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Gerechtere Bezahlung von Frauen: Kaum jemand nutzt Entgelttransparenzgesetz

Getty Images Nur wenige Angestellte nutzen die gesetzliche Möglichkeit, ihre Bezahlung mit der ihrer Kollegen zu vergleichen - das zeigt eine Analyse des Familienministeriums. Woran liegt das?
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#1 - 10.07.2019, 10:55 von niobe78

Mythos Gender-Pay-Gap

Das die Auskunftsmöglichkeit nur selten genutzt wird, liegt vermutlich daran, dass das Gender-Pay-Gap lediglich ein Mythos ist bzw. wenn dann vermehrt in den (kleineren) Betrieben und Firmen besteht, auf die das Entgelttransparenzgesetz nicht anwendbar ist.
Als Mitarbeiterin einen großen deutschen DAX-Konzerns wird man kaum ein Gender-Pay-Gap beobachten können, da Frauen hier im Vergleich zu den männlichen Kollegen in der Regel überproportional gut gefördert werden, was zum einen die finanzielle Entwicklung, aber auch die Karriereentwicklung betrifft. Dies wird auch jeder Frau klar sein, da ja nun das ein oder andere Mal doch auch mit (ähnlich qualifizierten) Kollegen in ähnlicher Position oder auch mit dem eigenen Partner über Gehälter gesprochen wird, ohne dass es eines Entgelttransparenzgesetzes bedarf.
Dass trotz diverser Initiativen und Projekte Frauen in höheren Management-Positionen, sowie Vorständen und Aufsichtsräten unterrepräsentiert scheinen (und daher logischerweise weniger Frauen Vorstandsgehälter kassieren als Männer), liegt an der Einstellungspolitik der vergangenen Jahrzehnte (die wiederum auch nur die damalige Bewerber- und Absolventenlage widerspiegelt) und lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre aufholen.

#2 - 10.07.2019, 10:56 von varlex

Vielleicht

liegt es einfach daran, dass viele größere Betriebe sowieso nach irgendeinem Tarif zahlen und somit sowieso gleiche Bezahlung bei gleicher Eingruppierung vorliegt...

#3 - 10.07.2019, 10:58 von awes

Abstimmung im Kollegium

eine Freundin berichtete ernsthaft, dass im Tram darüber abgestimmt wurde, ob man einander die Gehälter offenlegt. Natürlich war einer dagegen und damit die Transparenz vom Tisch. Das ist zwar teamgerecht gedacht, aber so wird das mit der Durchsetzung des Gesetzes nichts. Mein Eindruck: die Möglichkeiten, die das Gesetz bietet und bereitstellt sind noch nicht gut genug verstanden.

#4 - 10.07.2019, 11:06 von PolitBarometer

Geht auch einfacher

Einfach den Kollegen oder die Kollegin bei passender Gelegenheit fragen, was er/sie so im Vergleich verdient.
Das ist keinesfalls strafbar und bereits seit 2003 höchstrichterlich (Bundearbeitsgericht) so festgestellt worden. Anderslautende Zusätze im Arbeitsvertrag oder mündliche Nebenabsprachen hierzu sind ungültig. Da kann also der Arbeitgeber noch so murren oder mit Kündigung drohen. Die einzigen, die einen echten Mauklkorb in der Sache haben sind HR und FiBu. Die dürfen "von Amts wegen" weder über die Gehälter von anderen, noch über ihr eigenes reden.

#5 - 10.07.2019, 11:25 von urbanism

ein Gesetz was in der Realität meistens ins Leere läuft

zum einen wird es daran liegen dass die Personalchefs blockieren und zum anderen wird es die eigene Angst davor sein, zu sehen was die gleichqualifizierten oder niedriger qualifizierten Kollegen, mehr verdienen. Denn was sollen den die Betroffenen machen wenn sie sehen dass sie weniger verdienen? Die Auseinandersetzung suchen oder den Arbeitgeber wechseln?
Letztendlich liegt es an jedem selbst, wie gut er sich verkauft gegenüber den Personalchefs und was er dadurch mehr bekommt als andere. Von daher ist es wieder ein Gesetz was in der Realität meistens ins Leere läuft

#6 - 10.07.2019, 11:29 von curly988

@niobe78 selbst wenn man Dinge wie längere Arbeitszeit etc. mit einbezieht gibt es einen gender pay gap - dass zeigt jede seriöse wissenschaftliche Forschung.

Das sich etwas an dem Unterschied ändert kann meiner Meinung nach allerdings nur erreicht werden , wenn der verkrampfte Umgang bezüglich Einkommen ändert. Wenn es die intimste Frage die man einem Menschen stellen kann ist " was verdienst du eigentlich?" dann wird sich nichts ändern. Weder im Bereich des gender gap, noch in der Solidarität von Angestellten untereinander.

#7 - 10.07.2019, 11:32 von eisbaer68

Wie hoch mein Gehalt ist

Zitat von awes
eine Freundin berichtete ernsthaft, dass im Tram darüber abgestimmt wurde, ob man einander die Gehälter offenlegt. Natürlich war einer dagegen und damit die Transparenz vom Tisch. Das ist zwar teamgerecht gedacht, aber so wird das mit der Durchsetzung des Gesetzes nichts. Mein Eindruck: die Möglichkeiten, die das Gesetz bietet und bereitstellt sind noch nicht gut genug verstanden.
und wem ich das dann alles sage, möchte ich schon noch selbst entscheiden. Das hat nichts mit einer Durchsetzung des Gesetzes zu tun. Große Firmen können sehr leicht eine anonyme Statistik nach Geschlecht, Sollvergütung, Istvergütung und Betriebszugehörigkeit erstellen. Das Gesetz sieht das aber so nicht vor. Die Politik ist mit ihrem Gesetz mal wieder völlig an den Interessen/Bedürfnissen der Bürger vorbei geschossen.

#8 - 10.07.2019, 11:45 von bert1966

Möglicherweise gibt es ein Definitionsproblem mit dem Begriff "gleichqualifiziert"?

#9 - 10.07.2019, 12:06 von großwolke

Nicht so, wie das Gesetz ihn abfragen lässt

Zitat von curly988
@niobe78 selbst wenn man Dinge wie längere Arbeitszeit etc. mit einbezieht gibt es einen gender pay gap - dass zeigt jede seriöse wissenschaftliche Forschung. Das sich etwas an dem Unterschied ändert kann meiner Meinung nach allerdings nur erreicht werden , wenn der verkrampfte Umgang bezüglich Einkommen ändert. Wenn es die intimste Frage die man einem Menschen stellen kann ist " was verdienst du eigentlich?" dann wird sich nichts ändern. Weder im Bereich des gender gap, noch in der Solidarität von Angestellten untereinander.
Es bleibt auch bei allem Herausrechnen eine kleine Lücke, soviel ist richtig. Nur kommt die in der Regel nicht daher, dass beim selben Arbeitgeber nach Geschlecht unterschieden wird, Im Gesetz geht es zwar um "vergleichbare Positionen", was das aber bedeutet, ist letztlich unklar. Was davon sicher abgedeckt wird, sind Positionen mit gleichem Job-Titel. Wenn man dann gegeneinanderhält, dass die bereinigte Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, je nach Quelle, in Deutschland zwischen 2 und 7 Prozent liegt und in 4 Prozent der Betriebe Auskunftsanträge gestellt wurden, dann könnte man fast schon behaupten, dass das Gesetz in dem Maß genutzt wird, wie Notwendigkeit besteht.

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