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Mobilität

Autogramm BMW X7

Bayerischer Größenwahn

BMW bockt den Siebener auf, die SUV-Sause hat einen neuen Superlativ. Das Schlachtschiff X7 verspricht Luxus auf sieben Sitzen. Nur für Nachhaltigkeit ist bei dem Wagen leider kein Platz.

Foto: BMW
Von
Mittwoch, 20.03.2019   04:31 Uhr

Der erste Eindruck: Das Auto ist riesig, und das gilt auch für den typischen BMW-Nieren-Kühlergrill. Der gerät immer mehr zur Karikatur.

Das sagt der Hersteller: Es habe zwar ein bisschen gedauert, räumt BMW-Produktmanager Carsten Groeber ein. Doch endlich kann auch BMW vom Erfolg der ganz großen SUVs profitieren. Während hierzulande vor allem handliche Modelle nach Art des VW T-Cross beliebt sind, rufen US-Amerikaner und Kunden in Asien nach Dickschiffen.

Der X7 sei der erste BMW mit drei vollwertigen Sitzreihen und konsequent auf den luxuriösen Transport von mindestens sechs Personen ausgelegt, sagt Groeber. Und natürlich spricht er - BMW-typisch - von Dynamik. Ob ein Zweieinhalbtonner mit mehr als fünf Metern Länge dynamisch sein kann, daran zweifelt man als Zuhörer erst einmal.

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Autogramm BMW X7: Fettes Teil

Das ist uns aufgefallen: Die Entwickler haben beim X7 rückwärtsgewandt gearbeitet. Während in anderen Siebensitzern die dritte Sitzreihe oft nur ein Notbehelf ist, können im X7 dort auch Erwachsene bequem reisen und selbst einigermaßen würdevoll zusteigen. Und wer anstatt der Sitzbank in Reihe zwei die individuell verstellbaren Komfortsitze bestellt, fährt im Fond bequemer als in jedem anderen SUV aus München. Die Beinfreiheit ist feudal, die Kopffreiheit großzügig, und im Panoramadach zaubert eine LED-Grafik einen Sternenhimmel, fast so schön wie bei Rolls-Royce.

Außerdem hat BMW beim X7 die Gleichberechtigung großgeschrieben: Alles, aber auch wirklich alles funktioniert elektrisch und von jedem Platz aus - sogar die Jalousien öffnen auf Knopfdruck. Jeder Platz hat eigene Getränkehalter und USB-Buchsen, und für jede Reihe lässt sich individuell das Klima regeln.

Nur an einem Punkt endet die Gleichberechtigung. Während die beiden hinteren Sitzreihen aus dem Kofferraum auf Knopfdruck flachgelegt werden können und der Fahrer sogar alle Sitze verstellen kann, ist der Einfluss im Fond limitiert: Wer in der zweiten Reihe rechts sitzt, der kann am Sitz davor nichts verstellen - dabei ist das in der klassischen Chauffeurskonstellation der prominenteste Platz.

Wer sich ans Lenkrad setzt, erlebt beim X7 ebenfalls eine Überraschung. Denn angesichts des Formats und Gewichts ist das Dickschiff ungewöhnlich flott, was bei Motoren mit bis zu 462 PS Leistung freilich kein Wunder ist. Und es ist auch halbwegs handlich. Dafür sorgen ein Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung, eine elektronisch geregelte Differentialsperre und eine Hinterachslenkung.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des BMW X7 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Trotzdem ist der Drang zum Rasen im X7 weniger groß als bei anderen BMW-Modellen. Das Auto strahlt eine entspannende Souveränität aus, die sich auf den Fahrer überträgt - der Wagen ist mit Luftfederung und Wankstabilisierung BMW-untypisch auf Komfort ausgelegt. Außerdem fährt ständig ein schlechtes Gewissen mit: Ein VW-Bus oder eine V-Klasse von Mercedes sind zwar nicht weniger groß, doch diese Fahrzeuge sind bei uns sozial akzeptiert. Und das nicht ohne Grund: Immerhin verbrauchen sie nicht schon auf dem Prüfstand bis zu 11,4 Liter je 100 Kilometer.

Das muss man wissen: Der X7 kommt ab Mai zu den Händlern und kostet mindestens 84.300 Euro - das sind rund 15.000 Euro mehr, als BMW für den rund 25 Zentimeter kürzeren X5 verlangt. Allerdings schrumpfe der Aufpreis deutlich, wenn die üppigere Ausstattung des X7 mit eingerechnet werde, sagt Produktmanager Groeber. Zum Start gibt es den Wagen mit zwei Dieselmotoren und einem Benziner. Einstiegsmodell ist der 30d mit 265 PS starkem Reihensechszylinder. Am anderen Ende der Skala rangiert der M50d für 109.900 Euro, bei dem der Sechszylinder 400 PS leistet. Dazwischen liegt für 86.300 Euro der Benziner des X7 40i - ebenfalls drei Liter groß, leistet er 340 PS. Vorerst nur für die USA und Asien gibt es außerdem einen V8-Benziner mit 4,4 Litern Hubraum und 462 PS Leistung.

Bei dieser Auswahl hat BMW gleich zwei Chancen vertan: Wenn es die Bayern ernst meinen würden mit ihrem Anspruch vom "7er unter den SUV", sich von Konkurrenten wie Mercedes GLS, Range Rover und Cadillac Escalade abheben und die Lücke zum Bentley Bentayga und Rolls-Royce Cullinan schließen wollten, dann müssten sie auch den V12-Motor aus dem 7er anbieten. Und wenn die Sache mit dem nachhaltigen Luxus kein leeres Gerede ist, dann muss es den X7 auch mit einem Plug-in-Hybridantrieb geben, wie er im X5 kommen soll. Erst recht für die USA und China.

Und auch die Ausstattung ist nicht allumfassend, der X5 lässt sich ähnlich luxuriös ausstaffieren. Und Lounge-Sessel wie im 7er oder eine Version mit nur fünf Sitzen sind vorläufig nicht verfügbar.

Das werden wir nicht vergessen: Das Schlüsselerlebnis vor Beginn der Testfahrt. Denn auch für den X7 gibt es den sogenannten Display-Schlüssel mit Touchscreen, der auf den Bordcomputer zugreift. Normalerweise wirkt das Ding im Smartphone-Format viel zu groß. Doch im Verbund mit dem X7 erscheint der Klotz fast zierlich.

Hersteller: BMW
Typ: X7
Karosserie: SUV
Motor: Reihensechszylinder-Turbo mit Benzindirekteinspritzung
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.998 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 6,1 s
Höchstgeschw.: 245 km/h
Verbrauch (ECE): 8,7 Liter
CO2-Ausstoß: 198 g/km
Kofferraum: 326 Liter
umgebaut: 2.120 Liter
Preis: 86.300 EUR
insgesamt 306 Beiträge
vincentaurelius 20.03.2019
1. Verbrauch
Im Datenblatt steht tatsächlich was von 8,7L Verbrauch auf 100KM. Lernen die Autobauer nix dazu oder ist die Welt wirklich so ignorant?
Im Datenblatt steht tatsächlich was von 8,7L Verbrauch auf 100KM. Lernen die Autobauer nix dazu oder ist die Welt wirklich so ignorant?
tom47798 20.03.2019
2. Hässlich grässlich dieses Ding!
Wer kauft bitte so eine Karre. Allein schon die riesige aufdringliche "Niere" kündet von völliger Geschmacksverirrung.
Wer kauft bitte so eine Karre. Allein schon die riesige aufdringliche "Niere" kündet von völliger Geschmacksverirrung.
herbert 20.03.2019
3. Das sind dann die Autos, die nach drei Jahren die haelfte an Wert
verloren haben, weil sie kaum einer als Gebrauchten kauft. Fuer den Normalbuerger eine voellig ueberfluessige Kiste.
verloren haben, weil sie kaum einer als Gebrauchten kauft. Fuer den Normalbuerger eine voellig ueberfluessige Kiste.
nilslofgren 20.03.2019
4. Ich find die Verschwendung gut,
denn in 2,3 Tonnen Auto stecken sovile Arbeitsplätze auf der ganzen Welt. Ich würde jedoch nie meinen Kia Picanto gegen diesen Geldverbrenner eintauschen.
denn in 2,3 Tonnen Auto stecken sovile Arbeitsplätze auf der ganzen Welt. Ich würde jedoch nie meinen Kia Picanto gegen diesen Geldverbrenner eintauschen.
nilslofgren 20.03.2019
5. Bewunderung......
für die Autoindustrie. Keine ander Branche versteht es den deutschen Sachen zu verkaufen, die diese nicht brauchen. Ich selber bin in der Branche tätig. Mir wäre lieber, die deutschen würden sich 2 paar ordentliche Schuhe für [...]
für die Autoindustrie. Keine ander Branche versteht es den deutschen Sachen zu verkaufen, die diese nicht brauchen. Ich selber bin in der Branche tätig. Mir wäre lieber, die deutschen würden sich 2 paar ordentliche Schuhe für je 200 Euro kaufen. Was sich nämlich Automanager an die Füße binden hat vielfach was mit Lada Niva zu tun.
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