Schrift:
Ansicht Home:
Mobilität

Tesla-Model-3-Performance

Vor diesem Auto zittern Mercedes, BMW und Audi

Schiffsladung um Schiffsladung bringt Tesla sein Model 3 nach Europa. An Bord von Elon Musks Massenmodel: ein ungewöhnliches Bedienkonzept - und viel, viel Platz für die Passagiere.

Foto: SPIEGEL ONLINE
Von
Dienstag, 26.03.2019   10:17 Uhr

Der erste Eindruck: Glatt und schnörkellos.

Das sagt der Hersteller: Für Tesla-Chef Elon Musk ist das Model 3 der Anfang vom Ende der Autowelt, wie wir sie kennen. Nachdem Model S und Model X den Weg bereitet haben, werde das Model 3 die Elektromobilität zum Massenphänomen machen und Verbrennungsmotoren überflüssig, prophezeit er. In den USA bietet Tesla die 35.000-Dollar-Basisversion an, nach Europa bringen die Kalifornier seit ein paar Wochen zwei teurere Allradausführungen, darunter das getestete Performance-Modell. Schiffsladung um Schiffsladung trifft auf dem Kontinent der deutschen Konkurrenz von Mercedes, BMW und Audi ein. Diese Hersteller will Tesla das Fürchten lehren.

Fotostrecke

Autogramm Tesla Model 3: Das Raumschiff ist gelandet

Das ist uns aufgefallen: Wie konsequent Teslas Entwickler den Raum ausgenutzt haben, den der Elektroantrieb bietet. Ohne Verbrenner im Bug bleibt für Fahrer und Beifahrer so viel Platz wie in keinem anderen Auto dieser Klasse. Im Fond geht es enger zu. Bemerkenswert ist auch, dass es Schalter oder Knöpfe nicht mehr gibt - außer über dem Rückspiegel für den Warnblinker. Tesla hat das Bediensystem radikal erneuert, der Fahrer steuert alles über den riesigen, zentralen Touchscreen.

Dabei verfolgt Tesla einen fast selbstironischen Ansatz: Weil Elon Musk von der Raumfahrt träumt, wird das Auto auf dem Bildschirm manchmal als Mars-Rover dargestellt. Der Fahrer kann außerdem ein Kaminfeuer auf dem Monitor prasseln lassen oder Mitfahrer mit einem virtuellen Furzkissen foppen. Jüngste Spielerei ist ein Schutz für Haustiere, die im Auto zurückbleiben. Das Tiersitter-Programm hält die Innenraumtemperatur auch im Stand niedrig. Ein Schriftzug auf dem Display informiert Passanten, dass der Vierbeiner nicht vergessen wurde und alles in Ordnung ist.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Tesla Model 3 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Derartige Funktionen mögen albern erscheinen. Beeindruckend ist, wie Tesla solche Kundenideen in wenigen Tage umsetzt und als Software-Update online ins Fahrzeug spielt - das sollte den etablierten Herstellern Angst machen. Es passt zur Leichtigkeit, mit der Tesla ein Elektroauto nach dem anderen auf den Markt bringt: Während andere Hersteller verkrampft den Antriebswechsel erzwingen wollen, widmen sich die Kalifornier schon der Kür.

Aber auch Tesla muss noch lernen. Obwohl die Qualität deutlich besser geworden ist, passen Ambiente, Materialauswahl und Verarbeitung noch nicht so recht zum Preis. Das fällt bei einem derart reduzierten Interieur besonders auf. Mercedes und Co. sind in dieser Disziplin besser.

Bieder wirkt auch der Kofferraum: Er ist von durchschnittlicher Größe (425 Liter) und schlecht zu beladen. Wo andere viertürige Coupés eine Heckklappe aufweisen, die weit ins Dach ragt, ist die Luke beim Tesla schlitzartig schmal. Der zusätzliche Stauraum im Bug tröstet darüber kaum hinweg.

Das Fahren im Model 3 ist - wie stets bei Tesla - ein zwiespältiges Erlebnis. Denn so sehr Firmenchef Musk die Kundschaft zu neuem Denken anhalten will, so sehr ist Tesla dem alten Denken selbst verhaftet. Fahrspaß ist wichtig, und obwohl die Abstimmung nicht perfekt ist, kommt das Model 3 einem Typ wie dem BMW M3 verdammt nahe. Unser Testwagen beschleunigte in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 und erreichte ein Spitzentempo von 250 km/h. Inzwischen gibt Tesla noch etwas dynamischere Werte für das Fahrzeug an (siehe Fahrzeugschein).

Fotostrecke

Model Y: Das ist Teslas neues SUV

Doch je öfter der Fahrer dieses Potential nutzt und sich dem Reiz des Rasens hingibt, desto schneller erkennt er, wie widersinnig das ist. Denn jeder Kickdown kostet deutlich Reichweite. Da ist es cleverer, den Autopiloten zu aktivieren und den Wagen auch in komplexen Fahrsituationen allein Regie führen zu lassen. Das hat was.

Das muss man wissen: Die Zeit der Grauimporte ist für Model-3-Fans in Europa vorbei. Sie sind nicht länger auf findige Firmen wie die Elektroautovermietung Nextmove angewiesen, um den Wagen zu fahren. Die Variante "Performance" kostet 64.600 Euro, fährt bis zu 261 km/h schnell und schafft 530 Kilometer Reichweite gemäß WLTP-Zyklus. In der "Long Range"-Fassung (233 km/h, 560 km) wird es sogar günstiger, Tesla ruft 53.800 Euro auf. Beide Modelle verfügen über zwei nicht näher spezifizierte E-Maschinen und Allradantrieb.

Wer mehr über die Technik wissen will, wird bei Tesla enttäuscht. Während Mercedes und Co. in ihren Datenblättern auch letzte Details ausweisen, veröffentlicht Tesla nur die allernötigsten Informationen. Leistung (487 PS/358 kW) und Batteriekapazität (79 kWh) sind immerhin im Fahrzeugschein vermerkt.

Das werden wir nicht vergessen: Tesla macht alles anders und vieles davon ist gut. Aber nicht jedes Gimmick ist ein Gewinn. Die versenkbaren Türgriffe gefährden die Fingernägel. Die Schlüsselkarte ist fragil - Kenner warnen, sie könnte in der Hosentasche brechen. Dass man den vorderen Kofferraum oder das Handschuhfach nur per Touchscreen öffnen kann, ist ärgerlich. Es ist schließlich nicht alles schlecht, was in den letzten 100 Jahren Autobau entwickelt wurde.

Hersteller: Tesla
Typ: Model 3 Performance
Karosserie: Limousine
Motor: zwei Elektromotoren
Getriebe: Eingang-Getriebe
Antrieb: Allrad
Leistung (E-Motor): 487 PS (358 kW)
Von 0 auf 100: 3,4 s
Höchstgeschw.: 261 km/h
CO2-Ausstoß: 0 g/km
Kofferraum: 425 Liter
Preis: 64.600 EUR
insgesamt 330 Beiträge
Listkaefer 26.03.2019
1. Völlig übertriebenes Lob ...
... für ein viel zu teures, ziemlich normales E-Auto. Diese Spielereien mit dem Touch Screen sind infantile Nichtjgkeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Fahrzeug VW und Co erschreckt. Da von Musk, dem Blender, wird [...]
... für ein viel zu teures, ziemlich normales E-Auto. Diese Spielereien mit dem Touch Screen sind infantile Nichtjgkeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Fahrzeug VW und Co erschreckt. Da von Musk, dem Blender, wird alles Banale ins angeblich Geniale verzerrt erhöht.
Klospülung 26.03.2019
2. Selbst Schuld
Zur Massenmobilisierung taugt das Modell 3 auch in der 35000$ Version nicht, aber es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die deutschen Hersteller haben die letzten Jahre nur zuschaut und kommen jetzt zaghaft mit ein [...]
Zur Massenmobilisierung taugt das Modell 3 auch in der 35000$ Version nicht, aber es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die deutschen Hersteller haben die letzten Jahre nur zuschaut und kommen jetzt zaghaft mit ein paar teuren Luxus-SUV ums Eck, das ist zu wenig. Ob Tesla auch den Schritt wagt von der Brückentechnologie E-Auto zum Wasserstoffauto?
eunegin 26.03.2019
3. Zu wenig
Wenn die "Performance" auf die Höchstgeschwindigkeit und die 0 auf 100 Werte reduziert wird und die Qualität auf Oberflächlichkeiten, reicht das nicht. Elektro beschleunigt natürlich schnell, nur ist das Handling [...]
Wenn die "Performance" auf die Höchstgeschwindigkeit und die 0 auf 100 Werte reduziert wird und die Qualität auf Oberflächlichkeiten, reicht das nicht. Elektro beschleunigt natürlich schnell, nur ist das Handling wichtiger - man fährt ja nicht nur geradeaus und nicht nur auf der (verstopften) Autobahn. Ein Auto ist ein "Gesamtkunstwerk". Leider schnarchen unsere deutschen Hersteller derweil vor sich hin und wenn noch andere Giganten wie Apple, Google etc auf diesen Markt drängen, könnte es sein, dass sie das Schicksal von Nokia, Kodak, Agfa usw. ereilt. Davon abgesehen: wie man als Großstadtbewohner ohne Garage mit dem Wagen zurecht kommen soll, erschließt sich mir nicht. Ich wüßte nicht, wie ich es laden soll (2 Stationen im Umkreis für einige 1000 Einwohner). Auch würde mich interessieren, wie das Stromnetz bei flächendeckender Nutzung aussehen soll. Im Moment könnte ich mir so etwas als Zweitwagen vorstellen - wenn ich mit Garage in den Außenbezirken leben würde.
uweuweuwe 26.03.2019
4. Standard-Kost
Den Artikel hier finde ich ganz in Ordnung. Nicht besonders anti Tesla, nicht besonders pro Tesla. Auch keine Besonderen Informationen, die ich in vielen anderen Tesla-Artikeln bekommen habe. Dass Ihr das Auto von Nextmove [...]
Den Artikel hier finde ich ganz in Ordnung. Nicht besonders anti Tesla, nicht besonders pro Tesla. Auch keine Besonderen Informationen, die ich in vielen anderen Tesla-Artikeln bekommen habe. Dass Ihr das Auto von Nextmove bekommen habt, wäre ggf. noch eine Erwähnung Wert gewesen, finde ich. Insgesamt vergebe ich 3,6 von 5 Sternen auf der Pulitzer-Skala.
realbesserwisser 26.03.2019
5. Schau mal einer an!
Ein erster Artikel in dem Tesla sogar positiv erwähnt wird! Ansonsten wird ja gerne in der deutschen Presse immer alles mies geredet, was Tesla baut (oder über bestimmte Dinge lieber gar nicht berichtet), um davon abzulenken, [...]
Ein erster Artikel in dem Tesla sogar positiv erwähnt wird! Ansonsten wird ja gerne in der deutschen Presse immer alles mies geredet, was Tesla baut (oder über bestimmte Dinge lieber gar nicht berichtet), um davon abzulenken, dass unsere Hersteller ein echtes Problem haben. Von daher "Hut ab" für diesen einigermaßen objektiven Artikel! Böse Zungen würden sagen: jetzt, da die Model3 Invasion beginnt und die Dinger bald zum Stadtbild gehören, bleibt ja auch nix anderes mehr übrig. Es kann sich ja bald jeder ein Bild davon machen, wie groß das Problem der deutschen Hersteller ist..........
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP