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Mobilität

Autogramm Mazda 3

Gegen den Golf

Der VW Golf dominiert die Kompaktklasse und ist ein Vorbild für Konkurrenten. Nicht so für Mazda beim neuen 3er. Darin fühlen sich Fahrer wie im Sportwagen, aber es gibt auch Tücken.

Foto: SPIEGEL ONLINE
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Freitag, 22.02.2019   04:18 Uhr

Der erste Eindruck: Eine Skulptur auf Rädern.

Das sagt der Hersteller: Wenn Projektleiter Kota Beppu über den neuen Mazda 3 spricht, wird er fast philosophisch. Er bringe Glanz in den Alltag der Kunden, schwärmt der Ingenieur. "Sein fesselndes Design weckt Emotionen, mit ihm zu fahren, schärft die Sinne und macht selbst aus der täglichen Fahrt zur Arbeit eine Entdeckungsreise." Das ist dick aufgetragen für ein Kompaktauto. Doch ganz falsch liegt Beppu nicht: In der hart umkämpften Klasse verzieren Designer die Autos zunehmend mit Sicken und Falzen, Ecken und Kanten, um den Autos Charakter zu geben und aus der Masse herauszuheben. Der neue Mazda 3 kommt fast gänzlich ohne solche Kniffe aus.

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Autogramm Mazda 3: Alles anders!

Das ist uns aufgefallen: Auf dem Fahrersitz des Mazda 3 fühlt man sich ins Geschehen eingebunden wie sonst nur in viel teureren Sportwagen. Wie von selbst konzentriert man sich in diesem Auto stärker auf die Straße, und der fühlt man sich in keinem anderen Kompaktauto näher. Kein Konkurrent in dieser Preisklasse fühlt sich so souverän und solide an. In dieser Hinsicht ist der Mazda 3 einem BMW oder Mercedes näher als einemToyota Corolla oder VW Golf.

Wie kommt es dazu? Projektleiter Beppu berichtet von anatomischen Studien und davon, wie die Mazda-Entwickler von der neuen Plattform über den Aufbau der Sitze bis zur Position des Schalthebels oder der Übertragung des Schalls aus dem Motorraum alles optimiert und auf den menschlichen Organismus abgestimmt haben. Das Ergebnis der Feinarbeit ist ein intensives, fast intuitives Fahren, bei dem man sich auf jede Kurve freut und froh ist über das manuelle Getriebe, weil der Schalthebel so locker durch die Schaltgassen flutscht.

Die Freude wird auch nicht davon geschmälert, dass der vorerst einzig verfügbare Benziner mit 122 PS Leistung weit vom Heißsporn entfernt ist. Während eine Zylinderabschaltung den Durst zügelt, hilft ein elektrischer Startergenerator beim Anfahren und lässt den Motor stärker erscheinen, als er tatsächlich ist.

Schade nur, dass bei der Fokussierung auf den Fahrer ein paar andere, nicht ganz nebensächliche Eigenschaften aus dem Blickpunkt gerieten. Dass das Cockpit so leer wirkt wie bei sonst keinem anderen Kompaktauto, mag als Geschmackssache durchgehen, genau wie die analogen Anzeigen links und rechts des Bildschirms hinter dem Lenkrad. Doch dass der Monitor über der Mittelkonsole kein Touchscreen ist, wirkt dann doch antiquiert, selbst wenn man das Infotainment-System mit dem Drück- und Drehschalter auf dem Mitteltunnel genauso gut bedienen kann.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mazda 3 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Am meisten Zweifel hinterlässt das Heck. Denn so schmuck die Kehrseite von außen aussieht, so unpraktisch ist sie von drinnen. Hinterbänkler fühlen sich eingesperrt in eine Höhle, der Rückblick des Fahrers findet kaum durch die schmale Scheibe, wenn er nicht ohnehin an der breiten C-Säule hängen bleibt. Und der Kofferraum passt eher zu einem Kleinwagen mit einem Ladevolumen von 358 bis 1026 Liter; außerdem ist die Ladekante viel zu hoch. Nur gut, dass im Sommer ein Stufenheckmodell folgt, das mehr Kofferraumvolumen und bessere Aussichten bietet - und obendrein klasse aussieht.

Das muss man wissen: Der neue Mazda 3 kommt Mitte März in den Handel und kostet mindestens 22.990 Euro. Dafür gibt es serienmäßig Radar-Tempomat, Spurführungshilfe, Head-up-Display, LED-Scheinwerfer und Navigationssystem. Alternativ zum Testwagen mit 2-Liter-Benziner bietet Mazda für 2300 Euro mehr auch einen 1,8-Liter-Diesel mit 116 PS Leistung an.

Der spannendste Motor kommt allerdings erst noch. Denn im neuen 3er geht Mazda mal wieder einen eigenen Weg und bringt den weltweit ersten selbst zündenden Benziner in Serie, ein Aggregat mit dem Beinamen "Skyactiv-X". Bernhard Kaplan, Deutschlandchef von Mazda, sagt, die neue Maschine mit zwei Liter Hubraum und mehr als 180 PS Leistung sowie der Option auf Allradantrieb werde drehfreudig und leistungsstark sein wie ein Benziner und sparsam wie ein Diesel. "Diesem Motor wird eine wichtige Rolle bei der Erreichung unserer CO2-Ziele zukommen."

Das werden wir nicht vergessen: Den Zündschlüssel, weil selbst er dem Anspruch des Andersseins folgt. Wo die Funkknubbel fast aller anderen Herstellern die Tasten obenauf haben, platziert Mazda sie - wie sonst nur Volvo - an der schlanken Seite der Fernbedienung. Das ist nicht besser oder schlechter als bei VW & Co., aber es ist anders - und fällt damit auf.

Hersteller: Mazda
Typ: 3 (2019)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner mit Zylinderabschaltung
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 122 PS (90 kW)
Drehmoment: 213 Nm
Von 0 auf 100: 10,4 s
Höchstgeschw.: 197 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 117 g/km
Kofferraum: 358 Liter
umgebaut: 1.026 Liter
Versicherung: 22990 (HP)
insgesamt 124 Beiträge
mazzmazz 22.02.2019
1. Nettes Auto
Außerdem sehr vernünftig. Gut gemachte 120 PS Saugmotoren in Kompaktautos waren früher mit Aufschriften wie "GTI, GSI, RS" garniert. Das reicht eigentlich völlig aus für den Alltag. Mazdas gelten ja als solide, [...]
Außerdem sehr vernünftig. Gut gemachte 120 PS Saugmotoren in Kompaktautos waren früher mit Aufschriften wie "GTI, GSI, RS" garniert. Das reicht eigentlich völlig aus für den Alltag. Mazdas gelten ja als solide, problemlos, gut designt. Das alles dann für einen Straßenpreis von gut 20.000 Eur mit ordentlicher Ausstattung. Bestens. Ich würde in dieser Klasse allerdings trotzdem einen Ford Focus ST mit demnächst 280 PS für wenige Tausender mehr kaufen. Auch wenn dieser einen Turbo besitzt.
Gruesseaushessen 22.02.2019
2. Touchscreen
Ich frage mich warum die Journalisten immer den „fehlenden Touchscreen“ bemängeln und den praktisch herbeischreiben wollen. Ich habe in meinem aktuellen Wagen nun einen Tiuchscreen und empfinde diesem im Vergleich zu „Dreh — [...]
Ich frage mich warum die Journalisten immer den „fehlenden Touchscreen“ bemängeln und den praktisch herbeischreiben wollen. Ich habe in meinem aktuellen Wagen nun einen Tiuchscreen und empfinde diesem im Vergleich zu „Dreh — Drück“ als Rückschritt. Es lenkt mich definitiv mehr ab, man muss konzentrierter auf den Bildschirm schauen, es gibt keine Orientierung für die Finger ohne dass hingesehen wird. Als zweiten Wagen haben wir einen Q7 mit Dreh Drück. Nun hatte ich gerade einen neuen A6 als Ersatzwagen, mit Touscreens „für alles“, selbst das Klima und andere Banalitäten lief über den zweiten Touchscreen. Genau diese Bedienung wäre für mich ein Grund den Wagen nicht zu kaufen. Daher bitte bewerten wie sich ein jeweiliges Fahrzeug bedienen lässt, aber nicht immer nur nach Touchscreen schreien!
liegeradler 22.02.2019
3. Touchscreen
Die Fingerabdrücke auf Tablet und Smartphone reichen mir - im Auto muss ich die nicht auch noch haben. Ich ziehe die Bedienung über den Knopf auf der Mittelkonsole vor. Muss ein tolles Auto sein, wenn der fehlende Touch so [...]
Die Fingerabdrücke auf Tablet und Smartphone reichen mir - im Auto muss ich die nicht auch noch haben. Ich ziehe die Bedienung über den Knopf auf der Mittelkonsole vor. Muss ein tolles Auto sein, wenn der fehlende Touch so prominent bewertet wird.
multimusicman 22.02.2019
4. Klasse Auto,
endlich mal wieder ein Auto, das nicht durch überflüssige Gimmicks den nicht vorhandenen Fortschritt durch Technik überteuert verkaufen möchte. Ich bin auf den Selbstzündenden Benziner gespannt. Dann könnte das mein [...]
endlich mal wieder ein Auto, das nicht durch überflüssige Gimmicks den nicht vorhandenen Fortschritt durch Technik überteuert verkaufen möchte. Ich bin auf den Selbstzündenden Benziner gespannt. Dann könnte das mein nächster sein.
oliver_st 22.02.2019
5. Peinlicher Fehler?
Bei allen bisherigen und aktuellen Mazda ist der Bildschirm ein Touchscreen, sobald man fährt ist diese Funktion aber abgeschaltet. Das ist eine Sicherheitsphilosophie von Mazda. Es würde mich sehr wundern wenn dies bei dem [...]
Bei allen bisherigen und aktuellen Mazda ist der Bildschirm ein Touchscreen, sobald man fährt ist diese Funktion aber abgeschaltet. Das ist eine Sicherheitsphilosophie von Mazda. Es würde mich sehr wundern wenn dies bei dem standardisierten Mazda MZD beim Neuen anders wäre. Wenn ich mich also nicht täusche, dann ist das ein mehr als peinlicher Testbericht und ihre Redaktion sollte das unverzüglich richtigstellen! Ich finde es gut wenn man während des Fahrens nicht an den heimischen Bildschirmen herumfummeln kann......ein Smartphone darf ich im Auto während der Fahrt auch nicht bedienen!
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