Schrift:
Ansicht Home:
Mobilität

Autogramm Mitsubishi L200

Diamanten im Dreck

Wer ein Auto mit herrlich veralteter Technik sucht, könnte bei Mitsubishis Pick-up L200 fündig werden. Der bleibt in der neuen Generation rustikal und wird nur ein kleines bisschen schlauer.

Foto: Mitsubishi
Von
Freitag, 16.11.2018   04:43 Uhr

Der erste Eindruck: Hemdsärmelig, kräftig und ein wenig grobschlächtig - der Mitsubishi L200 ist ein Kumpeltyp, der sogleich Vertrauen einflößt. Ein bisschen wie ein Bergführer.

Das sagt der Hersteller: In Deutschland verkauft Mitsubishi den L200 bisher nur in homöopathischen Dosen, doch weltweit ist der Pick-up eine große Nummer - und das seit 40 Jahren. Mit knapp fünf Millionen Exemplaren in 150 Ländern und mit einem Verkaufsanteil von zuletzt 15 Prozent an der gesamte Mitsubishi-Flotte ist er nicht nur das zweitwichtigste Modell der Marke, sondern für Firmenchef Osamo Masuko auch ihr Rückgrat. Der Wagen rettete der Firma mit den Diamanten im Logo wiederholt das Überleben - dank verlässlicher Absatzzahlen. "Ganz gleich, wo es in der Welt gerade kriselte, auf den L200 konnten wir uns immer verlassen", sagt Masuko.

Fotostrecke

Autogramm Mitsubishi L200: Haudegen seit 40 Jahren

Auch das neue Modell soll eine rustikale Attitüde bekommen, erklärt Masuko. Es bleibt daher bei Starrachsen statt Einzelradaufhängung, Blatt- statt Luftfederung und Trommel- statt Scheibenbremsen. Dennoch solle der L200 ein wenig mit der Zeit gehen. Und so gibt es auch ein paar moderne Assistenzsysteme.

Das ist uns aufgefallen: Der L200 funkelt innen wie ein Christbaum, weil das Armaturenbrett mit Chrom bestückt wurde und Hartplastik und Kunstleder um die Wette glänzen. Zudem gibt es für den Pick-up von den Panorama-Kameras bis zum schlüssellosen Zugangssystem ein paar Extras, die im Pkw längst Standard sind. Doch den ruppigen Charakter kann und will der L200 nicht verbergen.

Das zeigt sich schon an den analogen Instrumenten und dem Navi mit winzigem Touchscreen, das wie ein Fremdkörper in der Mittelkonsole prangt. Passenderweise feiern die Ingenieure die zwei USB-Buchsen als Infotainment-Errungenschaft. Wenn man den Motor anlässt, schwappt der Kaffee aus den Bechern in den Halterungen. Der 2,4 Liter große Vierzylinder schüttelt sich selbst im schwülwarmen Thailand, wo der Wagen für den Weltmarkt gebaut wird. Der Motor nagelt wie verrückt und ist in weitem Umkreis zu hören.

Ausgestattet mit einem sechsstufigen Automatikgetriebe und zuschaltbarem Allradantrieb, setzt sich der Koloss träge, aber unbeirrbar in Bewegung. Mit stoischer Ruhe walzt er über oder durch jedes Hindernis: Bordsteinkanten, Bodenwellen, Felsbrocken, oder Flussdurchfahrten - der L200 bahnt sich seinen Weg.

In einer verwinkelten deutschen Altstadt dürfte sich der 5,30 Meter lange Wagen mit dem enormen Wendekreis schwertun, und auf einer kurvigen Landstraße hält sich besser zurück, wer die Blattfedern, das schichte Fahrwerk und die Lenkung nicht überfordern will.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mitsubishi L200 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Richtig komfortabel ist das nicht. Wer aber einen weichgespülten Geländewagen für den Alltag sucht, greift besser zu einem SUV. Der L200 versteht sich als Abenteurer und Arbeiter, als ehrliche Haut und nicht als Geländewagen-Darsteller. Er will ein guter Kumpel sein, eine Art Crocodile Dundee beim Besuch in der Stadt.

Das muss man wissen: Der Pick-up hat bei Mitsubishi eine 40 Jahre währende Tradition. Er wird vom ersten Tag an in Thailand gebaut. Mit bisher rund fünf Millionen Einheiten hat er die Fabrik in der Nähe der Touristenmetropole Pattaya zum größten Mitsubishi-Werk außerhalb Japans und zum größten Fahrzeugexporteur des Landes gemacht. Der L200 wird von dort - meist unter dem Namen Triton - in 150 Länder verschifft.

In Deutschland kommt das neue Modell vermutlich erst im August 2019 an. Deshalb kann Mitsubishi-Marketingmann Christian Andersen bislang auch nur wenig zu den angebotenen Varianten sagen. Ja, es werde für das Auto einen 2,4-Liter-Dieselmotor geben. Ob er aber auch bei uns 181 PS Leistung und 430 Nm Drehmoment haben wird, vermag er noch nicht zu sagen. Auch deshalb lassen sich Beschleunigungsvermögen und Spitzentempo lediglich schätzen. Ebenso der Preis, wobei der vermutlich etwas höher liegen wird als beim bisherigen Modell, das ab 22.990 Euro verkauft wird.

Trotz aller Bodenhaftung erhält das Auto mit dem Generationswechsel eine erweiterte Ausstattung. So gibt es künftig LED-Scheinwerfer, einen Notbremsassistenten und auch eine Bergabfahrhilfe. Dabei sind vier Fahrprogramme für Schotter, Schlamm und Schnee, Sand oder Felsen. Was davon Serie sein wird und was Option, weiß Andersen noch nicht. Gebaut wird der L200 als Einzelkabinenversion (Single Cab) mit zwei Plätzen und zwei Türen, etwas geräumiger als Crew Cab mit zwei gegenläufig angeschlagenen Behelfstüren und schmaler Rückbank sowie als Club Cab mit vier Türen und fünf vollwertigen Sitzplätzen. Wahrscheinlich bietet Mitsubishi wie bisher die beiden letzteren Versionen in Deutschland an.

Das werden wir nicht vergessen: Das Diagramm eines Bäumchens auf dem Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho, mit dem Mitsubishi zu einer spritsparenden Fahrweise animieren möchte. Man mag dem Hersteller das Bemühen um ein wenig Modernität für den robusten Wagen zwar nicht verdenken - aber das ist bei einem Nutzfahrzeug dieses Kalibers vielleicht doch des Guten zu viel.

Hersteller: Mitsubishi
Typ: L200 (2018)
Karosserie: Pick-up
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.442 ccm
Leistung: 181 PS (133 kW)
Drehmoment: 430 Nm
Von 0 auf 100: 12,0 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Preis: 24.000 EUR
insgesamt 36 Beiträge
goofy196 16.11.2018
1. Lifestyle-Murks
Was ein Quatsch. Da spricht man vom Geländewagen und seinen Qualitäten als Arbeitspferd und „Abenteuer-Mobil“, gleichzeitig ziert was die komplette Fahrzeugfront? Die Vollformat-Plastikwüste. So ein Unsinn! Beim kleinsten [...]
Was ein Quatsch. Da spricht man vom Geländewagen und seinen Qualitäten als Arbeitspferd und „Abenteuer-Mobil“, gleichzeitig ziert was die komplette Fahrzeugfront? Die Vollformat-Plastikwüste. So ein Unsinn! Beim kleinsten Kontakt zerbröselnd und im Austausch locker €1500,- inkl. Lackierung, weil in Wagenfarbe muss ja sein. Und selbst der Godfather of Pickups, der Hilux von Toyota, frönt mittlerweile diesem Schwachsinn. Gruselig!
spon-facebook-10000015195 16.11.2018
2. Find ich gut...
Nicht viel Schnickschnack, solide gebaut - genau das richtige für Wald und Wiese. Die Kritik am Innenraum versteh ich nicht. Das ist ein Nutzfahrzeug. Da will ich keine weichen Luxusledersitze oder ein beledertes Amaturenbrett. [...]
Nicht viel Schnickschnack, solide gebaut - genau das richtige für Wald und Wiese. Die Kritik am Innenraum versteh ich nicht. Das ist ein Nutzfahrzeug. Da will ich keine weichen Luxusledersitze oder ein beledertes Amaturenbrett. Der Amarok ist innen genauso simpel, kann wesentlich weniger ab und kostet erheblich mehr als der L200. Das Chrom (was vermutlich nur Plastik ist) hätte es nicht gebraucht. Nur beim Motor hätte ich mir etwas mehr Drehmoment gewünscht.
jobie09 16.11.2018
3. so ganz komme ich da nicht mit
Es mag ja gute Gründe geben, ein solches Fahrzeug zu bewegen. Im Wald ? Laut Text ist es nicht die Stadt, auch nicht die Landstraße ... also die Autobahn ? Ich kann die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h kaum glauben [...]
Es mag ja gute Gründe geben, ein solches Fahrzeug zu bewegen. Im Wald ? Laut Text ist es nicht die Stadt, auch nicht die Landstraße ... also die Autobahn ? Ich kann die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h kaum glauben - dafür aber Trommelbremsen, bei hohem Fahrzeuggewicht ? Vermutlich ist die Plastikfront dem Personenschutz zu verdanken, diese verchromten Stahlrohre an der Front würden morgens vor dem Kindergarten besonders hässlich wirken.
bronck 16.11.2018
4. Praktisch
Wenn man einmal so ein praktisches Auto hatte, will man es trotz aller Kompromisse hinsichtlich der Einfahrtshöhe von Parkhäusern und dem rustikalen Fahrerlebnis nicht mehr missen. Unsere Straßen werden immer schlechter, so [...]
Wenn man einmal so ein praktisches Auto hatte, will man es trotz aller Kompromisse hinsichtlich der Einfahrtshöhe von Parkhäusern und dem rustikalen Fahrerlebnis nicht mehr missen. Unsere Straßen werden immer schlechter, so wie die Straßen in der "Dritten Welt" bereits sind. Da die Leute dort nicht dumm sind, ist es schlau die Autos zu fahren, die man dort bevorzugt.
Onkel Drops 16.11.2018
5. oh ein Kleinwagen
für die no 5g Zone außerhalb der Komforthustzone. da wo das Essen wächst ,brauch auch nicht jeder einen neuen Geländewagen. warum alle dicke Autos fahren? Werbung und konsequent erst gar keine Fahrzeuge aus der Golf Klasse [...]
für die no 5g Zone außerhalb der Komforthustzone. da wo das Essen wächst ,brauch auch nicht jeder einen neuen Geländewagen. warum alle dicke Autos fahren? Werbung und konsequent erst gar keine Fahrzeuge aus der Golf Klasse testen. spon , da geht einem ein Licht auf . 12v 0,00001watt heller gehts nicht bei euch... nächstes mal dann vielleicht?
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP