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Mobilität

Autogramm Smart Fortwo ED

Watt volt ihr mehr?

Stadt und Smart, das passt. Und mit Elektroantrieb macht der Miniatur-Mercedes noch mehr Sinn und Spaß. Bleibt nur ein großer Nachteil.

Smart
Von
Mittwoch, 23.11.2016   04:51 Uhr

Der erste Eindruck: Klein und bunt. Also überhaupt kein Unterschied zum Benziner-Smart.

Das sagt der Hersteller: "Smart hat beim Rennen um die Zukunft die Nase vorn", glaubt Produktmanager Rouven Remp. Die Zukunft sieht in diesem Fall kleine Elektroautos für große Städte vor. In der Gegenwart käme in Westeuropa bislang zwar nur ein E-Mobil auf hundert Neuzulassungen. "Aber das wird sich schnell ändern", ist Remp überzeugt. Er sieht den Smart als einen Treiber für diese Entwicklung.

Das ist uns aufgefallen: Wendig war der Smart Fortwo schon immer. Aber mit Elektroantrieb ist er auch noch richtig spritzig, das wird bei einer ersten Tour in der Stadt sofort deutlich. Aus dem Stand hängt er auch mal einen GTI ab, im dichten Verkehr springt man förmlich von Lücke zu Lücke und wenn man durch ein Parkhaus kurvt, ist das wie Karussellfahren für große Kinder - zumal der zentnerschwere Akku im Wagenboden spürbar den Schwerpunkt senkt und die Straßenlage verbessert.

Foto: Smart

Den knatternden Dreizylinder aus dem Benziner-Smart weint man jedenfalls keine Träne nach, dem lästigen Getriebe sowieso nicht. Die Electriv-Drive-Version fährt sich dagegen tadellos ruckelfrei und leise.

Im Eco-Modus lässt sich der Wagen fast ohne Bremse fahren, es reicht, einfach den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Zur effizienteren Energierückgewinnung verzögert der Wagen dann nämlich ganz abrupt von allein und rekuperiert sich wieder Saft in den Akku. Im Normal-Modus führt die Elektronik Regie, sie schaut per Radar nach vorn und regelt die Rekuperation passend zu den Verkehrsverhältnissen: Ist vor dem Auto Platz, wird gesegelt, schmilzt die Lücke, übernimmt der E-Motor die Verzögerung.

Der Smart ED hat im Vergleich zu anderen E-Mobilen wie dem Nissan Leaf, dem Renault Zoe oder BMW i3 wenig Reichweite, für seinen primären Bestimmungsort in der Stadt ist sie aber völlig ausreichend. Laut Prüfstandsmessung reichen die 17,6 kWh der Batterie für 160 Kilometer, aber diese Angaben sind meistens nicht mal den Herstellern geheuer. Bei Mercedes kriegt man auf Nachfrage aber nur den Laborwert mitgeteilt.

Fotostrecke

Autogramm Smart Fortwo ED: Idealbesetzung

Dass der Smart ED außerhalb der Stadtgrenzen wenig Freude bereitet, ergibt sich da von selbst. Auf Landstraße und Autobahn ist die Beschleunigung in höheren Geschwindigkeiten zäh, bei 130 km/h ist Schluss. Nach einer Stunde auf der Autobahn wird es allerhöchste Zeit für einen Ladestopp.

An einer Haushaltssteckdose angeschlossen, benötigt der Akku acht Stunden Ladezeit. Für einen Aufpreis von rund 1000 Euro lässt sich der E-Smart mit mit einer 22-kW-Ladetechnik aufrüsten, an Schnellladesäulen ist er dann innerhalb von 45 Minuten zu 80 Prozent voll.

Das muss man wissen: Der elektrische Smart kommt im April in den Handel - und stellt die Kunden vor die Wahl: Es gibt ihn als Zwei- und Viersitzer sowie als Cabrio mit Platz für Zwei. Preiswerteste Variante ist der hier getestete Fortwo, der bei 21.940 Euro startet. Für 660 Euro mehr gibt es den viersitzigen Smart Forfour mit Elektroantrieb und als einziges elektrisches Open-Air-Modell hierzulande steht ab 25.200 Euro das Smart Cabrio zum Verkauf.

Alle drei Modelle fahren mit einer Elektromaschine mit 60 kW Leistung und 160 Nm Drehmoment vor. Sie stammt von Kooperationspartner Renault und wird von einem Lithium-Ionen-Akku der Daimler-Tochter Deutsche Accumotive mit Energie versorgt.

Das werden wir nicht vergessen: Wer sich von den Vorteilen der urbanen E-Mobilität überzeugen möchte, sollte eine Probefahrt im Smart und anschließend im E-Smart unternehmen. Man wird feststellen: Der Stromer ist einfach in allen Belangen besser.

Wer ihn sich anschließend zulegen möchte, bekommt allerdings einen gewichtigen Nachteil der Elektromobilität vor Augen geführt: Der Smart Fortwo ED ist mehr als doppelt so teuer wie der Smart mit Verbrennungsmotor. Selbst wenn man die E-Mobil-Prämie der Bundesregierung und der Hersteller ausnutzt, bleibt immer noch ziemlich viel Preis für ganz wenig Auto.

Hersteller: Smart
Typ: Fortwo ED
Karosserie: Kleinstwagen
Motor: Fremderregter Drehstrom-Synchronmotor
Getriebe: Einganggetriebe
Antrieb: Heck
Leistung (E-Motor): 81 PS (60 kW)
Drehmoment (E-Motor): 160 Nm
Von 0 auf 100: 11,5 s
Höchstgeschw.: 130 km/h
CO2-Ausstoß: 0 g/km
Preis: 21.940 EUR
insgesamt 104 Beiträge
paul.fisch 23.11.2016
1. Stadt dem Smart sind
öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad in der Stadt sinnvollere Alternativen...
öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad in der Stadt sinnvollere Alternativen...
torben42 23.11.2016
2. Lächerlich
Für diese elektrifizierte Schuhschachtel 22k € zu fordern ist fast schon unverschämt..... Der kWh Preis bei Akkus ist schon bei höchstens 200 € angekommen, macht also ca. 3500 €. Der Verbrenner fällt weg, ein E-Motor [...]
Für diese elektrifizierte Schuhschachtel 22k € zu fordern ist fast schon unverschämt..... Der kWh Preis bei Akkus ist schon bei höchstens 200 € angekommen, macht also ca. 3500 €. Der Verbrenner fällt weg, ein E-Motor (deutlich weniger komplex) kommt hinzu...... Aber man kann dann wenigstens hinterher wieder sagen "E-Fahrzeuge werden nicht vom Kunden angenommen " Typisch Daimler
varesino 23.11.2016
3. Bravo
Endlich wurde einmal die Bauart der elektrischen Maschine angegeben. Beim Verbrenner bennent man ja auch Anzahl und Anordnung der Zylinder. Es fehlen noch die Dauer-Motor-Kennlinien. Aber das ist der erste weg zur Besserung. [...]
Endlich wurde einmal die Bauart der elektrischen Maschine angegeben. Beim Verbrenner bennent man ja auch Anzahl und Anordnung der Zylinder. Es fehlen noch die Dauer-Motor-Kennlinien. Aber das ist der erste weg zur Besserung. PS. Diese Renault Maschine har einen Verschleiß behafteten Schleifring.
dedude 23.11.2016
4. Elektroauto - China kanns
Smart baut endlich ein Elektroauto. VW mogelt sich mit Elektroautomobilen aus ihren Betrügereien mit Diesel. Das Bundesverkehrsministerium laboriert.... Zugleich präsentiert China ein Fahrzeug das nicht nur Leistungsdaten [...]
Smart baut endlich ein Elektroauto. VW mogelt sich mit Elektroautomobilen aus ihren Betrügereien mit Diesel. Das Bundesverkehrsministerium laboriert.... Zugleich präsentiert China ein Fahrzeug das nicht nur Leistungsdaten eines Sportwagen bietet sondern auch Reichweiten, die akzeptabel sind.
Beorn 23.11.2016
5. Umdenken erforderlich, auch bei Redakteuren
"Auf Landstraße und Autobahn ist die Beschleunigung in höheren Geschwindigkeiten zäh, bei 130 km/h ist Schluss. " Wenn man weiterhin an den alten Regeln der Mobilität hängt, dann tut man sich keinen Gefallen. 130 [...]
"Auf Landstraße und Autobahn ist die Beschleunigung in höheren Geschwindigkeiten zäh, bei 130 km/h ist Schluss. " Wenn man weiterhin an den alten Regeln der Mobilität hängt, dann tut man sich keinen Gefallen. 130 ist für das kleine Auto doch prima. Mehr wäre Verschwendung von Energie und Ressourcen. Leicht, sparsam und nicht unbedingt ein Langstrecken-Schwerlast-Rennwagen, so wird das durchschnittliche E-Mobil in der Größe eine Chance haben. Für alles andere kann man sich auch einen Benziner-Dino mieten.
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