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Gesundheit

Nach langem Abwärtstrend: Zahl der Organspender deutlich gestiegen

DPA Fast 1000 Menschen in Deutschland spendeten 2018 ihre Organe, das ist ein Plus von knapp 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Neue Gesetze sollen die Zahl noch weiter steigern.
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#1 - 11.01.2019, 17:26 von isar56

Wer sich näher mit dem Thema

beschäftigt, weiß:
der hirntote Patient wird beatmet, d.h. die Angehörigen verabschieden sich schnell und wenn die Atmung in Takt ist. Organe müssen zeitnah verpflanzt werden.
(natürlich besteht die Möglichkeit, nach der Organentnahme Abschied zu nehmen)
Das gesamte Blut muss aus dem Körper fließen. Niemand weiß mit Sicherheit wie tot hirntot ist.
Der Organempfänger hat einen langen Genesungsprozess vor sich und muss lebenslänglich massenweise krebsfördernde Medikamente einnehmen. Die Gefahr einer Abstoßung besteht immer.
Entscheide Jede/r selbst was mit seinem Körper geschehen soll. Überlassen wir diese unendlich schwere Entscheidung nicht der Familie.

#2 - 12.01.2019, 07:13 von Europa-Realist

Widerspruchs- statt Zustimmungslösung

Das ganze Dilemma mit den Organspendem liegt letztlich daran, dass es zu wenige passende Spenderorgane gibt.

Dieses Problem wird in einigen Jahren - erhisch-moralische Einwendungen hin oder her - dadurch gelöst sein, indem das passende Organ einfach genetisch fehlerfrei individuell nachgezüchtet wird.

Bis dahin bleibt ein Organ ein rares Gut. Die Situation würde sich aber deutlich entspannen, wenn Organe von Hirntoten generell entnommen werden dürften, es sei denn ein Widerspruch liegt vor. Auf diese Weise würde sich die Anzahl der Spender deutlich erhöhen. Bedenken, dass Organe bereits dann entnommen werden würden, wenn die medizinisch-rechtlichen Vorsaussetzungen für eine Organentnahme noch gar nicht vorliegen oder sonst „geschummelt“ würde liefen so ins Leere.

Klar kann man verfassungsrechtliche Bedenken vortragen, wenn auch ohne eine zuvor erteilte Zustimmung Organ entnommen werden könnten. Allerdings bestehen auch gute Argumente, warum insoweit möglicherweise tangierte Grundrechte doch eingeschränkt werden können. Bei der Widerspruchslösung hätte z.B. jeder die Möglichkeit, einen Widerspruch zentral (wie z.B. eine letztwillige Verfügung bei der Bundesnotarkammer in Berlin) zu hinterlegen.

#3 - 12.01.2019, 09:38 von Cailean

DieIdee einer häufigeren Konfrontation mit der Frage, z.B. bei der Ausstellung von Ausweisen, wie es die Baerbock und Kipping vorschlagen, erscheint mir eine gute Lösung. Allerdings nur, wenn es weiterhin die Option gibt, sich noch nicht festzulegen. Viele Menschen können oder wollen das eben nicht, das ist zu respektieren. Keine Entscheidung zu treffen ist eben auch die Entscheidung, nicht zu spenden. Das sollte jedem klar sein. Wenn dieseEntscheidung nicht mehr auf die Angehörigen verlagert werden kann, überlegen es sich manche vielleicht doch, einen Ausweis mit Zustimmung zu haben. Die Angehörigen sollten diese Entscheidung weder treffen müssen noch treffen dürfen.

#4 - 12.01.2019, 13:54 von nici_d

Verbleibender Rest?

Was ist den mit den "übrig gebliebenen" 660 Herzen, 303 Nieren, 176 Lebern etc. geschehen? Kann mir kaum vorstellen, dass die alle geschädigt waren.

#5 - 12.01.2019, 15:08 von JoachimThomas

"Deutlich"

Aha, 200 Spender mehr bedeutet also schon "deutlich". Aufgrund der Breite der Diskussion im letzten Jahr hätte man eigentlich mit mehr rechnen können. Angesichts von rund 900.000 Sterbefällen pro Jahr sind 1000 Spender also etwas mehr als 1 Promille. Daran kann man doch deutlich ablesen, wie die Menschen zu dem Thema stehen.

Angesichts des offensichtlichen Desinteresses der Bevölkerung, Profiteure mal ausgenommen, hoffe ich, dass alle Versuche des Staates Verfügungsgewalt über die Körper der Bürger zu erlangen, im Sande verlaufen.

#6 - 12.01.2019, 15:18 von imtheflyer

Hirntod

Zitat von isar56
Niemand weiß mit Sicherheit wie tot hirntot ist.
Diese Argumentation wird immer wieder von Organspende-Gegnern
ins Feld geführt, ergibt aber keinen Sinn, da es keine absolute,
objektive Definition von "Tod" gibt, an der man die Diagnose
"Hirntod" messen könnte. Argumentationen à la "Hirntote sind
nicht wirklich tot" sind Nonsens, da in der Aussage stets unklar bleibt,
was "wirklich tot" eigentlich bedeuten soll. Tatsache ist und bleibt,
dass der Hirntod eine Grenze markiert, ab der kein auch nur
annähernd bewusstes Denken / Empfinden mehr erkennbar ist und
nach der es auch kein Zurück dorthin mehr gibt (auch wenn manche
Horrorstories aus der Boulevardpresse Anderes behaupten).

#7 - 12.01.2019, 15:57 von Thomas Schröter

Und

Zitat von imtheflyer
...... objektive Definition von "Tod" gibt, an der man die Diagnose "Hirntod" messen könnte. ...... Tatsache ist und bleibt, dass der Hirntod eine Grenze markiert, ab der kein auch nur annähernd bewusstes Denken / Empfinden mehr erkennbar ist und nach der es auch kein Zurück dorthin mehr gibt....
Und wer entscheidet wie zuvrlässig was "erkennbar ist"?

Wie gut diagnostische Verfahren in der Medizin und die zugrundeliegenden Studien sind hat ja schon John Ioannidis viel beachtet diskutiert:

Warum sind die meisten Studien falsch, Herr Ioannidis?
https://www.zeit.de/2017/25/medizin-studien-forschung-fehler-pharmaindustrie-john-ioannidis

Solchen Quacksalbern mit unklarer Interessenlage möchte ich jedenfalls keinerlei Verfügungsgewalt über mein Leben eingeräumt wissen.
Pardon - aber aufgrund eigener Erfahrungen haben ich zu unserem Medizinbetrieb absolut keinerlei Vertrauen.

#8 - 12.01.2019, 16:30 von marcaurel1957

Ein Fortschritt, gewiss....

aber noch lange nicht genug.

Das Vorhaben von Spahn, die Widerspruchslösung einzuführen ist zu begrüßen und sollte so schnell wie möglich umgesetzt werden.

Hier geht es um das Leben vieler tausend Menschen, die erst leiden und dann sterben müssen, weil irgendwelche Heulsusen sich nicht festlegen möchten....das ist unakzeptabel!

Abgehsen davon, dass nur diejeinigen, die zur Organspende bereit sind, auch das Recht auf eine Spende haben sollten, ist es jedem Bürger zuzumuten sich zu entscheiden.

Was das Geschwätz über "keien Entscheidung" soll erschließt sich mir nicht!

"Ja" oder "Nein" ist so schwer nicht!

#9 - 12.01.2019, 17:05 von Thomas Schröter

Am Ende zählt der pekuniäre Wert der Organe

Zitat von marcaurel1957
aber noch lange nicht genug. Das Vorhaben von Spahn, die Widerspruchslösung einzuführen ist zu begrüßen und sollte so schnell wie möglich umgesetzt werden. Hier geht es um das Leben vieler tausend Menschen, die erst leiden und dann sterben müssen, weil irgendwelche Heulsusen sich nicht festlegen möchten....das ist unakzeptabel! Abgehsen davon, dass nur diejeinigen, die zur Organspende bereit sind, auch das Recht auf eine Spende haben sollten, ist es jedem Bürger zuzumuten sich zu entscheiden. Was das Geschwätz über "keien Entscheidung" soll erschließt sich mir nicht! "Ja" oder "Nein" ist so schwer nicht!
Habe an eigenen Familienmitgliedern erleben müssen wie Ärzte Menschen in den Tod treiben statt Altersdepressionen zu behandeln.
Es wird nicht wenige geben die mit leicht verfügbaren Organen Geschäfte machen wollen und über den Wunsch des womöglich Verstorbenen versehentlich hinwegsehen werden.
Tote haben selten Fürsprecher.
"Oh da haben wir versehentlich ein Organ entnommen her Richter - soll nicht wieder vorkommen - aber bei der Hektik und der Sorge um die viele Patienten passieren halt schon mal Fehler........"

In anderen Ländern züchtet man längst funktionsfähige komplexe und abstoßungsfreie Organe aus körpereigenen Zellen. In Deutschland gibt es wiedermal inkompetente Billiglösung. Neuland halt.

https://www.trendsderzukunft.de/nieren-aus-dem-reagenzglas-forscher-zuechten-miniatur-organ-aus-stammzellen/
https://www.scinexx.de/news/biowissen/nierenzellen-aus-dem-reagenzglas/

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