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Mobilität

Autogramm Opel GTX

Der Blitz zuckt

Nach dem Verkauf durch General Motors entwickelt Opel nun eigene Elektroautos. Die Studie GTX zeigt, was dabei herausgekommen ist - und was Käufer von Corsa, Mokka und Co. erwartet.

Foto: Opel
Von
Mittwoch, 09.01.2019   04:30 Uhr

Der erste Eindruck: Fit wie ein Laufschuh. Die Opel-Studie GTX sieht sportlicher und leichter aus als andere SUVs - beinahe filigran.

Das sagt der Hersteller: Opel will mit der Studie drei Statements abgeben. Schnörkellos und sparsam soll das Showcar äußerlich wirken - das ist die erste Botschaft von Designchef Mark Adams. Die Proportionen wirken stimmig; die Entwickler haben wenige, aber markante Akzente gesetzt. Manche sind Spielerei. Die Frontpartie hingegen, die Adams "Vizor" nennt, soll bald die gesamte Modellpalette zieren. Sie verbindet optisch das Opel-Logo mit dem Blitz, die Scheinwerfer und die Sensoren für die Assistenzsysteme.

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Autogramm Opel GTX: Elektrisches Erwachen

Zum Zweiten ist der GTX ein Plädoyer für die Elektrifizierung. Bis 2025 soll es pro Baureihe mindestens eine Elektrovariante geben. Den Anfang macht der neue Corsa, der Ende 2019 auch mit Akku antritt. Opel-Chef Michael Lohscheller will Rüsselsheim - wo der Hersteller seinen Sitz hat - zudem zu Europas Elektroautohauptstadt ausbauen. Nirgendwo sonst auf dem Kontinent sollen mehr Ladesäulen pro Einwohner stehen.

Die dritte Botschaft: Opel will "nahbar" bleiben, was eine vornehme Formulierung für bezahlbar oder gar billig ist. "Deshalb haben wir kein Luxuscoupé als Leuchtturm für unser neues Design gewählt, keine große Limousine und keinen Sportwagen, wie Designer es sonst gern tun", sagt Adams, "sondern einen kleinen und damit günstigen Geländewagen im Format des Corsa".

Das ist uns aufgefallen: Der GTX ist eine Vision, fühlt sich aber wirklich an. Die Platzverhältnisse erscheinen unter dem Glasdach großzügig. Das Bedienkonzept hat Adams dem Motto "digitale Entgiftung" untergeordnet. Zwar blickt der Fahrer auch im GTX auf eine Bildschirmlandschaft. Doch anders als bei aktuellen Serienfahrzeugen wie der Mercedes A-Klasse geht Opel mit Grafiken und Farben sparsam um und stellt Informationen nüchtern dar. Das mag langweilig erscheinen, wird aber mit jeder Minute im Auto angenehmer, weil nicht ständig etwas vor den Augen flimmert. Wer mehr sehen will, schaut nur zur Seite, wo es je zwei weitere Bildschirme gibt. Sie zeigen die Bilder zweier Videokameras, die die Außenspiegel ersetzen.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Opel GTX - mit unserem 360-Grad-Foto:

Ganz ohne Spielereien kommt aber auch der GTX nicht aus. Dazu gehört, dass man die Fahrstufe per Fingertipp auf einer glatten Oberfläche einlegt. Wie ein Experiment wirken auch die recht unbequemen Sitzschalen im Fond. Dazu gibt es gegenläufig angeschlagene Portaltüren. Die sind bei Designern beliebt, weil sie einen Panoramablick in den Innenraum öffnen. Sie haben durchaus Chancen, in Serie zu gehen. Schließlich war Opel der einzige Hersteller - mit Ausnahme von Rolls-Royce -, der diese Lösung bereits in der Produktion umgesetzt hat, nämlich im Meriva.

Das muss man wissen: Der GTX wird als Nachfolger des Mokka X gehandelt - und soll Ende 2020 in Serie gehen. Und das ausschließlich elektrisch. Dabei setzt Opel auf eine neue Leichtbauarchitektur und einen induktiv - also kabellos - zu ladenden Akku. Der verfügt in der Studie über eine eher magere Speicherkapazität von 50 kWh. Damit kommt man zwar kaum mehr als 300 Kilometer weit, doch dafür verdoppelt die Batterie auch nicht den Fahrzeugpreis. Ähnlich enthaltsam geht Opel beim autonomen Fahren vor. Der GTX verzichtet auf eine Autopilotfunktion und belässt es beim assistierten Fahren, wo ein Mensch jederzeit das Steuer übernehmen können muss.

Das werden wir nicht vergessen: Die Opel-Logos im Lenkrad und auf den Felgen: Weil sie leuchten und so von neuem Selbstbewusstsein in Rüsselsheim künden. Und weil sie sich nicht mitdrehen und immer gut erkennbar sind. Wer das symbolisch deuten möchte, könnte im GTX eine Botschaft der Hoffnung erkennen - dass die Marke mit dem Blitz nicht mehr permanent rotiert, sondern ruhigeren Zeiten entgegensteuert.

insgesamt 37 Beiträge
dirkcoe 09.01.2019
1. Der Weg stimmt
Im Gegensatz zu anderen Herstellern setzt Opel auf bezahlbare Autos,. Ich denke die Optik stimmt - die Performance hoffentlich auch.
Im Gegensatz zu anderen Herstellern setzt Opel auf bezahlbare Autos,. Ich denke die Optik stimmt - die Performance hoffentlich auch.
Alter Falter 09.01.2019
2. Falsch
Auch der Mazda RX-8 hatte serienmäßig diese Türen. Ich durfte ihn 2Jahre lang fahren. Ansonsten ein putziges Kerlchen, dieser Opel. Bin gespannt, ob man ihn mal kaufen kann.
Auch der Mazda RX-8 hatte serienmäßig diese Türen. Ich durfte ihn 2Jahre lang fahren. Ansonsten ein putziges Kerlchen, dieser Opel. Bin gespannt, ob man ihn mal kaufen kann.
derkohn 09.01.2019
3. #2: Schon richtig
Der RX-8 (wie auch der Mini Clubman) hatte Portaltüren. Die haben aber nur funktioniert, wenn die jeweilige Vordertür auch geöffnet war. Die hintere Türe alleine öffnen nur RR und Meriva.
Der RX-8 (wie auch der Mini Clubman) hatte Portaltüren. Die haben aber nur funktioniert, wenn die jeweilige Vordertür auch geöffnet war. Die hintere Türe alleine öffnen nur RR und Meriva.
Zuversicht 09.01.2019
4. Man nehme..
... einen DS3 Crossback und forme das Blech etwas anders und raus kommt ein Opel. Das soll jetzt nicht negativ gemeint sein, aber mehr ist das nicht. Die Herrn Enwickler müssen mir nur noch erklären, warum man die LCD's der [...]
... einen DS3 Crossback und forme das Blech etwas anders und raus kommt ein Opel. Das soll jetzt nicht negativ gemeint sein, aber mehr ist das nicht. Die Herrn Enwickler müssen mir nur noch erklären, warum man die LCD's der Rückspiel unbedingt in die Seitenteile des Armaturenbretts einbaut und nicht in Blickrichtung des Fahrers zwei Monitore direkt neben den normalen Anzeigen integriert. Noch besser wäre eine dritte Kamera, die dann zusammen ein komplettes Bild des rückwärtigen Verkehrs anzeigen könnte, so wie das bei Byton geplant ist. Auch die Inneneinrichtung wird so nie das Licht der Welt erblicken. Das wird wieder billigstes Serienmaterial aus dem Baukasten von PSA werden. Bleibt also nur die Außenhaut, die so ähnlich dann in Serie gehen wird. Sehr schade eigentlich.
smarty79 09.01.2019
5. PSA scheint ein guter Hafen zu sein
Wenn man sich aktuell umschaut, scheint es neben den Koreanern für normalsterbliche Privat-Käufer nur noch wenige Optionen zu geben: Viele Japaner sehen aus wie aus einem schlechten Comic, Ford of America diktiert den Europäern [...]
Wenn man sich aktuell umschaut, scheint es neben den Koreanern für normalsterbliche Privat-Käufer nur noch wenige Optionen zu geben: Viele Japaner sehen aus wie aus einem schlechten Comic, Ford of America diktiert den Europäern wieder mächtig ins Geschäft (wer zum Teufel akzeptiert in einem Fiesta oder Focus 20g CO2 für einen Wandlerautomat?) und die VAG zeigt mit ihrer Weigerung, die AdBlue-Nachrüster zu unterstützen, dass sie es immer noch nicht verstanden haben. PSA baut hingegen z.B. unter dem Peugeot-Label wirklich schöne Autos, die für bezahlbares Geld sehr gut ausgestattet und auf der EMP2-Plattform auch wirklich leicht sind. Von den vielen technischen Problemen vergangener Jahre liest und hört man nicht mehr viel. Was das konkrete Auto hier angeht: Das ist doch die perfekte Klasse für E-Autos: Etwas höhere Zahlungsbereitschaft (SUV halt), durch die hohe Sitzposition passt der Akku flach unter den Fahrzeugboden, übersichtlich in der Stadt und dennoch auch Überland-tauglich. Was die 50kWh angeht: Wieso sollte das in Verbindung mit Schnellladetauglichkeit zu wenig sein? Macht es Sinn, den Ressourcenaufwand für eine 100kWh-Batterie zu betreiben, um davon an 99% der Tagen nur 20% zu nutzen? Macht ein PHEV nicht mehr Sinn, wenn das Fahrprofil sowas erfordert?
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