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Mobilität

BMW X6 M

Ein SUV in der Schikane

Schwer wie ein Kleinlaster, stark wie ein Geländewagen, schnell wie ein Rennauto - der neue BMW X6 M soll viele Extreme vereinen. Technisch verdient das teuerste und stärkste Modell der Bayern durchaus Anerkennung. Doch die Verbrauchswerte sind nicht zeitgemäß.

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Mittwoch, 08.07.2009   12:49 Uhr

Wer will, dem wird gegeben. Schon immer hat die Autoindustrie die Wünsche solventer Kunden gern erfüllt. Mercedes verdient gut am Vollgas-SUV ML 63 AMG und Porsche verkauft außerhalb Deutschlands noch immer überraschend viele Cayenne Turbo - da will BMW nicht länger hinten anstehen. Deshalb bietet jetzt auch die hauseigene Veredelungssparte M GmbH einen getunten X6 für 108.500 Euro an. Es ist der erste Allradler von BMW, der es mit jedem Sportwagen aufnehmen kann. Wer die Motorleistung begehrt, und zugleich das Alibi von fünf Sitzplätzen und üppigem Kofferraum benötigt, kann das Technikpaket der BMW M GmbH auch im X5 M bestellen - das ist dann 2500 Euro billiger.

"Wir müssen uns fragen lassen, ob so ein Auto in die Zeit passt", räumt der gerade erst berufene M-Chef Kay Segler ein. Seine Antwort: Überall auf der Welt gibt es Märkte, die vehement so ein Auto gefordert haben." Dazu gehören etwa die USA, Russland, China und Arabien. Warum also sollte die M GmbH, die allein im vergangenen Jahr 25.000 Autos verkauft hat, Kunden zur Konkurrenz ziehen lassen, die einen Haufen Geld für ein Hightech-Paket auszugeben bereit sind.

Kritische Fragen nach dem Sinn bestimmter Automodelle sind die BMW-Verantwortlichen bereits gewohnt; schon das Basismodell X6 spaltet das Publikum: Für Kritiker ist das Dickschiff das rollende Symbol der Unvernunft. Andererseits scheint dieses Auto ein bislang ungestilltes Bedürfnis zu befriedigen: Seit dem Verkaufsstart vor rund einem Jahr wurden schon mehr als 40.000 Exemplare abgesetzt. Der X6 ist derzeit der einzige BMW mit nennenswerten Lieferfristen.

Die M-Versionen der Allradler wurden lange geplant

"Mit dem Gedanken an M-Varianten der X-Modelle spielen wir schon seit zehn Jahren", sagt Segler. "Doch bislang hatten wir dafür noch kein überzeugendes Konzept." Jetzt allerdings gibt der Baukasten alles her, was aus dem X einen M mache, sagen die Ingenieure. Da sind zum Beispiel der neue V8-Motor, der variablen Allradantrieb sowie die sogenannte Dynamic Performance Control, mit der die Kraft an der Hinterachse zwischen den beiden Rädern verteilt werden kann.

Technisch ist das Paket überzeugend: Der 4,4 Liter große V8-Motor leistet 555 PS und ist damit der stärkste Motor im BMW-Programm. Mit zwei Turboladern spricht die Maschine dank einer ausgeklügelten Luftführung ausgesprochen schnell an und schüttet das manchmal noch vorhandene Turboloch mit ungeheurem Drehmoment zu. Bei 1500 Touren schon stehen die maximal 680 Nm zur Verfügung, die den Wagen wie vom Katapult geschleudert beschleunigen. Obwohl 2,4 Tonnen schwer, schießt er binnen 4,7 Sekunden auf Tempo 100 und stürmt danach weiter, als gäbe es kein Morgen. Die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist reine Formsache. Und selbst wer das M Drivers Package ordert und damit die Höchstgeschwindigkeit auf 275 km/h verschiebt, erkennt, dass dies noch nicht das Ende des Vortriebs ist.

Wer unbedingt will, kann mit dem Trumm auf die Rennstrecke

Genauso imposant wie das Sprintvermögen ist das Fahrverhalten des rasenden Elefanten. Wer es denn partout so haben möchte, kann mit dem Trumm kontrolliert über eine Rennstrecke knüppeln und dabei vergleichsweise nahe an der Ideallinie bleiben: Die Lenkung präzise, die Federn stramm und die Bremsen gewaltig - Hut ab vor den Fahrwerksentwicklern. So weit sind Autofahrer von der Trägheit der Masse selten entfernt. Der Beweis ist eindrucksvoll, doch wird sich wohl kein Kunde mit dem X6 M auf eine Rennstrecke verirren. Das Auto wirkt hier so passend wie Bergstiefel auf der Aschenbahn.

So gibt der X6 M bei aller Potenz eher den Powercruiser, die anderen M-Modelle jedenfalls sind giftiger. Hier dagegen bleibt das Fahrwerk so komfortabel, dass man entspannt über die Autobahn rollen kann, der Motor klingt zwar kernig, spielt sich aber allenfalls beim Ampelspurt in den Vordergrund, und auch beim Design wahrt BMW eine gewisse Zurückhaltung. Der X6 M wirkt breiter und bläht gewaltig die Nüstern, damit genügend Luft in den Motorraum und an die Bremsen kommt. Dazu gibt es Kiemen in der Flanke, spezielle Außenspiegel und vier Auspuffendrohre. Doch wirklich aggressiv wirkt das Auto nicht.

Sind 13,9 Liter Verbrauch "verantwortungsvoll"?

Obwohl die Bayern mit dem X6M in die Vollen gehen, spricht Segler von einem "verantwortungsvollen Umgang" mit den Ressourcen. Auf dem Papier ist der X6 M mit einem Verbrauch von 13,9 Litern tatsächlich sparsamer als die meisten Konkurrenten. Ein Porsche Cayenne Turbo S braucht immerhin einen Liter mehr, der Mercedes ML 63 AMG kommt sogar auf 16,5 Liter. In der Praxis sind solche Werte ohnehin nur Makulatur: Eine Verdopplung des Verbrauchs ist bei verschärfter Gangart kein Problem. Was dem X6 M während einer Vollgasstunde verfeuert, damit kommt ein Mini-Fahrer durch den ganzen Monat.

Die Stückzahlen und mit ihnen der Einfluss aufs Weltklima mögen gering sein. Aber rundum wohl fühlt sich BMW offenbar nicht mit dem Extremauto. Ein Indiz dafür ist die Hybridversion des X6, die bei der Präsentation des M-Modells zugegen ist. Anfang nächsten Jahres soll dieses Auto an den Start gehen.

insgesamt 119 Beiträge
Mo2 08.07.2009
1. Killer
Nicht mehr zeitgemäß ist vor allem, dass der SPON fast täglich über irgendeinen neuen Umweltkiller berichtet. Warum werden die nicht ignoriert? Kauft doch eh kein Mensch, der noch halbwegs bei Verstand ist. Man wünschte [...]
Zitat von sysopSchwer wie ein Kleinlaster, stark wie ein Geländewagen, schnell wie ein Rennauto - der neue BMW X6 M soll viele Extreme vereinen. Technisch verdient das teuerste und stärkste Modell der Bayern durchaus Anerkennung. Doch die Verbrauchswerte sind nicht zeitgemäß. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,635021,00.html
Nicht mehr zeitgemäß ist vor allem, dass der SPON fast täglich über irgendeinen neuen Umweltkiller berichtet. Warum werden die nicht ignoriert? Kauft doch eh kein Mensch, der noch halbwegs bei Verstand ist. Man wünschte sich den gleichen Enthusiasmus für sparsame Fahrzeuge und alternative Konzepte.
bogo23 08.07.2009
2. Geeeiiiilllll Mann
Boah wenn ich mit der Kiste vor meinem neuen Puff fahre werden die Mädels aber so grosse Augen machen und die Kunden auch ...denn ich bin der KING. ...und nöchstes Jahr im Sommer fahr icke damit Pinguine Platte ..JJJJAAAA ich [...]
Boah wenn ich mit der Kiste vor meinem neuen Puff fahre werden die Mädels aber so grosse Augen machen und die Kunden auch ...denn ich bin der KING. ...und nöchstes Jahr im Sommer fahr icke damit Pinguine Platte ..JJJJAAAA ich bin Geil ich fahr M6 !!!
bcdb 08.07.2009
3. #
Genau. Wenn man nämlich nicht über diese "Umweltkiller" berichtet, dann gibt es die auch gar nicht. Warum ignoriert SPON nicht einfach auch sämtliche Kriege, Katastrophen, Verbrechen, die Klimaerwärmung, die [...]
Zitat von Mo2Nicht mehr zeitgemäß ist vor allem, dass der SPON fast täglich über irgendeinen neuen Umweltkiller berichtet. Warum werden die nicht ignoriert? Kauft doch eh kein Mensch, der noch halbwegs bei Verstand ist. Man wünschte sich den gleichen Enthusiasmus für sparsame Fahrzeuge und alternative Konzepte.
Genau. Wenn man nämlich nicht über diese "Umweltkiller" berichtet, dann gibt es die auch gar nicht. Warum ignoriert SPON nicht einfach auch sämtliche Kriege, Katastrophen, Verbrechen, die Klimaerwärmung, die Umweltverschmutzung und den FC Bayern München. Dann gäbe es diese Dinge nämlich auch nicht. Zum X6 M: Wer mehr als 100.000 Euro für ein Auto hinblättert und damit hunderte Arbeitsplätze sichert, der kann auch gerne ein wenig mehr die Umwelt verschmutzen.
einszweidrei 08.07.2009
4. Realverbrauch
Für einen Artikel in der Auto Bild 14/2006 wurde im April 2006 auf dem ATP-Testgelände von Papenburg (ein 12,3 km langes Oval in Niedersachsen) der tatsächliche Verbrauch einiger Autos bei gleichmäßig gefahrener [...]
Für einen Artikel in der Auto Bild 14/2006 wurde im April 2006 auf dem ATP-Testgelände von Papenburg (ein 12,3 km langes Oval in Niedersachsen) der tatsächliche Verbrauch einiger Autos bei gleichmäßig gefahrener Hochgeschwindigkeit gemessen. Spitzenreiter war der Porsche Cayenne Turbo S (521 PS). Er verbrauchte bei 130 km/h 14,8 Liter, bei 150 km/h 17,1 Liter, bei 180 km/h 21,0 Liter, bei 200 km/h 26,4 Liter und bei 270 km/h 66,7 Liter Super Plus auf 100 km. Der ECE-Verbrauch des Cayenne Turbo S beträgt 15,7 Liter/100 km. Rechnet man den ECE-Verbrauch des BMW X6 M (13,9 L) auf den Verbrauch des Cayenne Turbo S hoch, dann würde der BMW bei 200 km/h 23,4 Liter Sprit verbrauchen, bei 270 km/h wären es dann gut 59 Liter Super Plus.
Stefan Albrecht 08.07.2009
5. Ach hätten Sie doch recht
... mit Ihrer Behauptung, dass kein Mensch die Umweltkiller kauft. Aber leider haben Sie nicht Recht. Denn sowohl BMW als auch Porsche als auch Volkswagen und Audi haben alle einen wirtschaftlichen Erfolg mit ihren extrem [...]
Zitat von Mo2Nicht mehr zeitgemäß ist vor allem, dass der SPON fast täglich über irgendeinen neuen Umweltkiller berichtet. Warum werden die nicht ignoriert? Kauft doch eh kein Mensch, der noch halbwegs bei Verstand ist. Man wünschte sich den gleichen Enthusiasmus für sparsame Fahrzeuge und alternative Konzepte.
... mit Ihrer Behauptung, dass kein Mensch die Umweltkiller kauft. Aber leider haben Sie nicht Recht. Denn sowohl BMW als auch Porsche als auch Volkswagen und Audi haben alle einen wirtschaftlichen Erfolg mit ihren extrem hässlichen Ungetümen (X5, Cayenne, Tuareg, Q7) eingefahren. Und wenn man einen der Besitzer trifft, wird man darüber vollgequatscht, warum er das Auto braucht. Das einzige was man tun kann ist letzterem dann klar zu machen, dass einen das einen feuchten Kehrricht interessiert. Aber die Besitzer der Ungetüme sind immer noch stolz auf diese. Und diese geistig armen Besitzer sind leider finanziell reich und viele bewundern sie dann, nicht zuletzt wegen ihres fahrenden Kleiderschranks. Damit diese Monster von Straßen und Medien verschwinden, muss sich erst in den Köpfen der Allgemeinheit wieder einiges ändern, fürchte ich...
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Fahrzeugschein

Hersteller: BMW
Typ: X6 M
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V8-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 4.395 ccm
Leistung: 555 PS (408 kW)
Drehmoment: 680 Nm
Von 0 auf 100: 4,7 s
Höchstgeschw.: 275 km/h
Verbrauch (ECE): 13,9 Liter
CO2-Ausstoß: 325 g/km
Kofferraum: 570 Liter
umgebaut: 1.450 Liter
Preis: 108.500 EUR

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