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Mein Leben als Headhunter: "Mütter sind praktisch nicht vermittelbar"

Getty Images Auf Partys wird er als "Drücker" bezeichnet, der Menschen zum Jobwechsel drängt: Hier erzählt ein Headhunter, wie seine Arbeit wirklich aussieht - und wer für ihn ein schwieriger Bewerber ist.
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#1 - 09.12.2018, 11:46 von Einhorn

Erstaunlich, dass man das hier laut sagen darf. Sonst wird ja überall mit Wonne der sogenannte Fachrkäftemangel propagiert und jeder, der keinen Job findet als Faulenzer dargestellt. Vielen Dank dafür.

#2 - 09.12.2018, 11:56 von flaffi

Sehr richtig

Die Aussagen über Mütter und Menschen über 50 kann man nur bestätigen. Da schaut die Politik nur weg oder lügt sich selbst und der Öffentlichkeit die Hucke voll.

#3 - 09.12.2018, 11:59 von werlesenkann

Stimmt bezgl. des angeblichen Fachkräftemangels

In diesem Punkt und zu den Schwierigkeiten für über 50-jährige gebe ich dem Headhunter völlig Recht. Nach über 50 Bewerbungen und ebenso vielen Absagen glaube ich auch, dass die Unternehmen, hier vor allem die Personaler, völlig unflexibel sind, wenn es darum geht, die Eignung für eine Stelle zu prüfen. Ich denke, viele Personaler, die oft so jung sind, dass sie meine Kinder sein könnten, haken nur die Liste der Stellenanforderungen gegen die Liste der Bewerber-Fähigkeiten ab. Wenn es nicht 100% übereinstimmt, fliegt der Bewerber raus. Dafür spricht auch, dass nach eine Absage die gleiche Stelle noch monatelang ausgeschrieben ist. Also, Personaler: die Flexibilität, die ihr immer von den Bewerbern fordert, solltet ihr erstmal selbst lernen und benutzen.

#4 - 09.12.2018, 12:00 von jo125

Gut gemeint

Was das Thema Mütter angeht, haben die gut meinenden Politiker viel versemmelt. Wer mit all diesen "Arbeitsschutz" Gesetzen wie Mutterschutz, Elternzeit etc. Sonderrechte schafft, schwächt die Attraktivität junger Frauen für Betriebe. Wenn ich an meine Schwester denke: Angestellt im öffentlichen Dienst, dreifache Mutter, eine Elternzeit nach der anderen - und die Stelle musste über lange Jahre für sie freigehalten werden! Kann man sich in der freien Wirtschaft nicht leisten, in einer Behörde aber scheint es nicht aufzufallen, wenn eine Stelle nicht besetzt ist. Wir sind im Mittelstand - und wenn ich jemanden einstelle, benötige ich auch dessen Arbeitskraft (sonst gäbe es die Stelle nicht). Wenn dann, kurz nach Ende der Probezeit die fröhliche Verkündigung der Schwangerschaft kommt - traumhaft. Was machen wir also? Wir stellen lieber junge Männer ein. Aber: Bei gut ausgebildeten Frauen geht der Trend zum Kinderkriegen deutlich zurück. Also nehmen wir für höhere Aufgaben auch wieder junge Frauen.

#5 - 09.12.2018, 12:06 von Aufklärung

Buch über die Branche

Wer sich vertieft mit dem Thema "Personalberatung" beschäftigen will, dem empfehle ich das Buch "Wanted!" von Dr. Matthias Kestler, ISBN 978-3-5935-0872-6.

#6 - 09.12.2018, 12:07 von Sibylle1969

Ich arbeite in der Softwarebranche und hatte schon viel mit Headhuntern zu tun. Im Schnitt bekomme ich 3 Headhunteranfragen pro Woche. Viele Headhunter haben vorher im Vertrieb gearbeitet, und das merkt man deutlich an der Arbeitsweise. Viele sind recht aufdringlich und hartnäckig und geben auch nicht auf, wenn man sagt, man habe kein Interesse. Besonders schlimm sind englische Headhunter, die in der Softwarebranche sehr viel in Deutschland unterwegs sind. Vorsicht ist immer angebracht, wenn Headhunter einem Firmen mit tollen Worten anpreisen, denn die Realität hält dem oft nicht stand. Ich habe aber auch viele gute Erfahrungen mit Headhuntern gemacht, viele meiner Jobs habe ich über sie gefunden, auch meinen aktuellen. Die Sache mit Müttern kann ich bestätigen: eine Freundin, auch in der IT-Branche, hat ein Kind und war einer beruflichen Veränderung nicht abgeneigt. Sie bekam auch regelmäßig Anfragen von Headhuntern. Beim Stichwort Mutter und Teilzeit waren die Gespräche aber immer sofort beendet. Es waren stets nur Vollzeitstellen zu besetzen.

#7 - 09.12.2018, 12:14 von simie

Zitat von jo125
Was das Thema Mütter angeht, haben die gut meinenden Politiker viel versemmelt. Wer mit all diesen "Arbeitsschutz" Gesetzen wie Mutterschutz, Elternzeit etc. Sonderrechte schafft, schwächt die Attraktivität junger Frauen für Betriebe. Wenn ich an meine Schwester denke: Angestellt im öffentlichen Dienst, dreifache Mutter, eine Elternzeit nach der anderen - und die Stelle musste über lange Jahre für sie freigehalten werden! Kann man sich in der freien Wirtschaft nicht leisten, in einer Behörde aber scheint es nicht aufzufallen, wenn eine Stelle nicht besetzt ist. Wir sind im Mittelstand - und wenn ich jemanden einstelle, benötige ich auch dessen Arbeitskraft (sonst gäbe es die Stelle nicht). Wenn dann, kurz nach Ende der Probezeit die fröhliche Verkündigung der Schwangerschaft kommt - traumhaft. Was machen wir also? Wir stellen lieber junge Männer ein. Aber: Bei gut ausgebildeten Frauen geht der Trend zum Kinderkriegen deutlich zurück. Also nehmen wir für höhere Aufgaben auch wieder junge Frauen.
Das Gegenteil ist richtig. Es fehlt an einer Sanktionierung der Unternehmen bei dem von ihnen beschriebenen Verhalten. Wenn solch asoziales Verhalten (ihr Unternehmen stellt laut ihrer Aussage ja generell keine Frauen ein) wie in ihrem Unternehmen, auch mit ausreichendem Sanktionen bedroht wäre, würde sich die Haltung ganz schnell ändern.

#8 - 09.12.2018, 12:22 von Einhorn

Zitat von werlesenkann
Ich denke, viele Personaler, die oft so jung sind, dass sie meine Kinder sein könnten, haken nur die Liste der Stellenanforderungen gegen die Liste der Bewerber-Fähigkeiten ab. Wenn es nicht 100% übereinstimmt, fliegt der Bewerber raus.
Viel amüsanter kann es werden, wenn Sie die Bedingungen erfüllen und dann ein Telefoninterview vereinbart wird. Ich (damals Mitte 40) konnte ich nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt mit jemandem über meine Abiturnoten gesprochen hatte ;-)

#9 - 09.12.2018, 12:23 von Nordstadtbewohner

Ein sehr ehrliches und zutreffendes Interview

Ich kann die wesentlichen Aussagen des Headhunters nur bestätigen. So viel Ehrlichkeit ist leider selten. Wir haben bei uns im Unternehmen auch viele Bewerber, die sich einfach maßlos überschätzen. Eine Personengruppe fehlt allerdings im Artikel: Die Generation 50+, meist mit Hochschulabschluss und etlichen Jahren Berufserfahrung. Die überschätzen sich auch maßlos, vor allem nach langjähriger Arbeitslosigkeit. Die haben oftmals Gehaltsvorstellungen, die jenseits der Realität liegen und extreme Schwierigkeiten, sich jüngeren Vorgesetzten unterzuordnen. Die kommen dann gerne mit Begriffen wie "Jungspund" oder "Jüngelchen" und merken dabei nicht, wie sehr sie aus der Zeit gefallen sind.

Und was die im Interview erwähnten Mütter angeht: Das liegt einfach an den gesetzlichen "Verbesserungen" wie Elternzeit, Elternteilzeit und ähnlichen Teilzeit-Konstrukten. Wer eine Führungsposition haben will, der muss Vollzeit arbeiten, egal ob nun Mann oder Frau. Das hat die Politik bis heute nicht verstanden.

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