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Absurdes aus Medizin: Herzschrittmacher für die DDR

Siegfried Wittenburg Ein Fotograf gewann in den Achtzigern Einblicke in einen Sektor der DDR, der nach ganz eigenen Regeln funktionierte: die Herzchirurgie. Er lernte, wie man auch in einer Mangelwirtschaft Leben retten kann.
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#1 - 09.07.2019, 11:51 von nathan brander

begrifflichkeit

der begriff mangelwirtschaft ist hinterfragungswürdig, konkret in der heutigen zeit.
es gab keinen mangel an "waren des täglichen bedarfs", aber auch keinen überfluss.
problematisch war es natürlich in vielen anderen bereichen, wie der artikel auch beschreibt.
diese problematik jedoch nur auf das wirtschaftsystem zu beschränken, ist zu kurz gegriffen, da die ddr, wie auch viele andere länder, den wirtschaftsboykott der westlichen welt zu bewältigen hatte - was sich dann natürlich auch u.a. im medizinischen bereich wiederspiegelte.

#2 - 09.07.2019, 12:53 von Kalim karemi

Klarstellung

wer sich in der DDR verpflichtete Offizier zu werden, wurde Offizier, kein Medizinstudent, das funktionierte vielleicht bei der BW. Richtig ist, wer sich als Offizier verpflichtete, bekam seine Zulassung zum Abi, direkt an der Penne oder als Teil einer Berufsausbildung. Ärzte im Militärdienst waren nicht der Rest vom Schützenfest sondern im Allgemeinen fachlich am oberen Ende angesiedelt.

#3 - 09.07.2019, 12:55 von Lutz Boettger

Mangelwirtschaft?!

Von Mangelwirtschaft kann nur derjenige sprechen, der in einer Wegwerfgesellschaft aufgezogen wurde. Es gab eine ungleiche Verteilung der Waren, aber bei uns ist niemand verhungert oder verdurstet. Würden bei uns nur die notwendigen Lebensmittel verkauft statt dem wahnsinnigen Überangebot, würden die Menschen lernen, die Lebensmittel zu schätzen und nicht wegzuwerfen. Gleiches gilt für den billigen Elektronikrempel den man wirklich nicht benötigt. Die Menschen haben verlernt, den Wert der Waren richtig zu schätzen und einzuschätzen.

#4 - 09.07.2019, 13:07 von Andreas Kurtz

Mehr negativ geht nicht

'In der Bevölkerung verbreitete sich der Begriff "staatlich geförderte Negativauslese". ' Diesen begriff habe ich nie gehört, er ist auch sachlich falsch. Abitur konnten in der DDR nur die Top 5% (Leistung) machen, mit Ausnahmen: z.B. Eltern Partei, Bauern- oder Arbeiterkind - um die soziale Durchläsigkeit zu fördern) und von denen gingen dann die wenigsten zur Armee um das Wunschstudium machen zu können. Ja, das Studiem war kostenlos, es gab sogar Geld. Aber nicht wie hier dargestellt als Lockmittel für Dumme, sondern aus Prinzip: Freies, finanziell unabhängiges Studium. Was aus seinen 'unsebständigen Absolveten' geworden ist hätte sich leicht herausfinden können. Ich tippe sie sind alle gute Ärzte. Ich habe andere Erfahrungen mit Selbständigkeit, selbstbewusstsein und Können von DDR Absolventen. Sie waren gut ausgebildet und besser als viele, die ich jetzt von der Uni kommend kennenlerne. Dazu gibt es Studien. Eins nur noch: Leute, die gebildet sind und etwas können unterschätzen sich oft, sind nach aussen unsicher. Anders als Leute, die sich nur einbilden etwas zu können und großmäulig auftrumpfen. Das ist durch viele Studie belegt und kann jeder auch selbst beobachten. Von letzterer Sorte gibt es im Westen besonders viele. Es zählt der Auftritt, die Kleider, das Geld mehr als alles andere.

#5 - 09.07.2019, 13:12 von Michael Beinroth

Medizinstudenten aus arabischen Staaten

Zu dem Thema mit den Studenten aus arabischen Staaten in der DDR fällt mir die Geschichte ein, die meine Mutter (Ärztin) noch heute erzählt. Sie sollten im Krankenhaus Studenten aus Algerien auf das Medizinstudium in der DDR vorbereiten. Die Algerier hatten das Abitur in ihrem Heimatland gemacht, hatten aber nicht einmal Grundlagenwissen in irgendeinem Fach - den Koran konnten sie, aber es ging eben um Devisen.

#6 - 09.07.2019, 13:15 von Olaf Klischat

Zitat von nathan brander
da die ddr, wie auch viele andere länder, den wirtschaftsboykott der westlichen welt zu bewältigen hatte
Mit der Sowjetunion gab's keinen Wirtschaftsboykott, und das war immerhin das größte und ressourcenreichste Land der Welt. Den Hochtechnologie-Boykott des Westens hätte die ja aufgrund der Überlegenheit des sozialistischen Systems wegstecken müssen. Niemand hätte den Osten daran gehindert, selber vie bessere Autos, Computer, CD-Player und Geschirrspüler zu bauen. Ist halt nicht passiert. Wahrscheinlich hätte der Ostblock auch keine Hochtechnologie an den Westen geliefert -- wenn er welche anzubieten gehabt hätte. Statt dessen waren die Russen zwischendurch auf amerikanische Weizenlieferungen angewiesen, um nicht zu hungern. Letztlich haben Kommies und Yankees sich gegenseitig mit partiellen Witschaftsboykotts überzogen, und am Ende haben die besseren gewonnen.

#7 - 09.07.2019, 13:35 von André Füchsel

Märchen

Siegfried Wittenburg erzählt Märchen. Ja, nach 30 Jahren kann einen das Gedächtnis dann doch schon mal im Stich lassen. Ich habe 1986 - 89 meine Ausbildung zum Elektronikfacharbeiter mit Abitur gemacht und dort haben wir auch im sozialistischen Wettbewerb gestanden - aber selten auf Material gewartet. Es wurde gearbeitet und es wurden Platinen bestückt und Lautsprecherboxen für die Konsumgüterproduktion im Akkord zusammen gebaut. Kann mich nicht erinnern, jemals auf der Arbeit Karten gespielt zu haben.

Ja, die DDR war eine Mangelwirtschaft, es gab zwar ausreichend Grundnahrungsmittel, aber alles darüber hinaus war nur sporadisch oder gar nicht erhältlich. Trotzdem haben wir nicht schlecht gelebt. Mein Studium begann ich 1989 kurz vor dem Mauerfall und beendete es 1994 - und wir alle haben heute einen guten Beruf und von "staatlich geförderter Negativauslese" kann nicht die Rede sein.

#8 - 09.07.2019, 16:45 von Hilmar Alin

Immer noch der Klassenfeind?

So, jetzt ist also immer noch der Westen schuld daran, dass es dem Osten schlecht ging oder geht? Nicht das System war schlecht, sondern der Klassenfeind war schuld? Einige hier im Forum weinen immer noch der DDR hinterher. Es war alles nicht so schlimm wie die „Westpropaganda“ uns weis machen will. Was ist denn mit dem Unrechtsstaat, den alle in Scharen verließen? Natürlich ist unsere Überflussgesellschaft nicht der Himmel auf Erden, aber wir alle haben die Freiheit das zu ändern.

#9 - 09.07.2019, 17:07 von Matthias Makovec

am thema vorbei

sind doch die Beiträge, die die DDR schönreden. Auch da filtern die 30 Jahre sicher einiges. Hochachtung vor dem Autor hingegen: Er geht vor allem auf das Engagement und die Menschlichkeit der von ihm dargestellten Protagonisten ein. Siegfried Wittenburg ist für mich - auch und gerade wegen seiner Biografie - einer der besten Zeitzeugen - ohne Weinerlichkeit, die viele Foristen an den Tag legen.

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