Schrift:
Ansicht Home:
Forum
Gesundheit

Helfer in der Not: Warum Geschwister für psychisch Kranke so wichtig sind

Getty Images/iStockphoto Wenn ein Mensch psychisch erkrankt, leidet meist auch das Umfeld. Bruder und Schwester werden dabei häufig übersehen, dabei können sie die Betroffenen unterstützen. Mitunter brauchen sie aber auch selbst Hilfe.
zum Artikel
Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion im Artikel.
#1 - 16.02.2019, 20:58 von hagenfrost

Geschwister

Es gibt sicherlich Geschwisterpaare, auf die das zutrifft, aber diese Rolle könnten genauso gut, wenn nicht gar häufiger und effektiver, Freunde übernehmen. Heutzutage gibt es in deutschen Familien ja auch nahezu keine Geschwister mehr.
Und wenn, dann lebt man nur noch selten in der Nähe, sieht sich zu selten und kann sich daher Urteile übers Befinden kaum mehr erlauben. Abgesehen davon wird, sehr befremdlich, in dem Text das Wort „Geschwister“ wie „Geschwisterteil“ benutzt - das geht aber nicht im Deutschen - genauso wenig wie man „Eltern“ im
Singular benutzen kann - was soll denn das ?!

#2 - 16.02.2019, 21:23 von kelcht

die Bande bleiben ja teilweise bis ins hohe alter erhalten. Mit höhen und Tiefen am Ende kann man darüber lachen oder kann mit seiner psychischen Vulnerabilität leben und Geschwistern und Eltern durchaus etwas zurückgeben. Mir fielen da gute Anekdoten ein wie Paragliding zum 50. man kann häufig von einem Happy End reden. Es ist auch schade und verfälschend das Familie hier im Forum häufig mit Hartz4 Dynastie gleichgesetzt ist und Vereinsamung und das brechen von Banden eigentlich das größte Gift ist.

#3 - 17.02.2019, 01:49 von tombadil1

@1

Ich weiß nicht wie es mit dir aussieht, aber ich habe einen kleinen Bruder und er ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Auch wenn er inzwischen nicht mehr daheim wohnt und man sich nicht mehr jeden Tag sieht.
Er ist 21 und ich bin bald 24 Jahre alt.

#4 - 17.02.2019, 08:03 von PaulMeister

Das trifft 1zu1 auch auf Ehepartner / Lebenspartner zu

Meiner bisherigen persönlichen Erfahrung, als Angehöriger nach, kann ich sagen, dass die im Artikel angesprochenen Defizite direkt auch von den Geschwistern auf andere nahestehende Angehörige übertragen werden können.

Meine Frau leidet seit vielen Jahren unter Depressionen, war schon mehrmals auch stationär in Behandlung und ist seit vielen Jahren natürlich auch in ambulanter Behandlung bei wechselnden (2) Psychologen. Wo bei der stationären Behandlung meist noch versucht wird, seitens der Klinik die Angehörigen mit einzubeziehen, wird man bei den Psychologen (unsere -> es gibt sicher auch andere nur sind wir denen noch nicht begegnet) als bemühter, zeitweise verzweifelter Angehöriger, sogar als Störfaktor begriffen. Wiederwillig wird akzeptiert, wenn man als Partner mal an einer Behandlung dran teilnimmt, aber bei einem Mal ist dann auch gut (Zitat: "Sie sind ja nicht mein Patient") und das leidige Thema "Angehörige mit einbeziehen" dann auch abgehakt. Ein Psychologe in einer Tagesklinik hat sogar in der ersten Stunde der Behandlung versucht die Ursache der Depression auf mich als Partner zu schieben, ohne mich zu kennen oder je mit mir gesprochen zu haben und vor allem mit der Information, dass die Depression bei meiner Frau schon lange da war, bevor ich sie überhaupt kennengelernt habe. Da fällt einem dann auch nichts mehr dazu ein.

Ich glaube diese tollen (jungen?) Erkentnisse Angehörige in die Therapie mit einzubeziehen sehen zwar in Studien toll aus, werden aber praktisch, warum auch immer, nicht praktiziert.

Wir haben mittlerweile die Hoffnung verloren, einen Psychologen zu finden, der zum einen ernsthaft um den Behandlungserfolg bemüht ist und zum anderen auch die Angehörigen in seinen Therapieplan mit einbezieht.

#5 - 17.02.2019, 09:54 von freigeistiger

Therapien bearbeiten Symptome

Zitat von PaulMeister
Meiner bisherigen persönlichen Erfahrung, als Angehöriger nach, kann ich sagen, dass die im Artikel angesprochenen Defizite direkt auch von den Geschwistern auf andere nahestehende Angehörige übertragen werden können. Meine Frau leidet seit vielen Jahren unter Depressionen, war schon mehrmals auch stationär in Behandlung und ist seit vielen Jahren natürlich auch in ambulanter Behandlung bei wechselnden (2) Psychologen. Wo bei der stationären Behandlung meist noch versucht wird, seitens der Klinik die Angehörigen mit einzubeziehen, wird man bei den Psychologen (unsere -> es gibt sicher auch andere nur sind wir denen noch nicht begegnet) als bemühter, zeitweise verzweifelter Angehöriger, sogar als Störfaktor begriffen. Wiederwillig wird akzeptiert, wenn man als Partner mal an einer Behandlung dran teilnimmt, aber bei einem Mal ist dann auch gut (Zitat: "Sie sind ja nicht mein Patient") und das leidige Thema "Angehörige mit einbeziehen" dann auch abgehakt. Ein Psychologe in einer Tagesklinik hat sogar in der ersten Stunde der Behandlung versucht die Ursache der Depression auf mich als Partner zu schieben, ohne mich zu kennen oder je mit mir gesprochen zu haben und vor allem mit der Information, dass die Depression bei meiner Frau schon lange da war, bevor ich sie überhaupt kennengelernt habe. Da fällt einem dann auch nichts mehr dazu ein. Ich glaube diese tollen (jungen?) Erkentnisse Angehörige in die Therapie mit einzubeziehen sehen zwar in Studien toll aus, werden aber praktisch, warum auch immer, nicht praktiziert. Wir haben mittlerweile die Hoffnung verloren, einen Psychologen zu finden, der zum einen ernsthaft um den Behandlungserfolg bemüht ist und zum anderen auch die Angehörigen in seinen Therapieplan mit einbezieht.
Den stärksten prägenden Einfluss hat das Umfeld. Therapien, Coaches etc. können das nur unterstützen. Sie können nicht ursächlich Probleme beheben. Bei Depressionen gibt es hirnanatomische Rückbildungen, die die Probleme machen. Sie bilden sich mit neuem Lernen und Erfahrungen zurück. Grundvoraussetzung ist eine gute Persönlichkeit (Das ICH, Achtsamkeit). Man darf, muss sogar, eine Portion egoistisch, selbstbewusst und aggressiv sein. Um seine Wünsche und Interessen zu vertreten und durchzusetzen, und um Übergriffe und Einflussnahmen Anderer abzuwehren. Das bewirkt auch eine andere Ausstrahlung auf Andere, und entsprechende Rückmeldungen. Weiter wichtig ist ein gutes persönliches Umfeld. Gut heißt zuverlässig, vertrauensvoll und intellektuell förderlich. Das bedeutet Sicherheit und Unterstützung. Kurz, den Anderen ernst nehmen und wahrnehmen. Therapien werden überschätzt. Menschen sind kein Auto das man reparieren kann. Es geht nur über neu lernen und prägen. Selbsbehauptungsschulung und Antiaggressionstraining (Schutz vor Aggressionen und Übergrifflichkeiten Anderer) halte ich für zielführender.

#6 - 17.02.2019, 11:46 von kartoffel911

Bruder, Ich und nun der Sohn

Ich haette gerne dass wir mit psychischen Krankheiten so umgehen, als waere es ein Schnupfen oder besser, als waere ein Bein ab. Jeder sollte wissen dass jemand psychisch krank ist und jeder sollte damit umgehen koennen. Wenn's Bein ab ist, dann fraegt dich niemand ob man mit zum Fussballspielen geht und Mitleid oder Betroffenheit braucht es auch nicht.

Von der Wissenschaft wuensche ich mit, dass psychische Krankheiten so ernst genommen werden wie Krebs. Forschen, forschen, forschen...

Als ich 12 Jahre alt war, wurde mein Bruder Schizophren. Von da ab lernte ich die Psychatrie als Besucher kennen. 30 Jahre spaeter erkranke ich selbst an Depression und lerne seit dem die Psychatrie als Patient kennen. Weil ich mich so gut auskenne, habe ich meine eigenen Probleme gut im Griff. Das ist kein Problem mehr, sondern das ist einfach so. Vor 6 Wochen kam mein 16-jaehriger Sohn in die Jugendpsychatrie. Im wurde Depression und UHR (ultra high risk, das ist ein Zustand dem mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb der naechsten 12 Monate eine noch ernstere Krankheit, vielleicht Schizophrenie, folgt). Wir haben also sehr viel Spass mit der Psychatrie.

Jammern bringt nichts. Andere Familein haben ein hohes Krebsrisiko oder einfach nur einen Autounfall. Aber bei der Psychatrie ist die Gesellschaft gefordert. Krebs versuchen wir zu heilen, fuer Behinderte tut sich was bei der Inklusion. So ein Wandel sollte auch fure die Irren passieren.

#7 - 17.02.2019, 19:03 von only me

nicht nur Depressive

Ich habe über mehrere Jahre miterlebt, wie ein kleines Mädchen im Schatten seiner viel jüngeren Schwester stand, welche an Krebs erkrankt war. Das Kind wurde überhaupt nicht mehr bemerkt, alles drehte sich jahrelang um die krebskranke Schwester. (die leider ihr Augenlicht verlor) Mir hat sie sehr leid getan, weil von ihr ständig Verständnis für die Krankheit ihrer Schwester verlangt wurde.
Ich glaube nicht, dass ein gesundes Kind sich in eines seiner Geschwister, welches Depressionen hat, hinein versetzen kann. Allerdings weiß nicht welches die richtige Hilfe für Alle wäre.
mfG

#8 - 17.02.2019, 21:23 von spon_1804815

Küchenpsychologie

Hier wird pauschal von psych. Erkrankungen gesprochen. Dies ist leider nicht hinreichend differenziert. Würde man zumindest einmal z. B. das Diagnoseschema von Otto Kernberg zugrunde legen, kämen solcherlei beliebige Texte gar nicht erst zustande. Ich weiß bereits als Laie, dass Charakterbildung, Neurosen und ein Teil der sog. Psychosen ihre Wurzel im intrafamiliären System haben, also sowohl Geschwister und im Besonderen die Eltern und Großeltern für das vom Patienten auszutragende Übel die Hauptursache sind. Man sollte sich daher von diesem Personenkreis eher fernhalten, wenn man tatsächlich wieder gesund werden will. Im Nachhinein ist es sicherlich nicht verkehrt, sich mit Angehörigen auszutauschen oder an die Wurzeln der Krankheit zu gehen, z. B. durch Aufstellungsarbeit. Erkenne Dich selbst!