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Kunterbuntes Wirtschaftswunder

Mit dem Käfer ins Grüne, an jeder Straßenecke ein James Dean, und daheim stopft Mutter Strümpfe: Kaum einer hat das deutsche Wirtschaftswunder so perfekt festgehalten wie Jupp Darchinger. Der neue Bildband des Fotografen lässt die Zeit zwischen 1952 und 1967 auferstehen. Von Katja Iken
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#1 - 16.07.2014, 15:30 von xxxxxxx yyyyyyyyy

Interessantes Buch

Ein interessantes Buch,das dem Betrachter nochmals (falls er älter ist) oder erstmals (falls er jünger ist) das Wirtschaftswunder nahebringt.
Randbemerkung:Das Foto mit den Jungen am Bonbon-Automaten dürfte Josef Darchinger heute vermutlich gar nicht mehr schießen.Man stelle sich vor,ein Mann fotografiert auf der Straße ein paar Jungen.Der würde vermutlich in dieser hysterischen,übersexualisierten Welt gleich des Kindesmissbrauchs bezichtigt.

#2 - 17.07.2014, 08:41 von Ingo Meyer

Genau so war es!

Der erste neue VW - gebrauchte gab es ja kaum - und dann ab in die Natur. Genau so ein Bild habe ich auch. Meine Eltern konnten sich nur den VW in Standard-Ausführung leisten. Der war so simpel, wie der Ur-Käfer von 1938. aber man konnte mit zwei Flügelschrauben die vorderen Sitze ausbauen und so bequem ohne Luftmatratzen Falten zu müssen, vor dem Auto im freien sitzen. Man sollte wissen: Familien, die sich damals einen neuen Käfer leisten konnten, waren so gestellt, wie die,,die sich heute eine opulente E-Klasse neu kaufen - und zwar als Privatwagen!
Die Beschreibung es Bildes vom Marktplatz in Deggendorf bezüglich der Tristesse, die durch den Dunst hervorgehoben wird, teile ich nicht. Zwei Omnibusse mit Panorama-Fenstern künden von erwachter Reiselust. Es gab auf dem Markt genügend Lebensmittel und die ersten Nachkriegsfahrzeuge parkten da auch schon. Für mich ist das Aufbruch. Auf allen diesen Bildern kommt zum Ausdruck, wie ordentlich das Volk damals war. Selbst die Kinder vor Arbeiterhäusern waren verhältnismäßig gut angezogen. Die Dekadenz, dass an Werk zerrissene Hosen mehr kosten, als Hosen ohne Löcher, liegt ja noch ein halbes Jahrhundert in der Zukunft! Danke für die Bilder! Der Bildband sollte Pflichtlektüre im Gemeinschaftskunde-Unterricht der Schulen werden - aber nicht kommentiert von 68-Lehrern, sondern Zeitzeugen!

#3 - 01.09.2015, 01:50 von Ulrich Hartmann

Zu Bild 7

Die Bildzeitung kostete damals nicht "umgerechnet 5 Cent", sondern 10 Pfennig. Es ist völliger Unsinn, das nach dem Kurs von 1999 in Euro umzurechnen. Es gab den Euro damals nicht; wer weiß, wie sein Kurs - der sich ja aus einem Korb europäischer Währungen zusammensetzte - gewesen wäre. Andererseits Betrug die Kaufkraft von zehn Pfennig damals weit mehr als fünf Cent.

#4 - 01.09.2015, 05:07 von Juan Feodor

Retro

Die Fotos selbst sind Schlaglichter, die fast wehtun. Die Bildzeitung kostete 5 Cent, heute 80 Cent, eine Inflation von 1.600 % seit 1952.

Die Menschen lebten in Familienverbänden und taten vieles gemeinsam. Familie war ungeheuer wichtig und Mittelpunkt des Lebens. Die Kinder waren schön. Kaum eines trug eine Brille, sie waren gesund und kräftig und nicht psychotisch.

Der Arbeiter im Saarland baute sein eigenes Haus. Kennen Sie heute in Arbeiter, der sein eigenes Haus für seine Familie bauen kann? Fast alle Grundlagen der heutigen Zivilisation waren gelegt, aber ohne diesen Firlefanz, der nur ablenkt.

Alles ist viel schneller geworden, bis hin zur Hektik und Hysterie. In den 50-er Jahren arbeitete man noch am Samstag, die Strassenbahn kostet einen Groschen, aber am Sonntagnachmittag traf man sich gemütlich und entschleunigt bei einer guten Tassen Kaffee und Kuchen im grossen Familienverband. Und alle lachten.

Eine Zivilisation entwickelt sich zurück. Die Evolution läuft auch rückwärts.

#5 - 01.09.2015, 06:22 von Wulfing von Rohr

wie kann jemand, dessen geburtsjahr 1925

sein soll, "heute" 82 sein ? oder hab ich da was falsch gelesen/verstanden?

#6 - 01.09.2015, 09:49 von Heinz Breuer

1957 ein verbreitetes Freizeitvergnügen."

Schön wärs gewesen, die Realität war leider ganz anders. 1957 gab es etwa 2 Millionen Autos, da war ein Ausflug ins Grüne mit dem eigenen Auto für weit über 90% aller Familien ein Wunschtraum.
1957 ging mein Vater mit mir sonntags in den Bonner Rheinauen spazieren, etwa ab 1960 mit sieben durfte ich mit ins Bonner WoKi, dem Wochenkino, um die Wochenschau zu sehen.

#7 - 26.04.2016, 00:35 von Thomas Schlinkmann

Woki...

Herrlich, Herr Breuer, auf das "alte" Woki in der Gangolfstrasse in Bonn verweisend, eine absolute Institution in Bonn für einige Generationen. Ich habe leider das WOKI nur als Nonstop-Kino erlebt, wo zum Schluss ( bis Mitte/Ender der 80er ???) dritt- und viertklassige Filme nonstop liefen. Man zahlte zum Schluss ca. Drei DM und konnte sich solange, wie man wollte, im Kinosaal aufhalten. Dementsprechend sah der Kinosaal auch ab nachmittags aus. Ich meine, dass das WOKI um neun Uhr öffnete, so dass es ein Anlaufpunkt für Schüler war, die den Unterricht schwänzten. Verdammt, wie lange ist das her...Für Nichtbonner: vor gut zwanzig Jahren wiederbelebten Cineasten das WOKI in den Räumlichkeiten der ehemaligen Universum-Lichtspiele am Bertha-von-Suttbet-Platz, heute eine Kino-Institution in Bonn.

#8 - 27.04.2016, 23:33 von Peter Braczko

Jupp Darchinger: Das Vorbild

Das Darchinger-Buch ist wirklich empfehlenswert. Ich traf ihn noch vor der Wende beim Juso-Parteitag in Hamburg und einer Ausstellungseröffung in der Düsseldorfer Nikon-Zentrale, denn mittlerweile stiegen auch die Ansprüche seiner Auftraggeber und "Jupp" fotografierte mit einer motorisierten Nikon F2 (damals das edelste und schnellste Fotogerät auf dem Markt). Für uns Pressefotografen war er Vorbild, er hatte auch ein gutes Gespür für politische Themen und pflegte gute Kontakte zur SPD. Bekannt ist auch sein Foto von der bisher einzigen Kabinettssitzung einer Regierungskoalition in einem Garten.

#9 - 04.02.2018, 08:35 von Willy Müser

der heute 82-Jährige

Jupp Darchinger ist am 28.7.2013 mit 87 Jahren gestorben.

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