Schrift:
Ansicht Home:
Forum
Karriere

175.000 Datensätze ausgewertet: Ostdeutsche arbeiten länger - für weniger Lohn

Waltraud Grubitzsch / DPA Beschäftigte in Ostdeutschland verdienen laut einer Studie bei gleicher Qualifikation weniger als im Westen - und sie arbeiten länger. Zudem scheiterte die IG Metall an der Einführung einer 35-Stunden-Woche im Osten.
zum Artikel
Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion im Artikel.
    Seite 1/6    
#1 - 01.10.2019, 11:22 von so-long

56 Stunden

in 220 Arbeitstagen sind täglich ca. 15 Minuten Differenz; das liegt im Bereich der Messungenauigkeit. Ist das eine Tragik und ein ernsthaftes oder nur ein Luxusproblem?

#2 - 01.10.2019, 11:32 von Zaunsfeld

Natürlich wollen die meisten Arbeitgeber in Ostdeutschland keine höheren Löhne und Gehälter oder kürzere Arbeitszeiten.
Viele ostdeutsche Firmen gehören heute zu westdeutschen Konzernen. Die ostdeutschen Töchter dienen dabei hauptsächlich als billigere Werkbank. Das ist einfach so und hat seine Ursachen in der Übernahme der Betriebe nach Abwicklung durch die Treuhand. Zur Wahrheit gehören dabei 2 Seiten. Einerseits gäbe es viele dieser Betriebe heute gar nicht mehr, wenn nicht westdeutsche Konzerne sie übernommen und in das marktwirtschaftliche Wirtschaftssystem überführt hätten. Auf der anderen Seite hat man damit die Ostdeutschen quasi enteignet. Denn all diese Betriebe gehörten damals dem Volk als Ganzes. Man könnte theoretisch sogar ausrechnen, welcher Geldbetrag jedem einzelenn Ostdeutschen zugestanden hätte, als diese Betriebe entstaatlicht und an Privateigentümer übergeben wurden. Die meisten Betriebe wurden auch nicht verkauft, sondern verschenkt. Aber sei es drum. Das ganze hatte gute wie schlechte Seiten.
Aber dennoch ist geblieben, dass die ostdeutschen Mitarbeiter im gleichen Konzern heute immer noch wesentlich schlechter bezahlt werden als in den westdeutschen Niederlassungen, und das obwohl die Produktivität in den meist neu errichteten und modernisierten ostdeutschen Werken vergleichbar oder sogar höher ist als in den älteren westdeutschen Werken.

Aber die fehlende Bereitschaft, den ostdeutschen Mitarbeitern höhere Löhne zuzugestehen, egreicht vielen ostdeutschen Betrieben schon heute zum Nachteil. Denn viele Firmen finden für diese Löhne und Gehälter einfach keine Leute mehr. Die Demografie und die gute wirtschaftliche Gesamtsituation führen dazu, dass sich die meisten heute aussuchen können, wo sie arbeiten wollen. Firmen, die ihre Leute schlecht bezahlen und schlecht behandeln, fallen da natürlich hinten runter. Das haben aber genau diese Firmen noch nicht verstanden. Die meisten dieser Geschäftsführungen leben geistig noch in den 90er Jahren, wo man noch sagen konnte "Wenn's Dir hier nicht passt, dann geh doch woanders hin. Es stehen schon 10 andere vor dem Tor, die hier deinen Job machen wollen." Damals hat das funktioniert. Heute gehen die Leute wirklich. Und es steht kein einziger vor dem Tor, der den Job zu den Bedingungen übernehmen kann oder will. Aber das werden diese Firmen auch noch lernen. Dauert aber noch ein paar Jahre.

#3 - 01.10.2019, 11:51 von Robert Mitchum

Halbe "Wahrheit"

Hat die IG Metall auch die Nettokaufkraft der Löhne berücksichtigt? Weil die Mieten in vielen Teilen Ostdeutschlands sehr niedrig sind. Somit ist eigentlich das gehalt nach Abzug der typischen Miete zu betrachten. Dass der Lohn in Bautzen oder Posemuckel nicht der selbe ist wie Frankfurt oder München dürfte einleuchten. Weil 15€/qm warm was anderes ist als 7€. Die aus dem netto bezahlt werden. Bei 80qm und etwa 50% Abgaben aller Art aufs Brutto sind das monatlich etwa 1000€ brutto unterschied, also etwa 12k€ im Jahr.

#4 - 01.10.2019, 11:54 von nothhelfer

Was hat man wo zum Leben?

Die paar Prozent, die es in München mehr gibt als im Osten, werden doch überkompensiert durch die höheren Lebenshaltungskosten. Ohne diese in Betracht zu ziehen, ist der Vergleich der Gehälter total unsinnig.

#5 - 01.10.2019, 11:56 von mostly_harmless

Ziemlich banal: die Tarifbindung im Osten ist geringer als im Westen. Und die Ursache ist, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad im Osten niedriger ist als im Westen.
Oder anders gesagt: Der Abstand zum Westen hat seine Ursche NICHT darin, dass irgendwelche Leute besonders böse zu den Arbeitnehmern im Osten sind, sondern darin, dass die Arbeitnehmer im Osten zu geringeren Anteilen bereit sind, sich in einer Gewerkschaft zu engagieren.
Aber es ist halt einfacher, sich einen Sündenbock zu suchen als sich zu engagieren.

#6 - 01.10.2019, 12:06 von mynonys22

wäre auch echt unfair wenn im Osten das gleiche Geld verdient wird wie im Westen da die Lebenshaltungskosten im Osten um einiges günstiger sind kommt es unter dem Strich wohl zu keiner zu großen Differenz.

#7 - 01.10.2019, 12:18 von isi723

Das ewige Rumgejammer nerft!

Ich kann es langsam nicht mehr hören. 1. durch das ständige Ost/West - vergleichen wird ein vermeintlicher Unterschied oder das vermeintliche Abgehängtsein der Deutschen in den östlichen Ländern in den Köpfen zementiert. Ich halte es für prinzipielle falsch so zu differenzieren. Wenn schon denn bitte auch nach Nord / Süd usw. 2. Ist schon mal irgendjemand aufgefallen, dass im Süden jedes Brötchen mit aktuelle 50 Cent mehr kostet als im Norden , Osten oder Westen. Von Mieten oder Immobilien will ich gar nicht reden. Kann schon sein, dass man in Stuttgart oder München mindestens 1000€ mehr verdienen muss als im Mc Pomm um den gleichen Lebensstandard zu haben. 3. Die DDR war pleite und abgewirtschaftet. Jetzt nach der guten alten Zeit mit Vollbeschäftigung zu rufen ist ein Hohn. Dann bitte auch wieder die Hausfassaden mit "Erichs Lieblingsfarbe" in grau streichen und back to Trabbi.
Nur zur Info: Ich bin Wessi und mein Sohn hat u.a. in Leipzig studiert. Spätestens da war bei mir die deutsche Teilung beendet.

#8 - 01.10.2019, 12:32 von kai_lambeet

Zitat von Robert Mitchum
Hat die IG Metall auch die Nettokaufkraft der Löhne berücksichtigt? Weil die Mieten in vielen Teilen Ostdeutschlands sehr niedrig sind.
Ich kann es nicht mehr lesen, eigentlich ist das typisches Henne/Ei Prinzip. Die Mieten sind so niedrig, weil sich keiner mehr leisten kann der noch da ist, überall Leerstand herrscht und auch kaum einer kommen will, weil wenig Arbeitsplätze und auch wenig bis gar keine gut bezahlten Arbeitsplätze vorhanden sind. Gäbe es mehr Arbeit und auch gut bezahlte, dann würden die Mieten genauso steigen. So gehen alle lieber in die Westmetropolen - da sind die Firmensitze und die hohen Tarife und die freien Stellen(!). Selbst nach Abzug der Mieten, ist in den alten BL das verfügbare Nettoeinkommen noch deutlich höher - Preise für alles andere sind nahezu identisch.

#9 - 01.10.2019, 12:34 von migampe

Was auch dazu gehört:

Wer setzt sich für die Belange der Arbeitnehmer ein? Richtig: Die Gewerkschaften!
Wieviel Prozent der Arbeitnehmer sind gewerkschaftlich organisiert? Keine Ahnung, auf jeden Fall nicht 100%.
Und die allseits bekannte deutsche Meckermentalität lässt vermuten, daß gerade die, die am lautesten meckern auch nicht bereit sind einen Gewerkschaftsbeitrag zu zahlen.
Also quasi Schwarzfahrer!

    Seite 1/6