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Mobilität

Autogramm Mercedes A-Klasse-Limousine

Disco auf Rädern

Die Mercedes A-Klasse mit Extra-Kofferraum erinnert von außen entfernt an den betulichen Baby-Benz von 1982. Kunterbunte Innenbeleuchtung und neuartige Touchscreens sollen den Wagen für die Generation der über 60-Jährigen attraktiv machen.

Mercedes
Von
Montag, 29.10.2018   05:11 Uhr

Der erste Eindruck: Baby Benz 2.0 - er ist runder, glatter und wirkt ungleich eleganter als der selige 190er von 1982. Aber wegen des Formats erinnert die A-Klasse Limousine doch an das Auto von damals.

Das sagt der Hersteller: "Nach dem erfolgreichen Start der neuen A-Klasse im Mai bauen wir das Angebot weiter aus und entsprechen dem Wunsch vieler Kunden", sagt Mercedes-Vertriebschefin Britta Seeger. Sie erhofft für den Kompakten mit, nun ja, Stufenheck, vor allem in den USA und in China auf neue Kunden. "Wer eine kompakte, sportliche Limousine mit einem separaten Kofferraum möchte, hat nun eine neue Alternative."

Dass es dieses Auto eigentlich schon gab, ignoriert sie dabei. Denn irgendwie erinnert die neue Limousine verdächtig an den bisherigen Mercedes CLA. Der wird sogar weiter gebaut - und in der neuen Form zu einer etwas größeren Herausforderung für Mercedes-Designchef Gorden Wagener. Er will die für 2019 avisierte Coupé-Limousine noch etwas sportlicher und eleganter zeichnen, um so etwas Distanz zu schaffen zwischen den vermeintlichen Doppelgängern.

Foto: Mercedes

Das ist uns aufgefallen: Von wegen spießig! Die Zeiten, in denen man kompakte Limousinen wie weiland den VW Jetta oder den Opel Astra als verstaubte Seniorenmodelle betrachtete und nach der umhäkelten Klopapierrolle auf der Hutablage suchte, sind lange vorbei. Die A-Klasse-Limousine zumindest könnte optisch durchaus auch bei der Generation der über 60-Jährigen punkten.

Vor allem innen ist sie das mit Abstand jüngste Modell von Mercedes - dank des Bediensystems MB UX. Das steht für "User Experience" und bezeichnet eine Bildschirmlandschaft im Cinemascope-Format. Zugleich zieht mit dem System der Touchscreen bei Mercedes ein und ersetzt den Dreh-Drück-Schalter, es gibt eine Sprachsteuerung auf dem Niveau von Siri oder Alexa und erstmals ein Navigationssystem mit "Augmented Reality".

Wo andere Navis nur Karten und Pfeile zeigen, sieht man in der A-Klasse ein Livevideo von draußen, über das der Rechner Straßennamen und Abbiegehinweise legt. Wer sich damit noch verfährt, nimmt beim nächsten Mal besser den Bus. Und als wäre das nicht schon Chichi genug, erhielt das Auto auch noch eine kunterbunte Ambiente-Beleuchtung, mit der die A-Klasse leuchtet wie eine Disco auf Rädern.

Fotostrecke

Autogramm Mercedes A-Klasse Limousine: Hintenrum zugelegt

Sonst fällt bei der Limousine wenig auf. Erst recht nicht im Unterschied zum Steilheckmodell. Beide Autos sind bis zu den hinteren Türen identisch. Sie fahren deshalb auch so. Und sie haben die gleiche Ausstattung. Weil sich auch am Radstand nichts ändert, ist sogar das Platzangebot gleich: Der Fond reicht deshalb hier wie dort auch mal für zwei Erwachsene auf der Kurzstrecke.

Der einzig echte Unterschied ist der Kofferraum. Der wächst bei der um 13 Zentimeter längeren Limousine um 50 auf 420 Liter und ist groß genug für ein bis zwei solide Hartschalenkoffer, die auch problemlos durch die Klappe passen. Sperrige Güter sind im Steilheckmodell besser zu transportieren, weil dort die Klappe größer und der Kofferraum höher ist und das Umlegen der Rückbank mehr Zusatzraum bringt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum der Mercedes A-Klasse Limousine - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Auf den ersten Blick ist diese Limousine eine sinnvolle Erweiterung der Modellreihe - zumal Audi für den A3 und BMW für den 2er (in China) ebenfalls ein Stufenheck anbieten. Doch auf den zweiten Blick wundert man sich einmal mehr über das Gedränge in der Mercedes-Modellpalette. So wie sich die Cabrios und Roadster gegenseitig das Leben schwer machen und wie GT Viertürer und CLS um die gleichen Kunden buhlen, wird die A-Klasse zum schärfsten Konkurrenten des CLA. Denn den wird es im nächsten Jahr ebenfalls neu geben. Und selbst wenn der etwas anders ausfällt, dürften sich die Unterschiede in überschaubaren Grenzen halten. Am Ende wird wohl nur der Preis den Ausschlag geben. In China ist das anders: Dort wird die A-Klasse Limousine um weitere sechs Zentimeter in der Länge gestreckt und bietet spürbar mehr Platz als der CLA.

Apropos Preis: Der ist bei der A-Klasse für Mercedes-Verhältnisse vergleichsweise moderat. Die Limousine kostet etwa 700 Euro mehr als das Schrägheckmodell. Los geht es für 30.916 Euro mit dem 163 PS starken A 200 mit einem 1,3 Liter großen Vierzylinder. Für 36.432 Euro gibt es den A 220 4Matic mit 2,0 Litern, 190 PS und Allradantrieb und für mindestens 37.324 Euro den A 250, bei dem der 2,0-Liter-Motor 224 PS leistet und wahlweise die Vorderachse oder alle vier Räder antreibt. Vorerst einziger Diesel ist der 32.142 Euro teure A 180d mit 1,5 Litern Hubraum und 116 PS.

Das werden wir nicht vergessen: Das zwiespältige Gefühl im Fond. Einerseits ist man überrascht, wie geräumig die Rückbank ist, auf der anderen Seite ist man enttäuscht, wie trist es zugeht. Die Materialanmutung ist zwar solide. Aber während man vorn eine bunte Lichtershow genießt, fühlt man sich hinten tatsächlich wie im Baby-Benz. Dem aus den Achtzigerjahren.

Hersteller: Mercedes
Typ: A 220 4Matic Limousine
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.991 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 300 Nm
Von 0 auf 100: 7,0 s
Höchstgeschw.: 237 km/h
Verbrauch (ECE): 6,5 Liter
CO2-Ausstoß: 149 g/km
Kofferraum: 420 Liter
Preis: 36.432 EUR
insgesamt 57 Beiträge
Plasmabruzzler 29.10.2018
1.
Wenn man schon Vergleiche zieht, insbesondere zu 1982: da kostete eine S-Klasse W 126 (500 SE) knapp 58.000 DM. Die jetzige A-Klasse beginnt offenbar bei ca. 30.000 EUR, also umgerechnet etwa 60.000 DM. Ganz schön viel Holz für [...]
Wenn man schon Vergleiche zieht, insbesondere zu 1982: da kostete eine S-Klasse W 126 (500 SE) knapp 58.000 DM. Die jetzige A-Klasse beginnt offenbar bei ca. 30.000 EUR, also umgerechnet etwa 60.000 DM. Ganz schön viel Holz für ein Einstiegsmodell.
Ulipol 29.10.2018
2. Live Video Navi
Wenn das Mercedes Navi weiter die haarsträubenden Kartenfehler hat (seit 20 Jahren geschlossene Durchfahrten als offen und noch nie eingeschränkte Strassen als nicht befahrbar ausweist), helfen auch tolle Livevideos nicht den [...]
Wenn das Mercedes Navi weiter die haarsträubenden Kartenfehler hat (seit 20 Jahren geschlossene Durchfahrten als offen und noch nie eingeschränkte Strassen als nicht befahrbar ausweist), helfen auch tolle Livevideos nicht den schnellsten Weg zu finden. Nutzloser Fortschritt an der falschen Stelle!
seikor 29.10.2018
3. weiter Mainstream. ..
Ist von hinten doch kaum von anderen Autos (BMW 3er) zu unterscheiden. Vorne wieder eine aggressive Schnauze mehr und hinten diese grauenvollen Auspuffmulden links und rechts, um makuline Stärke zu demonstrieren. Zukunft geht [...]
Ist von hinten doch kaum von anderen Autos (BMW 3er) zu unterscheiden. Vorne wieder eine aggressive Schnauze mehr und hinten diese grauenvollen Auspuffmulden links und rechts, um makuline Stärke zu demonstrieren. Zukunft geht amders. Leute, schaut mal die Gewinner der aktuellen Wahlen an!
altheeagle 29.10.2018
4. Was für lustige Kommentare bisher
Der erste vergleicht Preise von 1982 mit denen von heute indem er einfach DM in Euro umrechnet, ohne die Inflation einzubeziehen. Und der zweite findet die Weiterentwicklung des Infotaimentsystems überflüssig weil sein Navi [...]
Der erste vergleicht Preise von 1982 mit denen von heute indem er einfach DM in Euro umrechnet, ohne die Inflation einzubeziehen. Und der zweite findet die Weiterentwicklung des Infotaimentsystems überflüssig weil sein Navi fehlerhafte Daten hat. Ob er das dem Hersteller mal gemeldet hat?
stefan_r1993 29.10.2018
5. Kleinwagen
Also schön und gut das Mercedes ein frischeres Image aufbaut. Allerdings empfinde Ich die A-Klasse Varianten als nicht ebenbürtig im Vergleich zur Bayerischen Konkurrenz aus München und Ingolstadt. Für mich wirkt die A-Klasse [...]
Also schön und gut das Mercedes ein frischeres Image aufbaut. Allerdings empfinde Ich die A-Klasse Varianten als nicht ebenbürtig im Vergleich zur Bayerischen Konkurrenz aus München und Ingolstadt. Für mich wirkt die A-Klasse Größenmäsig wie ein Kleinwagen, nicht wie ein Kompakter. Auch diese Designtechnisch "fragwürdigen" extrem dicken "Tablets" statt dem normalen Armaturen mit zb virtual Cockpit etc. wirken jetz nicht sooo fortschrittlich und locken vermutlich relativ wenige von der Premium Konkurrenz weg, sieht auch das Lenkrad mMn zu verspielt aus. Ich bin bereits den VFL CLA gefahren, den BMW2er und die A3 Limousine (privat fahre Ich A4 Avant - also völlig andere Fahrzeugklasse) - wer sportlich fährt nimmt den BMW, wer Qualität will nimmt den Audi und wer einfach nur "hip" bzw. cool sein will fährt A-Klasse .. Marketingtechnisch gut von Mercedes, schade nur das das Fahrzeug nicht hält was es verspricht
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