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Mobilität

Autogramm Mercedes B-Klasse

B wie beruhigend

Die B-Klasse von Mercedes gilt als Rentner-Benz. Als Neuauflage gibt sich der Kompaktvan gemütlich wie nie - und führt die Fahrer behutsam in die neue Autowelt.

Foto: Daimler
Von
Mittwoch, 28.11.2018   05:05 Uhr

Der erste Eindruck: Ganz schön schnittig! Während die ersten beiden B-Klasse-Generationen eher Kastenwagen waren, sieht die dritte Auflage mit schmalen Scheinwerfern, flacher Schnauze, schräger Scheibe und abgesenktem Dach geradezu rassig aus. Von hinten betrachtet wirkt das Auto hingegen etwas massig, und nicht so dynamisch, wie Mercedes-Designchef Gorden Wagener es von vorn erscheinen lässt.

Das sagt der Hersteller: "Wer A sagt, muss auch B sagen" - wenn Jörg Bartels die neue B-Klasse vorstellt, klingt das erstmal nach Pflichtübung. So will der Baureihenleiter der kompakten Mercedes-Modelle allerdings nicht verstanden werden. Sieht er die B-Klasse doch als Erfolgsmodell, das sich bisher mehr als 1,5 Millionen Mal verkaufte. Tatsächlich hat das Auto dem Ansehen von Mercedes aber nicht so gut getan. Wie der VW Golf Plus oder der BMW Active Tourer hat die B-Klasse ein Rentner- und Spießer-Image. Zur Aufbruchstimmung jedenfalls, die Mercedes mit der A-Klasse verbreiten wollte, passte die B-Klasse nicht. Diese Kritik haben die Schwaben ernst genommen und deshalb vor allem das Design verändert. "So praktisch wie immer und so schick wie noch nie", bewirbt Vertriebschefin Britta Seeger das Ergebnis.

Fotostrecke

Autogramm Mercedes B-Klasse: Weniger Show, mehr Substanz

Das ist uns aufgefallen: Smartphone statt Stützstrumpf - auch im Innenraum wird deutlich, dass Mercedes die B-Klasse vom Image als Rentner-Benz befreien will. Wie in der A-Klasse prangt hinterm Lenkrad die breite, digitale Instrumentenanzeige mit zwei großen Bildschirmen unter einer Glasabdeckung, dazu kommt rechts vom Fahrer ein Touchscreen. Einzelne Funktionen lassen sich mit Gesten steuern. Vor allem ist bei der B-Klasse jetzt Mercedes' digitaler Assistent an Bord, der aufs Wort hört und verschiedene Fahrer mit der Zeit so gut kennenlernt, dass er ihnen bei jeder Begegnung passendere Vorschläge zu Routenplanung oder zur Unterhaltung an Bord macht. Damit wirkt die B-Klasse rundum entstaubt und bietet das mit Abstand modernste Ambiente dieser Klasse. Allerdings sind die Designer hier und da etwas übers Ziel hinausgeschossen: Dutzende LED-Farben in Cockpit und Konsolen sowie eine temperaturabhängige Beleuchtung im Gebläse (rot bei warm und blau bei kalt) passen nicht ganz zu einem eher seriösen Auto.

Obwohl die B-Klasse dynamischer aussieht, bleibt es bei der hohen Sitzposition, die für viele Kunden ein Kaufgrund ist. Weil die Sitze neun Zentimeter höher montiert sind als in der A-Klasse, kann man bequemer ein- und aussteigen und hat beim Fahren einen besseren Überblick. Dafür sitzt auch der Schwerpunkt höher, und als Fahrer ist man der Straße etwas weiter entrückt. So ist man mit der B-Klasse geruhsam unterwegs, obwohl es für das adaptive Fahrwerk eine Sporteinstellung gibt und die stärkste Motorvariante 234 km/h Spitze ermöglicht. Aus Sicht mancher Fahrer mag es der B-Klasse an Elan mangeln. Dafür punktet sie mit einem hohen Entspannungsfaktor. Mit acht Gängen schaltet das Doppelkupplungsgetriebe jetzt sanfter. Vor allem ist das Auto ungeheuer leise, was vor allem am aufwändigen Feinschliff im Windkanal liegt, mit dem die Ingenieure den cW-Wert auf 0,24 gedrückt haben.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mercedes B-Klasse - mit unserem 360-Grad-Foto:

Nur mäßig ist dagegen der Fortschritt bei der Raumeffizienz - obwohl das einer der wichtigsten Kaufgründe für die B-Klasse ist. Zwar sitzt man jetzt in der zweiten Reihe ein bisschen besser, weil der Radstand um drei Zentimeter wuchs. Doch der Kofferraum ist sogar ein wenig geschrumpft und fasst jetzt noch 455 Liter. Wirklich gut nutzen lässt er sich allerdings erst ab etwa Mitte nächsten Jahres, wenn Mercedes Varianten mit einer um 14 Zentimeter verschiebbaren Rückbank samt variabler Lehnenneigung nachreicht. Bis dahin ist die B-Klasse nicht flexibler oder praktischer als ein kompaktes SUV.

Das muss man wissen: Die Produktion im Werk in Rastatt läuft gerade an, bestellen kann man die B-Klasse ab Anfang Dezember. Dann will Mercedes auch mehr als den Basispreis verraten, der bei 31.847 Euro liegt und damit gut 4000 Euro über einer vergleichbaren A-Klasse.

Unter der Haube gibt es zunächst einen 1,4-Liter-Benziner mit 136 PS im B 180 oder 163 PS im B200. Dazu kommen ein 1,5-Liter Diesel mit 116 PS im B 180d sowie ein 2-Liter-Diesel mit 150 PS im B 200d oder 190 PS im B 220d. Der größere Selbstzünder ist der ganze Stolz der Schwaben. Denn dank erweiterter Abgasreinigung mit einem zweiten SCR-Katalysator ist er das einzige Dieselaggregat in diesem Segment, das die Abgasnorm Euro 6d ohne die Einschränkung "temp" erfüllt und damit bereits die Grenzwerthürde des Jahres 2020 nimmt.

Ebenfalls stolz ist Baureihenchef Bartels auf die vielen Assistenzsystemen, für die sich die B-Klasse bei der S-Klasse bedient. Das neue Auto fährt daher so automatisch wie derzeit bereits erlaubt über die Autobahn und schaut nach allen Seiten, wenn es durch die Stadt fährt oder aus der Parklücke rangiert. Die Sensoren sind auch aktiv, wenn der Wagen steht und der Motor aus ist. Dann überwachen sie den Rückraum und warnen beim Aussteigen vor nahenden Fahrzeugen, vor allem Radfahrern.

Das werden wir nicht vergessen: Die Funktionen, mit denen Mercedes die B-Klasse zur Wellness-Oase auf Rädern machen will. Programme kombinieren dann Klimaanlage, Belüftung, Beleuchtung und Musik zur Wohlfühlbehandlung, die den Fahrer entspannen, anregen oder wachhalten soll. Das ist zwar schon von anderen Mercedes-Modellen bekannt, doch in der B-Klasse geht es jetzt noch zwei Schritte weiter: Erstens wird das System mit Smartwatches und Fitnesstrackern gekoppelt und gibt gute Ratschläge fürs Wohlbefinden, und zweitens wird erstmals auch die Sitzverstellung mit eingebunden. Minimale Variationen an Sitzfläche und Lehne sollen Ermüdungserscheinungen und Rückenschmerzen vorbeugen - und das ist bei weitem nicht nur ein Problem, das Rentner plagt.

Hersteller: Mercedes
Typ: B 220d
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel-Direkteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.950 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 7,2 s
Höchstgeschw.: 234 km/h
Verbrauch (ECE): 4,4 Liter
CO2-Ausstoß: 116 g/km
Kofferraum: 445 Liter
umgebaut: 1.530 Liter
insgesamt 90 Beiträge
quark2@mailinator.com 28.11.2018
1.
Mal ne dumme Frage: Was sollen die Rentner denn dann bitte fahren ? Auf den Bildern kann ich es nicht recht erkennen, aber es scheint, als müsse man selbst fürs Radio den Touchscreen bemühen, zumindest als Beifahrer. Und manche [...]
Mal ne dumme Frage: Was sollen die Rentner denn dann bitte fahren ? Auf den Bildern kann ich es nicht recht erkennen, aber es scheint, als müsse man selbst fürs Radio den Touchscreen bemühen, zumindest als Beifahrer. Und manche Rentner hassen Touchscreens und die Logik der Computer-Menüs, wo sie nie sicher wissen, was passiert, wenn sie daneben tippen, oder wie sie zurück kommen. Außerdem mögen sie das verschmierte Fingerfett auf dem Screen nicht. Mit anderen Worten - Touchscreens sind super für die Smartphone-Generation, aber nicht jeder Senior mag sowas. Ich finde es daher schade, daß man die Screens fest verbaut und sich die Tasten spart. Billiger für den Hersteller, aber er gibt den Preisvorteil nicht an seine Kunden weiter. Und jemand, der auf klassische Tasten angewiesen ist, findet kein Auto mehr. In dem Zusammenhang ärgert es mich auch, daß viele Tasten von der Mittelkonsole ins Lenkrad wandern. Der Fahrer wird zum Gott, der Beifahrer zum Bettler. Oft kann er nicht mal mehr auf den Tacho sehen, um seinen Fahrer ggf. auf die Geschwindigkeit hinzuweisen, falls der ein Schild übersehen hat. Geradezu bößartig so ein Design, zumindest nach meinem Empfinden. Was das mit Knöpfen überladene Lenkrad angeht - auch das ist für manche Senioren ein Problem, denn so ist der funktionale Zusammenhang nicht mehr zu erkennen und man kann den Überblick verlieren, was eigentlich wo und wie zu machen ist. Für junge Köpfe kein Problem, für ältere Menschen ggf. tödlich. Ich sehe das gleiche Problem bei neuen Musikanlagen und Fernsehern - man kann für seine älteren Herrschaften fast nichts mehr finden, daß für sie intuitiv zu benutzen ist. Da strengen wir uns an, für wenige Menschen alles barrierefrei zu machen, aber für die Millionen Rentner machen wir uns nicht die Mühe, die Interfaces kompatibel zu halten ...
Speedwing 28.11.2018
2. Wohl eher für
Gut situierte Rentner, von aussen eher Einheitsbrei, kein Eyecatcher. Die praktische Rückbank kommt erst spät...etwas schwach, sollte heutzutage Standard sein, wie andere es schon längst anbieten. Wer den Schnickschnack innen [...]
Gut situierte Rentner, von aussen eher Einheitsbrei, kein Eyecatcher. Die praktische Rückbank kommt erst spät...etwas schwach, sollte heutzutage Standard sein, wie andere es schon längst anbieten. Wer den Schnickschnack innen mag, soll ihn kaufen, mein Ding ist das das nicht
Rossi-LSD 28.11.2018
3. Konzept dieser Fahrzeugattung
Das Konzept dieser Fahrzeuggattung war mal normal lang, normal breit und höher. Jetzt gilt auch bei Mercedes "...sieht die dritte Auflage mit schmalen Scheinwerfern, flacher Schnauze, schräger Scheibe und abgesenktem Dach [...]
Das Konzept dieser Fahrzeuggattung war mal normal lang, normal breit und höher. Jetzt gilt auch bei Mercedes "...sieht die dritte Auflage mit schmalen Scheinwerfern, flacher Schnauze, schräger Scheibe und abgesenktem Dach geradezu rassig aus." Wir könnten auch sagen, dass es ein Kombi ist. Beim Renault Scenic ist es leider auch so. Der Kofferraum ist breit und tief. Nur hoch ist er nicht. Da auch der Wagen breit und lang geworden ist, gibt e den Vorteil von einem für die Stadt geeigneten Van nicht mehr. Gut, dass Hochdachkombis wie der Citroën Berlingo wertiger wurden. Der ist kurz und hoch. Da kann ich auch die Fahrräder stehend einladen.
l/d 28.11.2018
4. Wenn ich mal richtig alt bin,
wünsche ich mir ein Auto mit möglichst senkrechter Frontscheibe, leicht gewölkbt wie früher beim Saab, eine aufrechte und hohe Sitzpositionen und möglichst wenig Piepserei, die mich vom Verkehr ablenkt. Und mit weniger PS [...]
wünsche ich mir ein Auto mit möglichst senkrechter Frontscheibe, leicht gewölkbt wie früher beim Saab, eine aufrechte und hohe Sitzpositionen und möglichst wenig Piepserei, die mich vom Verkehr ablenkt. Und mit weniger PS wäre ich dann auch zufrieden. Und wenn es nur 3,8 m lang ist und Parklücken findet und nutzt, so dass ich nicht den Kopf nach hinten verdrehen muss, ist es auch gut.
dojanrk 28.11.2018
5. Rentner, bitte bei der Konkurrenz kaufen
Rentner waren bislang eine treue und kaufkräftige Zielgruppe bei der Daimler AG. Erst hätten diese die A-Klasse für sich entdeckt, dann wurden sie zur B-Klasse umgelenkt. Nun will diese sich auch vom spießigen Rentner-Imgae [...]
Rentner waren bislang eine treue und kaufkräftige Zielgruppe bei der Daimler AG. Erst hätten diese die A-Klasse für sich entdeckt, dann wurden sie zur B-Klasse umgelenkt. Nun will diese sich auch vom spießigen Rentner-Imgae befreien.... Diese Technik-Innovation-Flut wird sicherlich auch die Käufer der Ü 65/70 jährigen verlässlich in die Hände der Konkurrenz treiben. Da gibt es zum Glück ja genügend Alternativen die gerne diese kaufkräftigen Spießer in ihre FZ lotsen. Bei dem ganzen Bling-Bling und Shishi im Innenraum muss der Fahrer ja zwangsläufig ein Smartphone, Smartwatch und Alexa to Go haben, was macht der Normalo der nur bequem von A nach B will....
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