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Mutter der Erlebnisgastronomie

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#1 - 25.03.2013, 09:11 von Mathias Völlinger

Berlin 1929

Ganz interessant finde ich das Bild Nr. 12. Schöner Blick nach Kreuzberg. Ganz hinten rechts der Anhalter Bahnhof. Und wenn man auf diesem Bild hinter dem Haus Vaterland nach links abbiegte, wäre man ein paar Jahre später vor dem Hauptquartier der Gestapo und der SS gestanden. Quasi gegenüber von Görings Luftfahrtministerium, nun, dieses Gebäude steht heute noch und beherbergt heute das Bundesfinanzministerium. Kurz und gut, Berlin war mal kurzzeitig Weltstadt und wird dies nie wieder sein. Rechte und linke deutsche Kleinmeierei, jedoch mit jeweiligem Absolutheitsanspruch, haben dies hintereinander ein für allemal kaputtgemacht. Den Krieg und all die Gräuel hätte es diesbezüglich nicht einmal bedurft und auch heutige Engstirnigkeit und Bedenkenträgerei werden eine wirkliche Renaissance Berlins zu verhindern wissen.

#2 - 25.03.2013, 09:12 von Willi Kramme

Sehr empfehlenswert ist auch der Krimi "Die Akte Vaterland" von Volker Kutscher, Köln 2012, bei dem das Haus Vaterland und auch der Kellner Bayume Mohamed Husen wichtige Rollen spielen.

#3 - 25.03.2013, 09:26 von Gunther Egermann

1972 habe ich das Haus Vaterland in unkonventioneller Weise mit meinem Kumpel Günter "besucht". Als 14-jähriger war ich eigentlich abkommandiert im Elektrofachgeschäft Heizkörper für die Schullötkolben zu besorgen. Die Ruine faszinierte mich gewaltig, und so suchten wir nach einem Eingang, den wir auch fanden. Wie gefährlich das war konnte ich mir seinerzeit nicht ausmalen, sei es durch die morschen Böden oder die Blicke des Vopos im hinteren Bereich des Gebäudes. Der wird sich nicht schlecht gewundert haben, über die beiden Pimpfe.
Bis heute in Erinnerung eine große Treppe, selbst Speiskarten lagen noch herum. In einem Fahrstuhlschacht, so das Gerücht, sollte noch ein Oldtimer stehen. Wer das überhaupt gestreut hat weiß ich heute nicht mehr. Wir stiegen sicher 2 Stunden in dem Gebäude herum, bis uns der "Arsch auf Grundeis" ging, als mein Kumpel tatsächlich fast eingebrochen wäre.
Für mich war das mein größtes Abenteuer der Jugendzeit. Mir war, als könnte ich noch die Musik hören, machmal erinnerte mich das ganze auch an die Titanic. Die Vergangenheit so unglaublich nah. Schließlich gingen wir ziemlich überstürzt stiften, ich weiß nicht mehr genau, aber ich glaube irgendjemand rief da.
Ich ärgere mich heute, nicht wenigstens eine Speisekarte gerettet zu haben.
Irgenwann wollte ich da noch mal rein, aber das Gebäude war besser gesichert und eines Tages weg. Schade drum.

#4 - 25.03.2013, 14:01 von Stanislaus Bonifatz

Schönes Beispiel, wie vergnügungssüchtige Zeiten enden können. Vom Kunstgewitter ins Stahlgewitter.

#5 - 17.03.2014, 11:44 von Kai Bonte

Mutter der Erlebnisgastronomie

Exotischer Spaß im "Vaterland": Mit einem Dutzend Themenrestaurants lockte ein gigantischer Vergnügungstempel in den zwanziger Jahren Berlins Partyvolk mit Speisen aus aller Welt, japanischem Tee, türkischem Kaffee und Wild-West-Romantik. Doch das weltoffene Ambiente existierte nicht lange. Von Linus Geschke

#6 - 01.02.2016, 13:42 von zlatan Cosnowich

Klasse Artikel!!!

5 von 5 Sternen!
Noch besser als der Artikel über den storchen Papa in Kolumbien!
:)
euer Zlatan_23

#7 - 18.09.2018, 11:38 von Christian Holzapfel

mei

Ich kann mir nicht helfen. Aber wenn ich mir diese wundervollen Bilder anschaue, und mir im Kopf die spätere Zerstörung all dessen vor Augen führe kommt irgendwie Wut in mir auf, auf all die Menschen, die es soweit haben kommen lassen. Hitler war von all dem Irsinn der zuvor geschah das natürliche Ergebnis. Und es wiederholt sich gerade wieder.