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Mobilität

Autogramm Jaguar F-Pace SVR

Sag beim Abschied ganz laut Servus

Jaguars F-Pace könnte die letzte Baureihe des Herstellers mit V8-Motor sein. Im brachial getunten SVR spielt er seine Kraft noch einmal aus. Ein Abschied hätte aber auch sein Gutes.

Foto: Jaguar
Von
Montag, 29.04.2019   04:23 Uhr

Der erste Eindruck: Protzig, aber noch nicht peinlich: Zwar folgt der F-Pace SVR dem typischen Bodybuilder-Design der Werkstuner. Doch immerhin bewahrt die Aufbrezelabteilung von Jaguar dem Wagen einen Rest von Noblesse.

Das sagt der Hersteller: Ob Coupé, Limousine oder SUV - Jaguar ist für Designchef Ian Callum eine Sportwagen-Marke. Unabhängig vom Karosseriekonzept müssen die Autos schnell und sportlich aussehen. Beim F-Pace als erstem SUV-Modell der Marke glückte das nur bedingt. Die SVR-Variante tritt deutlich prägnanter auf. Anders als die Designer, musste sich Ross Restell, Chefingenieur des Jaguar-Werkstuners SVO (Special Vehicle Operations), zurückhalten. Er baut gern extreme Autos wie den XE Project8. Der F-Pace dagegen soll Alltag und Adrenalin neu ausbalancieren. "Der F-Pace ist das Auto unserer Palette, das man am häufigsten mit Kind und Kegel fahren wird", sagt er. Deshalb sei das SUV unter den SVR-Modellen das zahmste. Jedenfalls so lange, bis die "Sport"-Taste gedrückt wird. Dann zeige nicht nur das Auto, sondern auch der Fahrer sein zweites Gesicht, erklärt Restell. "Das Lachen ist hier immer nur einen Knopfdruck entfernt."

Fotostrecke

Jaguar F-Pace SVR: Einmal noch wie früher

Das ist uns aufgefallen: Während auf dem Mitteltunnel sonst nur ein Drehschalter zum Wechseln der Gänge installiert ist, hat das SVR-Team dort einen griffigen Wählhebel eingebaut. Wenn man aus einer Familienkutsche ein Fahrerauto machen will, ist dieses Detail ein guter Anfang. Dazu gibt es Wippen am Lenkrad, mit denen der Fahrer der etwas enger gestuften Achtgang-Automatik von ZF nachhelfen kann.

Das Wichtigste ist natürlich der Motor. Da setzt SVO wie bei allen Tuning-Modellen auf ein Achtzylinder-Aggregat, das auch bei Range Rover und Co. im Einsatz ist. Ein Fünf-Liter-Koloss mit Kompressor - das Triebwerk missachtet jeden Trend zu Turbo oder Downsizing. Mancher mag das ignorant finden, es ist aber auch auf wunderbare Weise antiquiert. Die Maschine bietet 550 PS auf und imposante 680 Nm Drehmoment.

Warum sollte man einen Zweitonner in 4,3 Sekunden von null auf hundert wuchten und danach bis auf 283 km/h beschleunigen können? Sinnvoll ist das nicht, aber es macht Spaß. Spätestens beim nächsten Tankstopp jedoch wird man von der Realität eingeholt und zahlt den Preis: 11,9 Liter gönnt sich der V8 schon auf dem Prüfstand. In der Praxis dürfte schnell eine Zwei an erster Stelle stehen.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Jaguar F-Pace SVR - mit unserem 360-Grad-Foto:

Allerdings geht es im SVR nicht um Topspeed, sondern um die kleinen Sprints zwischen zwei Kurven. Dann schnellt der Puls in die Höhe, die Fliehkräfte elektrisieren den Fahrer. Natürlich erfordert das mehr Konzentration als in einem flachen Sportwagen. Doch der SVR klammert sich an die Fahrbahn.

Wer nach ein paar Kilometern genug hat von Kurvenhatz, Reifenwimmern und dem Lärmteppich (ja, es gibt eine Taste zum Aktivieren des Klappenauspuffs), der erlebt die überraschendere Seite des F-Pace SVR. Anders als viele Modelle aus dem Werkstuning gibt sich das Auto bei Normalfahrt zahm. Die riesigen 21-Zoll-Räder poltern zwar über jede Bodenwelle, aber das Fahrwerk müht sich im Komfortmodus tatsächlich um Komfort, das Knurren aus dem Auspuff wird zu einem Schnurren, und das Gaspedal reagiert so sanft, dass man im Stau nicht immer gleich einen Sprung macht, wenn man aufschließen möchte.

Das muss man wissen: Der F-Pace SVR tritt ab Mai in Konkurrenz zu Modellen wie dem BMW X3M, dem Mercedes-AMG GLC 63 oder dem Alfa Stelvio QV. Außer dem AMG ist er als einziger mit einem V8-Motor ausgestattet - und als Kompressor ohnehin konkurrenzlos. Und so kostet er mindestens 100.100 Euro.

Möglicherweise ist der F-Pace die letzte Baureihe, in die der bullige Achtzylinder noch eingebaut wird. Denn der V8-Motor steht angesichts neuer Emissionsstandards vor dem Aus. Und wegen der schwierigen Finanzlage bei Jaguar und Land Rover arbeitet niemand an einer Neu- oder Weiterentwicklung. Stattdessen gibt es Gerüchte, Konzernchef Ralph Speth werde die Sportmotoren künftig von BMW zukaufen. Aber dann kann man auch gleich ein M-Modell der Bayern fahren.

Das werden wir nicht vergessen: Die Enttäuschung beim Blick unter die Haube, wenn man den nackten, unverkleideten Motor sieht. Mag sein, dass man ohne Abdeckung den Kompressor besser surren hört, und dass der Verzicht auf den Deckel ein paar Gramm spart, wie uns Chefingenieur Restell weismachen will. Doch ein wenig mehr Enthusiasmus für das Herzstück des Autos wäre schön gewesen. Erst recht, wenn es vielleicht der letzte Einsatz des Motors ist.

Hersteller: Jaguar
Typ: F-Pace SVR
Karosserie: SUV
Motor: V8-Benziner mit Kompressor
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 5.000 ccm
Leistung: 550 PS (405 kW)
Drehmoment: 680 Nm
Von 0 auf 100: 4,3 s
Höchstgeschw.: 283 km/h
Verbrauch (ECE): 11,9 Liter
CO2-Ausstoß: 272 g/km
Kofferraum: 650 Liter
Preis: 100.100 EUR
insgesamt 28 Beiträge
panameño 29.04.2019
1. Blick auf den Motor
Ist ja ulkig, da gibt es tatsaxhlicj5doch ein Auto, bei dem man den imposanten Motor nicht unter einem billigen Plastikdeckel verbirgt, und das wird dann kritisiert. Ich werde wohl alt.
Ist ja ulkig, da gibt es tatsaxhlicj5doch ein Auto, bei dem man den imposanten Motor nicht unter einem billigen Plastikdeckel verbirgt, und das wird dann kritisiert. Ich werde wohl alt.
super-m 29.04.2019
2.
Also möchte der Verfasser lieber statt auf den Motor auf eine Plastikabdeckung schauen...? Das ist schon eine gelinde gesagt seltsame Kritik.
Also möchte der Verfasser lieber statt auf den Motor auf eine Plastikabdeckung schauen...? Das ist schon eine gelinde gesagt seltsame Kritik.
Fragende_Leere 29.04.2019
3. Was genau fehlt dem Autor an der fehlenden Motorblende?
Bei Porsche würde die Schlaufe zum Zuziehen der Türen als Hommage an den Leichtbau verklärt, da bin ich mir sicher. Hier wird fehlendes Plastik kritisiert, als ob der Wagen dadurch weniger "sportlich" würde... Ich [...]
Bei Porsche würde die Schlaufe zum Zuziehen der Türen als Hommage an den Leichtbau verklärt, da bin ich mir sicher. Hier wird fehlendes Plastik kritisiert, als ob der Wagen dadurch weniger "sportlich" würde... Ich find den Wagen super: jetzt noch schön tiefer legen, kleinere Räder mit einer ordentlichen Reifenflanke und die Kiste wird vielleicht etwas agiler
Christian W. 29.04.2019
4. Mehr davon bitte
Ein Auto mit einem 5 Liter-Motor ist genau das, was ich hier vorgestellt sehen möchte. Warum sollten Journalisten auch von kleinen, leichten und sparsamen Autos berichten? Die machen ja alle keinen Spaß! Und vermutlich wird man [...]
Ein Auto mit einem 5 Liter-Motor ist genau das, was ich hier vorgestellt sehen möchte. Warum sollten Journalisten auch von kleinen, leichten und sparsamen Autos berichten? Die machen ja alle keinen Spaß! Und vermutlich wird man von den Herstellern auch nicht eingeladen, sie zu testen. Mal ohne Ironie: Statt SUVs wünsche ich mir zumindest den Test eines Mikrolinos, ein winziges E-Mobil im Stil der BMW Isetta. Reich ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht.
SilentDoGood 29.04.2019
5. Keine Motorverkleidung
Da zeigt ein Hersteller seinen Kunden, ausnahmsweise mal, wie das eigentliche Antriebsaggregat aussieht und da schwadroniert der Tester darüber, dass es nicht "schön" ist. Die Plastikwüsten in modernen Fahrzeugen verfolgen [...]
Da zeigt ein Hersteller seinen Kunden, ausnahmsweise mal, wie das eigentliche Antriebsaggregat aussieht und da schwadroniert der Tester darüber, dass es nicht "schön" ist. Die Plastikwüsten in modernen Fahrzeugen verfolgen nur einen Zweck, nämlich darüber hinwegzutäuschen das selbst 2t KFZ nur noch mit besseren Rasenmähermotoren ausgeliefert werden, wer braucht heute noch Haltbarkeit, wegwerfen und neu kaufen nach 150tkm, das Schütz die Umwelt....
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