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Münchner Revolution 1918: Eisner gegen alle

/ Heinrich Hoffmann Er wollte Frieden und griff zu radikalen Mitteln. Im November 1918 rief Sozialist Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus, veröffentlichte dann Geheimakten zur deutschen Schuld am Ersten Weltkrieg - die "Eisner Leaks".
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#1 - 08.11.2018, 11:30 von Christian von Kutzleben

Die Reichsbahn gab es 1918 noch nicht ...

also wird es wohl kein D-Zug der Reichsbahn gewesen sein

#2 - 08.11.2018, 11:56 von Thomas Berger

deutsche Schuld am 1. Weltkrieg

Die deutsche Schuld am 1. Weltkrieg wird hierzulande leider noch immer massiv geleugnet. Fast ausnahmslos findet man in den Feuilletons seriöser deutscher Presseorgane die Darstellung, dass Europa in diesen Krieg gerutscht sei, ohne dass man eine konkrete Schuld benennen könne.

Es wird Zeit, durch Artikel wie diesen auch dieses finstere Kapitel deutscher Geschichte und insbesondere der deutschen Sozialdemokratie aufzuarbeiten.

#3 - 08.11.2018, 12:24 von Thomas Keferstein

Ich finde dass der

erste Weltkrieg sehr gut in Deutschland aufgearbeitet worden ist. Und die These von der Alleinschuld des Deutschen Reiches für den Kriegsbeginn 1914 lässt sich schon lange nicht mehr aufrechterhalten. Das sagen bereits genügend renommierte Historiker. Vor allem auch im Ausland. Aber darum geht es einigen nicht. Hier ist es nur wichtig das Deutschland die Schuld hat. Im übrigen kann man die sogenannten "Eisner-Leaks" wohl kaum als Kriegsschuldbeweis ansehen. Das sind Pläne eines Generalstabs, die gemacht werden müssen, wenn ein Zweifrontenkrieg droht. Das ist natürlich für reine Zivilisten schwer zu verstehen, ändert aber nichts an der militärischen Notwendigkeit.

#4 - 08.11.2018, 13:19 von Reinhard Kupke

Chancen auf einen milden Frieden?

Wer kommt denn auf diese Idee? Wo doch Georges Clemenceau, der französische Ministerpräsident, die Friedenskonferenz von Versailles mit den Worten eröffnete: "Endlich ist der Tag der Rache für 1870/71 gekommen." In der französischen Öffentlichkeit galt der Slogan "Deutschland wird bezahlen." Da gab es nie eine Chance auf einen milden Frieden. Clemenceau allerdings wurde nach Abschluß des Vertrages in Frankreich geschmäht, weil die Deutschen zu gut davongekommen wären.

#5 - 08.11.2018, 13:34 von Thomas Berger

@3, Thomas Keferstein
Die Aufarbeitung der Kriegsschuld ist mitnichten gut vollzogen worden. Die Crux ist ja gerade, dass viele Historiker, selbst die im beteiligten Ausland, die relevanten Quellen, hier Eisner-Leaks genannt, vollkommen ignorieren. Die von Ihnen angeführte Begründung mit militärischen Notwendigkeiten ist geradezu absurd, denn das deutsche Militär hat mit größtem Vorsatz dadurch ja gerade das erreicht, was es nach Ihrer Darstellung unbedingt verhindern wollte.

@#4, Reinhard Kupke
Der Krieg war für die Deutschen von dem Moment an verloren, als die USA in den Krieg eintraten. Das Friedensangebot Wilsons hätten auch die Hardcore-Nationalisten unter den Franzosen nicht einfach hinwegfegen können. Anfang 1918 bestand die Möglichkeit eines Friedensschlusses, der die weitere Entwicklung des 20. Jahrhunderts radikal verändert hätte. Vielleicht hätte sogar schon in den 1920er Jahren eine EU entstehen können ...

#6 - 08.11.2018, 14:41 von Peter BAuerbach

Absurd

Der 1. Weltkrieg begann nachweislich mit dem Attentat von Sarajevo und dem drauf folgenden Ultimatum und der Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien.
Dass alle anderen Großmächte "kriegsgeil" waren und durch diverse Bündisse kaum abwarten konnten sich gegenseitig sofort den Krieg zu erklären ist eine andere Geschichte.
Dass ein jüdischer Sozialist durch seinen Geheimnisverrat einen milderen Firedensvertrag hätte erwirken können ist reine Fantasie, Eisner hat den Siegermächten gar erst die nötige Munition geliefert nach Kriegsende ihre Hände in Unschuld zu waschen. Und so steht insbesondere Eisner gerade zu sinnbildlich für die Dolchstoß-Legende einer sozialistischen jüdischen Verschwörung im Dt. Reich, selbst wenn er damit eine guten Zweick verfolgt haben will.

#7 - 08.11.2018, 14:57 von Reinhard Kupke

@5

Das ist doch klar, dass mit dem Eintritt der USA in den Krieg dieser für die Mittelmächte verloren war. Die US-Soldaten waren frisch und ausgeruht, alle anderen, sowohl Entente als auch Mittelmächte waren erschöpft und ausgeblutet. Alles weitere, was Sie schreiben, ist wäre, hätte, könnte usw. und damit leere Behauptung und ohne Belang. Und was die Schuld angeht. Über wenige Dinge der Weltpolitik ist soviel geschrieben und geforscht worden wie über den Ausbruch des WK 1. Die Kriegsschuld wurde dabei immer so dargestellt, wie es der schreibenden Seite genehm war. Das hat sich aber in den letzten vielleicht 30 Jahren deutlich geändert. jedenfalls wird diese Frage seitdem häufig deutlich neutraler dargestellt. Die Eisner- Akten sind dabei nur ein paar Papiere unter vielen, noch dazu durch Herrn Eisner stark gekürzt und so akzentuiert, dass sein Anliegen, nämlich der Nachweis der deutschen A

#8 - 08.11.2018, 15:35 von Martin Pfaffenzeller

Liebe Leserinnen und Leser,

vielen Dank für Ihre Beiträge! Leider kann ich nicht allen antworten, aber ich lese hier mit.

Zum Zug: Die Reichsbahn wurde tatsächlich erst nach Eisners Fahrt gegründet. Wir haben die entsprechende Stelle im Text korrigiert.

Zum milden Frieden: Richtig, Clemenceau stand innenpolitisch unter Druck und proklamierte in der Öffentlichkeit eine kompromisslose Linie gegenüber dem Deutschen Reich. Doch er führte die Verhandlungen nicht alleine, sondern gemeinsam mit Lloyd George und vor allem mit Wilson. Der US-Präsident begrüßte Eisners Friedenspolitik und warb für mildere Bedingungen. Wilson und Clemenceau rangen hinter den Kulissen um die Verhandlungslinie der Entente und der Franzose machte durchaus Zugeständnisse. Die uneinsichtige und wenig konzessionsbereite Linie der deutschen Delegation aber verringerte Wilsons Engagement bei diesem Ringen.
Ein deutsches Schuldbekenntnis im Sinne Eisners hätte vermutlich Vertrauen gestiftet, Wilsons Position gegenüber Clemenceau gestärkt und damit die Chance für einen milderen Frieden erhöht - unabhängig von der Frage, wer nun wirklich schuld war.

Beste Grüße
Martin Pfaffenzeller

#9 - 08.11.2018, 21:03 von erwin fortelka

Ein rechtsradikaler Graf

....ermordet Kurt Eisner, die Begründung des Attentäters spricht für sich, sie muss nicht weiter kommentiert werden. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden ebenfalls ermordet. Und es waren die rechten Freikorps, die offenbar schon genug Macht und die Möglichkeiten hatten, solche Morde zu verüben. Morde an Menschen, die eben ihren politischen Weg in eine Demokratie nach dem Kaiserreich und nach dem Ersten Weltkrieg suchten. Nur dieser Weg gefiel den noch mächtigen Eliten nicht, und die SPD schaute zu und machte mit, Noske:"Einer muss ja den Bluthund machen." Aber noch einige Bemerkungen zur Kriegsschuldfrage: Der Hamburger Historiker Fritz Fischer hat nachgewiesen, und ich betone nachgewiesen, dass die deutsche Regierung die Hauptverantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkriegs trug. Seine Thesen sind (auch nach dem Historikerstreit, der dann in der BRD folgte) nie mehr ernsthaft infrage gestellt worden. Und noch eine Bemerkung zum Versailler Vertrag: Wenn man sich das Septemberprogramm der deutschen Reichsregierung von 1914 ansieht, dann sind die Bestimmungen des Versailler Vertrages für das Deutsche Reich noch vergleichweise milde ausgefallen. Und eine letzte Bemerkung zum Ausgangspunkt dieses Artikels: Die Republik von Weimar ist nicht von der politischen Linken und der politischen Rechten zerstört worden, sondern ausschließlich von der politischen Rechten.
Erwin Fortelka (Klarname)

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