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Mensch Marx!

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#1 - 13.03.2008, 10:03 von

Leider - so muss man konstatieren - trifft Franz Walter, immerhin einer der wenigen bekannten Politikwissenschaftler, nur selten die Sache. Dieser Beitrag hebt sich erstaunlich positiv ab, solange man das Werk, die Inhalte von Marx nicht in den Mittelpunkt stellt und kurz und prägnant den Mensch beschreiben möchte.

Dem Bonmot am Ende kann ich dagegen wenig abgewinnen, weil er geradezu mustergültig das Reflektions- und Erkenntnisdefizit derjenigen charakterisiert, die sich selbst wohl für die linke Mitte halten. Aufklärung war gestern und heute brechen wir den Erkenntnisvorgang vor dem möglichen Fazit ab.

Bei aller inhaltlicher Differenz, die man zu Marx' Werken und noch mehr zu den Irrwegen seiner späteren Anhängern berechtigt haben kann, ist das Gesamtwerk des Mannes für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, wie auch für abstrakte Systemtheorie mehr als nur bahnbrechend. Den "Mann mit Rauschebart" würde man heute natürlich ins Jobcenter schicken, wie man auch Kant von der Universität im heutigen Kaliningrad auf die Straße gesetzt hätte, der 20 Jahre keinerlei evaluierbare Veröffentlichungen vorzuweisen hatte.

Nun könnte man beginnen, nachzudenken, ob der totalitäre Ökonomismus, der sich anschickt, auch noch die letzten Lebensbereiche des Privaten zu vereinnahmen, heute den Rückfall in voraufklärerische Erkenntnisunfähigkeit nicht geradezu strukturell bedingt und zivilisatorischen Fortschritt schon allein deswegen gar nicht mehr stattfinden kann.

Man kann es aber auch lassen.

#2 - 13.03.2008, 13:48 von

Ich finde es immer gut, wenn man sich über berühmte Persönlichkeiten der Gegenwart und Vergangenheit ein umfassendes Bild machen möchte, nur die Einseitigkeit wiederspiegelt nie ihr wirkliches Leben.
Der Herr Professor Franz Walter hätte sich aber noch mehr mit den Ergebnissen von Marx auseinandersetzen sollen, so zeigt er uns nur die Seite, die man gerne in den Boulevardblättern zu vorscheien bringen möchte.Wenn sie geistig, wissenschaftliche arbeitende Menschen mit einen Niveau von einfachen Menschen vergleichen, dann können sie nie diese Personen richt erfassen. Auch in unserer heutigen Zeit können sie nicht alles Menschen mit den anderen vergleichen, sie werden dann nur sehr oberflächig sein.
Aber es ist auch richtig, mal die andere Seite dieser Persönlichkeiten aufzuzeigen, es werden zu viele dieser Leute immer nur als Halbgötter dargestellt und angehimmelt, obwohl es diese Menschen nie wollten, aber wir Menschen brauchen nun mal sogenannte Halbgöttern, aber wir misbrauchen sie auch immer zu gerne und das hat dann kaum was mit den Leistungen dieser Persönlichkeiten zu tun.
In der Zeit der Wende stand mal auf dem Sockel von Marx und Engel, das auf dem ehemaligen Marx-Engels-Platz in Berlin stand geschrieben. "Das haben wir nicht gewollt" Und so ist es auch, denn alles was wir Menschen tun wollen wir immer einigen Persönlichkeiten zuschreiben. Auch Marx und Engel haben sich so bestimmt nicht die Zukunft vorgestellt, wie sie die sogenannten sozialistischen Staaten in ihren Namen missbraucht hatten.

#3 - 13.03.2008, 15:44 von

Wie es Traxler schon sagte:

Karl Marx in London

Tagsüber schreibt er voller Hektik
an einem Buch über Dialektik.
Am Abend trinkt er drei, vier Guiness
und schimpft auf Thyssen, Krupp und Stinnes.


Sonderbar ist doch, dass noch immer Friedrich Engels nicht entsprechend gewürdigt wird.

Friedrich Engels war, obwohl Aussenseiter, doch ein nicht zu verachtender Gesellschaftswissenschaftler, seine Die Lage der arbeitenden Klasse in England lässt sich auch heute noch mit Gewinn und vor allem flüssig lesen.

Dabei war Friedrich Engels vor allem Praktiker, er hat sich in England als Importeur von Trikotagen (hündischer Kommerz in seinen eigenen Worten) nicht überarbeitet und konnte sich dennoch mit fünfzig zur Ruhe setzen.

Friedrich Engels war auch journalistisch tätig, u.a. (unter dem Pseudonym Karl Marx) für die New York Tribune, gegen für die damalige Zeit ansehnliche Honorare, die er nicht erhalten hätte, wenn er ein Stümper gewesen wäre.

Friedrich Engels hatte schon zu seiner Zeit die Globalisierung nicht nur erkannt und durchschaut, sondern auch für sich nutzbar gemacht. Wenn jemand heute jemand die Globalisierungsgegner als verwirrte Kleinbürger und -geister auslachen würde, dann doch er.

Auch seine politische Entwicklung vom Revolutionär zum Reformer lässt den Schluss zu, dass Friedrich Engels, im Gegensatz zu denen, die sich heute noch auf Marx berufen, lernfähig war und deine Umwelt mit wachen Sinnen beobachtete.

Es ist daher wünschenswert, mehr auf Friedrich Engels einzugehen.


#4 - 14.03.2008, 18:17 von

Mensch Hildebrandt!

Sie haben doch den Karl Marx als einen wiederspenstigen, für die Erwerbarbeit unfähigen Sonderling dargestellt, dabei war er der klugste Kopf seiner zeit, der wirklich was bewegt hat mein lieber Freund, auch wenn wir beide mit seiner Volkswirtschaftslehre nicht ganz einich sind.

In England ist er als allerklugster Mensch betrachtet, nur in seinem spießigen Heimatsland wird er niemals ein Profet!

#5 - 14.03.2008, 20:13 von

>Bei aller inhaltlicher Differenz, die man zu Marx' Werken und noch mehr zu den Irrwegen seiner späteren Anhängern berechtigt haben kann, ist das Gesamtwerk des Mannes für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, wie auch für abstrakte Systemtheorie mehr als nur bahnbrechend.>
>Nun könnte man beginnen, nachzudenken, ob der totalitäre Ökonomismus, der sich anschickt, auch noch die letzten Lebensbereiche des Privaten zu vereinnahmen, heute den Rückfall in voraufklärerische Erkenntnisunfähigkeit nicht geradezu strukturell bedingt und zivilisatorischen Fortschritt schon allein deswegen gar nicht mehr stattfinden kann.
>
>Man kann es aber auch lassen.

Bahnbrechend war Marx ohne Zweifel, allerdings brach er in die völlig falsche Richtung durch.

Er hat Fakten - meist aus zweiter Hand - scharfsinnig analysiert, eine von mehreren möglichen Möglichkeiten zum Vermischen und Aufbacken in fester "wissenschaftlicher" Form gewählt und danach - bei ausgeschaltetem systemischen Feedback-Loop - seine dogmatisch durchtränkten "Gesetze" den willigen Aktionisten, denen der Unterbau fehlte, überlassen.

In meinen Augen besteht der Marx'sche Kapitalfehler aus der irrsinnig falschen Interpretation der naturwissenschaftlich nicht wirklich erfassbaren Faktoren Geld, Wert und Arbeit, die dann in einem falschen Beziehungsgeflecht systemisch eingebettet und übergossen wurden.

Das wahrlich Tragische ist es, dass Marx einen so hoch geschätzten Irrweg eingeschlagen hat, dass die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis heute die "Lehren" von Marx nicht zu entsorgen wagte. Mit anderen Worten leiden Gesellschaft und Ökonomie unter einem schon 125 Jahre betragenden Stillstand der systemischen Grundsatzforschung.

Ohne ein revolutionär neues Verständnis und eine neue Theorembildung in Bezug auf Geld, Wert, Arbeit (die Liste ist länger) wird diese für uns alleinig selbstverständliche judeo-christlich monotheistische Sozioökonomie mit großen Getöse noch in diesem Jahrhundert in sich zusammenstürzen.

Leider sind es Marx und seine Werke, die eine riesige strukturelle und inhaltliche Schuld an und Verantwortung für den Rückfall in voraufklärerische Erkenntnisunfähigkeit hat.

Marx hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem zivilisatorischen Fortschritt einen monströs massiven Riegel vorgeschoben.

Und das sage ich, dessen Familie seit ca. 1875 nicht nur marxistisch geprägt wurde, sondern auch in vorderster Reihe Marxismus weltweit mit verbreiten hat. Ich halte mich bis heute für einen Marxisten, allerdings für einen, der Marx so gründlich sanieren will, dass keiner mehr den alten Marx in der neuen Haut erkennt.

Mkhai-Robert Soran von Großwardein, geb. Schwartz

#6 - 14.03.2008, 20:13 von

Ich möchte das hier ungern als allgemeines Diskussionsforum entfremden, aber hier fühle ich mich direkt angesprochen, daher vielleicht ein wenig Verständnisaustausch hinterher:

>Bahnbrechend war Marx ohne Zweifel, allerdings brach er in die völlig falsche Richtung durch.
>
>Er hat Fakten - meist aus zweiter Hand - scharfsinnig analysiert, eine von mehreren möglichen Möglichkeiten zum Vermischen und Aufbacken in fester "wissenschaftlicher" Form gewählt und danach - bei ausgeschaltetem systemischen Feedback-Loop - seine dogmatisch durchtränkten "Gesetze" den willigen Aktionisten, denen der Unterbau fehlte, überlassen.

Das alles klingt für mich auf die Person Marx bezogen, unfair - als Ausdruck einer ex-post-Beurteilung, für die ihm aus seiner eigenen Lage ex-ante so nicht als eine Art Schuld angehängt werden kann, vor allem ohne historischen Kontext. Mit den "willigen Aktionisten, denen der Unterbau fehlte" deuten Sie zumindest ersteres immerhin auch selbst an.

>In meinen Augen besteht der Marx'sche Kapitalfehler aus der irrsinnig falschen Interpretation der naturwissenschaftlich nicht wirklich erfassbaren Faktoren Geld, Wert und Arbeit, die dann in einem falschen Beziehungsgeflecht systemisch eingebettet und übergossen wurden.

Auch das kann ich so nicht sehen. Marx' Arbeitswerttheorie ist in der Vorstellung einer naturwissenschafts-ähnlichen Gültigkeit in vielem zu kritisieren, letztlich stellt sie aber auch "nur" ein philosophisches Dogma auf und baut darum ein plausibles Gedankengebäude auf. Damit unterscheidet sie sich nicht negativ von anderen oder heutigen Theorieangeboten und ist auch nicht "falscher" als neoklassische Denkansätze. Dennoch bietet sie nicht zuletzt auch durch ihre Fehler viele Ansätze zum Erkenntnisfortschritt. Ich finde, dies kann man als außerordentliche Leistung schätzen, denn wer ist schon fehlerfrei auf Neuland unterwegs.
Grundsätzlich "systemisch falsche Beziehungsgeflechte" kann ich aber auch nicht erkennen. Marx' Nachwelt blieb es vorbehalten "den Kapitalisten" auch als Mensch zum Feind zu stilisieren und nicht stärker in auch seiner vom System determinierten Rolle zu erkennen.

Ansonsten gehe ich mit Schumpeter konform, der verschiedene Theorien nicht a priori als sich ausschließend betrachtet, sondern in mehreren, sich überlagernden Ebenen denkt. Insofern gehört auch Marx' Kapitalismusmodell nach wie vor zu den bedenkenswerten, sofern man auf Erkenntnis aus ist.

>Das wahrlich Tragische ist es, dass Marx einen so hoch geschätzten Irrweg eingeschlagen hat, dass die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis heute die "Lehren" von Marx nicht zu entsorgen wagte. Mit anderen Worten leiden Gesellschaft und Ökonomie unter einem schon 125 Jahre betragenden Stillstand der systemischen Grundsatzforschung.

Sehe ich auch nicht. Ich habe mittlerweile eine ganze Reihe alter und junger Publikationen, die auf Marx Grundlagen plausible Entwicklungsarbeit leisten und ihn teils weiterentwickeln, teils Fehler ersetzen.

Zudem ignoriert die Neoklassik die Widerlegung einiger ihrer Grundpfeiler durch die Cambridge-Cambridge-Debatte ja bis in die heutige Zeit mit den entsprechenden Verheerungen in der Realökonomie.

>Ohne ein revolutionär neues Verständnis und eine neue Theorembildung in Bezug auf Geld, Wert, Arbeit (die Liste ist länger) wird diese für uns alleinig selbstverständliche judeo-christlich monotheistische Sozioökonomie mit großen Getöse noch in diesem Jahrhundert in sich zusammenstürzen.

Welche "diese Sozioökonomie" ? - Das vorherrschende Verständnis, wie Kapitalismus funktioniere oder explizit das Marxsche Verständnis ?

>Leider sind es Marx und seine Werke, die eine riesige strukturelle und inhaltliche Schuld an und Verantwortung für den Rückfall in voraufklärerische Erkenntnisunfähigkeit hat.
>
>Marx hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem zivilisatorischen Fortschritt einen monströs massiven Riegel vorgeschoben.

Soll ich darauf jetzt ernsthaft etwas antworten ? - Der Vorwurf ist absurd, weil es eine völlig unrealisitische langlaufende monokausale Geschichtslinie zeichnet, die in der Realität so gut wie nie vorkommt. Revolution und Reform stehen immer in einem Spannungsverhältnis mit dem bestehenden und Erfolge und Mittel hängen immer von denen ab, die die Macht wollen und denen, die sie innehaben.
Und die Vokabel "voraufklärerisch" halte ich für noch unangebrachter, ist das Dogma oder der Rückgriff auf nicht zu hinterfragende Thesen und Mythen doch gerade in der Linken nicht zu beobachten.

>Und das sage ich, dessen Familie seit ca. 1875 nicht nur marxistisch geprägt wurde, sondern auch in vorderster Reihe Marxismus weltweit mit verbreiten hat. Ich halte mich bis heute für einen Marxisten, allerdings für einen, der Marx so gründlich sanieren will, dass keiner mehr den alten Marx in der neuen Haut erkennt.

>Mkhai-Robert Soran von Großwardein, geb. Schwartz

Wenn Sie dies als Anspruch formulieren möchte ich Ihnen Ausdauer und Glück wünschen. Es kann sich lohnen.

#7 - 14.03.2008, 20:13 von

Marx - wie Engels - war Sozialwissenschaftler, nicht Philosoph!
Lars Hennings
Anmerkungen zu Walters Marxverriß

Marx sei es nicht gelungen, Theorie zu konzipieren, sondern nur als Kritiker habe er Bedeutung, schreibt Walter in EinesTages für Spiegel-online (13.3.08), und er sei als der "Vernichter" seiner Feinde wie Freunde bemerkenswert. Auf die letzte Schiene der Walterschen Hinweise gehe ich nicht ein, obwohl selbst der Beleg, Marx sei Hypochonder gewesen, schwer fallen dürfte. Diese "Vernichtung" jedenfalls war bezogen auf philosophische Sätze ein eingeführter Begriff. Doch für die Anerkennung der bedeutenden Funktion in der Sozialwissenschaft, die er zusammen mit Engels wesentlich begründet hat, will ich eine Lanze brechen, weil ich dazu gerade umfänglich geforscht habe (Lars Hennings, Marx, Engels und die Teilung der Arbeit - ein einführendes Lesebuch in Gesellschaftstehorie und Geschichte, ISBN 978-1-84799-058-7; download der Einführung (74 Seiten) siehe: http://www.larshennings.de/wiss-1-1.htm).
Die Anerkennung Marx' und Engels' als bedeutende historische Figuren der Sozialwissenschaft, die sie zusammen inhaltlich wesentlich bereits 1845 konzipiert haben, schafft eine neue Sicht auf ihr Gesamtwerk. Schon Max Weber, der Marx für "unseren großen Denker" hielt, und der entgegen der oft anzutreffenden Meinung mitnichten Marx widerlegte, sondern sich gegen dessen Epigonen wandte, hat Marx zugeordnet, mit dem Idealtypus zu arbeiten, den Weber für seine eigene Wissenschaft selbst definiert hatte. Heute wichtige soziologische Sätze, wie den von den unintendierten Folgen rationalen Handels, werden von Marx und Engels formuliert, die u. w. m. auch die Differenz von Handlungs- und Systemtheorie schon implizit erkannt haben.
Schon 1845 begründen sie ein Konzept der sozialen Evolution, und das geraume Zeit, bevor Darwin 1859 jenes zur biologischen Evolution vorstellte. Diese Theorie Sozialen Wandels blieb allerdings bis um 1930 unveröffentlicht, erst wenige Monate vor Darwin publizierte Marx dann den "allerersten" Band des Kapitals "Zur Kritik der politischen Ökonomie" mit einer Skizze dieses Ansatzes. Marx und Engels distanzieren sich ab 1845 immer wieder von der Philosophie im allgemeinen, die sie für aufgehoben, für ahistorisch, halten, weil es nun darum ginge, die moderne positive Wissenschaft zu begründen. Dabei ist diese positive Wissenschaft eng an Empirie, an Erfahrungswissen und damit an der seinerzeit schon erfolgreichen Naturwissenschaft angelegt. Sie ist aber nicht Positivismus im späteren Verständnis, sondern es wird deutlich, diese methodische Vorstellung der positiven Wissenschaft ist zu ergänzen durch eine Form der Dialektik, die nicht mehr die teleologische, auf ein göttliches Ziel hinführende Form Hegels ist, sondern sie ist eine neue Marxsche Dialektik, die im Kern nur dafür steht, daß die empirisch aus der Wirklichkeit gewonnenen Tatsachen dialektisch, und das heißt für sie: prozeßhaft interpretiert werden müssen. Und: es geht um eine Analogie zur Naturwissenschaft, nicht um Naturgesetze, wenn sich das heutigen LeserInnen auch leicht so darstellt, wenn Marx von den Naturgesetzen der kapitalistischen Produktion spricht. Doch diese Formulierung, etwas, das wie Naturgesetze in der Gesellschaft wirkt, als Naturgesetze zu bezeichnen, ist in der damaligen Nationalökonomie Konsens, wie noch Max Weber ausführt. Daraus folgt, 1845 wird von Marx und Engels ein gesellschaftliches Modell, wie wir heute (analog eines Klimamodells) sagen würden, geschaffen, das die wirklichen Prozesse gesellschaftlicher Entwicklung analysiert, das Werden und Vergehen, das mithin nicht von einer Teleologie und auch nicht von einem Determinismus ausgeht. Marx ist also nicht mehr Philosoph, und er ist nicht schlichter Ökonom, denn seine politische Ökonomie versteht er als Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft, also als Gesellschaftswissenschaft, heute wäre das Soziologie und nicht etwa Volkswirtschaft.
Übrigens wurden beide auch politisch mißverstanden. Ihre wenigen Hinweise auf politischen Perspektiven, die sie nicht geben wollten, um nicht unwissenschaftliche Wahrsagerei zu treiben, machen deutlich: es ging ihnen um die Entwicklung einer basisdemokratisch und ökologisch denkenden Gesellschaft auf Basis von Gemeineigentum. Und nicht nur die Herrschaft sollte beendet werden, sondern auch die Art der Arbeit sich qualitativ verändern. Auch die berüchtigte Diktatur des Proletariats hatte mit der sowjetideologischen Diktaturform nichts zu tun, sondern war die nach der verlorenen Revolution von 1849 entwickelte Garantie einer freien Wahl zu einer deutschen Nationalversammlung, bei der auch Reaktionäre teilnehmen sollten. Sie gingen auch nicht von der Unterordnung der Individuen unter die Gesellschaft aus. Umgekehrt: "An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist". So steht es im "Kommunistischen Manifest" von 1848.
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Fortsetzung, ca. 2 Seiten, dazu ein 35-seitiger Aufsatz zur Soziologie bei Marx und Engels und Einführung zum o. g. Buch (74 S.), sowie ein Rezensionsexemplar unter:
http://www.larshennings.de/wiss-1-1.htm

#8 - 16.03.2008, 11:11 von

"Betrachten wir nun den wirklichen weltlichen Juden, nicht den Sabbatjuden, wie Bauer es tut, sondern den Alltagsjuden. Suchen wir das Geheimnis des Juden nicht in seiner Religion, sondern suchen wir das Geheimnis der Religion im wirklichen Juden. Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches sein wirklicher Gott? Das Geld" Auch ein Zitat von Karl Marx. Leider wird der Antisemitismus in Marx Werken nicht erwähnt.

Wer trotzdem mehr wissen möchte:
http://husuma.punk-am-ring.de/index.php?print=&aktion=eintrag_anzeigen&menue_id= 51&eintrag_id=182

#9 - 17.03.2008, 09:19 von

Moin,
mir scheint der Blick auf Marx zu SPD falsch angelegt. In der historischen Entwicklung wird deutlich, wie erst Marx und Engels mit ihren Ansätzen kamen, Leute um sich sammelten, wie Lassalle und Wilhelm Liebknecht, später Bebel, und die Sozialdemokratie erst langsam entstand, als SPD erst nach den Sozialistengesetzen 1891. Marx wie Engels waren nicht Mitglied, sondern wollten für alle Sozialisten offen sein (von Sozialistinnen sprachen sie nicht).
Gruß
larshennings.de

#10 - 17.03.2008, 09:19 von

>"Betrachten wir nun den wirklichen weltlichen Juden, nicht den Sabbatjuden, wie Bauer es tut, sondern den Alltagsjuden. Suchen wir das Geheimnis des Juden nicht in seiner Religion, sondern suchen wir das Geheimnis der Religion im wirklichen Juden. Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches sein wirklicher Gott? Das Geld" Auch ein Zitat von Karl Marx. Leider wird der Antisemitismus in Marx Werken nicht erwähnt.
>
>Wer trotzdem mehr wissen möchte:
>http://husuma.punk-am-ring.de/index.php?print=&aktion=eintrag_anzeigen&menue_id= 51&eintrag_id=182

Einen Antisemitismus gibt es bei Marx nur in der Weise, zugleich auch alle andere Religion abzulehnen. An der erwähnten Stelle setzt Marx wenig später den praktischen Christen als den Bourgeois mit dem gläubigen Juden gleich. Gegen den entstehenden Antisemitismus haben sich Marx und Engels durchaus gewandt.

Gruß
larshennings.de

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