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Mobilität

Autogramm Infiniti Q60 S

Putzblitz

Die beiden letzten Infiniti-Neuheiten waren verkleidete Mercedes-Modelle. Doch jetzt beweist die Nissan-Tochtermarke wieder Originalität und schickt gegen Audi A5 und BMW 4er den betont auffälligen Q60 ins Rennen.

Infiniti
Von
Mittwoch, 02.11.2016   07:21 Uhr

Der erste Eindruck: Schau! Mich! An!

Das sagt der Hersteller: Die Produktplaner von Infiniti räumen gleich ein, dass Coupés nur einen geringen Verkaufsanteil haben. Doch Infiniti-Chef Roland Krueger sagt auch: "Coupés sind elementar für das Image." Der neue Q60 S soll als Verführer auftreten und die Nissan-Tochtermarke Infiniti attraktiver machen. Krueger: "Design ist ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung einer starken Marke."

Das neue Modell ist umso wichtiger, als die beiden letzten Debütanten, der Q30 und der QX30, imagemäßig nicht viel bringen, denn es ist offensichtlich, dass es sich bei den Autos um verkleidete Mercedes-Modelle handelt. Nämlich A-Klasse und GLA.

Das ist uns aufgefallen: Die Sitzposition ist tief, die Lehne ist fast so stark konturiert wie ein Baseball-Handschuh, das griffige Lenkrad hat man direkt vor der Brust, rechts ragt ein hoher Mitteltunnel auf und die Scheiben sind schmal wie Schießscharten - wenn man zum ersten Mal hinterm Steuer des Q60 sitzt, fühlt man sich wie in einem Sportwagen und wird viel mehr vom Auto vereinnahmt als in Konkurrenzmodellen wie dem Audi A5 oder dem BMW 4er.

Dabei macht nicht nur der neu entwickelte V6-Motor eine gute Figur, weil sein Turbolader spontan anspricht und man bei 405 PS Leistung und 475 Nm Drehmoment immer ausreichend Druck auf dem Kessel hat. Sondern auch die elektronische Lenkung fühlt sich in diesem Auto sehr viel besser an als zuletzt. Infiniti rühmt sich, mit diesem System als erster Hersteller eine "Steer-by-Wire"-Technik ohne mechanische Verbindung im Lenksystem eingeführt zu haben; bei den ersten Modellen mit dieser Technik jedoch war das Lenkgefühl eher synthetisch.

Jetzt sind offenkundig schnellere Prozessoren und feinfühliger Sensoren am Werk, die bis zu tausend Mal pro Sekunde feinste Lenkanpassungen bewerkstelligen, damit kleinen Korrekturen des Fahrers überflüssig machen und ihm so das Gefühl geben, er halte sauber die Linie. Das wirkt nun viel natürlicher, direkter und mitteilsamer als zuvor, wenn man den Wagen durch die Kurven treibt. Die Lenkung ist zwar noch immer kein Vergleich zur kühlen Perfektion des Audi A5 oder BMW 4ers, aber der Q60 ist bislang der mit Abstand agilste und präziseste Infiniti im Programm.

Unabhängig vom Fahrstil fällt die Opulenz der Gestaltung auf, die den Wagen zu einer interessanten Alternative zu BMW, Audi und Mercedes macht. Ohne dass der Zweitürer schwer wirken würde, hat Infiniti-Designchef Alfonso Albaisa ziemlich dick aufgetragen und dadurch mal etwas Neues im Einerlei der gehobenen Mittelklasse geschaffen.

Man muss den geschwungenen Kühlergrill nicht mögen, der hypnotischen Wirkung der Scheinwerfer nicht erliegen, auch das Heck verlangt ästhetische Toleranz und im Interieur findet man kaum eine gerade Linie. Doch angesichts der zementierten Langeweile der zehntausendfach gesehenen Konkurrenz ist das zumindest neu und erfrischend.

Das gilt selbst für Details wie die Farbgebung. Das in einer eigenen Lackierkabine neben dem normalen Produktionsprozess aufgetragene Sandstein-Rot zum Beispiel ist tief und dicht. Und innen ist der Wagen in manchen Varianten so weiß und rein, dass man sich gar nicht traut, einen Kaffee in die Becherhalter zu stellen oder dem Nachwuchs einen Keks nach hinten zu reichen.

So opulent die Einrichtung, so mager sind die Platzverhältnisse: Offiziell ist der Wagen zwar ein 2+2-Sitzer. Aber die beiden Lederschalen im Fond taugen selbst für Schulkinder allenfalls als Strafbank. Und auch vom Kofferraum darf man bei 342 Litern Volumen und einer hohen Ladekante keine Wunder erwarten. Wer ein praktisches Auto sucht, sollte ein SUV fahren, so die unausgesprochene Botschaft. Davon hat Infiniti ja genug im Programm.

Das muss man wissen: Der Q60 kommt noch im Herbst in den Handel - zunächst mit einem Zweiliter-Turbobenziner mit 211 PS, für den Infiniti mindestens 44.500 Euro verlangt. Der V6 aus dem Testwagen steht mit 56.990 Euro in der Preisliste und fährt serienmäßig mit der elektronischen Lenkung, adaptiven Dämpfern und Allradantrieb vor.

Dass Infiniti im Nissan-Konzern eine besondere Rolle spielt, und der Q60 als neuer Imageträger die volle Aufmerksamkeit genießt, merkt man bis in die Produktion im Werk Tochigi, um die das Unternehmen ein großes Brimborium macht. Denn von den insgesamt 4500 Mitarbeitern dort dürfen nur 216 sogenannte Takumi an den Infiniti-Bändern arbeiten, die für diesen Job noch einmal besonders weitergebildet wurden.

Das werden wir nicht vergessen: Außen glitzert Chrom und der Blick scheint sich im tiefen Lack zu verlieren, drinnen funkeln die Ringe um die Instrumente und die unter Klarlack verwobenen Silberfäden der Zierkonsolen - alles an diesem Auto ist Augenkitzel. Selbst der Bildschirm des neuen Infotainment-Systems ist brillanter als bei der Konkurrenz. Und damit das auch so bleibt, gibt es bei Infiniti ein Extra, das wir so noch in keinem anderen Auto gefunden haben: Ein Putztuch in der Mittelkonsole.

Hersteller: Infiniti
Typ: Q60 S
Karosserie: Coupé
Motor: V6-Turbobenziner
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.997 ccm
Leistung: 405 PS (298 kW)
Drehmoment: 475 Nm
Von 0 auf 100: 5,0 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 9,1 Liter
CO2-Ausstoß: 208 g/km
Kofferraum: 342 Liter
Preis: 56.990 EUR
insgesamt 82 Beiträge
monolithos 02.11.2016
1.
Teuer, hässlich, unbrauchbar, hoher Verbrauch ... dieses Auto wird ein Erfolg!
Teuer, hässlich, unbrauchbar, hoher Verbrauch ... dieses Auto wird ein Erfolg!
Knacker54 02.11.2016
2. Gähhhn - das Ding hat gerade noch gefehlt
Super, ein völlig überflüssiges Teil mehr, das die Straßen in Japan und sonstwo noch mehr verstopft und die Luft verpestet....
Super, ein völlig überflüssiges Teil mehr, das die Straßen in Japan und sonstwo noch mehr verstopft und die Luft verpestet....
trader_07 02.11.2016
3. Oha....
Oha, ein Putztuch in der Mittelkonsole. Das ist ja ein Alleinstellungsmerkmal, worauf ich schon Jahrzehnte warte... Na denn, immerhin ist der Wagen mit einem 3-Liter-Sechszylinder einigermaßen gescheit motorisiert. Das ist ja [...]
Oha, ein Putztuch in der Mittelkonsole. Das ist ja ein Alleinstellungsmerkmal, worauf ich schon Jahrzehnte warte... Na denn, immerhin ist der Wagen mit einem 3-Liter-Sechszylinder einigermaßen gescheit motorisiert. Das ist ja schon mal was. Das Design ist nicht meins, aber wie immer Geschmackssache.
kenterziege 02.11.2016
4. Im zweiten Abstand steht alles, was den Wagen für die älter werdende Generaton unbrauchbar macht...
Tiefe Sitzposition und das Lenkrad vor der Brust! Das war die Sitzposition in alten englischen Roadstern. Alles andere, als sportlich! Die Arme dürfen nicht so arg angewinkelt sein. Das Auto wird sich angesichts der deutschen [...]
Tiefe Sitzposition und das Lenkrad vor der Brust! Das war die Sitzposition in alten englischen Roadstern. Alles andere, als sportlich! Die Arme dürfen nicht so arg angewinkelt sein. Das Auto wird sich angesichts der deutschen Konkurrenz hier noch nicht mal in homöopathischen Dosen verkaufen lassen. Mit allen Nachteilen im Service, wenn mal etwas nicht "funzt". Es gibt einen Markt für edle Coupe's. Die Käufer sind die älteren, sehr solventen Herrn, die es nicht nötig haben ihre Enkel im SUV zu transportieren und eher das Leben genießen, weil sie mit wenig Gepäck und dafür zwei Kreditkarten reisen. Dafür braucht man keine 400 PS. Dem Anspruch wird ein E-Klasse Coupé am ehesten gerecht. Dieser Infiniti steht in zwei Jahren für die Hälfte des Preises beim Gebrauchtwagenhändler.
jasper366 02.11.2016
5.
Teuer: Haben Sie denn, um dieses von Ihnen ausführlich dargelegtes Argument zu bekräftigen einmal einen A5 oder 4er BMW mit gleicher / ähnlicher Ausstattung konfiguriert? Hässlich: Ist halt Geschmackssache, mir gefallen [...]
Zitat von monolithosTeuer, hässlich, unbrauchbar, hoher Verbrauch ... dieses Auto wird ein Erfolg!
Teuer: Haben Sie denn, um dieses von Ihnen ausführlich dargelegtes Argument zu bekräftigen einmal einen A5 oder 4er BMW mit gleicher / ähnlicher Ausstattung konfiguriert? Hässlich: Ist halt Geschmackssache, mir gefallen z.B. Audi und VW überhaupt nicht. Das Gute daran: Ich bin ja nicht gezwungen diese zu fahrne oder zu kaufen. Unbrauchbar: Wenn Sie mit dem unwegsame Feldwege bewältigen wollenum an den Ansitz zu gelangen, haben Sie da wohl recht. Ansosnten ist der ebenso (un)brauchbar wie jedes andere Coupé auch. Hoher Verbrauch: Liegt im normalen Rahmen für einen 3,0 Turbo Benziner in solch einem Fahrzeug. Das benötigt ein A5 3,0 TFSI nämlich auch. Ansonsten steht ja auch noch ein 2,0 Turbo zur Wahl.
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