Schrift:
Ansicht Home:
einestages

Erster Weltkrieg

Drei Männer, drei Schicksale

Hitler, Churchill, Stalin: Die Staatslenker von Deutschland, Großbritannien und Russland waren erbitterte Gegner. Geprägt wurden alle drei durch Erlebnisse im Ersten Weltkrieg. Dort kamen sie sich mitunter ziemlich nahe.

Getty Images
Von
Donnerstag, 30.01.2014   15:28 Uhr

Der bärtige Georgier, der Anfang Januar 1913 mit dem Zug aus Krakau in Wien eintraf, nannte sich Stavros Papadopoulos. Auf der Flucht vor der zaristischen Polizei bezog der 34-Jährige Quartier bei einem russischen Ehepaar in der Schönbrunner Schlossstraße. Emsig arbeitete der Mann, der sich im Jahr zuvor den Kampfnamen Stalin, der "Stählerne", zugelegt hatte, im Auftrag des Bolschewiki-Führers Wladimir Lenin an einem Aufsatz: "Marxismus und nationale Frage". Seinen Unterschlupf verließ er selten. Nur manchmal am Nachmittag ging er im nahen Schlosspark spazieren.

Dort vertrieb sich oft auch ein 23-jähriger gescheiterter Maler die Zeit, der von der Kunstakademie abgewiesen worden war und nun in einem Männerwohnheim logierte. Gelegentlich konnte er in den Alleen seine Zeichnungen und Aquarelle verkaufen. Der verkrachte Künstler, er hieß Adolf Hitler, könnte dem russischen Revolutionär hier durchaus begegnet sein. So nah kamen sich die späteren Tyrannen nie wieder.

Nach vier Wochen in Wien reiste Stalin zurück nach St. Petersburg. Dort wurde er in der Nacht zum 24. Februar bei einem Maskenball in Frauenkleidern verhaftet - ein Genosse hatte ihn verraten. Ein Gericht verurteilte ihn zu vier Jahren Verbannung in der sibirischen Provinz Turuchansk. Im März 1914 wurde Stalin in den äußersten Norden des weiten Landes transportiert, in das Dorf Kureika, wo ein paar Dutzend Menschen in acht baufälligen "Isbas", hölzernen Bauernhütten, hausten. Der 35-jährige Verbannte begann eine Beziehung mit dem 13-jährigen Waisenmädchen Lidija und schwängerte es. Das Kind wurde im Dezember geboren, starb aber bald.

Als Stalin von der Ermordung des habsburgischen Thronfolgers in Sarajevo hörte, war für ihn klar, wo die Schuldigen saßen: "Die bourgeoisen Vampire der kriegerischen Länder haben die Welt in ein Blutbad gestürzt ... Massenschlachtungen, Vernichtung, Hunger und ... Brutalität, damit ein paar gekrönte und ungekrönte Räuber fremde Länder plündern und ungezählte Millionen einstreichen können."

Stalin, 1878 im georgischen Gori als Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili geboren, einst Schüler am orthodoxen Tifliser Priesterseminar, war seit 1898 Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands und hatte geholfen, die Parteikasse mit Hilfe von Banküberfällen aufzufüllen. Später wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Bolschewiki.

Schon sechsmal war er in die Verbannung geschickt worden, und jedes Mal hatte er fliehen können. Diesmal aber machte er dazu keine Anstalten: Er führte ein bequemes Leben, seine Bewacher erlaubten ihm, Freunde zu treffen, auf die Jagd zu gehen, sogar wochenlang aus Kureika zu verschwinden. Vor allem hatte die Verbannung einen Vorteil für Stalin: Er konnte sich dem Wehrdienst in der zaristischen Armee entziehen.

Hitler hingegen, der im April 25 Jahre alt geworden war, meldete sich am 3. August 1914 freiwillig zum Kriegsdienst in der bayerischen Armee - man schaute bei der Rekrutierung nicht so genau hin, dass der Bewerber eigentlich Österreicher war. Sein Einkommen war zu der Zeit noch immer "sehr schwankend", und er leide unter chronischen Frostbeulen, wie er in einem rührseligen Brief an seine heimische Musterungsbehörde in Linz schrieb, wo er sich schon vor Jahren hätte melden sollen. In München nun ließ er sich von der patriotischen Bewegung anstecken; am Vortag seiner freiwilligen Meldung hatte er auf dem Münchner Odeonsplatz an einer großen Kundgebung teilgenommen. "Ich schäme mich auch heute nicht, es zu sagen, dass ich, überwältigt von stürmischer Begeisterung, in die Knie gesunken war und dem Himmel aus übervollem Herzen dankte, dass er mir das Glück geschenkt, in dieser Zeit leben zu dürfen", brüstete er sich später in "Mein Kampf".

Aus SPIEGEL Geschichte 5/2013

Am 1. September 1914 wurde Hitler an die 1. Kompanie des neugegründeten 16. Bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments überstellt, das in den frühen Morgenstunden des 23. Oktober, singend und unter Hurra-Geschrei, die belgische Grenze überquerte, um gegen Frankreich in den Krieg zu ziehen.

In London trieb zu der Zeit der 40-jährige Marineminister Winston Churchill, der sich als Kriegsberichterstatter in Sudan und Südafrika um die Jahrhundertwende einen Namen gemacht hatte, Pläne zur Entwicklung einer neuartigen Waffe voran - ein frühes Modell des Panzers. "Es wäre ganz leicht, in kurzer Zeit eine Anzahl von Dampftraktoren mit kleinen, gepanzerten Gefechtsständen zu konstruieren, in denen, gegen Kugeln geschützt, Mannschaften und Maschinengewehre untergebracht werden könnten", schrieb Churchill am 5. Januar 1915 an Premierminister Herbert Henry Asquith: "Mit dem Raupenzug wäre die Möglichkeit gegeben, ohne Schwierigkeiten Schützengräben zu überqueren."

Dem Projekt wurde zunächst, wie Churchill in seinen Kriegsmemoiren ("Die Weltkrise") bedauerte, "ein Begräbnis mit allen Ehren in den Archiven des Kriegsamts zuteil", doch später sollten die gepanzerten Fahrzeuge unter ihrem englischen Namen "Tank" tatsächlich eine wichtige Rolle im Krieg spielen.

Längst war Churchill ohnehin von anderen "ernsten Admiralitätsgeschäften in Anspruch genommen": an einem Kriegsschauplatz am Rand Südosteuropas. Dort lag das Osmanische Reich zwar "bereits im Sterben", wie Churchill notierte. Aber kaum marschierten die Armeen im Westen, machten die in drei Kriegen gerade geschlagenen Türken erneut mobil und verbündeten sich mit den Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn. Gemeinsam mit den Deutschen, die der osmanischen Flotte zwei Kreuzer zur Verfügung stellten, kontrollierten sie seit Beginn des Krieges die Meerenge der Dardanellen. Damit versperrten sie der russischen Schwarzmeer-Flotte die Durchfahrt ins Mittelmeer und verhinderten Hilfslieferungen der Alliierten für Russland.

Um die Blockade zu durchbrechen, ließ Churchill nach einem umstrittenen Plan am 18. März 1915 eine Flotte der Entente die osmanischen Streitkräfte angreifen. Doch die Attacke scheiterte schnell an der türkischen Küstenartillerie beiderseits der Dardanellen und an einer wirksamen Seeminensperre. Vom 25. April an versuchten daraufhin alliierte Truppen, auf der türkischen Halbinsel Gallipoli zu landen; monatelang lieferten sich die Gegner in einem aussichtslosen Stellungskrieg erbitterte Gefechte, bis die Verbündeten im Dezember aufgaben. Da waren mehr als 100.000 Soldaten auf beiden Seiten gefallen.

Das Fiasko an den Dardanellen kostete Churchill das Amt. Auf Drängen des konservativen Koalitionspartners war er im Mai 1915 als Marineminister abgesetzt worden - auch weil seine ehemaligen Parteifreunde ihm noch immer seinen Wechsel 1904 zu den Liberalen verübelten. Der ausgebildete Offizier meldete sich freiwillig an die Front in Nordfrankreich. "Die letzten Szenen an den Dardanellen", erinnerte sich Churchill, "spielten sich ab, als ich im 2. Bataillon der Gardegrenadiere in der Gegend von Lavantie Dienst machte."

Fotostrecke

Hitler, Churchill, Stalin: An der Front

Zur selben Zeit diente Hitler als Regimentsordonanz in Fromelles - keine acht Kilometer Luftlinie von Churchill entfernt.

Churchill war der erfahrenste Militär der späteren Kriegsgegner. Seine Kadettenzeit hatte er an der berühmten Royal Military Academy Sandhurst absolviert, mit 21 war er Leutnant in einem Husarenregiment und kämpfte zwischen 1895 und 1899 in mehreren Kolonialkriegen.

Vielleicht sah er seinen Kriegseinsatz als ausreichende tätige Buße für Gallipoli, jedenfalls drängte Churchill im Frühjahr 1916 zurück ins Parlament. Am 6. Mai 1916 wurde sein Entlassungsgesuch aus der Armee angenommen - gerade noch rechtzeitig, denn nur wenige Wochen später erlitt sein Regiment in der Schlacht an der Somme schwere Verluste. Ein Jahr später wurde Churchill Munitionsminister unter dem neuen Premier Lloyd George.

Nun kamen die von ihm geforderten Panzer doch noch zum Einsatz. "Fünfzig dieser unter größter Geheimhaltung und unter dem vorsätzlich irreführenden Namen 'Tanks' entwickelten Maschinen waren fertiggestellt worden", schrieb der spätere Premier zufrieden. "Als sich zeigte, mit welcher Leichtigkeit sie über Schützengräben hinwegfuhren und Hindernisse niederlegten, die zu Versuchszwecken hinter der britischen Stellung angelegt waren, ließen sich die führenden Köpfe des Heeres von dem der Konstruktion zugrunde liegenden Gedanken überzeugen."

Bei den Angriffen der Briten wurde auch Hitler am 5. Oktober 1916 zum ersten Mal seit Kriegsbeginn verwundet, als eine Granate in den Unterstand der Meldegänger in Le Barque einschlug, einem zwei Kilometer hinter der Front gelegenen Dorf. Ein Granatsplitter traf Hitler im linken Oberschenkel. Der Gefreite wurde in ein Armeelazarett nach Beelitz bei Berlin gebracht, wo er etwas mehr als zwei Monate blieb.

In diesem Oktober wurde Stalin doch noch zur Armee einberufen. Dass das zaristische Russland sogar Verbannte rekrutierte, offenbarte die Personalknappheit des Militärs. Möglicherweise hatte sich Stalin auch freiwillig gemeldet, um sich Unterhaltspflichten zu entziehen, nachdem er Lidija ein zweites Mal geschwängert hatte. Das Kind, der Sohn Alexander, kam im Frühjahr 1917 nach Stalins Abreise aus Kureika zur Welt.

Auf Rentierschlitten fuhren 20 Verbannte, unter ihnen Stalin, den gefrorenen Jenissej hinunter. Sie kamen durch viele kleine Siedlungen, wo sie sich ausgiebige Pausen mit Saufgelagen und Fressorgien gönnten - sie hatten es nicht eilig, in den Krieg geschickt zu werden. "Die Deutschen werden noch genug Zeit haben, uns zu Hackfleisch zu machen", sagte Stalin.

Erst Anfang Februar 1917 trafen die Schlitten in der nordostsibirischen Provinzhauptstadt Krasnojarsk ein. Der Musterungsarzt erklärte Stalin wegen eines verkrüppelten Arms, Folge einer Infektion im Kindesalter, für "untauglich für den Militärdienst". Das war zwar sein Glück, doch zugleich war es peinlich für einen künftigen Oberbefehlshaber der Roten Armee, der nicht weniger Soldat als Politiker sein wollte.

Die Welt im Krieg
Die Fronten in Europa
1914
1915
1916
1917
1918
  • Mittelmächte
  • Verbündete
  • Entente
  • Verbündete
  • neutrale Staaten
 

August 1914 - Die Besetzung Deutsch-Neuguineas

Auf Betreiben Großbritanniens bemächtigten sich australische und neuseeländische Truppen ab August 1914 der Samoa-Inseln, des Bismarck-Archipels und des Kaiser-Wilhelms-Landes auf Neuguinea. Japan besetzte die Marianen, Karolinen, Palau, Nauru und die Marshall-Inseln. Es war das Ende der Kolonie Deutsch-Neuguinea.

Corbis

August bis November 1914 - Belagerung von Tsingtau

Umkämpfter Handelsstützpunkt: "Die Zukunft liegt auf dem Wasser!", glaubte Kaiser Wilhelm II. schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts und unterhielt deshalb unter anderem einen eigenen Hafen an der chinesischen Küste. Das 500 Quadratkilometer großes Pachtgebiet Kiautschou mit seinem Zentrum Tsingtau hatte schon seit längerem auch das Interesse Japans geweckt. Der Beginn des Krieges schien ein geeigneter Anlass, den Hafen unter Kontrolle zu bringen. Am 15. August 1914 stellte das mit Großbritannien verbündete Japan ein Ultimatum: Bis zum 23. August sollten die 180 Offiziere und 4550 Soldaten der deutschen Garnison das Gebiet geräumt übergeben. Das Deutsche Reich weigerte sich und riskierte eine Blockade - bis Briten und Japaner von der Landseite angriffen. Nach erbitterter Verteidigung kapitulierten die Deutschen am 7. November 1914. Rund 5000 Soldaten und Zivilisten gingen in japanische Kriegsgefangenschaft.

Getty Images

8. Dezember 1914 - Seegefecht bei den Falkland-Inseln

Vernichtende Niederlage für das deutsche Geschwader: Bald nach Kriegsbeginn war für den Chef des deutschen Kreuzergeschwaders in Ostasien, Vizeadmiral Maximilian Reichsgraf von Spee, klar, dass der deutsche Stützpunkt in Tsingtau nicht zu halten war. Ohne Hafen wäre der Verband auch von einer Versorgung mit Kohle und Munition abgeschnitten. Der Kommandant entschloss sich daher zur Rückkehr nach Deutschland. Unterwegs versenkte der Kreuzerverband jedes alliierte Schiff, das in seine Nähe kam. Als das Geschwader am 7. Dezember die Falklands erreichte, plante Spee einen Angriff auf die britische Basis, um dessen Kohlevorräte zu übernehmen. Er merkte zu spät, dass die Briten Verstärkung bekommen hatten. Als der Kommandant abdrehte, nahm die Royal Navy die Verfolgung auf und holte die deutschen Kreuzer ein, von denen einzig der SMS "Dresden" die Flucht gelang. Rund 2200 deutsche Seeleute gingen mit den Schiffen unter, 215 wurden gerettet. Spee fiel im Gefecht auf dem Flaggschiff des Geschwaders, der SMS "Scharnhorst", mit ihm auch seine beiden Söhne Otto und Heinrich.

bpk

1916 bis 1918 - Feldzug in Ostafrika

Mit rund 220 weißen Offizieren und 2500 schwarzafrikanischen Soldaten hatte die kaiserliche Schutztruppe die Kolonie Deutsch-Ostafrika bis Ende 1915 erfolgreich verteidigt. Das änderte sich, als das isolierte Territorium im Frühjahr 1916 zeitgleich von britischen, belgischen und portugiesischen Truppen angegriffen wurde. Kommandant Paul von Lettow-Vorbeck sah sich einem gewaltigen militärischen Gegner gegenüber. Dennoch gelang es ihm, auch dank der Loyalität seiner Untergebenen, durch einen geschickten Guerillakrieg zumindest den Südosten der Kolonie bis zum November 1917 zu halten und auch danach einer offenen Niederlage zu entgehen. Die schließlich auf rund 150 Europäer und 1150 Afrikaner dezimierte Truppe - zuletzt ohne Kontakt zum Deutschen Reich - kapitulierte am 25. November 1918 nach Bekanntwerden des zwei Wochen zuvor in Europa geschlossenen Waffenstillstands.

Corbis

6. April 1917 - Kriegseintritt der USA

"Er hat uns aus dem Krieg herausgehalten" - das war die Botschaft, mit der die Anhänger von US-Präsident Woodrow Wilson 1916 in den Wahlkampf für dessen zweite Amtszeit gingen. Ein Jahr später war diese Aussage nicht mehr zu halten: Das Deutsche Reich hatte im Januar 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ausgerufen, womit potentiell auch jedem amerikanischen Schiff der Abschuss drohte. Am 6. April erklärten die USA, auch sie seien nun im Krieg mit Deutschland.

AP

28. Juni 1914 - Attentat von Sarajevo

Die Beziehungen unter den europäischen Großmächten waren längst angespannt, als sich die Krise auf dem Balkan noch verschärfte: In Bosnien-Herzegowina formierten sich nationalistische Gruppierungen, die die Herrschaft Österreichs über ihre Region beenden und einen Anschluss an Serbien erreichen wollten. Nach dem Attentat bosnischer Nationalisten auf den Thronfolger und Neffen des österreichischen Kaisers Franz Joseph, Erzherzog Franz Ferdinand, am 28. Juni 1914 in Sarajevo, eskalierte die Situation innerhalb weniger Wochen. Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn dem Königreich Serbien den Krieg. Bereits einen Tag später beschossen die Truppen der Habsburger Regierung die serbische Hauptstadt Belgrad. Es war der Beginn des Ersten Weltkriegs, in den bald darauf auch die bereits hochgerüsteten Bündnispartner beider Seiten eingriffen.

bpk

29. Juli 1914 - Mobilmachung in Russland

Auf die Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien reagierte Serbiens Bündnispartner Russland unmittelbar: Bereits am nächsten Tag, dem 29. Juli 1914, erreichte Deutschlands Diplomaten die Nachricht, dass Russland die Mobilmachung seiner Streitkräfte gegen Österreich-Ungarn beschlossen habe. Das Deutsche Reich wiederum verwies auf seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Habsburgern und erklärte am Abend des 1. August seinerseits Russland den Krieg.

4. August 1914 - Kriegseintritt Großbritanniens

Als Lord Herbert Kitchener am 5. August 1914 seinen Dienst als neuer britischer Kriegsminister antrat, hatte Großbritannien keine Wehrpflicht. Tags zuvor aber hatte das britische Empire dem Deutschen Reich gerade offiziell den Krieg erklärt. Zur Unterstützung der französischen Truppen konnte es deshalb nur rund 80.000 Mann entsenden - während das deutsche Heer zu diesem Zeitpunkt etwa vier Millionen zählte. Innerhalb kürzester Zeit musste Kitchener Freiwillige für die Waffen gewinnen. Er tat dies mit einem Plakat, auf dem der Slogan "Britons wants you" und das schnauzbärtige Konterfei des Lord samt ausgestrecktem Finger zu sehen waren, der direkt auf den Betrachter wies. Die Kampagne verfehlte ihre Wirkung nicht, Hunderttausende fühlten sich angesprochen und folgten dem Aufruf.

August 1914 - Eroberung von Lüttich

Es sollte ein Handstreich werden - doch es wurde ein Himmelfahrtskommando: Anfang August 1914 besetzten deutsche Truppen Luxemburg, in der Folge rückten sie in Belgien ein. Die Eroberung der Stadt und Festung Lüttich, damals ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt, sollte den kaiserlichen Streitkräften den Weg auf das westliche Ufer der Maas öffnen. Zwei Tage waren für die Einnahme geplant; es wurden fast zwei Wochen. Der deutsche Generalstab hatte die Gegenwehr der durch zwölf Forts geschützten Stadt unterschätzt. Nicht nur die belgische Armee, auch die Bevölkerung Lüttichs leistete heftigen Widerstand. Erst am 16. August fiel das letzte Fort in die Hände der Besatzer.

bpk

26. bis 30. August 1914 - Schlacht bei Tannenberg

153.000 Mann auf der deutschen - 191.000 Mann auf der russischen Seite: Trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit gingen die Truppen des Kaisers am 26. August 1914 nahe Allenstein, dem heutigen Olsztyn in Polen, in die Offensive. Das Deutsche Reich drängte nach Osten. Vier Tage später zählte das Heer 12.000 Mann Verluste, das russische Reich aber hatte rund 50.000 Tote zu beklagen, darüber hinaus 92.000 Gefangene und Verwundete. Mit überlegener operativer Führung hatten die Deutschen diese Schlacht für sich entschieden - ihre Propaganda machte daraus einen historischen Sieg: Sie benannten das Gemetzel bei Allenstein in "Schlacht bei Tannenberg" um - um vergessen zu machen, dass die eigentliche "Schlacht bei Tannenberg" im Jahre 1410 dem Heer des Deutschen Ordens eine schwere Niederlage gegenüber dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen eingebracht hatte.

Corbis

5. bis 12. September 1914 - Schlacht an der Marne

Frankreich-Plan gescheitert: Eine eilig zusammengestellte französisch-englische Gegenoffensive stoppte am 5. September 1914 den deutschen Vormarsch zwischen Paris und Verdun. Der überraschende Angriff riss eine etwa 40 Kilometer breite Lücke in die deutsche Front, in die die Alliierten vorstießen. Deutschen Truppen drohte die Einkesselung. Der Generalstabschef gab deshalb den Befehl zum Abbruch der Schlacht, seine Soldaten zogen sich hinter die Aisne zurück. Die Niederlage war ein erster Wendepunkt des Krieges: Der Plan der Heeresleitung, Frankreich in kurzer Zeit niederzuringen und die Kräfte danach im Osten zu konzentrieren, war nicht aufgegangen. Frankreich und England gewannen Zeit, ihre Truppen zu verstärken und die zahlenmäßige Überlegenheit der Deutschen auszugleichen. Die Front im Westen erstarrte zum Krieg in den Schützengräben.

bpk

Oktober/November 1914 - Erste Flandernschlacht

Schüler und Studenten an die Front: Nachdem der Versuch, Frankreich zügig einzunehmen, an der Marne gescheitert war, versuchten die deutschen Truppen ab Mitte Oktober 1914 immer wieder, die Verteidigungslinie der Gegner zu durchbrechen. Der Stellungskrieg konzentrierte sich im nordfranzösisch-niederbelgischen Grenzraum zwischen Nieuwpoort und Ypern. Bei den Vorstößen kamen schlecht ausgebildete Reservekorps aus jungen Kriegsfreiwilligen zum Einsatz. Die Zahl der Opfer war entsprechend hoch. Traurige Berühmtheit erlangte dabei besonders ein Gefecht nördlich von Ypern nahe der Ortschaft Bixschoote. Bei einem Sturmangriff auf gegnerische Stellungen starben allein am 10. November mehr als 2000 junge Soldaten - für einen nur geringen Geländegewinn. In der deutschen Propaganda aber las sich das verlustreiche Unterfangen so: "Westlich von Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange 'Deutschland, Deutschland über alles' gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie." Weil Langemarck offenbar gewichtiger klang als Bixschoote und außerdem an Bismarck erinnerte, ging das Ereignis als Schlacht von Langemarck in die Geschichte ein. Die Kämpfe um Flandern indes brachten in diesem Herbst keine Endscheidung mehr und endeten mit einem militärischen Patt.

bpk

7. bis 25. Februar 1915 - Winterschlacht in den Masuren

Eisiger Gegner: Nachdem der deutsche Vorstoß nach Osten im Herbst 1914 mit einem militärischen Patt an der deutsch-russischen Front geendet hatte, begann das Deutsche Reich am 7. Februar 1915 eine neue Offensive. Seine Armeen waren verstärkt worden, wie eine Zange sollten sie die russischen Truppen südlich der Memel umschließen. In den zweiwöchigen Kämpfen drängten sie die russischen Verbände aus Ostpreußen - so schnell, dass sich rund 100.000 russische Soldaten nicht mehr rechtzeitig zurückziehen konnten und in Kriegsgefangenschaft gerieten. Doch viel weiter kamen die Deutschen nicht: Regen und Schneestürme behinderten ein schnelles Vorrücken mit schweren Geschützen. Russland blieb derweil Zeit, eine neue Frontlinie aufzubauen.

Getty Images

März 1915 bis Dezember 1915 - Schlacht um Gallipoli

Kein Durchkommen: Ein Bündnis mit dem Osmanischen Reich hatte den Mittelmächten einen strategisch bedeutsamen Vorteil beschert - die Kontrolle über die Meerenge der Dardanellen. Sie konnten damit sowohl der russischen Schwarzmeer-Flotte den Zugang zum Mittelmeer abschneiden, als auch verhindern, dass die Alliierten Russland auf diesem Weg zu Hilfe kamen. Die Entente wollte dies ändern: Im März 1915 griff die britisch-französische Flotte an und versuchte, den Durchbruch zu erzwingen. Doch das Unternehmen scheiterte unter hohen Verlusten an deutschen Minensperren und U-Booten. Am 25. April wagten die Alliierten einen neuen Versuch - unterstützt von der Schiffsartillerie landeten sie diesmal mit einem massiven Truppenaufgebot auf der felsigen Halbinsel Gallipoli. Mit dabei: Tausende Freiwillige aus Australien und Neuseeland. Für das Australian and New Zealand Army Corps (Anzac) war es die Feuertaufe in diesem Krieg, die sie mit hohen Verlusten bezahlten. Es begann zermürbende Grabenkämpfe, die über Monate Tausenden Soldaten das Leben kostete. Sie verbluteten oder gingen in der Hitze des Sommers an Ruhr- und Fieberepidemien zugrunde. Im Dezember gab die Entente ihr Vorhaben auf, weitere Kräfte wurden nun an der Westfront benötigt. Zu diesem Zeitpunkt zählte sie rund 140.000 Tote und Verwundete, die Verluste auf osmanischer Seite beliefen sich auf mehr als 200.000. Gallipoli blieb in der Hand ihrer Verteidiger.

Getty Images

22. April bis 25. Mai 1915 - Zweite Flandernschlacht

Die Westfront war im Stellungskrieg erstarrt. Weder der Entente noch den Deutschen gelang ein Durchbruch. Im April 1915 versuchten es die Deutschen erneut - mit einer neuen Waffe. Der Französische Leutnant Jules-Henri Guntzberger, damals im Frontsektor nahe der Ortschaft Langemarck, erinnerte sich später so:

"Am 22. April gegen 17 Uhr machte mich einer meiner Soldaten auf Dampfwolken aufmerksam, die 70 bis 80 Meter vor der vordersten deutschen Grabenlinie aufstiegen. Ich entdeckte dann eine rund zehn Meter hohe grüne Wolke, die unten dicker war und am Boden haftete. Diese Wolke trieb der Wind auf uns zu. Fast augenblicklich glaubten wir zu ersticken (…). Wir mussten uns zurückziehen, wurden aber von der Wolke verfolgt. In diesem Moment sah ich mehrere Männer fallen. Einige standen wieder auf und liefen weiter, fielen erneut hin und gelangten so mit vielen Unterbrechungen bis zur zweiten Grabenreihe hinter dem Kanal. Dort hielten wir an, und die Männer ließen sich einfach fallen. Bis 3 Uhr morgens hörten sie nicht mehr auf zu husten und sich zu übergeben."

Auf einer Breite von sechs Kilometer hatten die Deutschen rund 180 Tonnen Chlorgas auf die französischen Stellungen abgeblasen - der erste Giftgaseinsatz des Krieges. Während die Franzosen flohen, rückten die Deutschen nach. Doch auch die zweite große Schlacht um Ypern wurde kein Durchbruch. Die Entente hielt mit massivem Aufgebot an Maschinengewehren, Handgranaten und Flammenwerfern dagegen. Als die Offensive am 25. Mai endete, betrugen die Verluste der Deutschen rund 35.000 Mann, auf alliierter Seite lag deren Zahl etwa doppelt so hoch.

Getty Images

7. Mai 1915 - Versenkung des Luxusliners "Lusitania"

Als Reaktion auf die von den Briten verhängte Seeblockade hatte das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärt. Schiffe der Feindstaaten, so hatte die Marineleitung am 22. Februar 1915 ihre Kapitäne angewiesen, seien ohne Vorwarnung zu torpedieren. Walter Schwieger, Kapitänleutnant auf U-20, entdeckte ein solches Schiff am 7. Mai 1915 um 14.20 Uhr vor der Südküste Irlands und nahm die Verfolgung auf. In sein Kriegstagebuch notierte er:

"Es erfolgt eine ungewöhnlich große Detonation mit einer sehr starken Sprengwolke weit über den vorderen Schornstein hinaus. Es muss zu der Explosion des Torpedos noch eine zweite hinzugekommen sein (Kessel oder Kohle oder Pulver?). Die Aufbauten über dem Treffpunkt und der Brücke werden auseinandergerissen. Es entsteht Feuer, der Qualm hüllt die hohe Brücke ein. Das Schiff stoppt sofort und bekommt sehr schnell große Schlagseite nach Steuerbord, gleichzeitig vorn tiefer tauchend. Es hat den Anschein, als wollte es in kurzer Zeit kentern (…). Das Schiff bläst ab; vorn wird der Name 'Lusitania' in goldenen Buchstaben sichtbar."

Als Kapitänleutnant Walter Schwieger gegen 16.15 Uhr erneut durch sein Periskop sah, war der aus New York kommende englische Passagierdampfer "Lusitania" verschwunden. Mit dem Untergang des Luxusliners starben 413 der 702 Besatzungsmitglieder und 785 der 1257 Passagiere, darunter auch viele Amerikaner. Der Vorfall verschlechterte die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und den USA nachhaltig.

DER SPIEGEL

2. bis 4. Mai 1915 - Schlacht von Gorlice-Tarnów

Seltener Durchbruch: Dem vierstündigen Trommelfeuer am Morgen folgte der Sturmangriff der Infanterie auf die russischen Stellungen. Für die große Offensive am 2. Mai 1915 bei Gorlice-Tarnów in Galizien hatten sich die österreich-ungarischen und deutschen Truppen auf eine gigantische Materialschlacht eingestellt. 963 Geschütze und 96 Minenwerfer kamen zum Einsatz, während die gegnerische Seite über gerade einmal 350 Geschütze verfügte - und nach kurzer Zeit den Rückzug antrat, der eher einer Flucht ähnelte. Die Truppen der Mittelmächte drängten die russische Armee bis Mitte Juni rund 480 Kilometer zurück, doch trotz deren erheblicher Verluste - 100.000 Tote und 240.000 Gefangene - konnte von einem Sieg keine Rede sein.

AP

31. Mai/1. Juni 1916 - Seeschlacht am Skagerrak

Einmal und nie wieder: Der Ausgang war ungewiss, dennoch wagte es die deutsche Hochseeflotte Ende Mai 1916, die überlegende britische Grand Fleet herauszufordern - in der Hoffnung, die bedrückende und seit zwei Jahren währende britische Seeblockade zu beenden. Schauplatz dieser größten Seeschlacht des Ersten Weltkriegs war der Skagerrak, jener Teil der Nordsee zwischen der Nordküste Jütlands und der Südküste Norwegens. Der Plan der Deutschen sah vor, die Briten zu provozieren, um sie mit Hilfe von U-Booten zu vernichten. Mit rund hundert Schiffen - vom Torpedoboot bis zum Schlachtschiff - und mehr als 45.000 Mann Besatzung war die Hochseeflotte von der Basis Wilhelmshaven ausgelaufen. Am 31. Mai 1916 um 15.48 Uhr eröffneten die deutschen Schlachtkreuzer das Feuer. Was man auf deutscher Seite zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der erwartete Gegner war dank Luftaufklärung vorbereitet. Die Briten schickten ihrerseits 150 Schiffe mit rund 60.000 Mann Besatzung - und trafen auf einen schlagkräftigen Gegner. Am Ende hatten die Deutschen elf Schiffe und 2500 Mann verloren, die Briten rund 6000 Tote und den Verlust von 14 Schiffen zu beklagen. Von einer Vernichtung des Gegners konnte auf keiner Seite die Rede sein - doch mied man bis zum Ende des Krieges jede weitere Begegnung dieser Art in der Nordsee.

Getty Images

Februar bis Dezember 1916 - Schlacht bei Verdun

Frankreich ausbluten: Im mittlerweile dritten Kriegsjahr suchte die Oberste Heeresleitung nach einer Entscheidung an der festgefahrenen Westfront. Ihr neuer Plan war der Angriff auf einen Ort, den die Franzosen mutmaßlich unter Ausschöpfung aller Reserven verteidigen würden: die Festungsbastion Verdun. Schon in den ersten Tagen des Angriffs im Februar 1916 befeuerten die deutschen Truppen die mit modernen Kanonen- und Maschinengewehrtürmen ausgebauten Forts mit rund zwei Millionen Granaten.

"Nun sind wir mitten drin in diesem ungeheuerlichsten aller Kriegstage. (…) Von der wahnsinnigen Wut und Gewalt des deutschen Vorsturmes kann sich kein Mensch einen Begriff machen, der das nicht mitgemacht hat. (…) Wir sind heraußen wohl genau wie Ihr fiebrig gespannt auf den Ausgang dieses riesigen Kampfes, den Worte nie werden schildern können. Ich zweifle keine Minute an dem Fall von Verdun und dem darauf folgenden Einbruch in das Herz des Landes." Das schrieb Franz Marc, Mitbegründer der Malergruppe Blauer Reiter, in einem seiner letzten Briefe an seine Frau. Er fiel am 4. März 1916.

Die Verluste auf beiden Seiten während der ersten Monate der Schlacht waren so enorm, dass Kronprinz Wilhelm das Unternehmen eigentlich abbrechen wollte, die Heeresleitung jedoch nicht. Um die Deutschen wenigstens zu einem Teilabzug zu bewegen, starteten Briten und Franzosen im Juni parallel eine Offensive an der Somme. Tatsächlich zogen die Deutschen daraufhin ihre Reserven von Verdun ab, was den Franzosen die Gegenwehr erleichterte. Im Dezember war der anfängliche Frontverlauf beinahe wieder hergestellt und die Festung Verdun zurück in französischer Hand. Rund 143.000 Deutschen und 163.000 Franzosen hatte das sinnlose Unternehmen das Leben gekostet, einschließlich Verwundeter und Gefangener betrugen die Verluste insgesamt rund 700.000 Mann.

DPA

24. Juni bis 26. November 1916 - Schlacht an der Somme

Die größte und verlustreichste Schlacht des Krieges begann am 26. Juni 1916 an der Somme: Sie sollte die Verteidiger Verduns entlasten und die Mittelmächte bei gleichzeitigen Offensive im Osten zwischen den zwei Fronten zermürben. Dem siebentägigen Dauerbeschuss mit rund 1,5 Millionen Granaten seitens der Entente folgte der Angriff der britischen und französischen Truppen. Doch sie kamen nur langsam und mit hohen Verlusten vorwärts: Während der zwei Jahre, in denen die Deutschen an dieser Front ausharrten, hatten sie ihre Stellungen massiv ausgebaut. Die Vorwärtsdrängenden empfing Maschinengewehrfeuer. Selbst der erste britische Panzerangriff brachte keinen Durchbruch, und auch der letzte Großangriff der Franzosen im regnerischen November blieb erfolglos. Die Bilanz der vergangenen fünf Monate, während denen sich 2,5 Millionen Alliierte und 1,5 Millionen Deutsche gegenübergestanden hatten: Mehr als eine Million Soldaten waren tot, verwundet oder wurden vermisst.

bpk

Juni bis September 1916 - Brussilow-Offensive

Mittelmächte in der Mangel: Parallel zu den Kämpfen an der Westfront startete die russische Armee am 4. Juni an der Ostfront einen Großangriff auf rund 300 Kilometer Länge. Während der Hauptvorstoß im Norden erfolgte, sollte die Truppen des Generals Alexei Alexejewitsch Brussilow die österreich-ungarische Armee in Schach halten. Das tat sie aus militärischer Sicht sehr erfolgreich: Es gelang den Russen, die Ostfront der Mittelmächte im Süden um 50 bis 125 Kilometer zurückzudrängen - allerdings zu einem hohen Preis: Mit fast zwei Millionen Soldaten lagen die Verluste auf russischer Seite etwa doppelt so hoch wie auf der des Gegners.

bpk

September bis Dezember 1916 - Feldzug gegen Rumänien

Ermutigt vom Erfolg des russischen Generals Brussilow und dessen Sieg über die österreich-ungarischen Truppen gab Rumänien im August 1916 seine Neutralität auf und schloss sich der Entente an. Für die Mittelmächte eröffnete sich damit eine neue Front: Die Rumänen überquerten die Karpaten und drangen in das von Ungarn verwaltete Siebenbürgen vor. Die deutschen und habsburgischen Verbände nutzten die Zwischenzeit, um eine neue Armee aufzustellen. Sie drängten die rumänischen Truppen schließlich bis weit in deren eigenes Territorium zurück und griffen zugleich von Bulgarien aus an. Ende 1916 war Rumänien zur Hälfte vom Feind besetzt, einschließlich der Hauptstadt Bukarest.

Getty Images

31. Juli bis 10. November 1917 - Dritte Flandernschlacht

Das Ziel war weit gesteckt: Um Bewegung in das erstarrte Kräftemessen zu bringen, starteten die Briten im Juni 1917 den Versuch, deutsche U-Boot-Stützpunkte an der belgischen Küste zu zerstören. Mit einem Großbombardement eroberten sie die deutschen Stellungen nahe der Ortschaft Messines. Die Einnahme eines dortigen Höhenzuges verschaffte ihnen den nötigen Überblick zur Vorbereitung einer weiteren Offensive. Die Schlacht, die am 31. Juli begann und als Dritte Flandernschlacht in die Geschichte einging, sollte drei Monate später mit nicht viel mehr enden, als der Eroberung des Dörfchens Passchendaele. Für den lächerlichen Bodengewinn opferten die Briten rund 250.000 Mann.

"Es war mit grauenhafter Klarheit zu erkennen, dass Dutzende Schwerverwundete notgedrungen in den frischen Granattrichtern in Deckung gekrochen waren und dass rings um sie das Wasser stieg. Da keine Chance bestand, aus den Löchern herauszukommen, ertranken sie langsam" , notierte der britische Offizier Edward C. Vaughan kurz nach Beginn der Schlacht in sein Kriegstagebuch.

Auf deutscher Seite erlebte der Schriftsteller Ernst Jünger das Ereignis und resümierte später:

"Wir hatten in diesen Tagen wieder erschreckende Verluste an jungen Offizieren gehabt. Diese (…) Flandernschlacht war eintönig; sie vollzog sich in einem zähen, schlammigen Element, aber sie hatte einen starken Verzehr."

Rund 170.000 Soldaten fielen dabei auf deutscher Seite.

bpk

20. November bis 7. Dezember 1917 - Schlacht bei Cambrai

Die Stadt Cambrai, rund 200 Kilometer nördlich von Paris, galt als strategisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt - seine Anbindung ans Schienennetz erlaubte den Alliierten eine neue Art der Kriegsführung: Mit rund 400 herangeschafften Panzern wollten die Briten die deutschen Stellungen überrollen, um die Gräben des überraschten Gegners anschließend zu stürmen. Tatsächlich gelang es den britischen Sturmtruppen bei ihrem Angriff am 20. November 1917, innerhalb weniger Stunden auf 15 Kilometer Breite rund zwölf Kilometer tief in den deutschen Raum vorzudringen. Doch die Euphorie hielt nicht lange vor: Es fehlte an Personal und Material, die Geländegewinne zu verteidigen. Der Panzernachschub stockte. Bis zum 6. Dezember hatten die Deutschen das Gebiet zurückerobert. Die erste große Panzeroffensive der Geschichte kostete rund 41.000 deutschen und 45.000 britischen Soldaten das Leben.

Getty Images

Oktober bis Dezember 1917 - Zwölfte Isonzoschlacht

Elf Angriffe hatte Italien seit seinem Kriegseintritt 1915 im Grenzgebiet am Isonzo-Fluss gegen die Südfront der Mittelmächte unternommen - sie alle waren weitgehend erfolglos geblieben. Am 24. Oktober 1917 griffen die Italiener erneut an - dieses Mal mit der Hoffnung auf den entscheidenden Durchbruch, denn die österreich-ungarischen Truppen waren infolge hoher Verluste geschwächt. Doch entgegen den Erwartungen der Italiener bekamen sie Unterstützung von der deutschen Obersten Heeresleitung. Die ursprünglichen Angreifer waren einer solchen Übermacht nicht gewachsen. Dem sechsstündigen Trommelfeuer samt Giftgas-Beschuss folgte ein Sturmangriff der Mittelmächte, der die Verteidiger förmlich überrannte. Die italienischen Soldaten stoben davon. Wer konnte, versuchte dem Tod oder der Gefangennahme durch Flucht zu entgehen. Erst an der Piave gelang es Italien mit Hilfe britischer und französischer Truppen, den Durchmarsch aufzuhalten. Es war die letzte Schlacht am Isonzo - in die Geschichte Italiens ging sie als "Katastrophe von Caporetto" ein. 10.000 Italienern hatte sie das Leben gekostet, 30.000 waren verwundet und 293.000 gefangengenommen worden. Die Zahl der Toten, Verwundeten und Gefangenen auf der Seite des Gegners betrug insgesamt rund 65.000.

bpk / Geheimes Staatsarchiv, SPK

3. März 1918 - Friedensvertrag von Brest-Litowsk

Die Russen hatten genug vom Krieg: Die über Jahre währende Materialschlacht hatte das Agrarland an den Rand seiner Kräfte gebracht. Den kommunistischen Bolschewiki, die 1917 mit der Oktoberrevolution an die Macht gelangt waren, lag daran, Frieden mit den Mittelmächten zu schließen. Sie waren bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen: Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk sah die Abtretung riesiger Gebiete vor. Russland würde weit nach Osten gedrängt und fast ein Drittel seiner Bevölkerung verlieren. Zuvor, am 9. Februar 1918, hatten die Mittelmächte bereits einen Friedensvertrag mit der Ukraine geschlossen, die sich darin zu Getreidelieferungen an Deutschland und Österreich-Ungarn verpflichtete.

Getty Images

März/April 1918 - Michael-Offensive

Das letzte Aufgebot: Ermutigt vom Friedensschluss mit Russland und den Reserven aus dem Osten hofften die Mittelmächte, mit einer großen Frühjahrsoffensive den Krieg an der Westfront endgültig für sich zu entscheiden. Die Operation "Michael" sollte einen Keil zwischen die französischen und britischen Truppen an der Alliierten Front treiben. Bereits am Abend des 23. März jubelte Kaiser Wilhelm II: "Die Schlacht ist gewonnen, die Engländer total geschlagen." Doch der Vorstoß zwischen der Gemeinde Arras und dem Fluss Oise stoppte, bevor die deutschen Truppen den Eisenbahnknotenpunkt Amiens einnehmen konnten. Die Verluste auf deutscher Seite: 240.000 Mann, auf alliierter: 255.000.

bpk

8. bis 11. August 1918 - Schlacht bei Amiens

Die deutsche Frühjahrsoffensive hatte ihr Ziel, die Einnahme der Stadt Amiens, verfehlt. Stattdessen konterte die britische Armee am 8. August 1918 ihrerseits mit einem Großangriff. General Ludendorff sollte danach von einem "schwarzen Tag des deutschen Heeres" sprechen. Seine Truppen wurden zurückgedrängt, verloren allein an diesem einen Tag 27.000 Mann. Obwohl die Alliierten ihre Angriffe fünf Tage später einstellten, war die Schlacht bei Amiens für die Mittelmächte der Anfang vom Ende. Für ihre Gegner war es der Auftakt zur sogenannten Hunderttageoffensive, die schließlich mit dem Waffenstillstand am 11. November endete.

AFP

11. November 1918 - Waffenstillstand von Compiègne

Ende September schien die Situation für die deutsche Oberste Heeresleitung aussichtslos. Die Alliierten starteten einen neuen Großangriff, Bündnispartner Bulgarien hatte kapituliert, und der Unmut in der deutschen Zivilbevölkerung wie im Heer war nicht mehr zu ignorieren. Doch statt die Verantwortung für die Niederlage zu übernehmen, sollte die zivile parlamentarische Regierung die Verhandlungen mit dem Gegner aufnehmen. Sie begannen am Morgen des 8. November in einem Salonwagen der Eisenbahn im Wald bei Compiègne. Doch zu verhandeln gab es nicht viel: Die Vertreter der Entente verlasen die Bedingungen für einen Waffenstillstand. Die deutsche Delegation hatte ihrerseits den Auftrag, den Krieg unter allen Umständen zu beenden. Drei Tage später stimmte sie dem Vertrag zu, der den Friedensschluss von Brest-Litowsk samt Russlands großzügigen Gebietsabtretungen zu nichte machte. Stattdessen sah er den Abzug des deutschen Heeres über den Rhein innerhalb von 31 Tagen vor, regelte den Schadensersatz und gestattete den Alliierten die Besetzung von Mainz, Koblenz und Köln. Die Vereinbarung trat noch am gleichen Tag in Kraft. Am 11. November um 11 Uhr vormittags ruhten die Waffen; die Gefechte waren eingestellt.

Quellen:
Bruno Cabanes/Anne Duménil: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Katastrophe, Theiss 2013
Markus Pöhlmann/Harald Potempa/Thomas Vogel (Herausgeber): Der Erste Weltkrieg 1914-1918. Der deutsche Aufmarsch in ein kriegerisches Jahrhundert. Bucher Verlag, München 2014.
Deutsches Historisches Museum: Der Erste Weltkrieg
Martin Gilbert: Routledge Atlas of the First World War, Taylor & Francis 2008
Arthur S. Banks, A Military Atlas of the First World War, Pen & Sword 1997
Großer Historischer Weltatlas, Neuzeit, Bayrischer Schulbuch-Verlag, 1981
Der Große Ploetz Atlas zur Weltgeschichte, Vandenhoeck & Ruprecht, 2009

Nach Aufständen in der russischen Hauptstadt, die inzwischen von Petersburg in Petrograd umbenannt worden war, übernahmen am 1. März eine Provisorische Regierung und ein von einem Arbeiter- und Soldatenrat gewähltes Exekutivkomitee die Macht. Zar Nikolai musste abdanken.

Stalin traf am 12. März in Petrograd ein. Er und seine Gefolgsleute waren bereit, die Provisorische Regierung zu dulden, solange sie nur einen Defensivkrieg führte und die grundlegenden bürgerlichen Freiheiten gewährte. Lenin hingegen, der noch in der Schweiz festsaß, forderte den Sturz der Regierung und den sofortigen Frieden mit Deutschland.

Am 27. März 1917 bestieg Lenin den berühmten Zug, der ihn quer durch Deutschland und dann über Schweden nach Russland brachte. Stalin empfing ihn am 3. April auf dem Finnischen Bahnhof in Petrograd und vollzog sofort eine Kehrtwende - nun unterstützte er Lenins Kurs.

Kriegsminister Alexander Kerenski ordnete im Juni 1917 eine Offensive gegen das kaiserliche Deutschland an. Er hoffte, dies werde der Provisorischen Regierung Auftrieb im Volk geben. Aber Russlands letzter Angriff wurde zur Katastrophe. Die Truppen der Mittelmächte drangen tief ins Land ein. In der Oktoberrevolution wurde die Regierung von den Bolschewiki gestürzt, die sofort Friedensverhandlungen einleiteten.

Stalins Anteil an der Oktoberrevolution war gering. Dennoch erhielt er, nicht zuletzt wegen seiner Schrift "Marxismus und nationale Frage", in der ersten Sowjetregierung den Posten eines Volkskommissars für Nationalitätenfragen.

Britische und französische Truppen unterstützten im 1918 ausbrechenden Bürgerkrieg die antibolschewistischen Kräfte in Russland. Churchill meinte, der Bolschewismus müsse "bereits in der Wiege erwürgt werden". Mit seiner Forderung, sich noch stärker militärisch zu engagieren, fand er indes nicht einmal bei seinen liberalen Parteifreunden Gehör.

"Gegen Ende des Jahres 1917 schien der Tiefpunkt der Niedergeschlagenheit des Heeres überwunden zu sein", schrieb Hitler, der im März an die Front zurückgekehrt war, in "Mein Kampf": "Die ganze Armee schöpfte nach dem russischen Zusammenbruch wieder frische Hoffnung und frischen Mut."

Weil Hitler am 4. August 1918 in gefährlicher Mission eine Meldung zu den Fronteinheiten seines Regiments gebracht hatte, wurde der Meldegänger für das Eiserne Kreuz I. Klasse vorgeschlagen - der jüdische Regimentsadjutant Hugo Gutmann setzte sich für die hohe Auszeichnung ein. Der Historiker Thomas Weber ("Hitlers erster Krieg") schließt daraus, dass Hitler zu diesem Zeitpunkt noch kein glühender Antisemit gewesen sein konnte - sonst "wäre es zumindest sonderbar, dass sich ein jüdischer Offizier große Mühe gegeben haben sollte, ihm ein Eisernes Kreuz zu verschaffen".

Vielmehr sei Hitler politisch "orientierungslos" aus dem Krieg heimgekehrt. Dafür spricht auch, dass Hitler sich im Frühjahr 1919 in den Soldatenrat wählen ließ und sich einer Regierung anschloss, "die er später als heimtückisch, verbrecherisch und jüdisch beherrscht" beschrieb (Weber). Sogar im Trauerzug für den linkssozialistischen bayerischen Revolutions-Ministerpräsidenten Kurt Eisner marschierte Hitler im Februar 1919 mit - ein Film zeigt ihn mit einer schwarzen Trauerbinde und einer roten, die ihn als Anhänger der sozialistischen Revolution auswies; vielleicht war es aber auch nur jemand, der ihm ähnlich sah.

Radikal nach rechts schwenkte Hitler wohl erst im September 1919. Er besuchte eine Versammlung einer kaum bekannten kleinen Partei, die sich Deutsche Arbeiterpartei nannte. Eine Woche später trat er ihr bei. Es dauerte nicht lange, bis er die führende Figur dieser Partei wurde, die bald als NSDAP firmierte.

"Mein Kampf" schrieb er nach dem gescheiterten Putschversuch 1923 in der Landsberger Festungshaft. Darin stilisierte Hitler seine Kriegserfahrung zum Geburtsmythos der nationalsozialistischen Bewegung. In den vier Jahren an der Westfront, tönte er, habe er wie ein Prophet Offenbarungen erhalten, um Deutschland vom Trauma jener Niederlage zu befreien, das einer im Feld unbesiegten Nation von Sozialisten, Demokraten und Juden zugefügt worden sei: "Mögen Jahrtausende vergehen, so wird man nie von Heldentum reden und sagen dürfen, ohne des deutschen Heeres des Weltkrieges zu gedenken."

insgesamt 3 Beiträge
Reinhard Kupke 03.02.2014
1.
Winston Churchill hatte mitnichten das Kommando über die britischen Truppen, auch nicht über die Truppen bei Gallipoli. Er war Marineminister. Kriegsminister und damit eher Oberkommandierender war Kitchener. Das Kommando vor [...]
Winston Churchill hatte mitnichten das Kommando über die britischen Truppen, auch nicht über die Truppen bei Gallipoli. Er war Marineminister. Kriegsminister und damit eher Oberkommandierender war Kitchener. Das Kommando vor Ort hatte General Ian Hamilton.
Tobias Geisen 04.02.2014
2.
Die "Staatsoberhäupter"? , wie es der Untertitel sagt?!? Churchill war wohl nie Staatsoberhaupt.
Die "Staatsoberhäupter"? , wie es der Untertitel sagt?!? Churchill war wohl nie Staatsoberhaupt.
Steffen Jonda 09.02.2014
3.
Der Beitrag ist etwas unsauber geschrieben 1.) Churchill sorgte als Marineminister dafür, dass die Türkei (prodeutsch, aber neutral) final auf die Mittelmacht-Seite schwenkte. Warum? Weil er zwei - durch Spenden finanzierte [...]
Der Beitrag ist etwas unsauber geschrieben 1.) Churchill sorgte als Marineminister dafür, dass die Türkei (prodeutsch, aber neutral) final auf die Mittelmacht-Seite schwenkte. Warum? Weil er zwei - durch Spenden finanzierte Schlachtschiffe, die das osman. Reich in Großbritannien bauen lies ohne Not beschlagnahmte. Dazu spottete er in unerträglicher Weise gegen die Türken. Seine "Idee von den Dardanellen" ist militärpolitisch einer der grössten Fehlschläge des 1. Weltkrieges. Zudem zwang er ein neutrales Land in den Krieg (Griechenland). Nebenbei hatte er Glück als er seinen mit "DumDum-Geschossen geladenen Revolver bei einer burischen Aktion gegen die Eisenbahnlinie gerade noch entsorgen konnte. Grundsätzlich endeten Leute die ihre Patronen anfeilten mit einem Strick um den Hals. Stalin war ein Päderast - und könnte Hitler im Park getroffen haben. Na das ist mal ne Neuigkeit... seufz. Man sieht hier schön dass zuviel Nachsicht mit Verbrechern schon seinerzeit zu Ärger führen kann. Was wäre der Welt erspart geblieben hätte die wiener Polizei diesen Russen "versehentlich" erschossen. Aber nee... nix da. Hitler war von den drei tatsächlich (!) der "mutigste", meldete sich freiwillig zum Kampf und lebte tatsächlich als Schütze Arsch im Graben. Vergleicht man die drei vor 1933 ist Hitler mit weitem Abstand der symphatischte ! Churchill hatte da schon kurdische Rebellen vergast und Stalin etwa 8 Mio Ukrainer vorsätzlich verhungern lassen. Aber Hitler hat auf der "Zielgeraden" dran gearbeitet vorneweg zu kommen.... Alle drei vom Blitz beim Defäkalieren getroffen, sagen wir am 01.01.1914 - die Welt wäre wesentlich besser dran gewesen.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP