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Erstbesteigung des Kilimandscharo: Als Deutschlands höchster Berg 6010 Meter maß

Roger de la Harpe/ Education Images/ Universal Images Group/ Getty Images "Hurra, Hurra, Hurra!" Drei Jahre lang hatte er es probiert, am 6. Oktober 1889 stand der Deutsche Hans Meyer tatsächlich auf dem Gipfel des höchsten Berg Afrikas. Chronik eines Triumphs, der bis heute für Streit sorgt.
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#1 - 06.10.2019, 15:34 von Wolfgang Schermuly

Siedethermometer

Meyer war auch der erste, der auf dem Kilimandjaro Wasser gekocht und die Temperatur gemessen hat. Die muss 79.88 C betragen haben. Fuer einen lauwarmen Kaffee oder ein 15 Minuten Ei haette das vielleicht noch gereicht. Daraus leitet sich ein Luftdruck von 354 mmHg (Meereshoehe 760 mmHg) ab, woraus man die Hoehe 6000 m bestimmen kann. Unsere Vorfahren waren gar nicht so bloed, wie sie ausschauten.

#2 - 06.10.2019, 15:35 von hans roland

Bekomme beim lesen Gänsehaut -

Erinnerungen werden wach.Ich reiste alleine durch Ostafrika,1972 mit 23 Jahren.Ich war fit,kam um Mitternacht nacht nach Arusha.Durch den Kontakt eines Busfahrers konnte ich in der Rezeption eines alten Hotels übernachten.Ich trank mit einem Ingenieur für Meerschaumabbau(Sepiolith) -einem Freund Hemmingways die halbe Nacht.Mußte mich in Moshi einer Gruppe des YMCA Hannover anschließen,alleine auf den Kilemanjaro geht es nicht.Der Aufstieg bis 4800 m klappte ohne Probleme.Auf der letzten Hütte vor dem Gipfel in der Nacht, bekam ich rasende Kopfschmerzen,fror trotz zwei Paar Handschuhen und zwei Schlafsäcken.Ich lief in der Nacht um die Hütte,zwischendurch wärmte ich mich in der verräucherten Hütte der Träger am Feuer.Am nächsten Morgen begann ich den Abstieg,ohne Kopfschmerzen und froh gestimmt erreichte ich am Abend Moshi. Danke Leben ! Klarname Roland Zipfel Mannheim

#3 - 06.10.2019, 15:36 von Rolf Elmar Hofmeister

Wäre ja auch unerträglich

wenn da mal wieder ein Deutscher mit einem Kompagnon der Erste gewesen wäre. Geht ja gar nicht ! Es gibt übrigens auch immer noch Verwirrte die glauben, die Gebrüder Wilbur und Orville Wright seien als erste mit einem motorisierten Fluggerät geflogen, oder Christoph Columbus habe die neue Welt entdeckt. Dabei war der deutsche Gustav Weißhaupt den Amerikanern zwei Jahre zuvorgekommen und lange vor Columbus erreichten die Ureinwohner, Afrikaner, Wikinger und vermutlich sogar phönizische Segelschiffe Amerika. Und ob nun Tenzing Norgay oder Sir Edmund Hillary zuerst auf dem Gipfel des Mount Everest gestanden hat, ist eigentlich ohnehin wurscht : ohne Norgay hätte es Hillary gar nicht erst bis zum Gipfel geschafft. Die Besteigung des Kibu war Ende des 19. Jahrhunderts auch nur im Team möglich. Deshalb gebührt eigentlich allen Beteiligten (auch den einheimischen Trägern) der Ruhm, die Erstbesteigung ermöglicht zu haben.

#4 - 06.10.2019, 16:24 von Immanuel Möbius

Heute...

Wenn man heute den Gipfel des Kilimandscharos besteigt, sieht man nur noch ganz oben einige kleine Schneefelder, die Gletscher sind verschwunden. Als Meyer den Gipfel bestieg, war alles noch wie viele Jahrtausende zuvor, da die Industrialisierung grade erst begonnen hatte.
Heute wird der Aufstieg von diversen Veranstaltern professionell organisiert, was aber immer noch wie damals ist, das ist die Auswirkung der Höhe. Auch wenn viele Veranstaltet behaupten, fast jeder kommt hoch, stimmt das so nicht. Die Höhe kann man auch nur sehr aufwendig trainieren, insofern muss man einfach schauen, ob es geht. Das Erlebnis oben zu stehen ist immer noch überwältigend, aber die Gesundheit ist es nicht wert. Das unterschätzen viele.

#5 - 06.10.2019, 17:23 von Werner Meise

Zitat von Wolfgang Schermuly
Meyer war auch der erste, der auf dem Kilimandjaro Wasser gekocht und die Temperatur gemessen hat. Die muss 79.88 C betragen haben. Fuer einen lauwarmen Kaffee oder ein 15 Minuten Ei haette das vielleicht noch gereicht. Daraus leitet sich ein Luftdruck von 354 mmHg (Meereshoehe 760 mmHg) ab, woraus man die Hoehe 6000 m bestimmen kann. Unsere Vorfahren waren gar nicht so bloed, wie sie ausschauten.
Sie wären allerdings vielleicht noch schlauer gewesen, wenn sie weiter unten stündlich das gleiche Experiment auf "bekannter" (bzw. bestimmbarer) Höhe gemacht und hinterher abgeglichen hätten. Aber am Ende des Tages macht es natürlich keinen großen Unterschied.

#6 - 06.10.2019, 17:39 von Michael Clemens

Michael Clemens Tansania versus Kamerun

Z.Z. Meyers lag der Kilimandscharo in der deutschen Kolonie Kamerun, Ostafrika (Diercke Atlas 1906) Die deutsche Kolonie Kamerun war übrigens eingebettet zwischen den Kolonien britisch Ostafrika und britisch Zentralafrika. Meyer taxierte die Höhe des Kilimandscharo mit einem Siedethermometer auf 6000m. In Berlin korrigiert man die Höhe auf 6010m und damit liegt Meyer, bezogen auf einer erneuten späteren Messung um mehr als 100m daneben. Angesichts des bescheidenen Meßequipments von Meyer, möge man ihm dieses aber verzeihen. Die Wirkungsweise damaliger Thermometer beruht auf der Ausdehnung der Meßflüssigkeit im Kapillarrohr des Thermometers - und diese Flüssigkeit dehnt sich nicht exakt proportional zur Temperaturerhöhung aus.

#7 - 06.10.2019, 20:21 von Alexander Biron

Hm

Wenn man sich die damaligen Verhältnisse vor Augen führt, dann glaube ich kaum, dass ein lokaler Helfer es gewagt hätte vor dem Deutschen auf dem Gipfel zu sein: Damals waren die Deutschen die Herren und sahen die lokalen Einwohner als minderwertige Menschen an. Wenn damals ein Deutscher meinte eine nationale Tat für den Kaiser vollbringen zu können (wie die Erstbesteigung eines symbolträchtigen Berges) hätte er nie und nimmer erlaubt, dass ein (damals so genannter) Eingeborener ihn diese Ehre abnimmt und zuerst oben ist. Der Lokale wäre vermutlich erschossen worden wenn er sich so etwas angemaßt hätte.

Also: Natürlich war das Teamarbeit. Und eigentlich ist es egal, wer dann die letzte Stufe zuerst erklommen hat. Aber vermutlich war es ein Vertreter der Kolonialmacht.

#8 - 07.10.2019, 07:01 von Karl Kern

Ein Jahr später

Zitat von hans roland
Erinnerungen werden wach.Ich reiste alleine durch Ostafrika,1972 mit 23 Jahren.Ich war fit,kam um Mitternacht nacht nach Arusha.Durch den Kontakt eines Busfahrers konnte ich in der Rezeption eines alten Hotels übernachten.Ich trank mit einem Ingenieur für Meerschaumabbau(Sepiolith) -einem Freund Hemmingways die halbe Nacht.Mußte mich in Moshi einer Gruppe des YMCA Hannover anschließen,alleine auf den Kilemanjaro geht es nicht.Der Aufstieg bis 4800 m klappte ohne Probleme.Auf der letzten Hütte vor dem Gipfel in der Nacht, bekam ich rasende Kopfschmerzen,fror trotz zwei Paar Handschuhen und zwei Schlafsäcken.Ich lief in der Nacht um die Hütte,zwischendurch wärmte ich mich in der verräucherten Hütte der Träger am Feuer.Am nächsten Morgen begann ich den Abstieg,ohne Kopfschmerzen und froh gestimmt erreichte ich am Abend Moshi. Danke Leben ! Klarname Roland Zipfel Mannheim
im Juni 1973 konnte ich alleine (natürlich mit Führer und zwei Trägern) ab Marangu Hotel losmarschieren. Die "Ausrüstung" konnte ich mir vom Hotel ausleihen (der Manager war ein Deutscher namens Richter). Ich war noch einen Tick jünger, meinen 19. Geburtstag konnte ich auf der Horombo-Hütte mit einem Bier und Siegeskranz (auf dem Rückweg vom Gilmans Point) feiern. Den Uhuru habe ich nicht geschafft. War irre! Heute ist das sicher kein Erlebnis mehr.

#9 - 07.10.2019, 14:01 von Thomas Becker

Ärgerliche Stimmungsmache

"Weil sich heute mit dem Kilimandscharo-Tourismus viel Geld verdienen lässt, suggerieren Reiseveranstalter gerne, das Ganze sei ein Spaziergang, machbar selbst für Senioren. Doch jedes Jahr sterben Wanderer an den Folgen der Höhenkrankheit." - Während man dem letzten Satz ohne Diskussion zustimmen muss, ist der erste einfach eine ärgerliche Stimmungsmache und stößt total negativ unter dem ansonsten sehr lesenswerten Beitrag heraus. Ich lebe seit Jahren am Kilimanjaro und kann versichern, dass jeder seriöse Reiseveranstalter auf die Gefahren der Höhenkrankheit aufmerksam macht. Sicher ist jeder der jährlich etwas mehr oder weniger als zehn toten Touristen zu betrauern. Aber die meisten von ihnen sterben nicht wegen des Berges, sondern weil sie nicht auf ihren Körper hören. Ein Lungenödem kündigt sich zumeist rechtzeitig an, ein Hirnödem ebenso. Wenn ich mit rasselndem Atem oder extremen Kopfschmerzen nicht selber auf die Idee komme, umzudrehen, wenn ich sogar der Empfehlung des Bergführers widerspreche, dann kann es schlimm enden. Wenn ich am Berg reichlich Alkohol konsumiere, kann ich umkommen. Wenn ich, um mich auf höhere Höhen zu puschen, meinen Körper mit Diamox überliste und dann in einer Höhe höhenkrank werde, von der der Abstieg deutlich länger dauert als von weiter unten, dann kann es zu spät sein. Nebenbei bemerkt - ich hatte schon einen 72-Jährigen zu Gast, der mit Herzschittmacher den Uhuru-Peak erreicht hat. Es kommen viele Faktoren zusammen, ob man es schafft oder nicht. Aber den Reiseveranstaltern anzulasten, dass sie das Leben ihrer Gäste leichtfertig mit Werbeaussagen aufs Spiel setzen, ist nicht seriös. Es sind auch schon Journalisten in Ausübung ihrer Tätigkeit gestorben. Sind daran Universitäten, Journalistenschulen oder Verlage schuld, weil sie Werbung für diesen Beruf machen? P.S.: Jedes Jahr sterben mindestens doppelt so viele Träger am Kilimanjaro wie Touristen. Das wäre vielleicht eine nähere Betrachtung wert gewesen.

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