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Mobilität

Autogramm Cadillac CT6

Steif ist life

Der Cadillac CT6 soll Autos wie BMW 7er oder Mercedes S-Klasse die Schau stehlen. Das klappt schon ganz gut, vor allem wegen einer bocksteifen und leichten Karosserie trumpft der Amischlitten fahrerisch auf.

Cadillac
Von
Dienstag, 28.06.2016   07:56 Uhr

Der erste Eindruck: Der neue Cadillac CT6 funkelt um Aufmerksamkeit wie ein Fahrgeschäft auf der Kirmes.

Das sagt der Hersteller: Cadillac-Chef Johan de Nysschen spart nicht an großen Worten, wenn er das neue Flaggschiff anpreist. Der CT6 sei "nichts weniger als ein komplett neuer Ansatz für eine Luxuslimousine", und den habe nur Cadillac geben können. Der Straßenkreuzer solle im Segment der eher trägen Fünf-Meter-plus-Limousinen wieder die Freude am Fahren wecken.

Das ist uns aufgefallen: Größe ist bei diesem Auto relativ. Obwohl der Cadillac stattlich und schwer aussieht und innen eine fast schon barocke Opulenz bemüht, fühlt sich das Auto beim Fahren handlich und leicht an. Das liegt vor allem an einer neuen Plattform, die nur noch zu 62 Prozent aus Aluminium besteht und nur noch zu 38 Prozent aus Stahl: Im besten Fall drückt das das Gewicht des Fahrzeugs auf 1659 Kilogramm. Cadillac-Chef de Nysschen sagt es so: "So groß wie eine Mercedes S-Klasse oder ein BMW 7er, aber leichter als E-Klasse oder 5er."

Zugleich sorgen insgesamt 268 Meter Klebeverbindungen, mehr als 3000 Schweißpunkte und eine Konstruktion aus 20 Prozent weniger Einzelteilen dafür, dass diese Alu-Architektur steifer ist als bei jedem anderen Cadillac zuvor. Das senkt auch das Geräuschniveau im Innenraum.

Der Cadillac CT6 im Kurzvideo

Foto: Cadillac

Das adaptive Fahrwerk, das mehrere hundert Mal pro Sekunde die Dämpfer neu justiert, ein serienmäßiger Allradantrieb und eine Hinterradlenkung tragen ebenfalls zum Gefühl bei, ein überaus handliches Auto zu fahren. Während andere Modelle sich oft größer geben, als sie eigentlich sind, läuft es beim CT6 genau anders herum: Er ist ein virtueller Kompaktwagen.

Zumindest so lange man das sportliche Setup wählt und mit der Limousine auf einer kurvigen Landstraße fährt. Da wegen des abgesenkten Gewichts auch Flieh- und Schwerkräfte geringer sind und die mitlenkenden Hinterräder den Wendekreis schrumpfen lassen, hält der Cadillac dort leichter die Spur, fährt flotter ums Eck und drängt weniger nach außen, wenn man es etwas forscher angehen lässt. Doch kaum wechselt man auf eine Autobahn, ändert die Limousine ihren Charakter, wirkt plötzlich wieder schwer und souverän und strahlt eine fast schon meditative Ruhe aus.

Leider ist das Verhältnis zwischen realer und gefühlter Größe beim Kofferraum umgekehrt. 433 Liter Fassungsvermögen sind für ein Auto dieses Kalibers eher bescheiden. Wobei die Platzverhältnisse im Fond absolut standesgemäß sind.

Im Interieur bietet der Wagen allerlei Annehmlichkeiten. Im Cockpit mit den beiden riesigen Bildschirmen und dem Head-up-Display zum Beispiel läuft schon beim Start eine Sequenz ab, die auch als Intro für "Star Trek" taugen würde. Während der Fahrt lässt sich ein wahres Infotainment-Feuerwerk abbrennen. Für die Hinterbänkler gibt es ebenfalls große Bildschirme in den Rückenlehnen der Vordersitze. Und von der Spurführungshilfe über den Parkpiloten bis zum Rückspiegel mit integriertem Kamerabild und dreimal größerem Blickfeld sind im Auto vielerlei nützliche Assistenzsysteme installiert.

Festzuhalten ist, dass sich Cadillac mit dem CT6 weit entwickelt hat. Ebenso aber bleibt ein Abstand zu den Luxuslimousinen der deutschen Hersteller. Leder und Kunststoffe wirken im Cadillac nicht ganz so fein, die Bedienung nicht ganz so schlüssig, die Anzeigen sind nicht ganz so brillant. Jedoch: Bei Audi, BMW oder Mercedes müssen Kunden auch deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Das muss man wissen: Der CT6 steht ab September bei den wenigen Cadillac-Händlern hierzulande. Er kostet mindestens 73.500 Euro und wird in Deutschland nur in einer Antriebsvariante angeboten. In Europa setzt Cadillac ausschließlich auf einen neuen 3,0-Liter-V6-Motor mit Doppelturbo und Zylinderabschaltung. Mit einem wunderbar garstigen Knurren mobilisiert das Aggregat 417 PS Leistung und 555 Nm Drehmoment.

Der Antrieb wirft zwei Fragen auf: Warum, und das ist beim Prestige-Duell mit den Platzhirschen im Mutterland der Autobahn durchaus von Bedeutung, ist bei Tempo 240 Schluss? Und warum kommt die leichteste Luxuslimousine mit einem der modernsten Sechszylinder auf einen Normverbrauch von 9,6 Liter? Nun darf bei den Leistungsdaten keiner Wunderdinge erwarten und vergleichbare Triebwerke deutscher Hersteller sind auch keine Kostverächter. Und doch liegt die Cadillac-Angabe über dem, was man erwarten würde - zumindest in dieser Disziplin bleibt der Cadillac einem der US-Car-Klischees treu.

Das werden wir nicht vergessen: Der Cadillac CT6 soll so eigenständig daherkommen wie nur möglich, doch bei Details kopieren die US-Ingenieure europäische Vorbilder. Die pfundschweren Aschenbecher etwa kennt man von Bentley, das Touchpad auf dem Mitteltunnel von Audi und im Buhlen um die Gunst der Mercedes-Kunden hat Cadillac die Schalter für die Sitzverstellung in die Tür verlegt - wie beim Wagen aus Sindelfingen. Das nächste Mal mehr Selbstbewusstsein, bitte.

insgesamt 159 Beiträge
leoneo 28.06.2016
1. Das Design
...ist der Hammer. Und die Autos immer besser. Das durfte ich in den USA ausreichend feststellen. Aber es stimmt: Qualitativ schon sehr gut, aber noch ein gutes Stück entfernt zu den Deutschen Premium-Herstellern. In den Staaten [...]
...ist der Hammer. Und die Autos immer besser. Das durfte ich in den USA ausreichend feststellen. Aber es stimmt: Qualitativ schon sehr gut, aber noch ein gutes Stück entfernt zu den Deutschen Premium-Herstellern. In den Staaten würde ich einen kaufen - hier bei uns in nicht.
th.rindt 28.06.2016
2. Schon im Heute angekommen?
Sagt einmal: ist das hier ne Rubrik,die seriös informieren will, verankert im "Hier und Jetzt"? Oder gehören die Fahrberichte eher in die Ecke "Unterhaltung für kompromisslose Auto-Narren"? Diese Frage [...]
Sagt einmal: ist das hier ne Rubrik,die seriös informieren will, verankert im "Hier und Jetzt"? Oder gehören die Fahrberichte eher in die Ecke "Unterhaltung für kompromisslose Auto-Narren"? Diese Frage stellt sich mir, wenn ich mir die Zustände auf unseren Straßen und die Situation unserer Umwelt anschaue und dann im Artikel die Kritik finde,dass der Wagen wohl bei 240 km/h abgeregelt ist... Meines Erachtens sind schon 200 zu viel- und gebraucht werden höhere Geschwindigkeiten auch von niemanden
C-Hochwald 28.06.2016
3. Was denn nun, Herr Grünweg
Sehr geehrter Herr Grünweg, den Bericht über den Cadillac schliessen Sie mit einem Appell an den Hersteller, mehr Mut zur Eigenständigkeit zu wahren. Dabei verweisen Sie auf die Kopien der Bedienkonzepte deutscher Marken. [...]
Sehr geehrter Herr Grünweg, den Bericht über den Cadillac schliessen Sie mit einem Appell an den Hersteller, mehr Mut zur Eigenständigkeit zu wahren. Dabei verweisen Sie auf die Kopien der Bedienkonzepte deutscher Marken. Das Foto mit dem Automatikwählhebel wird mit dem Kommentar "...offensichtlich eigenwillige Form..." versehen. Ihre Formulierung erweckt einen negativ wertenden Eindruck. Also, was wollen Sie den Lesern nun mitteilen? Dass weder Kopien von Bedienkonzepten noch neue Designs der Wählhebel gut sind? Weiterhin habe ich einen Rechtschreibefehler in einer der Fotobeschreibungen gefunden. Ich stelle eine gewisse Erodierung der Textqualität bei den S.P.O.N. Artikeln fest.
derkohn 28.06.2016
4. Lieber Herr Grünweg...
"Und warum kommt die leichteste Luxuslimousine mit einem der modernsten Sechszylinder auf einen Normverbrauch von 9,6 Liter?" Vielleicht, weil das Ding nicht ums Verrecken auf den EU-Normzyklus optimiert ist? Kleiner [...]
"Und warum kommt die leichteste Luxuslimousine mit einem der modernsten Sechszylinder auf einen Normverbrauch von 9,6 Liter?" Vielleicht, weil das Ding nicht ums Verrecken auf den EU-Normzyklus optimiert ist? Kleiner Realitätscheck: Für den Mercedes S500 liefert Spritmonitor Verbräuche von 9,12 bis über 13 Liter. Audi A 8 ist bei 10,8 Liter und der BMW 750i hat schon 12,8 bis 14,4 Liter. Vielleicht recherchieren Sie einfach mal Tatsachen, statt Autoquartett zu spielen!
hasenfuss27 28.06.2016
5.
---Zitat--- Warum, und das ist beim Prestige-Duell mit den Platzhirschen im Mutterland der Autobahn durchaus von Bedeutung, ist bei Tempo 240 Schluss? ---Zitatende--- Die Autobahnabschnitte, auf denen Sie solche [...]
---Zitat--- Warum, und das ist beim Prestige-Duell mit den Platzhirschen im Mutterland der Autobahn durchaus von Bedeutung, ist bei Tempo 240 Schluss? ---Zitatende--- Die Autobahnabschnitte, auf denen Sie solche Geschwindigkeiten "vernünftig" ausfahren können, lassen sich - auch und gerade in Deutschland - an einer Hand abzählen... Gabs an dem Auto wirklich sonst nichts zu meckern? Dann: Rspekt, Cadillac...
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Fahrzeugschein

Hersteller: Cadillac
Typ: CT6
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Turbobenziner
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.997 ccm
Leistung: 417 PS (307 kW)
Drehmoment: 555 Nm
Von 0 auf 100: 5,7 s
Höchstgeschw.: 240 km/h
Verbrauch (ECE): 9,6 Liter
CO2-Ausstoß: 300 g/km
Kofferraum: 433 Liter
Preis: 75.300 EUR

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