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Mobilität

BMW M3 Cabrio

Kraftakt ohne Kappe

Klimawandel, Spritpreise, Schadstoffe? Das Geschäft mit der Leistung floriert nach wie vor. Zum Beispiel bei der BMW M GmbH. Die BMW-Haustuner präsentieren nach dem M3 Coupé und der M3 Limousine nun den Kraftmeier der 3er-Baureihe auch als Cabrio.

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Montag, 28.04.2008   08:58 Uhr

Diesmal ist es ein Kraftakt unter freiem Himmel. Zum Start der neuen Cabriosaison rollt die M GmbH den stärksten 3er-BMW aller Zeiten zu Preisen ab 73.950 Euro als offenes Auto auf den Markt. Ab 31. Mai wird der Wagen ausgeliefert. Dann genügt ein Knopfdruck - und nach 22 Sekunden Geduld wird aus dem M3 eine rasende Sonnenbank. Das Bollern des Achtzylinders macht jedes Radioprogramm überflüssig. Wer beherzt aufs Gaspedal tritt und die 420 Pferde unter der Haube galoppieren lässt, hört eh nicht mehr viel außer dem Motorkreischen. Dann mobilisiert der Vierlitermotor bis zu 400 Nm und lässt den Viersitzer davon schnellen, als würde Vollgasfahren demnächst verboten.

Wie das normale 3er Cabrio trägt auch der offene M3 statt einer leichten Stoffmütze ein versenkbares Stahldach, das sich wie eine japanische Papierblume in den Kofferraum faltet. Zwar schwört die M GmbH auf intelligenten Leichtbau und spendierte daher dem M3 Coupé das erste Carbondach der Großserienfertigung. Doch in diesem Fall reichte das Budget nicht für eine Neukonstruktion. Schließlich ist das Cabrio ohnehin schon gut zehn Prozent teurer als das Coupé. Außerdem gelten die Vorteile des Stahlverdecks – bessere Geräuschisolierung, bessere Rundumsicht und eine bessere Ganzjahrestauglichkeit – auch bei der M GmbH. Die Kehrseite dieses Luxus sind nur noch 210 Litern Kofferraumvolumen und 230 Kilo Mehrgewicht.

Dennoch: die Diskussion über das Dachkonzept ist eher eine Frage von Design satt Dynamik. Denn die Kraft des Achtzylinders ist auch für 1,8 Tonnen Auto mehr als ausreichend. Während der Drehzahlmesser munter über die 7000er-Marke schnellt und der Fahrtwind die Frisur nach hinten legt, jagt das Cabrio in 5,3 Sekunden auf Tempo 100 und stürmt auch jenseits von Tempo 200 munter weiter. Wer dann noch einmal beschleunigt, merkt schnell, dass bei 250 km/h nicht wirklich Schluss sein müsste. Selbst das gegen Aufpreis auf 280 km/h erweiterte Limit ist theoretisch nicht das Ende. "Doch man soll die Höchstgeschwindigkeit im M3 ja nicht nur mit Hängen und Würgen erreichen", rechtfertigt Produktmanager Carsten Pries die stille Reserve.

Den Preis für überforschen Vorwärtsdrang zahlt der Fahrer an der Tankstelle. Bereits im Normzyklus schluckt das M3 Cabrio 12,9 Liter. Wer zügig unterwegs ist, sollte sich auf Verbrauchswerte weit jenseits von 15 Litern je 100 Kilometer einstellen. Angesichts dieser Zahlen erscheint plötzlich das Diesel-Cabrio der 3er-Reihe sonderbar attraktiv. Denn der offene 320d gibt sich im offiziellen Schnitt mit 5,3 Litern zufrieden.

Gibt es demnächst auch noch einen M3 Kombi?

Die offene Version des M3 hat bei BMW eine lange Tradition: Schon in der ersten Auflage ließ der bayerische Kraftmeier die Hüllen fallen, fand aber als Cabrio nicht einmal 800 Kunden. In der zweiten Generation wurden dann schon mehr als 12.000 M3-Modelle oben ohne ausgeliefert; und in der dritten Generation machte das Open-Air-Modell mit 30.000 Einheiten bereits ein Drittel der Produktion aus.

Ob die jetzige, vierte Generation diesen Anteil noch einmal steigern kann, bezweifelt Produktmanager Pries. "Schließlich gibt es jetzt, anders als beim Vorgänger, ja auch wieder eine M3 Limousine." Weil Leistung offenbar noch immer sehr gefragt ist, deutet er bereits weiter M-Modelle an. Ob darunter auch Kombimodell wie ein M3 Touring sein werde, mag er aber nicht bestätigen. Zwar zeigen die Werkstuner bereits mit dem M5 Touring, dass ein Eiltransporter durchaus Kunden finden kann. Doch da Kombi-Kunden fast ausschließlich in Europa zu Hause sind, wäre der Markt für einen M3 Touring möglicherweise zu klein, gibt Pries zu bedenken.

Erstmals gibt es eine Siebengang-Automatik im M3

Lieber spricht er über eine weitere Neuheit: Mit der dritten Karosserievariante führen die Bayern nämlich auch eine Getriebe-Alternative ein und bieten für alle M3 neben der sechsstufigen Handschaltung für 3800 Euro Aufgeld eine Automatik mit Doppelkupplung an. Die wechselt autmatisch oder von Hand zwischen den sieben Fahrstufen so schnell, dass man kaum mehr eine Zugkraftunterbrechung spürt. Zudem bietet die Technik über den Elektronik-Bausteins Drivelogic insgesamt elf unterschiedliche Fahrprogramme von Flaniermeile bis Rennstrecke und ist obendrein schneller und sparsamer als der beste Autofahrer. So gelingt mit der Automatik der Standardsprint um 0,2 Sekunden fixer, und gleichzeitig sinkt der Durchschnittsverbrauch um 0,6 auf 12,3 Liter.

Dennoch werde die Doppelkupplung nicht das Ende des Handschalters sein, sagt M-Manager Pries, der den Griff zum Schaltknüppel auch für einen Ausdruck besonders sportlichen Fahrens hält. Das hätten selbst die als Schaltmuffel bekannten US-Kunden gelernt. Während es zum Beispiel M5 und M6 hierzulande nur mit dem automatisierten SMG-Getriebe gibt, liefert BMW nach Amerika auch Modelle mit Handschaltung. Pries: "Wer damit umgehen kann, der zeigt in den USA: Ich bin ein Könner."

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Fahrzeugschein

Hersteller: BMW
Typ: M3 Cabrio
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V8-Benziner
Hubraum: 3.999 ccm
Leistung: 420 PS (309 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 5,1 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 12,3 Liter
CO2-Ausstoß: 293 g/km
Kraftstoff: Superplus
Kofferraum: 350 Liter
umgebaut: 210 Liter
Preis: 77.750 EUR

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