Schrift:
Ansicht Home:
Mobilität

Autogramm Jaguar Project 7

Achtung, Sturmwarnung

Special Operations heißt Jaguars neugegründete Abteilung für Extrawürste. Zum Einstand präsentieren die Entwickler mit dem Project 7 den schnellsten Serienwagen der Firmengeschichte. Eine Testfahrt mit einem Auto, das Geschick verlangt - vor allem bei Regen.

Jaguar
Von
Samstag, 08.08.2015   09:39 Uhr

Der erste Eindruck: Dieser Jaguar macht auf Hai - hinter dem Fahrersitz taucht eine markante Finne auf. Überhaupt gleicht dieses Auto mehr einer Bestie als einem eleganten Raubtier.

Das sagt der Hersteller: "Für Autos wie den Project 7 haben wir unsere Special Operations gegründet", sagt John Edwards. Er ist Leiter von Jaguars Abteilung für exklusive Extrawürste, in der rund 150 Mitarbeiter Kleinserien und Rennwagen entwickeln oder Oldtimer restaurieren. Als Basis diente ihm und seinem Team der Jaguar F-Type R: Aus dessen V8-Aggregat wurden weitere 25 PS mehr herausgekitzelt, der Project 7 hat damit 575 Pferdestärken.

Bei der Präsentation darf Jaguars Chef-Testfahrer Mike Cross somit den Superlativ verkünden: "Wir haben das stärkste Serienmodell in der Firmengeschichte auf die Räder gestellt."

Das ist uns aufgefallen: Auf dem Papier sind die Änderungen des Project 7 zum F-Type R marginal. Denn niemand wird die weiteren 25 PS tatsächlich herausfahren. Niemand spürt, ob der Computer für die elektronischen Dämpfer 500 Mal pro Sekunde tatsächlich andere Werte berechnet. Und ob der Project 7 dem F-Type R nun wirklich vier Sekunden auf der Nordschleife abnimmt und eine Rundenzeit von 7,35 Minuten aufgestellt hat? Geschenkt! Selbst die 300 km/h Spitze wird man wahrscheinlich nur ein einziges Mal ausprobieren - nur damit man weiß, dass der Wagen sie schafft und damit wirklich der schnellste bisher gebaute Jaguar ist.

Und trotzdem fühlt sich dieses Auto ganz anders an als der normale F-Type Roadster: ungehobelter, intensiver, direkter, brutaler und brachialer. Schon beim Anlassen macht er noch mehr Krawall, weil die vier Endrohre noch dicker sind und die Entwickler der heißen Luft auf dem Weg nach draußen nahezu jeden Widerstand aus dem Weg geräumt haben. Wo beim Roadster nur ein laues Lüftchen ins Cockpit fächelt, tobt hinter der um gute zehn Zentimeter gekappten Frontscheibe im Project 7 schon kurz nach dem Ortschild ein Orkan wie bei einem normalem Roadster erst auf der Autobahn.

Jaguar

Höcker: Unterschiede zum F-Type in der Seitenansicht besonders gut zu sehen

Und der fünf Liter große Kompressor-Motor rotzt seine 575 PS noch unflätiger auf den Asphalt: Beim Schalten knallt das Zwischengas wie ein Silvesterfeuerwerk, wenn man den Fuß vom Gas nimmt, klingt es, als würde ein Riese gurgeln, und wenn man ihn wieder drauf stellt, holen die Mütter ihre Kinder noch drei Dörfer weiter von der Straße, so laut brüllt der Motor dann auf.

Selten war ein Auto so ungeniert, so ungehobelt wie dieses - und hat dabei trotzdem so gute Manieren. Denn allem Imponiergehabe zum Trotz lässt sich auch der Project 7 noch vergleichsweise leicht beherrschen, zielsicher um die Kurven zirkeln und mit der nötigen Selbstbeherrschung auch ganz entspannt zum Schaulaufen durch die Stadt führen.

Das muss man wissen: Der Project 7 ist eine Hommage an den legendären D-Type, mit dem Jaguar in den Fünfzigern drei seiner insgesamt sieben Siege bei den 24 Stunden von Le Mans holte. Und wer Lust verspürt, sich dieses Erinnerungsstück in die Garage zu stellen - und die dazu nötigen 155.000 Euro auf dem Konto hat - wird jetzt enttäuscht sein: Das Auto gibt es nämlich nur 250-mal und die Kleinserie ist bereits ausverkauft. Nach Deutschland gehen laut Jaguar 20 Exemplare.

Nach den Sommerferien beginnt die Produktion, bei der die Roadster auf Basis des F-Type R weitgehend von Hand umgebaut werden. Übrigens werden auch die Besitzer an dem Auto selbst Hand anlegen müssen, denn wie einst beim D-Type schließt das Verdeck nicht automatisch.

Das werden wir nicht vergessen: Kein noch so radikaler Roadster kann das ungestüme, ungefilterte Fahrgefühl der Boliden aus den Fünfzigerjahren zurückbringen. Doch spätestens wenn man bei aufziehendem Regen aus dem Project 7 hüpft und mit bangem Blick zum Himmel so lange an den vier Verdeckteilen nestelt, bis alle Schotten dicht sind, wird eines klar: Früher war nicht alles besser.

insgesamt 106 Beiträge
Frank Zi. 08.08.2015
1.
155000 EUR, viel zu teuer. Dafür bekommt man 15 Dacia Logan, das sind eh die besten Autos.
155000 EUR, viel zu teuer. Dafür bekommt man 15 Dacia Logan, das sind eh die besten Autos.
John.Wuk 08.08.2015
2.
Schon der normale V8 ist eine Sau, wie es sie sonst kein anderer Hersteller zu verkaufen traut... Offenbar hat Jaguar seine neue Nische gefunden.
Schon der normale V8 ist eine Sau, wie es sie sonst kein anderer Hersteller zu verkaufen traut... Offenbar hat Jaguar seine neue Nische gefunden.
pietschko 08.08.2015
3. schnellster Jaguar?
Ist ein XJ220 kein Serienwagen? Höchstgeschwindigkeit 343km/h
Ist ein XJ220 kein Serienwagen? Höchstgeschwindigkeit 343km/h
dr.max 08.08.2015
4. 15 Dacia Logan? Oh my god!
Oh man(n), endlich komt Jaguar mal wieder (ein wenig) aus dem Quark und dann kommt so ein (unsinniger) Beitrag.... Man bekäme auch 150 gute Fahrräder und das wäre noch gesund und umweltfreundlich. Zu meiner großen Freude [...]
Oh man(n), endlich komt Jaguar mal wieder (ein wenig) aus dem Quark und dann kommt so ein (unsinniger) Beitrag.... Man bekäme auch 150 gute Fahrräder und das wäre noch gesund und umweltfreundlich. Zu meiner großen Freude geht es bei Jaguar aber gar nicht darum... und zum Glück versteht das nicht jeder. So bleiben die Freunde vom "british way of driving" mit etwas Glück der tolle Haufen, der sie größtenteils sind :-).
yummycandy 08.08.2015
5.
Der schnellste dürfte doch immer noch der XJ220 sein, oder?
Der schnellste dürfte doch immer noch der XJ220 sein, oder?

Verwandte Artikel

Anhören

Fahrzeugschein

Hersteller: Jaguar
Typ: F-Tpye Project 7
Karosserie: Roadster
Motor: V8-Kompressor
Getriebe: 8-Gang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 5.000 ccm
Leistung: 575 PS (423 kW)
Drehmoment: 700 Nm
Von 0 auf 100: 3,9 s
Höchstgeschw.: 300 km/h
Verbrauch (ECE): 10,7 Liter
CO2-Ausstoß: 255 g/km
Kraftstoff: Super
Kofferraum: 196 Liter
Preis: 155.000 EUR

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP