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Mobilität

Autogramm Kia E-Soul

Partykeller auf Rädern

Eckig, schrill und künftig nur noch elektrisch: Der Kia Soul soll anders sein als all die austauschbaren SUV, die derzeit die Straßen fluten. Manches Detail zeugt davon, wie fantasievoll die Entwickler vorgegangen sind.

Foto: Kia
Von
Mittwoch, 03.04.2019   04:47 Uhr

Der erste Eindruck: Coole Kiste. Ein Kastendesign, das flott und dynamisch wirkt. Erst recht, nachdem Kia die Ecken abgerundet und die Front forscher gestaltet hat.

Das sagt der Hersteller: Für Kia-Europachef Emilio Herrera ist die Baureihe Soul ein Trendsetter. Als das Modell vor zehn Jahren debütierte, trug es als eines der ersten Modelle den SUV-Trend in kleinere Fahrzeugklassen. Der vor sechs Jahren präsentierte Soul EV war der erste Crossover mit reinem Elektroantrieb. "Jetzt betreten wir wieder Neuland und verzichten erstmals ganz auf die Verbrenner", sagt Herrara. Das erscheint konsequent: Vom bisherigen Modell wurden in Europa schon im letzten Jahr mehr E-Modelle als Benziner und Diesel verkauft.

Fotostrecke

Autogramm Kia E-Soul: Ein sauberes Gefühl

Das ist uns aufgefallen: Elektromobilität durfte bisher vor allem in der Oberklasse Spaß machen, das Tesla Model S oder der Audi e-tron sind zweifellos hedonistische Autos. Nun bringt Kia mehr Freude ins Segment der elektrischen Kleinwagen - deutlich früher als Lifestyle-Marken wie Mini. Der E-Soul beschleunigt spontan und liegt stabil auf der Straße, dank der Akkus im Boden ist der Schwerpunkt extrem tief.

Vergnügen bereitet zudem der poppige Auftritt, der von der Fantasie der Entwickler zeugt. So gibt es Zweifarblackierungen und Felgen in Perlmuttoptik. Die grauen Kunststoffkonsolen wirken nicht mehr so langweilig, wenn sie rund um die Lautsprecher mit der Struktur einer Diskokugel verziert sind. Mit Musik flackert die Beleuchtung im Takt, da werden Erinnerungen an die Lichtorgel im Partykeller wach. Und kein Motorengeräusch stört.

Auch ohne Musik ist schnell vergessen, dass man in einem Elektroauto sitzt. Die Reichweite schmilzt zumindest im reglementierten Verkehr rund um Südkoreas Hauptstadt Seoul so langsam, dass man locker drauflos fährt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Kia Soul EV - mit unserem 360-Grad-Foto:

Die Kia-Ingenieure haben vier unterschiedliche Fahrmodi programmiert - von einem spaßbefreiten Eco-Plus-Programm, bei dem die Klimaanlage abgeklemmt wird, bis hin zum Sportmodus, in dem die Reifen beim Start auch mal quietschen. Gebremst wird im Soul ungewohnt, nämlich mit zwei Hebeln am Lenkrad. Mit ihnen justiert der Fahrer die Bremsenergierückgewinnung über den Motor in vier Stufen. Zieht er dauerhaft am linken Hebel, kommt der Wagen schließlich zum Stehen. So lässt sich das Auto die allermeiste Zeit mit einem Pedal fahren.

Das muss man wissen: Den Soul gibt es in zwei Varianten - wie den größeren E-Niro. Die Basisversion verfügt über einen 100-kW-Motor und einen Akku mit 39,2 kWh Speicherkapazität für eine Normreichweite von 277 Kilometer. Im Testwagen war der Antrieb mit 150 kW Leistung und 69-kWh-Akku verbaut, der für bis zu 167 km/h Höchstgeschwindigkeit und 452 Kilometer Reichweite steht. Das ist zwar selbst im Sparprogramm wohl kaum zu schaffen. Doch im mit drei Personen besetzten Testwagen und bei flotter Fahrt kamen wir locker durch den Tag und hatten nach rund 200 Kilometern Stadtverkehr, Autobahn und Landstraße eine Restreichweite von mehr als 100 Kilometer.

Während der Antrieb vom E-Niro übernommen wurde, geht Kia bei der Ausstattung einen Schritt weiter. Als erstes Modell in der europäischen Kia-Flotte bekommt er das Infotainmentsystem UVO Connect, mit dem man online navigieren, Ladesäulen suchen oder Wetter- und Parkplatzdaten abfragen kann. Zudem lässt sich via App das Laden der Akkus oder die Klimatisierung des Wagens steuern.

Den Preis gibt Kia noch nicht bekannt, obwohl die Markteinführung unmittelbar bevor steht. Es heißt aber, der E-Soul werde deutlich teurer als das Vorgängermodell und wohl mehr als 30.000 Euro kosten. Sorge um den Absatz muss sich Kia offenbar nicht machen: Schon jetzt betrage die Lieferfrist mehr als neun Monate.

Das werden wir nicht vergessen: Die gähnende Leere beim Blick unter die Haube. Der E-Antrieb benötigt so wenig Platz, dass man im Bug noch ein, zwei Reisetaschen unterbringen könnte. Doch weil der Wagen außerhalb Europas noch als Verbrenner verkauft wird, hat Kia dem E-Soul vorn kein richtiges Staufach spendiert. Und so würden die Taschen direkt auf dem E-Motor liegen und Kleinteile sogar daran vorbei auf die Straße fallen.

Hersteller: Kia
Typ: E-Soul
Karosserie: SUV
Motor: Elektromaschine
Getriebe: Eingang-Getriebe
Antrieb: Front
Leistung (E-Motor): 204 PS (150 kW)
Drehmoment (E-Motor): 395 Nm
Von 0 auf 100: 7,9 s
Höchstgeschw.: 167 km/h
Kofferraum: 315 Liter
umgebaut: 1.339 Liter
insgesamt 28 Beiträge
fehleinschätzung 03.04.2019
1. geben Sie doch bitte in Zukunft einfach
den Verbrauch als Orientierungshilfe an. also zum Beispiel in kWh pro 100km um eine gewisse Vergleichbarkeit zu bekommen und zu sehen wie weit es vom sparsamsten Modell abweicht (zum Brispiel dem iqonic)
den Verbrauch als Orientierungshilfe an. also zum Beispiel in kWh pro 100km um eine gewisse Vergleichbarkeit zu bekommen und zu sehen wie weit es vom sparsamsten Modell abweicht (zum Brispiel dem iqonic)
openda 03.04.2019
2. Nuztlos
Preislich ein massentaugliches Fahrzeug, doch für mich als Kurzstreckenfahrer nicht zu realisieren. Am Wohnort keine Lademöglichkeit (Kabel über Gehweg und Straße?), bei der Arbeitsstätte (Parkplatz zu weit weg und Stromlos). [...]
Preislich ein massentaugliches Fahrzeug, doch für mich als Kurzstreckenfahrer nicht zu realisieren. Am Wohnort keine Lademöglichkeit (Kabel über Gehweg und Straße?), bei der Arbeitsstätte (Parkplatz zu weit weg und Stromlos). Das wird sich über Jahre nicht ändern. Also doch nicht massentauglich, weil keine Lademöglichkeit. Habe wieder einen Hubraumstarken Verbrenner bestellt, weil die Maschine 20 Jahre hält, dann reden wir weiter über E-Mobilität.
kolloq 03.04.2019
3. Rev
Wer jetzt noch einen Verbrennen gekauft hat wird ihn bei den aktuellen Veränderungen nicht mehr lange fahren, sondern vermutlich (zwangsweise) abgeben müssen. Gerade eben hat die Kanzlerin wieder den FridayforFuture gelobt. Die [...]
Wer jetzt noch einen Verbrennen gekauft hat wird ihn bei den aktuellen Veränderungen nicht mehr lange fahren, sondern vermutlich (zwangsweise) abgeben müssen. Gerade eben hat die Kanzlerin wieder den FridayforFuture gelobt. Die Bewegung zur Elektromobilität wird Fahrt aufnehmen. Ob Kia dabei ist entscheidet sich aber nicht über Gimmicks, sondern den Preis (zu hoch), und die Reichweite.
kenterziege 03.04.2019
4. Kia - die erfolgreiche Tochter von Hyundai zeigt wo es lang gehen kann
Früher mal als Billig-Auto verschrieen, zeigen Sie dem trägen VEB VW, wo es lang gehen könnte. Das Gleiche gilt für den NIRO, der gefällig als SUV daherkommt. Mir imponiert die Tatsache, daß es sich hier nicht um [...]
Früher mal als Billig-Auto verschrieen, zeigen Sie dem trägen VEB VW, wo es lang gehen könnte. Das Gleiche gilt für den NIRO, der gefällig als SUV daherkommt. Mir imponiert die Tatsache, daß es sich hier nicht um Ankündigungen handelt, sondern um Autos, die man sofort kaufen kann, wenn sie auch lange Lieferfristen haben. Zur Marke: Ich bin ewiger Käufer (jetzt Leaser) von deutschen Permium-Marken. In Australien hätte ich dieses Jahr drei Wochen einen Kia Sportage als Leihwagen. Ein super Auto! Und nun zur Entwicklung. Wenn ein NIRO ein Drittel teurer ist, als der Sportage, um eine Beispiel zu nennen, dann ist das eine Ansage. Das werden sich die Meisten nicht leisten können. Wenn aber die Politik Maßnahmen ergreift, dass Parkräume und HotSpots nur noch für E-Autos, das heißt für die Reichen, offen sind, dann fürchte ich um den sozialen Frieden. Ich empfehle den Artikel hier von Herrn Wüst über E-Mobilität.
peterkaah 03.04.2019
5. Kia betreibt greenwashing
@kemterziege: mit Nichten können sie den e-Niro einfach so kaufen. Sehr viele jetzt frustrierte Käufer haben diesen Anfang des Jahres bei Kia gekauft mit Lieferzusagen in den nächsten 6 Monaten. Alle Termine wurden von Kia [...]
@kemterziege: mit Nichten können sie den e-Niro einfach so kaufen. Sehr viele jetzt frustrierte Käufer haben diesen Anfang des Jahres bei Kia gekauft mit Lieferzusagen in den nächsten 6 Monaten. Alle Termine wurden von Kia kassiert und auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben. Kia will keine Elektrofahrzeuge in Deutschland verkaufen, sondern mit dem positiven Image Verbrenner verlaufen. Schauen sie im Forum goingelectric nach. da gibt es alle Fakten zu Kia
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