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Mobilität

Autogramm Porsche Panamera GTS

Die dunkle Seite der Pracht

Porsches neue Panamera-Variante GTS schließt die Lücke zwischen den Versionen S und Turbo. Das vielleicht wichtigste Bauteil des Wagens ist ein kleiner, unscheinbarer Schalter.

Porsche
Von
Montag, 12.11.2018   06:35 Uhr

Der erste Eindruck: Das also ist die dunkle Seite der Pracht. Der Panamera GTS ist sofort an den düsteren Anbauteilen erkennbar. Schwarze Spoiler und dunkle Deckgläser über den LED-Scheinwerfern machen ihn zu einem finsteren Gesellen.

Das sagt der Hersteller: Porsche-Sprecher Ben Weinberger nennt den GTS einen "sportlichen Brückenschlag" in der Panamera-Palette. Der Gran Turismo Sport schließe nicht nur die Lücke zwischen dem Panamera S (mit 440 PS starkem V6-Motor) und dem Turbo-Modell (mit 550-PS-Achtzylinderaggregat), sondern trete betont dynamisch auf. Zugleich werben die Schwaben für den Panamera GTS mit einem Argument, das man von Porsche nicht erwartet - nämlich mit dem Preis. Denn obwohl der GTS gut 20.000 Euro mehr kostet als das S-Modell, nennt Weinberger die neue Variante ein "Schnäppchen". Begründung: "Rechnet man die Mehrausstattung mit ein, die beim GTS serienmäßig verbaut ist, kann man damit unterm Strich ordentlich sparen und bekommt obendrein zwei Zylinder mehr."

Foto: Porsche

Das ist uns aufgefallen: Die Sitze tiefer ausgeschnitten und strammer gepolstert, die Atmosphäre etwas düsterer, die Bodenfreiheit um einen Zentimeter reduziert - da ist es fast schon überraschend, wie komfortabel und gediegen man mit dem großen Viertürer über die Autobahn gleitet. Spurrillen und Querfugen ignoriert er, die Luftfederung bettet die Insassen im Komfortmodus wie auf Wolken, und das achtstufige Doppelkupplungsgetriebe hält die Drehzahlkurve so flach, dass Ruhe herrscht an Bord und man sich fragt, warum es so unbequeme Sitze sein mussten.

Sobald man allerdings ein kleines Schalträdchen, das aus dem Lenkrad hervorsteht, auf "Sport" oder gar "Sport+" dreht, zeigt der GTS sein zweites Gesicht. Er wird vom Gleiter zum Fighter und geht in den Angriffsmodus über. Alle Sinne geschärft, das Fahrwerk strammer, die Drehzahl höher, der Sound wütender und jeder Gangwechsel mit einem Tusch aus Zwischengas untermalt - so geht es dann dahin. Der Panamera GTS, eben noch näher an einer Mercedes S-Klasse als an einem Porsche 911, wird schlagartig zu einem ambitionierten XL-Sportwagen, der nach einer freien Strecke giert.

Natürlich kann Baureihenleiter Thomas Friemuth kaum davon ausgehen, dass sich je ein Panamera auf eine Rennstrecke verirren wird. Doch er weiß auch, dass allein die Möglichkeit dazu den Mythos Porsche nährt. Deshalb wurde der GTS auf der Nordschleife des Nürburgrings abgestimmt und auf einem Formel-1-Kurs zur ersten Testfahrt bereitgestellt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Porsche Panamera - mit unserem 360-Grad-Foto:

Dabei beweist der Luxusliner Tugenden, die einem auch auf der Landstraße nützen. Das Auto ist angesichts von 5,05 Meter Länge und zwei Tonnen Gewicht extrem antrittsstark, was bei 460 PS Leistung und 620 Nm Drehmoment kein Wunder ist. Zudem lässt sich der GTS dank des V8-Motors, der schwer auf der Vorderachse lastet, erstaunlich leicht lenken. Der Bug dreht schneller ein als erwartet, und das Heck kommt aufgrund der mitlenkenden Hinterachse flotter ums Eck. Dazu gleichen elektrische Motoren auch jene Wankbewegungen noch aus, die trotz der serienmäßigen Dreikammer-Luftfederung noch zu den Insassen vordringen. Selbst beim Bremsen macht der Panamera GTS eine gute Figur - gelobt seien die pizzagroßen Keramikbremsscheiben.

Das muss man wissen: Der Panamera GTS kommt als vorerst letzte Modellvariante der Panamera-Baureihe Anfang Dezember in den Handel. Angetrieben von einem V8-Biturbo-Motor mit vier Liter Hubraum, wird der Wagen ab 138.493 Euro als Viertürer mit schrägem Abschluss oder für rund 3000 Euro Aufpreis auch als Sport Turismo mit Kombiheck angeboten. Den Sprint von 0 auf 100 schaffen die beiden Sportlimousinen in 4,1 Sekunden, das Spitzentempo liegt bei rund 290 km/h, und auf dem Prüfstand hat Porsche einen Verbrauch von 10,3 Litern für den normalen GTS sowie 10,6 Litern für den Sport Turismo ermittelt.

Mit der neuen Modellvariante halten einige weitere Neuerungen in der Panamera-Palette Einzug. So sind alle Motoren nun mit einem Partikelfilter ausgestattet, und erstmals gibt es für den Luxusliner auch ein Head-up-Display, das alle wichtigen Informationen direkt ins Blickfeld des Fahrers projiziert.

Das werden wir nicht vergessen: Wie großartig der GTS den Spagat zwischen Komfort und Sport steht. Diese Spreizung des Fahrgefühls ist beeindruckend - und zugleich macht sich Enttäuschung breit. Nicht wegen der Abstimmung, bei der die Ingenieure einen tollen Job gemacht haben, sondern wegen des kleinen Schalters selbst, mit dem sich zwischen den Fahrmodi wechseln lässt. Denn dafür, dass er der wahre Schlüssel zum GTS ist, fühlt er sich viel zu billig und zu nebensächlich an.

Hersteller: Porsche
Typ: Panamera GTS (2018)
Karosserie: Limousine
Motor: V8-Biturbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Doppelkupplung
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.996 ccm
Leistung: 460 PS (338 kW)
Drehmoment: 620 Nm
Von 0 auf 100: 4,1 s
Höchstgeschw.: 292 km/h
Verbrauch (ECE): 10,3 Liter
CO2-Ausstoß: 235 g/km
Kofferraum: 500 Liter
umgebaut: 1.340 Liter
Preis: 138.493 EUR
insgesamt 90 Beiträge
zap62 12.11.2018
1. Und wann...
...steigt Porsche bei den Nutzfahrzeugen ein? Da können die Fahrzeuge auch sechstellige Preise haben und schnell wollen diese auch schnell sein!
...steigt Porsche bei den Nutzfahrzeugen ein? Da können die Fahrzeuge auch sechstellige Preise haben und schnell wollen diese auch schnell sein!
observerlbg 12.11.2018
2. Hatte Porsche doch schon versucht
Porsche-Trecker sind doch legendär. Und der neue Ackerschlepper ist auch reichlich schnell: der Cayenne.
Zitat von zap62...steigt Porsche bei den Nutzfahrzeugen ein? Da können die Fahrzeuge auch sechstellige Preise haben und schnell wollen diese auch schnell sein!
Porsche-Trecker sind doch legendär. Und der neue Ackerschlepper ist auch reichlich schnell: der Cayenne.
Dogbert 12.11.2018
3. Immer die geleichen , alten Rezepte
hier mehr Leistung, da mehr Zylinder, aber auf dem wichtigsten Markt der Marke abgehängt von Tesla. Ob die alten Rezepte also wirklich wirken ? Ich habe da leichte Zweifel.
hier mehr Leistung, da mehr Zylinder, aber auf dem wichtigsten Markt der Marke abgehängt von Tesla. Ob die alten Rezepte also wirklich wirken ? Ich habe da leichte Zweifel.
Plasmabruzzler 12.11.2018
4.
Der Vergleich mit Tesla hinkt. Porsche hatte nie vor, Autos für den Massenmarkt à la VW zu bauen, sondern exklusiver, sportlicher, leistungsfähiger. Tesla meint, Autos für den Massenmarkt zu bauen, die jedoch Premiumpreise [...]
Zitat von Dogberthier mehr Leistung, da mehr Zylinder, aber auf dem wichtigsten Markt der Marke abgehängt von Tesla. Ob die alten Rezepte also wirklich wirken ? Ich habe da leichte Zweifel.
Der Vergleich mit Tesla hinkt. Porsche hatte nie vor, Autos für den Massenmarkt à la VW zu bauen, sondern exklusiver, sportlicher, leistungsfähiger. Tesla meint, Autos für den Massenmarkt zu bauen, die jedoch Premiumpreise haben. Es käme ja auch niemand auf die Idee, Maybach und Dacia in solch einen Vergleich zu ziehen.
barlog 12.11.2018
5. Überschrift
Hmm, Panamera S 440 PS, GTS 460 PS und Turbo 550 PS. Ich sehe da eine große Lücke zwischen den beiden Letztgenannten, die leider noch nicht geschlossen ist.
Hmm, Panamera S 440 PS, GTS 460 PS und Turbo 550 PS. Ich sehe da eine große Lücke zwischen den beiden Letztgenannten, die leider noch nicht geschlossen ist.
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