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Mobilität

Hyundai Ioniq Hybrid

Aller guten Dinge sind drei

Den Kompaktwagen Hyundai Ioniq gibt es nur mit Elektromotor, entweder als Hybrid, Plug-in oder reines E-Auto. Schon das Modell mit der leichtesten Unterstützung bietet ein neues Fahrerlebnis - sofern der Fahrer mitspielt.

PANDER
Von Jürgen Pander
Donnerstag, 26.10.2017   05:42 Uhr

Warum ist noch kein deutscher Hersteller auf die Idee gekommen? Warum hat noch keiner von ihnen einen familientauglichen Allround-Kompaktwagen gebaut, der ausschließlich mit elektrifizierten Antrieben angeboten wird? Und zwar mit drei unterschiedlichen - Hybrid-, Plug-in-Hybrid- und reinem Elektroantrieb? Weil es die einzig wahre Lösung für alle möglichen Fahrprofile nicht gibt, ist es nur logisch, eine Auswahl anzubieten, sodass für jeden Anspruch das passende dabei ist.

Der koreanische Hersteller Hyundai hat mit dem Modell Ioniq genau so ein Auto im Angebot. 4,47 Meter lang, mit fünf Sitzplätzen, ordentlichem Laderaum und eben der Wahl zwischen drei elektrifizierten Antriebsformen. Wir fuhren jetzt die mildeste Variante, den Ioniq Hybrid, der zugleich das billigste und leichteste Modell des Trios ist.

Unter der Haube stecken ein 1,6-Liter-Benzinmotor sowie eine Elektromaschine, die zusammen eine Systemleistung von 141 PS entwickeln. Unter der Rücksitzbank ist ein Lithium-Polymer-Akku mit einer Speicherkapazität von 1,56 kWh platziert. In den Akku wird immer dann Energie gespeist, wenn der Fahrer vom Gaspedal geht und das Auto ausrollt. Oder wenn es bei gedämpfter Fahrt besonders effizient ist, einen Teil des Drehmoments des Benziners zum Aufladen des Akkus abzuzweigen. Das Prinzip ist von anderen Hybridautos bekannt.

Foto: Jürgen Pander

Neu beim Ioniq Hybrid ist jedoch das Fahrgefühl, das beispielsweise nicht mit dem des Hauptkonkurrenzmodells Toyota Prius vergleichbar ist. Der Prius verfügt über ein stufenloses Planetengetriebe, und der Antrieb ist so gesteuert, dass Motordrehzahl und Fahrgefühl nicht immer kongruent sind. Der Ioniq hingegen ist mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet, die Schaltvorgänge werden butterweich erledigt, und das Auto fährt sich wie jeder andere Wagen mit Doppelkupplungsgetriebe. Vielleicht sogar noch etwas glatter, runder.

Das gilt jedenfalls dann, wenn man das eigene Fahrverhalten neu kalibriert und sich auf die Spezialitäten des Hybridantriebs einlässt. Das heißt: Gefühlvoller Umgang mit dem Gaspedal, vorausschauendes Ausrollen vor roten Ampeln oder "Vorfahrt achten"-Schildern sowie kompromissloses Ausnutzen von Gefällstrecken. Dann rollt man erstaunlich oft nur mit elektrischem Vortrieb dahin. Ersichtlich ist das entweder am Bordcomputer, oder aber an erstaunten Blicken von Passanten, die sich offensichtlich wundern, dass da ein durchaus stattliches Auto nahezu geräuschlos an ihnen vorbeifährt.

Hyundai gibt den Durchschnittsverbrauch des Hybridmodells mit 3,4 oder 3,9 Liter je 100 Kilometer an, je nachdem, ob das Auto auf 15- oder 17-Zoll-Rädern rollt. Bei unserem Testwagen waren es die größeren 17-Zoll-Räder, und der Verbrauch pendelte bei knapp fünf Liter im Schnitt. Die britische Fachzeitschrift "Top Gear" urteilte sogar, man könne den Wagen "jederzeit unter vier Liter" je 100 Kilometer fahren.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Hyundai Ioniq - mit unserem 360-Grad-Foto:

Interessanter als eine Debatte um Zehntelliter ist allerdings, wie Hyundai es gelingt, einen so oder so ziemlich niedrigen Verbrauch mit dem Ioniq Hybrid zu ermöglichen. Es liegt zum Beispiel an aerodynamischer Feinarbeit. Diese zeigt sich in speziell geformten Außenspiegelgehäusen oder Luftklappen im Kühlergrill, die sich je nach Kühlluftbedarf automatisch in drei Stufen verstellen können. Es liegt auch am Benzinmotor, der im spritsparenden Atkinson-Zyklus läuft und über separate Kühlsysteme für Zylinderkopf und Motorblock verfügt, was zu einem thermischen Wirkungsgrad von erstaunlichen 40 Prozent führt. Und es liegt am Elektromotor, der leichter ist als vergleichbare Maschinen und dessen Kupferdrähte keinen runden, sondern einen rechteckigen Querschnitt haben, wodurch die Wicklung kompakter wird und die Wärmeleitung besser.

Wenn derartige Feinarbeit zu weniger Verbrauch führt, ist das natürlich angenehm, doch entscheidender für Fahrer und Insassen des Ioniq sind andere Dinge. Etwa das gute Raumgefühl, die übersichtlich gestaltete Armaturentafel, die informative Grafik im 7-Zoll-Digital-Cockpit oder die ordentlichen Oberflächen, die zum Beispiel in den Türtafeln zu mindestens 25 Prozent aus Zuckerrohrfasern bestehen. Der Blick nach hinten ist allerdings - sagen wir: gewöhnungsbedürftig. Denn die extrem flach stehende Heckscheibe wird von einem Spoiler horizontal geteilt.

Lithium-Polymer-Akkus für bessere Raumausnutzung

Der Kofferraum ist durch die riesige Klappe gut zugänglich und bietet mit einem Volumen von 443 Litern bei Normalstellung der Rücksitzlehnen ein vernünftiges Platzangebot. Ein Grund dafür ist, dass Hyundai bei allen Ioniq-Modellen erstmals bei Serienautos neuartige Lithium-Polymer-Akkus verbaut. Der wesentliche Vorteil dieser Akku-Art ist eine größere Flexibilität im Vergleich zu herkömmlichen, kastenartigen Lithium-Ionen-Batterien, sodass der verwinkelte Bauraum um die Hinterachse optimal ausgenutzt werden kann - und damit mehr Volumen für Gepäck zur Verfügung steht.

Bei der Elektro- (350 Liter) und der Plug-in-Hybrid-Variante (341 Liter) des Ioniq ist das Kofferraumvolumen aufgrund der größeren Akkus (und des zusätzlichen Tanks beim Plug-in-Hybrid) geringer - dafür aber bieten sie einen noch größeren Elektrifizierungsgrad. Wer jedoch keine oder nur eingeschränkte Lademöglichkeiten hat, ist mit dem Hybrid ziemlich gut bedient.

Ja, so ein Auto ist ein Kompromiss. Es gibt schnellere Modelle, und es gibt solche mit noch weniger CO2-Ausstoß. Aber wer sich auf den Hybrid-Kompromiss einlässt, kann mit dem Ioniq ziemlich sparsam und weitgehend ohne Einschränkungen unterwegs sein. Und zwar in einem Auto, das zwischen fadem Standard-Design und skurriler Öko-Optik elegant die Kurve kriegt. Wirklich merkwürdig, dass da noch kein anderer Hersteller drauf gekommen ist.

Hersteller: Hyundai
Typ: Ioniq Hybrid Premium
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: 1,6-Liter-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.580 ccm
Leistung: 105 PS (77 kW)
Leistung (E-Motor): 44 PS (32 kW)
Drehmoment: 147 Nm
Drehmoment (E-Motor): 170 Nm
Von 0 auf 100: 10,8 s
Höchstgeschw.: 185 km/h
Verbrauch (ECE): 3,9 Liter
CO2-Ausstoß: 92 g/km
Kofferraum: 443 Liter
umgebaut: 1.505 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 18 (TK) / 19 (VK)
Preis: 30.270 EUR
insgesamt 276 Beiträge
rioreisser 26.10.2017
1. Es geht ....
... wenn man will ! Bin gespannt wann die Deutschen Autobauer aufwachen? Und SPON .... endlich ein vernünftiges Auto getestet und kein nutzloser SUV ! DANKE !
... wenn man will ! Bin gespannt wann die Deutschen Autobauer aufwachen? Und SPON .... endlich ein vernünftiges Auto getestet und kein nutzloser SUV ! DANKE !
iwes69 26.10.2017
2.
Ich weiß auch schon was für Kommentare jetzt kommen: "Mein VW Polo / Golf / Passat / Touran usw... verbraucht aber nur 4,5 Liter Diesel und erfüllt jetzt aber wirklich die neuesten Abgasnormen. Was soll ich denn da mit so [...]
Ich weiß auch schon was für Kommentare jetzt kommen: "Mein VW Polo / Golf / Passat / Touran usw... verbraucht aber nur 4,5 Liter Diesel und erfüllt jetzt aber wirklich die neuesten Abgasnormen. Was soll ich denn da mit so einer koreanischen Reisschüssel?"
fatherted98 26.10.2017
3. Warum...
...bieten die Hersteller...auch Toyota....nur diese verbauten Kisten als Hybrid an. Aussehen ist mir egal...aber ich will (und viele andere auch) einen Kombi-Kastenwagen für Transport und Familie.....ich kapier nicht das da immer [...]
...bieten die Hersteller...auch Toyota....nur diese verbauten Kisten als Hybrid an. Aussehen ist mir egal...aber ich will (und viele andere auch) einen Kombi-Kastenwagen für Transport und Familie.....ich kapier nicht das da immer nur so ein Teil a la Prius rauskommt. Für die meisten nicht zu gebrauchen. Wer "Kastenkombi" fährt legt meist keinen Wert auf Beschleunigung, Aussehen, Endgeschwindigkeit oder sonstigen Mumpitz.....da zählt die Praktikabilität....aber die bleibt bei den ganzen angebotenen Hybriden leider immer noch auf der Strecke.
observerlbg 26.10.2017
4. Whou, fast genau richtig für mich.....
Leider etwas zu lang, quasi Passat-Maße statt Golf. Und die Ladekante hinten könnte tiefer liegen. Sonst alles gut designed (zumindest deutlich besser als Toyota). Vielleicht könnte man den häßlichen Spoiler abbauen? Aber [...]
Leider etwas zu lang, quasi Passat-Maße statt Golf. Und die Ladekante hinten könnte tiefer liegen. Sonst alles gut designed (zumindest deutlich besser als Toyota). Vielleicht könnte man den häßlichen Spoiler abbauen? Aber Lithium-Polymer-Akkus? Da bekomme ich als Elektroingenieur mit reichlich Erfahrung mit Akkus etwas Bauchschmerzen. Naja, wenn ich denn endlich in zwei, drei Jahren meinen Golf abstoße, wissen wir mehr über die Haltbarkeit der von Hyundai verbauten Akkus. Dann testet schon mal fleißig (für mich) ;-) Ähh, und nein, nach vier Octaviakombi brauch ich keinen weiteren Kombi und wenn ich mir so die Verkaufszahlen in Deutschland ansehe, die meisten Privatkäufer auch nicht (da werden z.Zt. eher Crossover und SUVs geordert).
Maaark 26.10.2017
5.
Der Kombi ist global gesehen ein absoluter Ladenhüter. Nur in Teilen Mitteleuropas lassen sich die Dinger überhaupt verkaufen. Für Firmen, die sich eher auf die großen Märkte in Asien und Nordamerika eingeschossen haben, [...]
Zitat von fatherted98...bieten die Hersteller...auch Toyota....nur diese verbauten Kisten als Hybrid an. Aussehen ist mir egal...aber ich will (und viele andere auch) einen Kombi-Kastenwagen für Transport und Familie.....ich kapier nicht das da immer nur so ein Teil a la Prius rauskommt. Für die meisten nicht zu gebrauchen. Wer "Kastenkombi" fährt legt meist keinen Wert auf Beschleunigung, Aussehen, Endgeschwindigkeit oder sonstigen Mumpitz.....da zählt die Praktikabilität....aber die bleibt bei den ganzen angebotenen Hybriden leider immer noch auf der Strecke.
Der Kombi ist global gesehen ein absoluter Ladenhüter. Nur in Teilen Mitteleuropas lassen sich die Dinger überhaupt verkaufen. Für Firmen, die sich eher auf die großen Märkte in Asien und Nordamerika eingeschossen haben, ist es uninteressant ein komplettes Auto zu entwickeln, dass dann kaum verkauft wird.
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