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Mobilität

Autogramm Ford Mustang Cabrio

Galopper des Jahres

Für Fans wird ein Traum wahr: Zum ersten Mal gibt es den Ford Mustang offiziell auch in Europa, und zwar als Coupé und Cabrio. Leider ist das Kultauto in einem wesentlichen Punkt viel zu europäisch geworden.

Ford/ Charlie Magee
Von
Montag, 01.06.2015   10:59 Uhr

Der erste Eindruck: Ein Muscle-Car durch und durch, auf den ersten Blick ein Mustang und trotzdem kein bisschen Retro. So und nicht anders geht man mit modernen Klassikern um, wenn man nicht, wie der VW Beetle oder der Mini, in der Retro-Falle landen will.

Das sagt der Hersteller: "Der Mythos lebt", sagt Ford-Pressechef Ralph Caba. Und zwar überall auf der Welt. Obwohl der Mustang bislang in Deutschland offiziell nie angeboten wurde, ist das Auto bei uns bekannter als manches andere Ford-Modell. Die sechste Mustang-Generation ist jetzt auch hierzulande verfügbar - und entsprechend begehrt: "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon einmal knapp 2000 Bestellungen für ein Auto hatten, das kein Kunde vorher live sehen konnte", sagt Caba. Damit befeuert der Mustang nicht nur den Umsatz, sondern mehr noch das Image. "Plötzlich strömen die Leute wieder neugierig in unsere Autohäuser."

Das ist uns aufgefallen: Der kann ja auch Kurven! Bei der ersten Begegnung mit dem Coupé in den USA galoppierte der Mustang vor allem über schnurgerade Highways und sanft geschwungene Byways, auf denen das Muscle-Car selbst früher, als noch Starrachsen verbaut waren, eine gute Figur machte. Jetzt, da die ersten Autos der neuen Generation in Deutschland eingetroffen sind, führt der erste Ausritt mit dem Cabrio über eng geschwungene Landstraßen im Voralpenland.

Und dabei überrascht das Wildpferd: verbindlich, berechenbar und - wenn man sich erst einmal an den langen Vorbau gewöhnt hat - auch präzise, lässt sich der Wagen schneller durch die Schikanen treiben als erwartet. Da zahlen sich der Wechsel auf eine moderne Einzelradaufhängung, die in mehreren Stufen schaltbare Elektronik der Traktions- und Stabilitätskontrolle sowie die neue Lenkung aus.

Schade nur, dass es auch die Motorenentwickler den Europäern recht machen wollten und dem Mustang einen Vierzylinder unter die Haube gepflanzt haben. Natürlich sind 314 PS und 434 Nm Drehmoment nicht schlecht, man fühlt sich mit dem 2,3-Liter-Turbo nie untermotorisiert und vor allem im offenen Auto genießt man die kernige Klangfarbe der Maschine.

Aber das Triebwerk passt einfach nicht zu diesem Traumwagen, für den man sich mit dem Herzen und nicht mit dem Hirn entscheidet. Und wer auch nur einen Kilometer mit dem fünf Liter großen, 418 PS starken V8-Motor gefahren ist, der will vom Vierzylinder erst recht nichts mehr wissen. In der Mutter aller Muscle-Cars hat ein solcher Motor nichts zu suchen, basta! Und jetzt komme bitte keiner mit dem Verbrauch.

Wo wir gerade beim Meckern sind: Das Cabrio mag vielleicht die leidenschaftlichere Mustang-Variante sein, weil man das Auto noch intensiver erleben kann. Aber es ist auch die lieblosere Version - und fällt deshalb gegenüber der europäischen Konkurrenz auch deutlicher ab. Das Verdeck faltet sich zwar binnen sieben Sekunden ein, wenn man erst einmal den großen Drehgriff geöffnet hat und auch bei offenem Verdeck stehen noch 332 Liter Kofferraumvolumen (Coupé 408 Liter) zur Verfügung. Doch die Schalldämmung ist allenfalls mäßig, die Fenster muss man alle einzeln öffnen und schließen, und schon kurz nach Überschreiten der Schrittgeschwindigkeit quittiert die Mechanik ihren Dienst. Außerdem wäre ein Windschott keine schlechte Idee. In Hamburg oder Herford ist es schließlich nicht ganz so heiß wie in Arizona.

Andererseits darf man nicht vergessen, wo der Mustang herkommt und in welcher Liga er eigentlich spielt. Der Vergleich mit deutschen Produkten aus der gehobenen Mittelklasse muss daher schief sein. Denn: Motor- und Fahrleistungen liegen etwa auf dem Niveau von BMW M4 oder Audi RS5, der Preis jedoch hat allenfalls VW-Passat-Niveau.

Das muss man wissen: Zwar gibt es den Mustang jetzt zum ersten Mal offiziell in Deutschland, doch längst nicht jeder Ford-Händler wird das Modell anbieten. Die Kölner planen mittelfristig mit 90 sogenannten Ford-Stores, die ein besonderes Markenerlebnis bieten sollen und sich damit auch als Stall für den Mustang qualifizieren.

Und das ist nicht der einzige Haken, der den Kauf etwas erschwert. Selbst wenn der Mustang mit einem Grundpreis von 35.000 Euro für das Coupé und 39.000 Euro für das Cabrio, jeweils 5000 Euro Achtzylinder-Aufschlag und nur ganz wenigen, fast lachhaft billigen Optionen ein echtes Schnäppchen unter den Sportwagen ist - die Auslieferung der Autos könnte sich als schwierig erweisen.

Denn bestellt werden kann der Wagen bereits seit März, und bei Ford heißt es aktuell, man hoffe, dass im Juli die ersten Kunden ihr Auto erhalten werden. Doch weil das Kontingent für Deutschland in diesem Jahr lediglich 3000 Exemplare und im kommenden Jahr dann 4000 vorsieht, könnte das Warten auf den ersten Ausritt zu einer argen Geduldsprobe werden.

Das werden wir nicht vergessen: Glänzende Augen, hochgereckte Daumen, und wo man stehen bleibt, klicken die Handykameras - es ist lange her, dass ein Ford solche Reaktionen auslöste.

insgesamt 76 Beiträge
lorn order 01.06.2015
1. Geilomat!
Alter Verwalter! Die Karre sieht ja mal oberaffengeil aus! So muss Cabrio! Schöne gerade Seitenlinie und nicht so ein fürchterlicher Keil als Silhouette!!
Alter Verwalter! Die Karre sieht ja mal oberaffengeil aus! So muss Cabrio! Schöne gerade Seitenlinie und nicht so ein fürchterlicher Keil als Silhouette!!
gummiball2 01.06.2015
2. Viel zu spät
Ford hätte den Mustang bereits nach dem Redesign im Jahre 2005 offiziell in Europa anbieten müssen. Mittlerweile sieht der viel zu "weich gespült" aus.
Ford hätte den Mustang bereits nach dem Redesign im Jahre 2005 offiziell in Europa anbieten müssen. Mittlerweile sieht der viel zu "weich gespült" aus.
spamlan 01.06.2015
3.
Fahrleistung liegt beim RS5 oder M4? Die beiden erwaehnten Wagen sind Hoellenmaschinen mit 6-8 Zylinder und haben jeweils 100 PS mehr unter der Haube.
Fahrleistung liegt beim RS5 oder M4? Die beiden erwaehnten Wagen sind Hoellenmaschinen mit 6-8 Zylinder und haben jeweils 100 PS mehr unter der Haube.
bernd.stromberg 01.06.2015
4.
Das ist im Text tatsächlich etwas unschön dargestellt - der Vergleich Mustang mit RS5 / M4 passt natürlich nur, wenn man die großen Motorisierungen des Mustang zu Grunde legt. Und auch dann hat der Mustang immer noch [...]
Zitat von spamlanFahrleistung liegt beim RS5 oder M4? Die beiden erwaehnten Wagen sind Hoellenmaschinen mit 6-8 Zylinder und haben jeweils 100 PS mehr unter der Haube.
Das ist im Text tatsächlich etwas unschön dargestellt - der Vergleich Mustang mit RS5 / M4 passt natürlich nur, wenn man die großen Motorisierungen des Mustang zu Grunde legt. Und auch dann hat der Mustang immer noch Schwächen, sobald man vom Dragstrip auf die kurvige Rennpiste geht, da kommt ein M4 schon besser weg.
juter_mann 01.06.2015
5.
Auch wenn wohl kaum ein Autotypus so polarisiert wie die 'Ami V8 Proleten' kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen es lohnt sich! Kleingeister und Neider hat man überall. Hinterherschauen und Fotografieren tun sie dann [...]
Auch wenn wohl kaum ein Autotypus so polarisiert wie die 'Ami V8 Proleten' kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen es lohnt sich! Kleingeister und Neider hat man überall. Hinterherschauen und Fotografieren tun sie dann trotzdem. Muss eben jeder selber wissen ob er gerne in der grauen Masse mitschwimmen will oder das 'Risiko' eingeht sich aus der anonymen Masse abzuheben. 2012 GT/CS all black mit Flowmaster Outlaw und "ab Werk" getönten Scheiben .... Besten Dank an die Freunde vom TÜV Bremen ;)
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Fahrzeugschein

Hersteller: Ford
Typ: Mustang Cabrio 2.3
Karosserie: Cabriolet
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkeinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.300 ccm
Leistung: 317 PS (233 kW)
Drehmoment: 432 Nm
Von 0 auf 100: 5,9 s
Höchstgeschw.: 234 km/h
Verbrauch (ECE): 8,0 Liter
CO2-Ausstoß: 179 g/km
Kofferraum: 332 Liter
Preis: 39.000 EUR

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