Schrift:
Ansicht Home:
Forum
einestages Blogs

Der Geist aus der Sprühdose

Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die www-Version.
    Seite 1/2    
#1 - 21.11.2007, 10:07 von Stephanie Marx

Schön geschrieben. Eine kleine Ergänzung hätte ich allerdings noch: Das allabendliche "einstimmen" is meist mit diversen Drogen verbunden, was die Szene sehr schmuddlig macht. Traurigerweise nutzen auch viele der "Künstler" nicht die chancen die ihnen geboten werden um aus der Illigalität heraus zu kommen. Im grunde ist es nur der Traum auch mal wer zu sein...

#2 - 21.11.2007, 10:24 von

Also dafür, dass Graffitis sehr häufig und Taggs eigentlich immer ziemlich häßlich sind, finde ich den Text zu heroisierend und verharmlosend. An einigen Orten werden schon Autos Opfer dieser sexy und aufregenden Kunstform. Und die stillschweigende Annerkennung ist wohl eher die Gewissheit, dass man die Rotzlöffel eh nicht kriegt.

Gruss
JBD

#3 - 21.11.2007, 11:06 von

Hmm, ich bin nicht ganz so überzeugt. Ich finde der Artikel kratzt wie so viele andere zum Thema Graffiti nur an der Oberfläche. Irgendwie wirkt das alles lustlos recherchiert, klar Banksy und Taki werden erwähnt, auch die Höhe des jährlichen Sachschadens. Aber so einen Artikel liest man doch im 3-Monats-Rhythmus in jedem austauschbaren Stadtmagazin. Interessant ist dieser Artikel: http://www.readers-edition.de/2007/09/24/graffiti-writing-my-name/

#4 - 21.11.2007, 11:06 von

Schön abgeschrieben. "Anfangs genügte ein Marker oder Filzstift, um Kürzel, Zeichen oder Pseudonyme möglichst auffällig an Wänden, Türen, Bänken etc. anzubringen. Aber bald entdeckten die Akteure die Sprühdose" http://de.wikipedia.org/wiki/Graffiti
"seinen Namen bzw. "Kyselak war hier!" auf allerlei mögliche und unmögliche Plätze im Kaisertum Österreich zu schreiben und zu ritzen" http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Kyselak

#5 - 21.11.2007, 11:06 von

Die Tradition des Graffiti ist nicht richtig dargestellt. Sie beruht wohl eher auf dem Ausdrucksmittel der Rebellion gegen Faschismus der Nachkriegszeit. Ein lateinischer Name, weil in Lateinamerika unter Lebensgefahr Parolen, Wahrheiten gesprüht wurden. Und wo zuerst das Wort ist, kommt auch schnell das Bild, in den Sechzigern schon ein Protest gegen Keuschheit von Harald Naegli, dem schweizer Strichmösensprayer, den Joseph Beuys versuchte, in die Museen zun holen. Es bezeichnet die Ignoranz der Etablierten, ein Ausdrucksmittel des Sprühens, bekannt seit den Höhlenmalereien, als Kriterium für Kunst zu illegalisieren, bzw. mit netten moralischen Korrekturen zu resozialisieren, wie amüsant und schön beschrieben. Im Spühen liegt die Kraft der Vision.

#6 - 21.11.2007, 13:50 von

Sehr nett geschrieben. Da es sich nicht um einen wissenschaftlichen Artikel handelt, dürfen meines Erachtens auch Quellen zitiert werden ohne dies kenntlich zu machen.
Ich war früher selbst einer von diesen, wenn auch weniger pickeligen, möchtegern Coolen. Für mich stand jedoch immer der Ausdruck der eigenen Kreativität im Vordergrund. Und da war ich nicht gerade ein Einzelfall. Klar macht das Verbotene einen erheblichen teil des Reizes dieser Kunst aus, jedoch haben wir damals darauf geachtet kein persönliches Eigentum zu beschädigen. Das man zuvor gerne mal einen Joint geraucht hat ist richtig, aber das macht die Jugend heute auch ohne sich danach kreativ zu betätigen. Man kann also nicht behaupten das diese Szene den Drogenkonsum zur Pflicht macht. In meiner Umgebung (Mannheim) wurde Mitte der 90er Plätze geschaffen an denen man legal sprühen durfte und wir nutzten diese mit Begeisterung. Und welch hervorragende Kunst durch legales Graffiti entsteht kann zeigen Künstler wie "Daim".

#7 - 21.11.2007, 13:51 von

Geschmiere bleibt Geschmiere.
Und wenn das Zeug noch so doll aussehen mag - was bei den wenigsten der Fall ist.
Möchte mal wissen, wie einer von diesen Sprayern reagiert, wenn ich denen einen fettes "I WAS HERE" auf ihre dämlichen Baggy Pants sprühe? "Wie, das magst Du nicht? Ach so, das ist ja dein Privateigentum!"
Ich lebe bei Düsseldorf und früher lebte ich in Berlin. Beides Städte, die geradezu wiederlich verschmiert sind.
Meiner Meinung nach müsste jeder Sprayer zivilrechtlich belangt werden (strafrechtlich ist ja eh nichts zu machen). Und wenn es nichts zu holen gibt, dann bei den Eltern... oder gleich harzt4 kürzen

#8 - 21.11.2007, 15:00 von

Sprüher werden zivilrechtlich belangt. Aber die Eltern zu belange oder Hartz 4 zu kürzen, kommen Sie, bleiben wir mal sachlich hier. Und Geschmiere bleibt Geschmiere ist auch so eine immer wieder aufkommende Plattitüde... und so wie die Fotografie das Ende der Malerei eingeleitet hat, wird wohl auch Graffiti bei Schwarzmalern immer Geschmiere bleiben. Wie der damalige New Yorker Bürgermeister Edward Koch schon in einer Pressekonferenz zum Thema Graffiti gesagt hat: Time will tell

#9 - 21.11.2007, 17:48 von

Nun ja ich staune immer wieder, wie versucht wird mit dem Argument "Grafitti ist Kunst" Sachbeschädigung zu verharmlosen.
Zugegeben, Grafitti kann Kunst sein, allerdings ist es an den falschen Orten auch, wie in der im Beitrag angedeutet, Sachbeschädigung.
Computerviren und Trojaner sind aus EDV-sicht auch kleine Wunderwerke. Ist das jetzt auch Kunst?
Ich finde Graffiti häßlich und Betroffenen müssen zusätzlich öfters mal die Wand neu streichen, da fehlt das Verständnis für solche Texte. "Time will tell" hin oder her. Mit ein bischen Suche findet man bestimmt auch schlaue Zitate in anderer Richtung.
Grundsätzlich finde ich es bedenklich wenn das Eigentum anderer vorsätzlich beschädigt wird.

#10 - 22.11.2007, 10:29 von

Der Artikel an sich hat nichts Neues generiert. Der Autor stellt jedoch die Rolle von TAKI183 sachlich falsch dar. Es ging TAKI183 vor allem darum, mittels seiner Tags als "King of the Town" resp. als "King of the City" in Erscheinung zu treten. In einer anonymen Millionen-Metropole wie New York, hat sich TAKI183 mittels seiner Tags aus eben dieser Anonymitaet der Masse hervorgehoben. Das ist der Sinn und Zweck des Tags resp. des Taggings. Diese Einmaligkeit hat erst anderen Menschen den "Wahnsinn" Stadt vor Augen geführt. Eine ernste Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex "Staedteplanung-Staedtebau-Ghettoisierung" wurde erst durch das konstruktive Schaffen der Writer und Writerinnen (so nennen sich die faelschlicherweise als "Sprayer" titulierten) initiiert. Ich habe es mal in einem meiner Aufsaetze zum Thema Graffiti folgendermassen formuliert:"Der Kahlheit und Hospitalisierung des oeffentlichen Raumes kann mittels Grafitti Einhalt geboten werden". Grafitti entlarvt somit, unter Anderem die staedteplanerischen Bau- und Planungssünden lokaler Stadtverordneter und konfrontiert die Legislative, die Judikative und die Exekutive kurzum die "Gesellschafts-Verwalter" mit ihrem eigenen Versagen resp. ?hrer eigenen Kapitulation um die Sorge und Sicherheit ihrer Bürger und Bürgerinnen. In der aktuellen Diskussion um Grafitti werden letztlich aus Opfern Taeter gemacht. Kinder und Jugendliche werden mittlerweile als potenzielle Terroristen gebrandmarkt, weil sie sich an einer, ach so heiligen, Hauswand entfaltet haben. Vor allem sollten die Kinder uns heilig sein, denn sie sind Unsere Zukunft (sic!). Waende, Haeuser, Staedte, Staaten und ihre Regierungen sind so vergaenglich wie das Leben.

Muri Eren (3Jungfrauen Hip Hop Network/Frankfurt a.M.)

P.S.:
Profunde Infos zum Thema Grafitti unter www.einwandfrei.org

    Seite 1/2