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einestages

Auferstehung toter Stars

Man lebt nur zweimal

Die Zarentochter lebt in Amerika und Elvis im Seniorenstift. Sterben Persönlichkeiten der Popgeschichte, erträumen sich Anhänger oft ein Happy End für ihre Helden. Wir haben die schönsten Fantasien zusammengestellt.

Getty Images
Von
Sonntag, 05.04.2015   12:12 Uhr

Lässige Jeansshorts, fette Goldschnalle am Gürtel. Die Sonnenbrille ist noch immer die gleiche, wie er sie bei seinen Auftritten trug. Der King steht am Meer und pumpt eine Badeinsel auf. "Hi Elvis", gurrt eine Strandschönheit, die mit einem Tablett an dem greisen Popstar vorbeischwebt, und dabei aufs Heftigste mit den Hüften wedelt.

Unter einem Palmenschirm reibt Oma Marylin Gangsterrapper Tupac Shakur mit Sonnencreme den tätowierten Bauch ein. Und neben der Strandbar zupfen John Lennon und Kurt Cobain an ihren Gitarren. Pünktlich zum 20. Todestag von Grunge-Legende Cobain hatte eine niederländische Brauerei die verstorbenen Promis aus dem ewigen Ruhestand geholt, und für einen Werbespot auf einer tropischen Insel ausgesetzt.

Cobain, der sich zeitlebens gegen die Kommerzialisierung seiner Person und seiner Musik gewehrt hatte, würde sich im Grab umdrehen. Oder liegt er da etwa gar nicht? Der Werbespot instrumentalisierte das Wunschdenken vieler, dass geliebte und verehrte Prominente eben gar nicht tot sind, sondern sich nur aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben, um in Ruhe weiterzuleben.

Messias der Generation X

So auch im Fall Cobain. Der Sänger und Gitarrist krempelte Anfang der Neunziger mit den Alben "Nevermind" und "In Utero" seiner Band Nirvana die Musikwelt um, machte den Antipop namens Grunge populär und schuf mit "Smells Like Teen Spirit" die identitätsstiftende Hymne der Generation X. Cobain wuchs zur kultisch verehrten Ikone einer Bewegung von Enttäuschten heran.

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Auferstehung der Stars: Totgesagte leben länger

Doch der in den Songs der Band postulierte Weltschmerz war für den Sänger keine Masche, um Platten zu verkaufen. Cobain litt unter Depressionen und Angstzuständen, wurde von chronischen Magenschmerzen geplagt und verlor sich im Drogenrausch. Der Heroinabhängige begab sich in mehrere Therapien, kam aber nicht von der Droge los.

Auf der Tour zum Album "In Utero" fiel Cobain ins Koma und wurde in der Folge zum nächsten Entzug eingeliefert. Am 1. April 1994 verließ der Rockstar das Exodus Recovery Center in Marina del Rey, Kalifornien. Vier Tage später spritzte sich Cobain, der zu diesem Zeitpunkt von Jugendlichen auf der ganzen Welt wie ein Messias verehrt wurde, eine Überdosis Heroin und schoss sich mit einer halbautomatischen Schrotflinte in den Kopf. In seinem Abschiedsbrief zitierte er eine Songzeile aus "My My, Hey Hey (Out Of The Blue)", einem Neil-Young-Stück: "Es ist besser auszubrennen als zu verblassen."

Auferstanden aus Ruinen

Schon bald nach Cobains Suizid 1994 tauchten allerdings auch die ersten Gerüchte um den toten Star auf. Kurt Cobain habe sich nicht selbst erschossen, sondern sei ermordet worden. Mal sollte seine Witwe Courtney Love den Mord in Auftrag gegeben haben, mal ein unbekannter Neider.

Andere Verschwörungsfans waren noch findiger. Der Sänger sei gar nicht tot, argumentierten sie und entwarfen die wirrsten Theorien: Cobain habe sich einfach den Bart rasiert, die Haare geschnitten und seine Selbsttötung fingiert. Um dem Starrummel und seiner angeblich unglücklichen Ehe mit Courtney Love zu entkommen.

Unter dem Namen Rivers Cuomo habe er die Band Weezer gegründet, um noch einmal ganz von vorne anzufangen. Zum Beweis wurden Gegenüberstellungen von Fotografien Cobains und Cuomos angefertigt, auf denen sich die beiden Sänger überraschend ähnlich sahen. Außerdem wurde minutiös dargelegt, dass die beiden Künstler nie gemeinsam gesehen wurden und weder Tourdaten der frühen Weezer und der späten Nirvana kollidierten, noch sich die beiden Bands zeitgleich im Studio aufhielten. Und schließlich hatte Musikproduzent Ric Ocasek die obskure Garagenband Weezer gefördert, und der war ja auch ein guter Freund von Cobain gewesen.

Wirre Trauerbewältigung

Den endgültigen Beweis meinten die Fans in einer weiteren Anekdote zu finden - denn Weezer spielte immer wieder kleinere Underground-Gigs unter dem Namen Goat Punishment. Und bei diesen Auftritten coverten sie obskure Songs aus kaum bekannten B-Seiten von Nirvana. Dass mehrere Beamte Cobains Leiche gefunden und untersucht hatten, interessierte sie nicht. Genauso wenig wie die Versicherungen seiner ehemaligen Bandkollegen Dave Grohl und Krist Novoseli, die um ihren Freund und Mitmusiker trauerten.

Doch die angebliche Auferstehung des Grunge-Gottes ist kein Einzelfall der Popkultur. Genau wie Kurt Cobain ist über die Jahrzehnte zahlreichen anderen prominenten Figuren der Zeitgeschichte die letzte Ruhe verweigert worden. Ob Elvis, Jesse James oder Lady Di - der Glaube an das Weiterleben der Stars war oft stärker als jede Vernunft. Wir haben die absurdesten Theorien für ein Leben nach dem Ruhm zusammengetragen.

insgesamt 9 Beiträge
Felix Ahrens 05.04.2015
1.
Na ja, der Werbespot ist aber mal ganz leicht inspiriert vom Ende von Patrick Beigbeders "39,90". Um ehrlich zu sein, ist's sogar eine 1:1 Kopie. Und Kurt Cobains angebliche Verweigerung der Kommerzialisierung seiner [...]
Na ja, der Werbespot ist aber mal ganz leicht inspiriert vom Ende von Patrick Beigbeders "39,90". Um ehrlich zu sein, ist's sogar eine 1:1 Kopie. Und Kurt Cobains angebliche Verweigerung der Kommerzialisierung seiner Person und seiner Musik… auch hier wieder: NA JA! ^^ Am besten mal die postum veröffentlichten Tagebücher lesen. Er selber hatte nämlich so gar keine Probleme damit, seine Person und seine Musik strategisch anzupassen, um sich/sie so besser zu vermarkten. Er war letzten Endes genau so "geil auf Erfolg", wie all die anderen, die er (angeblich) so sehr verachtete. "Er wollte sich nicht vom System vereinnahmen lassen" ist also nichts weiter als ein Euphemismus.
Andre Biedenkap 05.04.2015
2.
Rivers Cuomo hat mal gar keine Ähnlichkeit mit Cobain
Rivers Cuomo hat mal gar keine Ähnlichkeit mit Cobain
Andre Biedenkap 05.04.2015
3. zu nr 1
es ist schon was anderes sich zu verkaufen und sich nicht verkaufen lassen zu wollen. evtl kamen ja daher seine depressionen
es ist schon was anderes sich zu verkaufen und sich nicht verkaufen lassen zu wollen. evtl kamen ja daher seine depressionen
Andre Biedenkap 05.04.2015
4. zu nr 1
es ist schon was anderes sich zu verkaufen und sich nicht verkaufen lassen zu wollen. evtl kamen ja daher seine depressionen
es ist schon was anderes sich zu verkaufen und sich nicht verkaufen lassen zu wollen. evtl kamen ja daher seine depressionen
Dieter Meier 06.04.2015
5.
Ich glaube z.B. ganz fest daran, dass auf unserem Planeten irgendwann einmal intelligentes Leben gefunden wird. Es gibt allerdings Menschen, die dies nur für die Theorie eines Spinners halten ...
Ich glaube z.B. ganz fest daran, dass auf unserem Planeten irgendwann einmal intelligentes Leben gefunden wird. Es gibt allerdings Menschen, die dies nur für die Theorie eines Spinners halten ...

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