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Mobilität

Günstige Oldtimer: Mazda MX-5

Das Auto, das einfach nicht alt wird

Wenig Geld, aber Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem, denn es gibt auch billigere Modelle. Wie den Mazda MX-5, das beinahe zeitlose Spaßauto für den Sommer.

Lars Westie
Von Haiko Prengel
Montag, 06.05.2019   05:05 Uhr

Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell:

Der Mazda MX-5 ist ein Meilenstein der Automobilgeschichte, denn faktisch hat er den Fahrzeugtyp des Roadsters gerettet. Der war vor 30 Jahren so gut wie ausgestorben. Vor allem neue Sicherheitsbestimmungen in den USA hatten den Flitzern mit dem flexiblen Verdeck zugesetzt. Der einzige Überlebende war der Alfa Romeo Spider, doch der war Ende der Achtzigerjahre technisch veraltet.

Mit Klappscheinwerfern und klassischem Hinterradantrieb kam der Mazda MX-5 im Jahr 1989 zunächst in den USA auf den Markt, ein Jahr später in Deutschland. Der Einstiegspreis lag bei etwa 35.000 Mark.

Das Kontingent war hierzulande binnen Tagen ausverkauft: Der Zweisitzer lag wie ein Brett auf der Straße, die Schaltwege des Fünfganggetriebes waren knackig kurz. Auch der moderne 1,6-Liter-Vierventilmotor überzeugte. Die 115 PS reichten aus, um den nur rund 975 Kilogramm schweren Wagen auf bis zu 195 km/h zu bringen. 1994 wurde ein 1,8-Liter mit 131 PS nachgereicht, der aber kaum mehr Beschleunigung und Endgeschwindigkeit brachte.

Wegen der Lieferengpässe orderten deutsche Mazda-Händler bald US-Versionen als Grauimporte vom MX-5. Diese sogenannten Miata-Modelle hatten teilweise eine bessere Ausstattung an Bord. Es gab Klimaanlage, Tempomat, Alufelgen und Airbags. Ein Automatikgetriebe war auch in den USA Sonderausstattung. Sondermodelle wie Racing Green mit beiger Lederinnenausstattung oder Sun Racer mit gelber Außenlackierung kurbelten den Absatz weiter an.

Alltagstauglichkeit sollte man vom MX-5 aber nicht erwarten. "Das Auto ist ein reiner Zweisitzer, und in den Kofferraum passt gerade mal eine Sporttasche", sagt Lars Westie aus dem niedersächsischen Wiefelstede, der zwei Mazda MX-5 der ersten Generation besitzt.

Fotostrecke

Mazda MX-5: Der Sommer kann kommen

Wegen des Erfolgs des Japaners brachten andere Hersteller in den Neunzigern eigene Roadster heraus - BMW den Z3, Mercedes-Benz den SLK oder Fiat den Barchetta. Der Mazda MX-5 avancierte in den Folgejahren mit über einer Million verkaufter Exemplare zum meistverkauften Roadster der Welt. Er wird in der vierten Modellgeneration bis heute gebaut.

Warum ausgerechnet der?

Unter den sportlichen, aber bezahlbaren Spaßautos für den Sommer ist der Mazda MX-5 fast unschlagbar. Das Auto ist schrauberfreundlich und erstaunlich günstig im Unterhalt. Gleichzeitig ist der Fahrspaß enorm. Dank des geringen Leergewichts von unter einer Tonne reichen 115 PS aus, um jedem modernen Vertreter-TDI mächtig einzuheizen - vielleicht nicht auf der Geraden, aber in den Kurven. "Wir sagen immer: Wer uns MX-5er auf der Geraden überholt, den überholen wir in der Kurve wieder zurück", sagt Experte Westie. Als einer der letzten Vertreter der Retro-Autos mit Schlafaugen gewinnt der Mazda MX-5 zudem optische Sympathiepunkte. Ansonsten wirkt der Roadster bis heute nicht wie ein altes Auto: "Im Gegenteil", sagt Westie: Bei Oldtimer-Veranstaltungen muss er oft den Fahrzeugschein vorzeigen, um das Fahrzeugalter von 30 Jahren zu belegen. "Viele glauben nicht, dass das Auto schon so alt ist."

Verfügbarkeit:

Es gibt noch Mazda MX-5 der ersten Baujahre, doch viele brauchen dringend Pflege. Meistens handelt es sich um Exemplare mit dem 1,6-Liter-Motor, solche mit der größeren 1,8-Liter-Maschine sind seltener. Breit ist die Auswahl noch bei Fahrzeugen ab Baujahr 1995 mit einem gedrosselten 90-PS-Motor. Der ist zwar im Original nicht so schnell. Mit einfachen Tuningmaßnahmen (andere Zündeinstellung, schärfere Nockenwellen) lässt sich der Vierventiler aber locker auf 105 bis 110 PS bringen.

Ersatzteilversorgung:

Andere Oldtimerfahrer könnten neidisch werden, wenn sie von der guten Ersatzteillage beim Mazda MX-5 hören. Ob Karosseriekomponenten, Verschleißteile oder Zierrat: "Man bekommt eigentlich alles", sagt Experte Westie. In der Regel kann Mazda selbst liefern, alternativ helfen Klubs und Foren. Zudem sind die Preise moderat bis sehr günstig: Ein neues Dach kostet maximal 500 Euro. In der Regel sind die Verdecke nach zehn Jahren hinüber.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Zahnriemen: circa 50 Euro plus Einbau

Satz Bremsen vorne komplett (Scheiben und Beläge): 130 Euro

Lichtmaschine: circa 90 Euro

Kotflügel vorn: 110 Euro plus Lackierung

Schwachstellen:

Auch Sommerautos rosten mitunter. Beim Mazda MX-5 sollte man insbesondere die Schweller inspizieren. Häufig sind die Abläufe des Verdecks verstopft, dann sammelt sich das Wasser in den Schwellern - üble Korrosion kann die Folge sein. Auch Radläufe und die hinteren Kotflügelenden gammeln gern. Die Klappscheinwerfer ermüden im Alter manchmal, dann müssen die Kontakte oder der Stellmotor ersetzt werden. Motorprobleme tauchen selten auf. Selbst ein gerissener Zahnriemen ist nicht weiter schlimm: In dem Fall kollidieren Kolben und Ventile nicht, weil die Aggregate als sogenannte Freiläufer konstruiert sind.

Preis:

Fahrzeuge zum Aufbauen gibt es schon ab 1500 Euro, dann aber in der Regel ohne gültige HU-Plakette. Brauchbare, fahrbereite Autos sind ab 2500 Euro zu finden. Gepflegte Mazda MX-5 aus Liebhaberhand können auch mal 5000 bis 6000 Euro kosten. Generell sind die 16er günstiger, für einen 1.8 ist ein Preisaufschlag fällig.

Anlaufstellen im Internet:

Mx-5.de (Forum) / Mxfive.at

Tuning und Ersatzteile / Tuning

insgesamt 48 Beiträge
saftschubse 06.05.2019
1. Zeitlos schöner Wagen
Der Z3 von BMW hat mir zwar noch besser gefallen, der Service dafür allerdings nicht, würde mir heute überlegen einen MX5 zuzulegen, reicht leistungstechnisch auch völlig aus
Der Z3 von BMW hat mir zwar noch besser gefallen, der Service dafür allerdings nicht, würde mir heute überlegen einen MX5 zuzulegen, reicht leistungstechnisch auch völlig aus
werner-xyz 06.05.2019
2. Ein wirklich zeitlos schönes Auto
Leider war es mir nie möglich den zu fahren. Meine Beine sind einfach zu lang, als dass ich da rein gekommen bin. Selbst das aktuelle Modell ist immer noch zu eng. Gerade erst gestern wieder (im AlfA-Schwestermodell) drin [...]
Leider war es mir nie möglich den zu fahren. Meine Beine sind einfach zu lang, als dass ich da rein gekommen bin. Selbst das aktuelle Modell ist immer noch zu eng. Gerade erst gestern wieder (im AlfA-Schwestermodell) drin "geklemmt".
Fragende_Leere 06.05.2019
3. Moderate Leistung, leicht, wenig klimbim
Vielleicht sind das die Attribute für einen Klassiker. Damit haben dann heutige Fertigungen (Turbos, komplexe Technik, Elektronik) wenig Chancen. Oder es ist einfach das Mazdakonzept: robuste Autos für einen fairen Kurs [...]
Vielleicht sind das die Attribute für einen Klassiker. Damit haben dann heutige Fertigungen (Turbos, komplexe Technik, Elektronik) wenig Chancen. Oder es ist einfach das Mazdakonzept: robuste Autos für einen fairen Kurs anzubieten
kenterziege 06.05.2019
4. Das Auto ist ein wahrer Freudenspender
So etwas haben die Langweiler aus Wolfsburg nie ansatzweise zu Stande gebracht. Alle Frauen in meiner Familie haben oder hatten einen. Den Ersten für die Ex hatte ich 1991 selbst aus den USA importiert. Den zweiten hat sich meine [...]
So etwas haben die Langweiler aus Wolfsburg nie ansatzweise zu Stande gebracht. Alle Frauen in meiner Familie haben oder hatten einen. Den Ersten für die Ex hatte ich 1991 selbst aus den USA importiert. Den zweiten hat sich meine Tochter selbst gekauft und bis zur Schwangerschaft gefahren. Der Dritte gehört als Viertwagen zu meiner jetzigen Familie. Ein NC, der nur bei Sonnenschein auf die Straße kommt und eine Garage hat. Den behalten wir, bis uns die Politik so einen Spaß verbietet. Technisch gesehen ein minimalistisches Auto mit hoher Dauer-Qualität. Man schaue nur in die diversen Qualitäts-Reports.
mueller23 06.05.2019
5. Die Zeitschrift Oldtimer Markt
bringt jedes Jahr im April einen April-Scherz-Artikel. Irgendwann anfang der 2000er schrieben sie in der April-Ausgabe, das Bundesverkehrsmimisterium hätte entschieden, dem MX5 die Oldtimerzulassung zu gewähren, ohne 30 Jahre [...]
bringt jedes Jahr im April einen April-Scherz-Artikel. Irgendwann anfang der 2000er schrieben sie in der April-Ausgabe, das Bundesverkehrsmimisterium hätte entschieden, dem MX5 die Oldtimerzulassung zu gewähren, ohne 30 Jahre alt zu sein. Aufgrund seiner Ähnlichkeit zur 60er Jahre Ikone Lotus Elan. Nicht wenige Leser sind darauf reingefallen. Eigentlich war klar, nicht nur der Redaktion der Oldtimerzeitschrift, dass dieses Modell zum Klassiker werden würde, es gab ja auch kaum Alternativen. Alfa hatte seinen Spider mit "Gummiboot"-Stossfängern ausstatten müssen, um noch in die USA exportieren zu können, andere montierten Targa-Bügel (VW Golf "Erdbeerkörbchen"). Irgendwann, das entzieht sich meiner Kenntnis, haben sie in den USA wohl doch wieder Roadster zugelassen, der Weg für den MX5 war frei, zum Bestseller zu werden. Das Schöne ist, dass er mit japanischer Großserientechnik bestückt ist, zuverlässig, langlebig. Mir persönlich gefällt die zweite Serie (ab 1998) besser, ohne die antiquierten Schlafaugen, aerodynamische Todsünde. Da muss man aber noch einige Jahre warten, um das Fahrzeug mit H-Kennzeichen zu bewegen.

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