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Mobilität

BMW E1

Das Elektroauto, das nicht fahren durfte

Die Automobilgeschichte ist voll von irren Studien, die begeisterten und doch verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die gewagtesten Visionen. Diesmal: ein elektrischer BMW, der in einem Punkt besser war als der spätere i3.

BMW
Von Jürgen Pander
Sonntag, 21.04.2019   13:02 Uhr

Ganz sicher scheinen sich die BMW-Leute ihrer Sache nicht gewesen zu sein, als sie 1993 einen ungewöhnlichen Wagen präsentierten. "Der BMW E1 ist eine Studie mit reellen Chancen, heutige Automobile sinnvoll zu ergänzen", texteten die Münchner vorsichtig auf einem Zettel, den sie auf der Automesse IAA verteilten. "Wenn auch der Markt diese Konzeption bestätigt, könnte aus der Studie schon in naher Zukunft greifbare Realität werden."

Der BMW E1 war ein kompakter Dreitürer in Leichtbauweise mit vier Sitzplätzen und einem fortschrittlichen Antriebskonzept. In Frankfurt war eine weiterentwickelte Variante zu sehen, nachdem BMW zuvor schon 1991 einen E1 präsentiert hatte. Da handelte es sich noch um einen 3,46 Meter langen Elektrokleinwagen, der intern Z11 gekürzelt wurde.

Der neue E1 (Z15) war auf 3,70 Meter Länge gewachsen, die Raumausnutzung optimiert, ebenso der Leichtbau mit einer Karosserie aus Thermoplast-Bauteilen und Aluminiumblechen. Dazu schlug BMW beim Antrieb einen weitsichtigen Kompromiss vor: Der E1 konnte mit einem 1,1-Liter-Vierzylinder-Benziner (82 PS) bestückt werden, mit einer 45 PS starken Elektromaschine von ABB oder mit einer Kombination beider Aggregate, also einem Hybridantrieb.

Sobald der Elektromotor an Bord war, füllte ein Natrium-Nickelchlorid-Akku von AEG den Raum unter dem Rücksitz aus. Der Speicher mit einer Kapazität von 19 kWh sorgte für eine Reichweite von bis zu 265 Kilometern und half, das 900-Kilogramm-Auto (der Akku wog 200 Kilogramm) auf maximal 125 km/h zu beschleunigen. "Technisch machbar, aber noch nicht ausgereift", hieß es mit Blick auf den Akku bei BMW. Tatsächlich handelte es sich um eine Hochtemperaturbatterie, die erst zwischen 270 und 350 Grad Celsius elektrische Energie abgab, also mit Strom aus der Steckdose oder einer Starterbatterie vorgeheizt werden musste.

Akkuleistung auf ähnlichem Niveau wie heute

Die Leistungs- und Speicherfähigkeit waren jedoch beachtlich. Das zeigt der Vergleich mit dem BMW i3, der exakt zwanzig Jahre später auf den Markt kam, mit einer anfangs 230 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Batterie (22 kWh). Sie ermöglichte laut offiziellem Testzyklus eine Reichweite von rund 190 Kilometern.

Selbst wenn es noch gedauert hätte, den E1 von 1993 als reines Elektroauto auf den Markt zu bringen - als praktischer Kleinwagen mit Benzinmotor (aus dem BMW-Motorrad K1), lediglich 800 Kilogramm Gewicht und einem prognostizierten Verbrauch zwischen 5 und 6 Litern Sprit pro 100 Kilometer hätte er vielleicht eine Chance verdient gehabt. Zumal die mintgrün lackierte Studie mit den großen Glasflächen, der zurückhaltend gegliederten Karosserieoberfläche und der umlaufenden Stoßleiste noch heute erfrischend wirkt.

Statt eines modernen Kleinwagens kam ein Allerweltsauto

Doch es kam anders - wie so oft in der Automobilgeschichte, wenn Innovation auf Beharrungsvermögen trifft. Ein halbes Jahr später, im März 1994, brachte BMW den durch und durch konventionellen 3er Compact auf den Markt und übernahm wenig später die britischen Marken Rover und Mini. Experimente mit Kleinwagen oder gar fortschrittlichen Antrieben hatten sich damit erledigt. Die Pläne für den E1 verschwanden im Archiv. Das Auto wurde weggeparkt - es gehört, wie der E1 von 1991, nach wie vor zur BMW-Sammlung in München.

Die Idee eines Elektrokleinwagens lebte bei BMW erst zwanzig Jahre später auf - und mit ihr eine Antriebsvariante aus dem E1. Denn 2013 erschien der i3, wahlweise als reines Elektroauto oder mit einem Benzinmotor aus dem BMW-Motorradregal - nur, dass der inzwischen Range Extender (Reichweitenverlängerer) hieß.

insgesamt 88 Beiträge
Off the records 21.04.2019
1. Gibt's den auch in schön?
Mal ehrlich die deutschen Autohersteller bauen doch absichtlich so scheußliche E–Autos, damit die Dinger ja keiner kauft. Oder sie machen sie so teuer, dass sie sich niemand leisten kann (Audi).
Mal ehrlich die deutschen Autohersteller bauen doch absichtlich so scheußliche E–Autos, damit die Dinger ja keiner kauft. Oder sie machen sie so teuer, dass sie sich niemand leisten kann (Audi).
noalk 21.04.2019
2. Riesennachteil
Nicht zukunftsfähig: Kein Touchscreen, kein Bordcomputer. Nur popelige Schalter ohne Unterhaltungswert
Nicht zukunftsfähig: Kein Touchscreen, kein Bordcomputer. Nur popelige Schalter ohne Unterhaltungswert
stupp 21.04.2019
3. Der Zeit zu viel voraus
Schönes 80'er/90'er-Jahre-Design. Nicht dieses aufgeregte überemotionalisierte Bling-bling der heutigen Autos. Und technisch war BMW leider zu früh dran - um den Vorsprung in den folgenden 25 Jahren wieder zu verlieren. [...]
Schönes 80'er/90'er-Jahre-Design. Nicht dieses aufgeregte überemotionalisierte Bling-bling der heutigen Autos. Und technisch war BMW leider zu früh dran - um den Vorsprung in den folgenden 25 Jahren wieder zu verlieren. Nach dem X7 fehlt ja nur noch ein BMW-Pickup, um den Lifestyle-Wahnsinn Me-too-mäßig komplett zu machen.
Markstein 21.04.2019
4. Warum wohl?
"Das Elektroauto, das nicht fahren durfte" Warum wohl? Weil damals noch Reste von Vernunft übrig waren.
"Das Elektroauto, das nicht fahren durfte" Warum wohl? Weil damals noch Reste von Vernunft übrig waren.
fehleinschätzung 21.04.2019
5. zukunftsweisender Verbrauch
mit doppelt so großem Lithium Akku das perfekte Auto für 80% der Bevölkerung....
mit doppelt so großem Lithium Akku das perfekte Auto für 80% der Bevölkerung....

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