5. Reichweite im Normzyklus, soso
Wie realistisch ist dieser Normzyklus? Zum Beispiel bei Heizung et cetera. Wenn bei Benzinautos das Ziel ist, praxisnahe Werte zu bekommen, dann doch sicher auch bei Batterieautos. Den Stand der Dinge zu erklären und ggf. [...]
Wie realistisch ist dieser Normzyklus? Zum Beispiel bei Heizung et cetera. Wenn bei Benzinautos das Ziel ist, praxisnahe Werte zu bekommen, dann doch sicher auch bei Batterieautos. Den Stand der Dinge zu erklären und ggf. investigativ nachzuforschen wäre doch mal ein guter Job.
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