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einestages

125. Todestag

Mensch Marx!

Gut, dass er das nicht mehr erleben musste: Für die Achtundsechziger hätte Karl Marx vor allem Hohn und Spott übrig gehabt. Und auch bei den heutigen Sozialdemokraten fände der Intellektuelle keinen Platz. Die würde den wüsten Rauschebart wohl zuerst zum Friseur und danach ins Jobcenter schicken, meint Franz Walter.

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Dienstag, 11.03.2008   18:57 Uhr

Am Ende war er privat ein einsamer, unglücklicher, kranker Mann: Karl Marx. Der Tod seiner Ehefrau Jenny im Dezember 1881 hatte ihn gebrochen, das Ableben seiner heißgeliebten ältesten Tochter "Jennychen" im Januar 1883 beraubte ihn der restlichen Lebenskraft. Am 14. März 1883 starb, 64-jährig, Karl Marx in seinem Londoner Exil. Lediglich elf Personen wohnten drei Tage später seiner Beerdigung auf dem Friedhof in Highgate bei.

Dabei wurde Marx in den Jahrzehnten darauf immerhin zum großen Sinnstifter der sozialistischen Bewegung. Die deutschen Sozialdemokraten eigneten sich seine Analysen und Prognosen noch in den 1880er Jahren an und erhoben sie im Jahr 1891 auf ihrem Parteitag in Erfurt zum Programm. Die Bolschewiki stürzten 1917 die zaristische Despotie in Russland, indem sie mit seinen Lehrsätzen agitierten. Und die bislang letzte große Renaissance von Marx erlebten die modernen Gesellschaften im Jahr 1968, als demonstrierende Studenten sein Konterfei durch die Straßen trugen, seine Schriften durch Raubdrucke massenhaft zugänglich machten und sein Werk zur Kapitalismusanalyse in asketischen "Kapitalschulungen" zu begreifen versuchten.

Marx selbst hätte das Tun seiner Epigonen, wäre er noch am Leben gewesen, wohl oft genug mit dem bissigsten Hohn verfolgt.

Choleriker, Selbstquäler, Hypochonder

Marx hatte zeitlebens nur Verachtung für Formeln, gestanzte Redewendungen, Hagiografien, Personenkult, Dogmen. Der östliche Staatssozialismus hätte ihn, der ein vulkanischer Choleriker sein konnte, in blanke Wut versetzt. Marx war viel zu sehr ein Geschöpf des bürgerlichen Zeitalters, der Aufklärung, des Rationalismus, der Ehrfrucht vor Erkenntnis, Wahrheit, Wissenschaft. Marx war ein Forscher aus Leidenschaft.

Stundenlang hockte er Tag für Tag in der Bibliothek des British Museum, las auch noch die entlegensten Bücher, exzerpierte unermüdlich - um sich und seine Ansicht immer wieder aufs Neue zu korrigieren. Abends ging es dann zu Hause bis in die Nacht weiter, in einem von Büchern, Blättern und Manuskripten für Außenstehende chaotisch überfluteten Arbeitszimmer. Es war für den Rest der Familie schwer, Marx - einem starken Raucher und fallweise wüsten Trinker - zu regelmäßigen und einigermaßen gesunden Mahlzeiten zu bewegen.

Leicht machte es sich Marx mit seinem unbändigen Lesehunger nicht. Denn er fand nie ein Ende, ließ es nie genug sein. Der Imperativ des Zweifels - auch an sich selbst - war ihm Elixier, ehernes Gebot und: Plage wie Paralyse. Es ging ihm da wie anderen weit überdurchschnittlich begabten Geistern. Ihre Ansprüche sind hoch, die Maßstäbe an sich selbst oft kaum erreichbar. Das Opus, das sie schaffen wollen, soll einzigartig, komplett, vollendet sein, im höchsten Glanz erscheinen, noch nach Jahrzehnten Bestand und Gültigkeit haben. Solche Ambitionen spornen zunächst an, aber sie lähmen auch, umso mehr, je näher der Termin der Werkvollendung ansteht. Das galt auch für Marx.

Er brauchte Jahre, ja Jahrzehnte für seine großen Analysen zur Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft; das meiste brachte er gar nicht zum Abschluss, mochten auch seine Freunde drängen, wie sie wollten. Marx war kein effizienter Autor, niemand der mit Disziplin schrieb, Fristen und Verträge einhielt. Meist floh er, wenn es ernst wurde, in Krankheiten. Er war ein großer Hypochonder, kam aber auch wirklich die somatischen Folgen zu spüren. Seine Leidensgeschichte mit all den Furunkeln und Karbunkeln an den empfindlichsten Körperstellen wurde hernach in der Medizin- und Psychologiegeschichte des Sozialismus legendär.

Weit leichter gingen Marx seine zahllosen Pamphlete von der Hand, in denen er seine ebenso unzähligen Gegner "vernichtete".

Widersacher zerfetzt

Häme, Sarkasmus, Sottisen - darüber verfügte Marx überreichlich. Er konnte über die unbedeutendsten Köpfe seiner Zeit hunderte von Seiten boshafter, aber brillanter Polemik verfassen, Seite für Seite gefüllt mit ebenso funkelnden wie verächtlichen Apercus. In dieser Art, wie Marx seine Widersacher intellektuell zerfetzte, blieben ihm die späteren Epigonen des "Marxismus" treu - nur blieb es dann, wenn ihnen staatliche Macht zur Verfügung stand, nicht allein bei Rhetorik und Essayistik, um die "Feinde" auszuschalten.

Die Negation war jedenfalls die stärkste Seite von Karl Marx. Oder freundlicher ausgedrückt: die Kritik. Marx bestach durch seine Kritiken, an Hegel, an Feuerbach, an der Ökonomie des Kapitalismus, am Programm von Gotha der jungen deutschen Sozialdemokratie. Immer konnte Marx messerscharf sezieren, wo die Aporien lagen, wo der Schein das reale Sein überdeckte, wo Texte ins Phrasenhafte abrutschten. Ein konstruktiver Theoretiker hingegen war Marx nicht. Er dachte nicht über präzise Alternativen, über Wege, Techniken und Instrumente des Anderen nach. Dergleichen tat er hochfahrend als kleinbürgerliche Utopisterei und philiströse Spekulation ab. Auch sprach aus seinen sozialistischen Schriften kein Altruismus, keine Wärme, kein Mitgefühl. Man gewann nicht den Eindruck, dass da jemand mit dem Subjekt seiner Geschichtsphilosophie, dem Proletariat, mitlitt.

Sein primäres Interesse galt der bürgerlichen Gesellschaft, der inneren Dynamik des Kapitalismus. Davon war er zutiefst erregt, von der mächtigen Expansionskraft der kapitalistischen Produktionsweise, von der Wucht, wie sie territoriale Grenzen einriss und sich international ausdehnte - niemand sonst hatte die Globalisierung so früh und hellsichtig antizipiert wie eben Marx bereits in den 1840er Jahren, als die Mehrheit der europäischen Nationen noch tief in der Feudalität steckte.

Marx war fasziniert vom Kapitalismus, beeindruckt auch von der Fortschrittsfähigkeit des Bürgertums. Und zugleich hasste er dies alles.

Unfähig zur Erwerbarbeit

Nichts charakterisierte das Leben des deutschen Emigranten im Londoner Exil mehr als die stete Spannung von extremen Leistungswillen und düsterer Destruktivität, von Suche nach Zuneigung und triebhafter Zerstörung der meisten Freundschaften. Marx wollte Meister sein, in philosophischen Runden, im Kommunistenbund, in der sozialistischen Internationale. Doch zugleich konnte er gläubige und beflissene Jünger nicht ertragen; er stieß sie hochmütig und kalt von sich fort. Aus den besten Freunden - mit der Ausnahme des kommunistischen Fabrikanten Friedrich Engels - wurden abgründig gehasste Feinde. Aus dieser Spannung zog Marx viel Energie - allerdings auch in schlimmer autoaggressiver Hinsicht.

Nur in seiner Familie war der Löwe sanft. Seine Töchter liebte er abgöttisch; um seine Enkel sorgte er sich hingebungsvoll. Überhaupt: Sobald er auf Kinder traf, streifte er, der strenge Analytiker, seine Gelehrtenattitüde ab, alberte und tollte herum. Existenziell angewiesen war Marx auf seine Frau Jenny, geborene Baronesse von Westphalen, die ihn in all den bitteren, oft elendigen Londoner Jahren verblüffend treu zur Seite stand.

Denn viel hatte Marx ihr nicht bieten können. Zu einer einträglichen Erwerbsarbeit war er nicht fähig und nicht willens. Er führte ein Leben ohne Ordnung, Einkommen und Vorsorge. Die Familie - besser: ein Teil von ihr - überlebte allein, weil Freund Engels, der linke Kapitalist, regelmäßig und verlässlich mit finanziellen Geldleistungen aushalf. Indes: Sobald wieder die Zuwendung aus Manchester eintraf, sobald gab sich Marx ungehemmt großzügig - sodass wenig später abermals Schulden die Familie plagten. Der Weg zum Pfandhaus wurde zur Routine; regelmäßige und tiefe Depressionen überfielen Frau Jenny Marx an der Seite ihres unpraktischen, kaum lebenstüchtigen Mannes.

Aber natürlich, der Mann hatte eine Mission. Und 75 Jahre lang war er die große geistige Autorität auch der deutschen Sozialdemokratie. Den Sozialdemokraten heute ist dieser Typus des Intellektuellen, des unbestechlichen Analytikers, des schillernden Bohemiens ganz und gar fremd geworden. Man muss wohl befürchten, dass man dort für den Mann mit der dichten Haarmähne, den wallenden-zottigen Bart und den ungeregelten Einkommensverhältnissen allein den Ratschlag zur Verfügung hätte, sich gefälligst zu waschen, zu rasieren und dann in einem Jobcenter schnellstmöglich eine ordentliche Arbeit zu suchen.

insgesamt 12 Beiträge
Andreas Heil 13.03.2008
1.
Leider - so muss man konstatieren - trifft Franz Walter, immerhin einer der wenigen bekannten Politikwissenschaftler, nur selten die Sache. Dieser Beitrag hebt sich erstaunlich positiv ab, solange man das Werk, die Inhalte von [...]
Leider - so muss man konstatieren - trifft Franz Walter, immerhin einer der wenigen bekannten Politikwissenschaftler, nur selten die Sache. Dieser Beitrag hebt sich erstaunlich positiv ab, solange man das Werk, die Inhalte von Marx nicht in den Mittelpunkt stellt und kurz und prägnant den Mensch beschreiben möchte. Dem Bonmot am Ende kann ich dagegen wenig abgewinnen, weil er geradezu mustergültig das Reflektions- und Erkenntnisdefizit derjenigen charakterisiert, die sich selbst wohl für die linke Mitte halten. Aufklärung war gestern und heute brechen wir den Erkenntnisvorgang vor dem möglichen Fazit ab. Bei aller inhaltlicher Differenz, die man zu Marx' Werken und noch mehr zu den Irrwegen seiner späteren Anhängern berechtigt haben kann, ist das Gesamtwerk des Mannes für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, wie auch für abstrakte Systemtheorie mehr als nur bahnbrechend. Den "Mann mit Rauschebart" würde man heute natürlich ins Jobcenter schicken, wie man auch Kant von der Universität im heutigen Kaliningrad auf die Straße gesetzt hätte, der 20 Jahre keinerlei evaluierbare Veröffentlichungen vorzuweisen hatte. Nun könnte man beginnen, nachzudenken, ob der totalitäre Ökonomismus, der sich anschickt, auch noch die letzten Lebensbereiche des Privaten zu vereinnahmen, heute den Rückfall in voraufklärerische Erkenntnisunfähigkeit nicht geradezu strukturell bedingt und zivilisatorischen Fortschritt schon allein deswegen gar nicht mehr stattfinden kann. Man kann es aber auch lassen.
Hubert Rudnick 13.03.2008
2.
Ich finde es immer gut, wenn man sich über berühmte Persönlichkeiten der Gegenwart und Vergangenheit ein umfassendes Bild machen möchte, nur die Einseitigkeit wiederspiegelt nie ihr wirkliches Leben. Der Herr Professor Franz [...]
Ich finde es immer gut, wenn man sich über berühmte Persönlichkeiten der Gegenwart und Vergangenheit ein umfassendes Bild machen möchte, nur die Einseitigkeit wiederspiegelt nie ihr wirkliches Leben. Der Herr Professor Franz Walter hätte sich aber noch mehr mit den Ergebnissen von Marx auseinandersetzen sollen, so zeigt er uns nur die Seite, die man gerne in den Boulevardblättern zu vorscheien bringen möchte.Wenn sie geistig, wissenschaftliche arbeitende Menschen mit einen Niveau von einfachen Menschen vergleichen, dann können sie nie diese Personen richt erfassen. Auch in unserer heutigen Zeit können sie nicht alles Menschen mit den anderen vergleichen, sie werden dann nur sehr oberflächig sein. Aber es ist auch richtig, mal die andere Seite dieser Persönlichkeiten aufzuzeigen, es werden zu viele dieser Leute immer nur als Halbgötter dargestellt und angehimmelt, obwohl es diese Menschen nie wollten, aber wir Menschen brauchen nun mal sogenannte Halbgöttern, aber wir misbrauchen sie auch immer zu gerne und das hat dann kaum was mit den Leistungen dieser Persönlichkeiten zu tun. In der Zeit der Wende stand mal auf dem Sockel von Marx und Engel, das auf dem ehemaligen Marx-Engels-Platz in Berlin stand geschrieben. "Das haben wir nicht gewollt" Und so ist es auch, denn alles was wir Menschen tun wollen wir immer einigen Persönlichkeiten zuschreiben. Auch Marx und Engel haben sich so bestimmt nicht die Zukunft vorgestellt, wie sie die sogenannten sozialistischen Staaten in ihren Namen missbraucht hatten.
Harald Hildebrandt 13.03.2008
3.
Wie es Traxler schon sagte: Karl Marx in London Tagsüber schreibt er voller Hektik an einem Buch über Dialektik. Am Abend trinkt er drei, vier Guiness und schimpft auf Thyssen, Krupp und Stinnes. Sonderbar ist [...]
Wie es Traxler schon sagte: Karl Marx in London Tagsüber schreibt er voller Hektik an einem Buch über Dialektik. Am Abend trinkt er drei, vier Guiness und schimpft auf Thyssen, Krupp und Stinnes. Sonderbar ist doch, dass noch immer Friedrich Engels nicht entsprechend gewürdigt wird. Friedrich Engels war, obwohl Aussenseiter, doch ein nicht zu verachtender Gesellschaftswissenschaftler, seine Die Lage der arbeitenden Klasse in England lässt sich auch heute noch mit Gewinn und vor allem flüssig lesen. Dabei war Friedrich Engels vor allem Praktiker, er hat sich in England als Importeur von Trikotagen (hündischer Kommerz in seinen eigenen Worten) nicht überarbeitet und konnte sich dennoch mit fünfzig zur Ruhe setzen. Friedrich Engels war auch journalistisch tätig, u.a. (unter dem Pseudonym Karl Marx) für die New York Tribune, gegen für die damalige Zeit ansehnliche Honorare, die er nicht erhalten hätte, wenn er ein Stümper gewesen wäre. Friedrich Engels hatte schon zu seiner Zeit die Globalisierung nicht nur erkannt und durchschaut, sondern auch für sich nutzbar gemacht. Wenn jemand heute jemand die Globalisierungsgegner als verwirrte Kleinbürger und -geister auslachen würde, dann doch er. Auch seine politische Entwicklung vom Revolutionär zum Reformer lässt den Schluss zu, dass Friedrich Engels, im Gegensatz zu denen, die sich heute noch auf Marx berufen, lernfähig war und deine Umwelt mit wachen Sinnen beobachtete. Es ist daher wünschenswert, mehr auf Friedrich Engels einzugehen.
Dick Bush 14.03.2008
4.
Mensch Hildebrandt! Sie haben doch den Karl Marx als einen wiederspenstigen, für die Erwerbarbeit unfähigen Sonderling dargestellt, dabei war er der klugste Kopf seiner zeit, der wirklich was bewegt hat mein lieber Freund, [...]
Mensch Hildebrandt! Sie haben doch den Karl Marx als einen wiederspenstigen, für die Erwerbarbeit unfähigen Sonderling dargestellt, dabei war er der klugste Kopf seiner zeit, der wirklich was bewegt hat mein lieber Freund, auch wenn wir beide mit seiner Volkswirtschaftslehre nicht ganz einich sind. In England ist er als allerklugster Mensch betrachtet, nur in seinem spießigen Heimatsland wird er niemals ein Profet!
Mihai Robert Soran 14.03.2008
5.
>Bei aller inhaltlicher Differenz, die man zu Marx' Werken und noch mehr zu den Irrwegen seiner späteren Anhängern berechtigt haben kann, ist das Gesamtwerk des Mannes für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, wie auch [...]
>Bei aller inhaltlicher Differenz, die man zu Marx' Werken und noch mehr zu den Irrwegen seiner späteren Anhängern berechtigt haben kann, ist das Gesamtwerk des Mannes für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, wie auch für abstrakte Systemtheorie mehr als nur bahnbrechend.> >Nun könnte man beginnen, nachzudenken, ob der totalitäre Ökonomismus, der sich anschickt, auch noch die letzten Lebensbereiche des Privaten zu vereinnahmen, heute den Rückfall in voraufklärerische Erkenntnisunfähigkeit nicht geradezu strukturell bedingt und zivilisatorischen Fortschritt schon allein deswegen gar nicht mehr stattfinden kann. > >Man kann es aber auch lassen. Bahnbrechend war Marx ohne Zweifel, allerdings brach er in die völlig falsche Richtung durch. Er hat Fakten - meist aus zweiter Hand - scharfsinnig analysiert, eine von mehreren möglichen Möglichkeiten zum Vermischen und Aufbacken in fester "wissenschaftlicher" Form gewählt und danach - bei ausgeschaltetem systemischen Feedback-Loop - seine dogmatisch durchtränkten "Gesetze" den willigen Aktionisten, denen der Unterbau fehlte, überlassen. In meinen Augen besteht der Marx'sche Kapitalfehler aus der irrsinnig falschen Interpretation der naturwissenschaftlich nicht wirklich erfassbaren Faktoren Geld, Wert und Arbeit, die dann in einem falschen Beziehungsgeflecht systemisch eingebettet und übergossen wurden. Das wahrlich Tragische ist es, dass Marx einen so hoch geschätzten Irrweg eingeschlagen hat, dass die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis heute die "Lehren" von Marx nicht zu entsorgen wagte. Mit anderen Worten leiden Gesellschaft und Ökonomie unter einem schon 125 Jahre betragenden Stillstand der systemischen Grundsatzforschung. Ohne ein revolutionär neues Verständnis und eine neue Theorembildung in Bezug auf Geld, Wert, Arbeit (die Liste ist länger) wird diese für uns alleinig selbstverständliche judeo-christlich monotheistische Sozioökonomie mit großen Getöse noch in diesem Jahrhundert in sich zusammenstürzen. Leider sind es Marx und seine Werke, die eine riesige strukturelle und inhaltliche Schuld an und Verantwortung für den Rückfall in voraufklärerische Erkenntnisunfähigkeit hat. Marx hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem zivilisatorischen Fortschritt einen monströs massiven Riegel vorgeschoben. Und das sage ich, dessen Familie seit ca. 1875 nicht nur marxistisch geprägt wurde, sondern auch in vorderster Reihe Marxismus weltweit mit verbreiten hat. Ich halte mich bis heute für einen Marxisten, allerdings für einen, der Marx so gründlich sanieren will, dass keiner mehr den alten Marx in der neuen Haut erkennt. Mkhai-Robert Soran von Großwardein, geb. Schwartz

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